Bismarck war einmal im Sommergarten zu Petersburg und traf dort
den Kaiser, mit dem er als immer gern gesehener Gesandter wenig
beschränkt verkehren konnte. Sie gingen eine Strecke miteinander
und kamen dabei an einen freien Rasenplatz, in dessen Mitte eine
Schildwache stand. Bismarck erlaubte sich die Frage, was die da
solle. Er wußte es nicht. Der Kaiser wandte sich an den Adjutanten,
der es aber auch nicht wußte. So fragen sie die Schildwache. Die
Schildwache sagt nur: =priks= — er brauchte hier das russische
Wort — es ist befohlen. Damit war uns ebensowenig geholfen, und
der Adjutant muß sich weiter erkundigen, auf der Wache beim
Offizier und dann weiter hinauf. Aber immer dieselbe Antwort: es
ist befohlen. Es wird in den Akten nachgesehen und nichts über
die Sache gefunden — es hat immer eine Schildwache dagestanden.
Endlich findet sich ein alter Lakai, der sich erinnert, daß sein
Vater, auch ein alter Lakai, ihm einmal gesagt habe, die Kaiserin
Katharina habe dort einst ein frühzeitiges Schneeglöckchen entdeckt
und Befehl gegeben, zu sorgen, daß es nicht abgepflückt werde. Man
wußte sich nicht besser zu helfen, als daß man eine Schildwache
dazu stellte, und das pflanzte sich fort.