Kleine Medchen sin der reine Unnitz. Sie sin zu nichs zu gebrauchn wi
kleine Jungen. Eines is jetzt mit ihrer Mamma auf eine Woche bei uns.
Sie heißt Milly Dennis. Meine Mamma ferschprach mir ein Welozoped, wenn
ich braf bin so lang si hir sind. Ich will mich bemihn, so fest ich
kann.
Das is das sexte Mal das mir ein Welozoped ferschprochn worn is, wenn
ich braf bin un immer passihrt was, das ich es nich krieg. Man sagt
Unfelle kommen in den bestn Familjehn for un ich glaube unsre Familje
muß greßlich gut sein, weil bei uns immer was passihrt. Ich hoffe es
wird nichs forkommen, solang Milly hir is denn wenn ich ein Welozoped
hab, kann ich in einer Menute eine Meile weit sein un das is greßlich
fiel.
Ein Tag fon die siebn is langsam foriber gegangn. Wir schpiltn mit
einer Puppe, weil Milly ein weißes Kleid anhadte un ihre Mutter ihr
nich erlaubn wollte es zu zerknilln. Es wahr eine feine Tocke -- Flora
hiß sie -- beina so groß wi Milly selbs. Ich wollte gern wissn was ihre
Augn immer so auf- un zugehn macht un ich endekte daß es 2 Schtike
Blei auf einen Drat in Kopf drin wahrn, aber jetz is sie schieläugig
wi nur was, un Milly weinte, blos weil ich so ein nettes Loch in Kopf
obn gemacht hadte -- Medchen sin solche Kinder! Grad weil die Augn ein
bischn krumm sind!
Eimal ging sie Zucker holn damit wir Teegesellschaff schpiln kennen;
wi sie zurickkam lag eine greßliche Menge Sägschpehne am Teppich, die
aus Floras Magn herauskamen, weil ich sehn wollte womit sie so schreit.
Mamma sagt, ich muß ihr eine neie Puppe fir mein Geld kaufn un das is
wirklich gemein. Ich hab mirs auf einem Bogn un Feile geschpart. Ich
hab gehert, es sin keine wilde Truthehne in der Gegnd aber Herr Petus
iber der Schtraße hat eine Menge zahme un zum probihrn sin die gut
genug. Ich kennte in seinen Feld ferschtekt lign, bis ich zum Schuß
komm -- tote Truthehne erzehln keine Geschichtn.
Aber ich muß weiter erzehln. Theires Tagbuch mechstu glaubn, das mir
das das Herz schwer macht wofon ich geschribn hab? Mechstu glaubn ich
bin nich imschtand auch nur einem Tag fon die sibn ohne gewehnliches
Pech zuzubringn? Ich kann es nich ertragn, selbs dir die Gefihle
mitzuteiln die meinem Busn bedrickn, wi Lil in ihrem sagte. Aber ich
hab ferschprochn dir nichs zu ferschweign. Gut also, wir schpiltn
Teegesellschaff un Besuch bis es mir fad wahr un Milly war zohnig
weil ich sagte es is Medchengeschpil was es auch wahr un ich sagte zu
ihr: »Es is schon schpeht un unsre Leute wern filleich erst in einer
Schtunde nachmahln. Ich schlag for, wir schpiln fon armen Scharl Roß.«
Sie sagte, sie mechte es ganz gern. Mamma un Frau Dennis wahrn
zu Besuch gegangn, Elsbett half der Kechin Kuchn bakn, weil wir
Gesellschaff hadtn un es war nimand da, der mich dem armen Scharly
entführn sah, so nahm ich ihm -- das heißt sie -- in mein Zimmer un sie
zog ihr weißes Kleid aus un mein andern Anzug an, um ein Bub zu sein.
Dann nahm ich meinen Mahlkastn mischte ein bischen gebrannte Sjenna un
malte si wi wenn sie ein Neger wer, greßlich braun. Dann schlipfte sie
die Schtign henunter un ging hinaus auf dem Trottoar un ich schtekte
Bettys Schehre in der Tasche un zog meinen Eilwagn zum Forderthor un
wi ich bei ihr forbeikam, sagte ich: »Mechstu filleich ein bischen
ausfahrn, kleiner Junge?«
Un sie sagte: »Oh ja, ich danke, sehr gern,« un schtig ein.
