Wie Bismarck eine Depesche absandte

Der Vertreter Hannovers hatte die Besorgnis, daß seine

Briefschaften durch »Konnivenz der Post« zur Kenntnis des

Bundestagspräsidiums gelangten, und richtete an seinen preußischen

Kollegen die Frage, wie er es anfange, seine Depeschen ungeöffnet

passieren zu lassen. Bismarck forderte ihn auf, einen Spaziergang

mit ihm zu machen, und führte ihn in eine entlegene Gasse,

wo nur kleine Leute und Gewerbetreibende der bescheidensten

Art ihre Wohnung hatten. Dort angelangt, zog er zum Erstaunen

seines Begleiters Handschuhe an und trat dann mit ihm in einen

Krämerladen. Hier fragte er den Heringsbändiger: »Habt Ihr hier

auch Seife?« — »Jawohl.« — »Welche Sorten?« — Der Kommis nannte

verschiedene und legte Bismarck einige Stücke vor, von denen dieser

ein besonders stark riechendes wählte und in seine Tasche gleiten

ließ. Dann fragte er nach Briefkuverten, und der Verkäufer legte

ihm einige solche der ordinärsten Art vor. Darauf zog Bismarck

eine Depesche aus der Brusttasche seines Rockes, steckte sie in

das Kuvert, forderte Tinte und Feder und fing an, die Adresse

zu schreiben. Aber mit den Handschuhen ging das nicht, er bat

daher den Krämerkommis, diese Arbeit für ihn zu besorgen, und

der junge Mann tat dies willig genug. Nun steckte Bismarck die

Depesche in die Tasche zu der Seife und sagte auf der Straße zu

dem Hannoveraner: »So, unter dieser Aufschrift und diesem aus den

Düften von Seife, Heringen, Talg und Käse zusammengesetzten Parfüm

sollen sie nun einmal meine Depesche herausschnüffeln!«

Bismarck in Geschichte, Karikatur und Anekdote · 第 84 / 334 题