Der Streit mit Rechberg

Mit dem Nachfolger des Grafen Thun, dem Grafen Rechberg, geriet

Herr von Bismarck wiederholt in Konflikte. Einmal in Rechbergs

Zimmer wurde der Streit so heftig, daß der Graf ausrief: »Ich

werde Ihnen meinen Sekundanten schicken.« »Wozu diese Umstände,«

erwiderte Bismarck, »Sie haben hier ja wohl Pistolen, dann machen

wir die Sache sogleich in Ihrem Garten ab. Während Sie das

Schießgerät zurechtmachen, schreibe ich einen Bericht über den

Handel, den ich eintretendenfalls nach Berlin zu schicken bitte.«

So geschah es. Als der Bericht geschrieben war, ersuchte Bismarck

den Grafen, die Richtigkeit zu prüfen. Rechberg las und sagte,

jetzt wieder kälteren Blutes, »es ist alles richtig — aber«, rief

er dann aus, »uns deshalb die Hälse zu brechen, wäre doch über die

Maßen töricht.« — »Ganz einverstanden«, schloß Bismarck. Etwas

später kam Rechberg zu Bismarck, um diesem in einer Wiener Depesche

den ihm erteilten Auftrag zu zeigen, in der nächsten Sitzung bei

einer wichtigen Frage ebenso wie Preußen zu stimmen. Bismarck

überflog das Schreiben und gab es mit den Worten zurück: hier ist

wohl ein Irrtum vorgefallen. Rechberg sah in das Blatt hinein,

erschrak, wurde blaß: es war ein vertraulicher Begleitbrief mit der

Weisung, zwar selbst für Preußen zu stimmen, aber alles zu tun,

um das gemeinsame Votum durch die übrigen Gesandten verwerfen zu

lassen. Er hatte die beiden Schreiben verwechselt. »Beruhigen Sie

sich,« sagte Bismarck, »Sie haben mir den Brief nicht geben wollen,

also haben Sie ihn mir nicht gegeben, also ist sein Inhalt mir

völlig unbekannt.« In der Tat hat er ihn nie nach Berlin berichtet,

um so mehr aber Rechbergs Vertrauen für alle Zeit gewonnen.

Bismarck in Geschichte, Karikatur und Anekdote · 第 86 / 334 题