Dann zog ich den Wagn so schnell ich laufn konnte bis wir aus den Ort
draußn auf einen ganz einsamen Platz warn.
»Schteig aus,« sagte ich, »ich muß dir dise lange Haare abschneidn,
damit sie dich nich mehr als ihrn kleinen Jungen widererkennen.«
»Mamma wird es nich gern habn, das du mein Haar abschneidst,« sagte sie
un das kleine Bibchen fing zu weinen an, aber ich schnidt ihr alle ganz
dicht bein Kopf ab, sons hädtn sie sie zu leicht wider erkannt.
Sie schrie un schrie, aber ich machte mich nichs hern, weil ich schpiln
wollte das sie ferlorn is. Es wahr ein triber Tag un es fing grad zu
regnen an. Es wahr ganz dunkl wi ich zuhause kam. Sie warn alle beim
nachmahln, der Kuchn wahr glasihrt und schaute ferlockend auf dem
hungrign Jungen.
»Oh da sin sie,« sagte Mamma un schaute ganz erleichtert aus. »Wo ist
Milly, Schorschi? Sag ihr sie soll zum Essn kommen un du komm auch. Es
is Platz fir beide.«
»Oh wir schpiln Scharl Roß un Milly is ferlorn.«
»Wo is sie ferlorn?« sagte Mamma un lechelte.
»Oh filleich eine Meile fon hir,« sagte ich un setzte mich zun Tisch.
Aber sie schprangen alle auf, wi wenn der Blitz eingeschlagn hedte un
es hadte doch nur grad ein bischen gedonnert.
»Schprichs du im Erns?« fragte Papa un pakte mich bei der Axl, das ich
glaubte ich muß schrein, so fest hilt er mich.
»Ja Papa. Wir wolltn es schpiln un sie wahr Scharly un ich war der
Kerl der ihm enfihrte un ich liß sie ein gutes Schtik fon hir schtehn,
damit man sie nich leicht findn kann. Ich bin jetz engslich weil es
regnet, wi mit Heigabln. Ich glaube wenn ihr ein Schtikchen auf der
Nordschtraße hinausgeht un in alle Zauneckn schaut, werdet ihr sie
gleich findn.«
Keiner außer mir aß auch nur einem Munfoll Nachmahl. Frau Dennis schlug
die Hende zusamm un sagte ihr Kind wird sich zu tod firchtn, sie
erschrekt so for Blitz un Donner un sie wirde dem Tod dafon habn, das
sie so durchneßt wird -- alles zusamm zehlte sie filleich ein Dutzen
Sachn auf fon di sie schterbn mißte, wenn man sie nich gleich findet.
Aber ich sah gar nich ein, das man so eiln muß, sie wahr doch nich fon
Zucker oder Saltz, aber ihre Mamma wahr greßlich aufgeregt.
»Du bist ein böser, Böser, BÖSER Junge,« sagte Susann, un riß mir den
Kuchn for der Nase fort wi ich mir ein Schtick nehmen wollte.
»Wi kanns du die Frecheit habn, dich hir ruig niderzusetzn, wenn der
armer kleiner Engl draußn ist in der kaltn kaltn Nacht! Was schaut da
aus deiner Tasche heraus, du kleiner Thunichgut?«
»Nichs, nur Millys Haar,« sagte ich. »Ich mußte ihrs abschneidn sons
hedtet ihr sie daran erkannt. Ihr mißt wissn, sie is ferkleidet. Ihr
dürft kein Medchn suchn, sondern einen Jungen, ihr Haar is so kurz un
sie is so sonnferbrannt, ihr werdet glaubn, sie is ein Westindejahner.
Wenn ihr einem kleinen zerlumptn Bubn begegnet mit meine alten Kleider
an, das ist sie.«
Frau Dennis setzte sich fest auf dem Platz nider, wo sie grad schtand.
