Offenem Lichtkreis, neuem Sonnejahr
Rollt steuernder Kiel der Erde entgegen.
Noch sind alle Segel von blutendem Abend rot;
Im Brackwasser ertrinkt in tausend Rubinen zerstäubter Komet.
Tief-Schlummernder bin ich,
Da scheucht erster Strahl den Alpdruck der engen Kabine.
Mitternächtiger Wintertraum unter Dächern des Schnees
Kleidet vergessene Spiegel mit jauchzendem Lenzgrün aus,
Tollt mit zerfetztem Haar im Glanz die Alleen entlang,
Jubelt im Birkenwipfel des Hügels ein harfenes Lied,
Sinkt als Frühtau mit kreisenden Himmeln die Kelche hinab.
Im Golfstrom des Lichtes saust glühende Erde empor.
Mit herzhafter Kraft umgürtet die Sonne das taumelnde Rund.
Ihr Licht trinkt die haftenden Dämpfe des Blutes hinweg,
Ihr heilender Atem saugt Pestgift und Brandhauch in sich.
Nun steig ich hinauf,
Letzte Wendeltreppen,
Schattenlabyrinthe hinauf!
Trunkener Aufstieg peitscht schon die tummelnden Wogen des Herzens
voraus.
Und ich stehe an höchstem Bord, auf fliegender Brücke am Steuerrad
Und winke die farbigen Vögel heran
Und winke Delphine heran
Und Fische mit silbernen Schuppen, mit güldenen Flossen
Und Haie und Wale und Robben und Rosse
Und alle geschäumten Wogen, die von den Polen schießen,
Und alle Sternbilder, auf schaukelnden Wassern an Bord gewiegt.
Der neue Mensch hält auf die Sonne zu.
Sein Herz umfaßt mit dem Strahlglanz den magischen Spiegel der Welt
Und jeglicher Atem strömt in den goldenen Becher zurück.
Mit ihm wird die Erde das fährliche Kap der Nächte umschiffen,
Krieg, Krankheit, Entzweiung, Verzweiflung umschiffen
Und Ekel der Wollust
Und Blutgier
Und Brunst.
Zermürbte Monde schon decken die Schädelstätte entfremdeter Nacht.
Träume versinken im Blachfeld der Not.
Alpdruck und Nachtmahr gurgeln im Sumpf hinab.
Denn offenem Lichtkreis, neuem Sonnejahr
Rollt steuernder Kiel der Erde entgegen.
All-Lebendes wandelt im Goldtau sein Herz
Und trägt es mir zu. Aus Palmenwipfeln
Wiegt sich fasanenbeschwingte Sehnsucht heran,
Aus Ranken der Beere dehnt es sich nah,
Zinnoberne Schnecken herkriechen auf silberner Spur.
Die Fahrt ist im Gang,
Die Erde im Brausen tönt selber Triumphgesang.
Folgt alle!
Ich steure die Arche auf goldener Flut!
Schon ist die Taube auf Wegen zu Gott voraus!