Waldlichtung im Hochsommer]

Wer sodann glaubt, mit Stiefeln, die er am Abend vor dem Abmarsch in

der Hast gekauft hat, zum Ziele zu kommen, der kennt noch nichts von

der guten Behandlung, auf welche die Füße beim Wandern grundsätzlich

Anspruch machen. Sie wollen gut ausgetretene, aber doch noch gut

anliegende Schuhe haben, mit denen sie schon _vor_ der Wanderung ein

ungestörtes und angenehmes Verhältnis eingehen konnten, und sind auch

in bezug auf Socken und Strümpfe gar nicht bescheiden. Fünf Paar

wollene Socken von verschiedener Dicke, deren Fersen und Zehenstück

mit Salizyltalg eher zu reichlich als zu dürftig einzufetten ist, sind

das mindeste für den eisernen Bestand eines ehrlichen Wanderrucksacks.

Gelegentliches Waschen der Füße mit Ameisenspiritus oder ähnlichen

Hausmitteln ist ebenso zu empfehlen wie Massage. Für einen Unfug halte

ich das täglich häufige kalte Baden der Füße in jedem Waldbach wie

auch die täglichen heißen Fußbäder (wenn man nicht gerade herzleidend

ist). Schweißfüße sind nicht zu heilen. Für den Nebenmenschen und sich

selbst sind ihre unangenehmen Kennzeichen nur durch häufigen Wäsche-

und Schuhwechsel zu mildern. Das ist eine Forderung der einfachsten

Höflichkeit. Darin sind uns andere Völker, z. B. die Japaner, weit

überlegen. So störend die Nachsendungen durch die Post für einen

Wanderer, der auch dem Zufall sein Recht lassen will, sein mögen,

gelegentlicher Ganzersatz von Schuhen und Socken ist auf einer mehr

als zwei Wochen dauernden Wanderung _kein Luxus_, sondern _hygienische

Selbstverständlichkeit_. Denn die Schweißmengen, die ein Paar 14

Tage lang ohne Wechsel getragene Schuhe aufnehmen und die daraus

entstehenden Düfte sind ebenso ungesund als lästig.

Es ist seit einigen Jahren Mode geworden, auch einfache Wanderungen

im Mittelgebirge immer in den schwergenagelten, dicksohligen Schuhen

zu machen, die für den Alpinisten unentbehrlich, ja eine ~Conditio

sine qua non~ sind. Aber wenn man nur die ganz unnötig erhöhte

Arbeitsleistung infolge des großen Gewichts der Schwergenagelten in

Betracht zieht und ganz absieht von der größeren Bequemlichkeit eines

halbleichten Tourenstiefels, dann springt das Unsinnige dieser Mode in

die Augen.

»Aber es sieht eben schneidiger aus!« -- Ich kenne den Einwand und

weiß, was auch junge Männer opfermutig an Unbequemlichkeit ertragen

können um des »_Eindrucks_« willen. Aber diese ja so verständliche

und bei jedem wohl einmal auftretende Periode, wo man sich für den

Mittelpunkt der allgemeinen Aufmerksamkeit hält, leidet an der

genügsamen Einsichtslosigkeit aller Eitelkeit. Die Wanderer der

günstigsten Pose vergessen das eine, daß die »_Kenner_« ja lächeln

über solche Späße; um aber nur die Bewunderung der ahnungslosen

Gelegenheitsausflügler zu erregen, müßte doch der Stolz ein

wenig größer sein; ich meine den richtigen Stolz, das saubere

Selbstbewußtsein, dem _alle_ Mätzchen verächtlich sind.

Für »Damen« ist die erste richtige Wanderschaft fast immer der erste

harte Kursus, in welchem der Fuß sich für alte Sünden rächt und der

jungen Wandersmaid den richtigen Respekt vor den ihr nun einmal durch

Geburt oder Schicksal verliehenen Fußmaßen beibringt. Denn so viel man

wandernden Frauen und Jungfrauen sonst nachsagen mag, _den_ Vorwurf,

als lebten sie auf einem großen Fuß, kann man ihnen nie machen.

Gamaschen sind Geschmacks- und Modesache. Wer nicht anders zu können

glaubt, als in Gamaschen loszuziehen, der nehme dann wenigstens das

Beste, was auf diesem Gebiet existiert, die leichte, saubere, poröse

und verblüffend einfach zu bindende Wickelgamasche »Mars«.

Vom Essen und Trinken.

[Illustration: Phot. Ad. Saal.

Der Wanderer · 第 78 / 110 题