Mamma schpritzte ihr Wasser im Gesicht un weinte selbs un Papa nahm
eine Laterne un Susi un filleich firzig fon die Nachbarsleite gingen
mit.
Das wahr mir eklhaff. So ein Lerm! Aber es war eigntlich schpaßig, ganz
wi wenn sie wirklich ferlorn gegangen wer -- so natirlich wi das Lebn.
Ich mußte mein Essn schtehn lassn un mit ihnen gehn um den Platz zu
zeign.
Es war wirklich schkandelös, wi sie fon mir redtn, wi wenn ich gar nich
dabei gewesn wer, un einer erzehlte den andern, das ich der schlechste
Bub bin, der nur je auf der Welt war un immer was anschtell. Ein Junge
kann gar nichs schpilln ohn Unrue zu machn, weil sie sagn ich thu es
mitfleiß un es is doch immer grad nur ein Zufall. Ich bin so gesorgt,
wi ich nur sein kann -- ich hädte es doch nich gethan, wenn ich gewußt
hädte, es is schlecht! Ob es mich filleich besser macht, wenn ich
zu Herrn Slokum geh un ihm bidte fir mich zu betn? Ich will ihm das
nechstemal fragn, wenn er zu Elsbett kommt.
Frau Dennis will morgn frih gleich nach dem Frihschtik wegfahrn »sie
kann meinem Anblik nicht fertragn«, sagt sie, weil es regnete wie
Milly ferlorn ging. Ich glaube das Haar wird ihr wider wachsn, wenn
es auch wirklich kurz abgschnittn is -- ich hab ihr ja nich dem Kopf
abgeschnittn!
Ich wurde auch naß, wi ich sie suchn ging, aber mich umarmtn un kißtn
sie nich, oder machtn mir heißn Tee mit einer Menge Zucker un gabn mir
kein Firsich un Krem oder lißn mich aufn Sofa lign, das ich di ganze
Gesellschaff sehn kann. Nein, mich jagtn sie in meinen Zimmer, wi wenn
ich ein Hund wer un Papa sagte er wird bald bei mir sein. Hm! Ich weiß
was das heißt. Ich werde mir aber eine Barrekahde baun, wi sie in Paris
gemacht habn, wi dort Krig wahr. Wenn sie mich erwischn, wird es nur
iber die Trimmer fom Waschkastn un Schreibtisch sein. Ich will leise in
der Schpeiskammer schleichn un mir Kuchn un eine kalte Zunge holn, dann
kann ich ganz gut eine Belagrung aushaltn.
Pst! mein Tagbuch! Alles is fertig zum Kampf! Der Proweant is
hereingebracht, di Thire ferschperrt, das Bedt dagegn geschtemmt, der
Schreibtisch aufn Bedt un ganz obn drauf der Schpigl.
So, jetz kommt Papa un klopft ich soll ihm heneinlassn. Ich will mich
so schtill haltn, wi klein David in der Höhle. Ich winsche irgnd eine
freindliche Schpinne mechte for meiner Thir ihr Netz machn, das der
Feind es siht un glaubt ich bin nich drin. Wenn er die Thir filleich
aufbricht, das mecht einen Krach gebn! Ich mechte wissn, wi lang man
fon einen großen Kuchn lebn kann. Es wirde ihnen ehnlich schaun, zu
sagn, wenn der Schpigl gebrochn wird, ich habs getan -- wirklich alles,
alles thut der böse Junge!
»Nach Regn kommt Sonnschein!« Drei Tage wahr alles finster -- jetz is
lauter Sonnschein -- Fride is beschlossn -- die Belagrung aufgehobn --
fir dismal is klein Schorschi der Siger. Sie sagtn, sie wirdn mich nich
berihrn, wenn ich heraus komm un ich wahr froh driber, denn der Hunger
nagte an meine Eingeweide un so wurdn di Mebl geredtet -- di Barrekahde
wurde fortgeräumt.
Frau Dennis is mit Milly nachaus gefahrn. Mitwoch un Donnerstag soll
bei unsern Kirchschpiel Jahrmark sein. Das is der Grund, warum sie so
angenehm sind -- sie brauchn meine Hilfe. Ich hadte heute Nacht Zahnwe
in meine Fiße, ich hab so fiel herum laufn missn.
