Ich wahr gestern 8 Jar alt un Mamma sagte zu mir: »Schorschi, was fir
ein Geburtstagspresennt mechstu gern habn?«
Ich sagte »ein Tagbuch«, weil alle meine große Schwestern eins habn un
ich dachte, das ich auch schon groß genug dazu bin. Also kaufte Mamma
mir eins. Weil ichs aber ganz richtig anfangn wollt', schlich ich
henauf in Lilys Zimmer und wollte ein bischen aus ihren henausschreibn,
aber sie hat es in ihrn Schreibtisch eingeschperrt un ich brauchte
greßlich fiel Zeit einen Schlissl der dazu paßt zu suchn. Wi ich enlich
einen gefundn hadte un Lil grad zu Besuch aus war, setzte ich mich
nieder un schrib eine Seite ab, so gut als ich konnte.
Ich hab drei Schwestern, die alle ein Tagbuch habn, in das sie jedn
Abens heneinschreibn, wenn sie sich die Haare henuntergenommen un in
der Lade heneingelegt habn, außer die welche sie eingewiklt habn. Heute
Abens also kommt Herr Willi Schmidt, so ein großer heßlicher alter
Junggesell, der beina jeden abens zu Lil auf Besuch kommt un iber dem
meine Schwestern immer hinter seinen Rickn lachn un ich bin grad in'
Sallohn mit mein' Tagbuch un er fragt mich was ich bekommen hab un
gibt mir ein Schtick Kandeszucker un ich zeig' ihm mein' Tagbuch un er
list es laut for zu Lil un Elsbett die sehr fein aufgeputzt grad in
Zimmer warn: »Ich winsche, der alter Willi Schmidt mechte liber zuhaus
bleibn. Am Sonntag abens war er wider da. Ich werde ihm nie un nie un
nimmermehr auch nur ein bißchen lib habn, aber Mamma sagt, er is reich
un ich muß ihm annehmen, wenn er um mich anhelt. Oh wi grausam is es
mich zu so einen falschn Schpiel zu feranlassen! Es scheint, als ob
mir das Herz brechn mißte. Was fir schreklich große rote Hende er nur
hat un er kann fon nichs andern schprechn, als wifiel Häuser er hat un
seine Krawatte is fon greßlicher Geschmacklosigkeit. Ich winschte er
wirde wegbleibn un dem Ding ein Ende machn. Wi er letztn Sonntag abens
fortging wollte er mich kissn aber ich mechte ebnsogern einen Krebs
kissn wi ihm. O er is so ferschidn fon meinen sißn, sißn Montague de
Jones. O warum is Montague nur ein armer Beamter! Ich kann dises Elend
nich lenger mehr ertragn. Montague is eifersichtig un macht mir die
bitterste Vorwirfe. O was fir ein Betrug is dises Lebn! Ich bin es mid.«
Lil krisch die ganze Zeit un wollte es packn, aber Herr Schmidt hilt es
in der Hehe un las das ganze; dann sagte er zu mir: was schreibst du
solchn Unsinn? aber ich sagte es is kein Unsinn, es is aus Lils Tagbuch
un ich glaube Lil weiß genug, um sich eins zu haltn -- und er nimmt
seinen Hut un Schtock und Elsbett sagt zu mir: »Da has du wider was
schönes angerichtet, Schorschi!«
Lil wollte mich packn, aber ich bickte mich un lif weg.
Ich hab noch keinen Jungen so leicht in der Patsche kommen gesehn, wi
ich. Die ganze Familje is zornig auf mir und sagt ich hab die Heirat
hintergetribn un sie um gute hunderttausend Doller gebracht, aber ich
seh nich ein, wiso ich schuld sein soll -- blos weil ich ein paar Zeiln
aus Lils Tagbuch abgeschribn hab?
Eins is sicher -- das ibrige fon disn Buch wird fon meiner eigner
Erfindung sein, gut oder schlecht. Mir ekln di Narrnsachn in dise
Medchentagbicher.
Heit war so ein Lerm deswegn zuhaus, das ich gar nich sah, wi ich mein
Essn krign soll, so ging ich fischn. Es war nich trib, so wolltn sie
nich anbeißn. Ein Mann kommt forbei un sagt: »Was angebissn, Sehnchen?«
Ich winsche, die Leite mechtn mich nich Sehnchen rufn -- es macht mich
withend. Deswegen schrie ich: »Ferdammter Fisch!«