Es wird ein sehr lustiges Fest wern. Susi hat verschprochn mir 10
Kartn fir di Drehorgl zu kaufn wenn ich braf bin, ihnen helfe un nichs
anschtell. Ich dreh so gern auf den Werkl! Ich kennt mir damit den
Lebensunterhalt ferdinen un meine Eltern nich mer zur Last falln. Wenn
ich ein Werkl un einem Affn hädte, mechte ich alle Idehn aufgebn ein
Bremser zu wern.
Der Jahrmark is enlich foriber.
Die Lichter vergliht
Die Blumen verbliht.
Der erster Abens ging wunderbar foriber. Nih hadt es einem bessern
Jungen gegebn. Ich hadte ein Knopflochbukeh un ferkaufte finfcent
Zigarrn um 20 Cent -- das wahr ein hibscher Profet, sagte Susi un sie
weiß das ich sechzig Schtik ferkaufte, wirklich ein gutes Geschefft.
Auch wahr ein junger Mann aus der Schtadt bei den Fest -- er glaubte
er is ein neier Robinson -- »König fon alles, was er erblikte« aber di
Medchen machtn sich nichs aus seiner Dummheit, weil er das Geld ausgab
wi Wasser un so lachtn sie sich in der Faust un lißn sich ihm aufblasn
wi ein Fau, schmeichltn ihm un krigtn ihm dran sibn Nadlpolster un
8 Teekesselhalter zu kaufn un noch eine Menge solche Sachn, di ein
junger Mann ni braucht. Ich glaube, meine Schwestern wundertn sich, wi
nitzlich sich klein Schorschi machn kann.
Der 2te Abens ferging auch ganz gut. Es wahr schon di hechste Zeit fir
mich die Orgl zu drehn -- ich konnte es nich mehr aushaltn. Es wahr
schon sehr schpeht un so sagte ich zu ein paar junge Damen: »Mechtn
sie filleich mein Schpringinkerl sehn?«
Sie sagtn »ja« un ich nahm es aus der Tasche un schtellte es auf dem
Tisch un heraus schprang eine Maus die ich nachmittag heneingeschtekt
hadte -- eine kleine, winzige unschulge Maus.
Ich frag dich, mein Tagbuch, war es meine Schuld, das sie aufschprangn,
dafon lifn un den Tisch umwarfn das die Lampe zerbrochn wurde un das
Petroljum iber alle Sachn rinnen machte? Warum erschrektn dise dummen
Medchen iber einer Maus? Wenn sie sich ferninftig benommen hedtn, wer
nichs passihrt. Sie leschtn es nich eimal aus, so wenig Besinnung hadtn
sie. Ein paar Leute filn fon der Schtige hinunter un sie drengtn un
quetschtn so, das ein paar beschedigt wurdn. Es wahr ein reines Wunder,
das kein Lebn ferlorn ging. Es tut mir leid, das der hibscher junger
Mann sich den Fuß gebrochn hat, er war in solche Eile daß er iber das
Gelender schprang -- das hette er doch nich zu tun brauchn.
Meine Schwestern habn sich die Kleider greßlich zerrißn. Sie hadtn nich
Zeit die Geldlade mitzunehmen un so gingen 250 Doller in Flammen auf.
Der Schade in der Schtadthalle sagt man is 3 tausend.
Medchen sin so dumm! wegn einer kleinen Maus!
[Illustration]
Schorschi Hacker -- das bin ich -- is natirlich wider an allen Schuld.
Die Birger fon unsern Ort wolln eine Petezjohn an Papa schreibn, mich
in einer Erziungsanschtald zu schikn. Herrn Müllers Geschefft fing
Feuer fon der Schtadthalle un brannte auch ab; aber es mechte mir nich
fiel dranlign wenn nich meine Handorgl mit ferbrannt wer, die ich hedte
drehn dirfn. Ich hadte 10 Kartn dazu. Sie schpilte mehre Schtike. Es
is eine greßliche Schande, sie so ferbrennen zu lassn -- dise Medchen
machn sich wirklich rein lecherlich!
-- Die Überraschungs-Gesellschaft
Papa wollte mich in ein Inschtetut gebn aber Mamma sagte: »Nein, er
wird so zurikgeschikt wern, also wozu?« weil die Birger habn wolltn,
ich soll fort gehn. Der hibscher junger Mann, der sich dem Fuß gebrochn
hat, kann wider ausgehn un das is sehr ergerlich weil mir die gutn
Sachn, die ihm meine Schwestern immer schicktn, sehr abgehn wern. Der
Mund wessert mir, wenn ich dran denke. Ehrwirdn Herr Slokum kann seine
Harfe schon auf dem Weidenbaum hengen, denn Betty erzehlte mir gestern
abens im fertraun, Elsbett is schterblich ferlibt in dem Schtadtjungn
un Betty ferschteht sich drauf -- sie weiß selbs wi das is. Sie hat
einem rothaarign Ferehrer, der so ausschaut, wi einer fon den Kirbissen
mit einer Kerze drin, mit denen ich sie immer schreke, wenn sehr
finster is. Ich glaube sie sollte nich dafor erschrekn -- sie sind das
follkommne Ebnbild fon ihren Ferehrer.
Herr Jenner, dessn Fuß wider gut is, wahr gestern abens hir, Elsbett
besuchn; er sagte er muß morgn in der Schtadt zurick, aber er wird
widerkommen. Elsbett wisplte mir zu, es ist schon Zeit zu Bedt zu gehn
un so sagte ich: »Gute Nacht Herr Jenner!« un ging so ruig henaus wi
ein Lamm, schlich aber dann zurik ins fordre Zimmer un legte mich
aufs Sofa, weil ich noch so wach wahr, wi ein Habich un herte Elsbett
sagn: »Bleibn sie bis Freitag Herr Jenner; Donnerstag soll eine
Iberraschungsgesellschaff feranschaltet wern un ohne sie wolln wir nich
gehn. Ich mechte den kleinen Schorschi nicht um der Welt hir habn --
ich firchte, er wirde wider was anschtelln -- das is der Grund, weshalb
ich es ihnen nich sagte, bis er zu Bedt war. Er soll bei Richter Bell
sein un wir werdn uns sehr gut unterhaltn.«
Er sagte, er wirde ihr zulib bleibn un drikte ihre Hand wi wenn sie
eine Oransche wer. Es muß wahr sein was Betty sagt, sie werdn gewiß
heiratn. Ich wollte eine Papirkugl auf ihnen schmeißn, aber ich dachte
es is besser wenn ichs nich thu, damit Elsbett nicht denkt ich hab fon
der Iberraschungsgesellschaff gehert un lag ganz ruig.
Er fragte sie, ob sie mit Herrn Slokum ferlobt is. Sie sagte sie wirde
ihm nich heiratn un wenn er der einziger Mann auf der Welt wer, weil
sie nich gut genug is fir die Frau fon einen Predger. Dann fragte er,
ob sie filleich gut genug is, um seine Frau zu wern? Ich weiß nich was
sie sagte, sie redete so leise, aber er aß sie beina auf, wie wenn si
fon Zucker wer un ich schlif ein.
Alles wahr finster, wi ich aufkam un ich schlich so leise hinauf
als ich konnte, aber die Schtige krachte un Papa schtirzte heraus un
feierte die Pestole ab. Die Kugl riß mir ein kleines Schtick fon meinen
rechtn Ohr henunter un machte mich di Treppn henunterfalln so das Papa
glaubte er hat dem Einbrecher erschossn. Er nahm die Lampe un Susi un
Elsbett schperrtn ihre Thirn zu un schrien inwendig un er un Mamma
kamen herunter wo ich ganz zusammgerollt lag un sie rif:
»Oh Gott es is unser liber kleiner Schorschi! Oh mein Sohn mein Sohn!«
Papa seifzte, wi wenn er getroffn gewesn wer, Mamma sah das Blut auf
meinen Gesicht un schrie: »Er is tot!«
Aber ich wahr nur ferwundet wi ein Soldat un schprang auf un sagte: »Es
is mir nichs geschehn« un dann hadte Mamma wider hesterische Kremfe.
Nein so was! Mein Ohr wurde ferbundn un ich wurde zubedt gelegt, wi es
schon licht war. Betty brachte mir mein Frihschtik aber nich eimal ihr
erzehlte ich fon der Iberraschungsgesellschaff.
Mamma weinte wider ein bischen, wi sie zu mir kam, um nachzusehn.
Ich quelte sie, bis sie mich aufschtehn liß. Wi ich angezogn wahr,
schlipfte ich unbemerkt henaus lif zu Richter Bell hiniber, fragte nach
Fräuln Anna un erzehlte ihr, es keme heut Abens eine große Gesellschaff
zu ihnen un sie sollte nur so iberrascht wi meglich sein. Sie lachte un
sagte, sie wollte -- sie war froh das ichs ihr erzehlte, weil sie jetz
ihre Haarwikl nich herausnehmen wollte bis abens un di Polsterdekn
aufbreitn un dem Medchen sagn sie soll unter den Bedtn herforkehrn.
Dann ging ich un ladete Frau Tuckins ein, die in Tagarbeit geht un
Willi Giles der Weichnwerter bei der Eisnbahn, is mit nur 1 Bein un
die Wittwe Robinson di immer unsre Kiche anschtreicht un die zwei
Grünmedchen die Schneiderinnen sind -- oh, eine ganze Menge Leute, wi
im neun Testerment schteht, das man einladn soll, wenn man Gesellschaff
gibt -- un sie warn alle froh un ferschprachn zu kommen un den ganzn
Tag nichs auszuplauschn.
Die Leute, di ich eingeladet hadte, kamen alle sehr zeitlich. Sie warn
früer da als alle andere un Richter Bell glaubte es is ein Auflauf weil
er ausgegangen wahr un Fräuln Anna war so zohnig, das sie ihren Hut
aufsetzte un fortging. Also nahm di Iberraschungsgesellschaff ihren
Kuchn un Krem un di Musik un kam damit zu uns heriber, wo sie sich sehr
gut unterhiltn.
Papa wahr greßlich ergerlich, weil er un Richter Bell Freinde sind.
Er wunderte sich, wer das wider angeschtellt hat. Aber ich dachte, es
is doch nich schön, das alle dise Leite weggehn mußtn ohne belegte
Buttersemmel oder Kuchn wi wir hadtn! Ich glaube es erzehlte ihm
jemand, das es Schorschi war, ders getan hat, weil er so scharf auf mir
schaute das ich dachte ich werd ein bischen in den Hof gehn un schaun
ob der Mond untergegangen is.
In den Hof war eine fremde Katze. Sie wahr weiß un schwarz geferbt. Ich
sagte: »Miez, miez, miez!« aber sie lief dafon. Es roch greßlich so
das ich es nich aushaltn konnte un ich ging deswegn henein. Die Leute
warn im Schpeiszimmer un nahmen grad Erfrischungen un so ging ich auch
henein. Sie schprangen auf un schrien wi wenn ich ein wildes Thir wer.
»Oh geh henaus, geh henaus!«
Die Dahmen nahmen ihre Taschnticher form Gesicht wi wenn sie Zahnwee
hädtn. Papa pakte mich bei der Schulter un fihrte mich henaus im
Schtall setzte mich auf einen Heihaufn un sagte ich soll dort bleibn
bis di Gesellschaff fort is.
Das wahr schreklich gemein. Ich herte die Musik schpiln aber ich hadte
noch gar nichs gegessn, es war kalt un finster da drin un so ein Geruch
das ich beina geschtorbn wär.
Betty kam nach einer Weile heraus un brachte mir ein Schtik Kuchn.
Wi sie das Thor aufmachte, scheinte der Mond herein, so das ich sehn
konnte wer er wahr.
»Betty, libe Betty,« sagte ich foller Freude, »da bin ich.«
»Oh,« sagte sie, »ich kennte dich mit der Nase findn, Schorschi un
wenns noch so finster wer!« un sie lachte, das sie beina zerplatzt wer.
Aber ich wahr nich zohnig, weil es so lib fon ihr wahr mir an disn
traurign Plaz etwas zu essn zu bringen.
Ich fragte sie ob sie bei mir bleibn will, aber sie hadte zufil zu
thun. Sie sagte sie wird mir so schnell sie nur kann mein andres Gewand
bringen. In einer halbe Schtunde filleich, brachte sie mirs un sagte
ich soll heneinkommen wenn ich angezogn bin.
Betty is ein fortreffliches Medchen, das muß ich wirklich sagn. Ich kam
ein bischen früer henein, befor di Gesellschaff ging.
»Du mußt mit fremde Katzn keine Freundschaff schlißn, Schorschi,« sagte
Dokter Moor.
Alle nektn mich. Herr Jenner fragte mich, ob ich mein Taschntuch mit
Eßbukeh eingeschpritzt hab?
Papa aber sagte ganz erns: »Schorschi hastu disem Gesindelpak gesagt,
zu Richter Bell heniberzukommen?«
Grad da, befor ich antwortn konnte, wahr draußn auf eimal ein
firchterlicher Schpektakl -- alte Hefndekl, Trompettn, Herner un
Feifen, genug um einem firs ganze Lebn taub zu machn. Alle schautn auf
mir, wi wenn ich der schuldiger Ferbrecher wer.
»Was is das schon wider?« schtehnte Mamma.
Dismal wahr aber mein Gewissn rein.
»Ich weiß nich Mamma, filleich is es eine Katznmusik?«
Nun weißt du, libes Tagbuch, ich hadte zu ein paar Kerle, di bein Depoh
warn, gesagt, sie bekommen Kuchn un Wein, wenn sie zu Richters gehn un
der Iberaschungsgesellschaff eine Saranahde machn, un si hadten dort
gehert es is in unsern Haus un warn deswegn heribergekommen. So ein
Narrnthurm, was sie machtn, hat di Welt noch nich gesehn -- es warn
filleich 3 Dutzen fon ihnen da. Wenn ich gewußt hedte, die Gesellschaff
wird zu uns kommen, hedte ich sie nich eingeladet. Dokter Moor ging
henaus, um die Leite zu beruigen, die grad wi lauter Teufl heiltn un
schrien un kam mit die Finger in die Ohrn wider herein.
»Sie werden ihnen etwas geben missn, um sie los zu werdn,« sagte er.
Mamma ging henaus, um Kuchen zu holn, aber die Gesellschaff hadte alles
aufgegessn un es wahr keine Zeit mehr, frischn zu bakn un ein Bursche
schmiß grad einen Schtein durchs Sallohnfenster -- sie brilltn noch
mehr -- es war mir sehr leid, das ich dise gemeinen Kerle etwas fon der
Saranahde gesagt hadte.
Dann sagte enlich Elsbett es were ein großer Fruchtkuchn draußn in der
Forratskammer fir das Dankfest un sie wirde ihm holn; also schikte Papa
den Kuchen un eine Menge Wein henaus mit einer Emfehlung un wi sie das
aufgegessn hadtn, schrien sie dreimal »Hurrah der kleiner Schorschi
soll lebn!« un wolltn nich eher fortgehn, bis ich eine Rede halte.
Ich war firchterlich erschrokn aber Papa sagte: »Du hast uns in
die Patsche gebracht, mein Junge -- jetz schau, wi du uns wider
herausbringst!«
Dr. Moor setzte mich also auf seiner Axl un trug mich henaus. Ich
fermute ich war blaß, aber wie sie anfingen zu lachn un zu kreischn
wurde ich zohnig un sagte ganz laut zu ihnen: »Mitbirger,« sagte ich,
wi ich fon Papa in der Schtadthalle gehert hab, »wir habn heite Abens 2
unerwartete Besuche zu unsere Iberaschungsgesellschaff gehabt -- Einer
kam im Hinterhof, es war ein Schtinkthir. Der anderer kam im Forderhof,
das war di Katznmusik. Ich weiß nich, welchen ich dafon liber hab.
Gute Nacht!«
[Illustration]
»Du wirst noch eines Tags ein Folksredner wern, mein Sohn,« sagte Papa,
wi sie so ruig weg gegangen warn wi Lemmer un lachte un lachte sofil,
bis er aufherte wegn der Geschichte bes zu sein mit mir, aber meine
beste Kleider sind runihrt, sie sind im Gartn begrabn ich kann morgn
nich in der Sontagsschule gehn. Es tut mir sehr leid, denn ich wollte
Harry Hauk mein Federmesser bringen, weil er mir die Gummilastieidekse
dafir gebn wollte, di er fon seiner Tante bekommen hat ich wollte Betty
erschrekn.
Nechste Woche is Dankfest. Ich hoffe un bete, meine Kleider solln dann
nich mehr begrabn sein, denn wir erwartn unsre ganze Ferwanschaff zum
Essn un iber nacht. Es wird sehr lustig sein. Dankfest is die beste
Zeit fom Jahr außer Weinach, das is noch besser. Kinder habn alle
Weinachtn so gern. Ich weiß etwas dafon, was nich wahr is, aber ich wer
es nich ferratn.
Man mechte gar nich glaubn was fir eine Menge gute Sachn in
Fleischpastehtn sind, wenn man sie ißt -- Fleisch, Äpfl, Fett,
Zibebn, Zitrohne, Liköhr, Muschkatnuß, Zimmt, Eierschaum -- in manche
auch Schnupftaback. Die Kechin liß mich zuschaun. Ich hadte die
Schnufftabackbixe fon Hansis Großmama di ich mir ausborgte ohne das
sies wußte. Es schaute greßlich genau wi Zimmt aus un ich schmiß den
ganzn henein wi di Kechinn in der Schpeise ging. Ich hoffe es is gut in
Pastehtn.
Oh, das wahr ein beschefftigter Tag! Elsbett nahm mich iber nachmittag
mit aufs Land. Es war ein Junge dort un eine Menge Nisse auf die Bäume
im Wald un Kihe. Wir klaubtn uns auf sofil wir wolltn. Er erzehlte mir
wi di Schlangen sich ein neues Gewand anzihn. Das is merkwirdig! Ich
hadte noch mein altes an, weil ich Nisse suchn ging un mein andres noch
eingegraben is. Eimal kann ich dich zumachn, mein Tagbuch ohne deine
Bledter mit einen traurigen Zufall zu beflekn. Sie sagtn ich bin ein
sehr brafes Kind.
Elsbett is in einen Bognschitzn-Klubb in unseren Ort. Si nahm ihren
Bogn un Feile mit um draußn zu schißn, weil dort sofil Plaz is. Wie sie
mid wahr, borgte ich un der andre Junge uns ihm aus.
Elsbett gab ihm uns, wenn wir nich auf das Haus zu oder auf etwas
lebendiges schißn wolln. Wir gingen auf der Weide un machtn ein Schtik
Zeitung auf einen dikn Baum fest anschtatt eine Zilscheibe; aber dise
ferfluchte Küe schpazirtn immer so herum un grad wenn wir auf dem
Zeitungspepir ziltn, waklte eine mit den Schweif un ging langsam bei
den Baum foriber wi wenn sie ferrikt wern, oder gar kein andrer Plaz
da zum Promenihrn. Zuletz traf einer fon di Feile die beste Ku fon dem
Jungen seinen Fater grad im Aug wi sie sich niderlegn wollte un sie
schtiß noch einmal aus un gab dem Geist auf.
[Illustration]
Ich firchte wenn die Kuh nicht zum Melkn im Schtall kommt, wird sein
Fater nicht mehr denkn Schorschi Hacker is so ein anschtänger kleiner
Kerl! Aber ich wollte es ja nich thun -- nein, wirklich nich! Ich zilte
auf keinem einzign Ding außer der Zeitung, un wenn dise dumme Kuh grad
foribergeht, wessn Schuld is es -- ihre oder meine? -- -- -- --