ANMERKUNGEN

1 Man vergleiche zu dem Folgenden Macaulay’s geistvolle Abhandlung

„Macchiavelli“ in Möllenhoffs gewandter Uebersetzung (Univ.-Bibl.

Nr. 1183).

2 Wir besitzen darüber hinreichend befriedigende Quellen.

_Macchiavelli’s florentinische Geschichte_ schließt zwar schon mit

1492, aber seine übrigen Werke enthalten auch einzelne Züge zur

Beurtheilung der folgenden Begebenheiten. Neben _Guicciardini’s

italienischer Geschichte_ haben wir eine Menge florentinischer

Geschichtsbücher. Außer dem fleißigen Benedetto _Varchi_, der eine

vollständige und ausführliche Erzählung aller Begebenheiten, an

denen er Anfangs selbst Antheil genommen, aus den besten Quellen,

welche ihm von allen Seiten eröffnet wurden, zusammengetragen hat,

und der Geschichte des ehrlichen _Nardi_, die vorzüglich wegen der

Nachrichten von dem schwärmerischen Demagogen Savonarola merkwürdig

ist, sind noch ein paar Werke vorhanden, in deren Verfassern man den

Geist wahrer Staatsmänner nicht verkennen kann. Bernardo _Segni_,

ein Schwestersohn des Niccolo Capponi, welcher während der Jahre

1527 und 1528, bei dem letzten Versuche, die Republik herzustellen,

Haupt des Staats und Anführer derer war, die eine auf Gerechtigkeit

und Billigkeit gegründete Verfassung einzuführen wünschten, und

Filippo _de Nerli_, ein verständiger Freund republikanischer

Freiheit, und genauer Bekannter der Männer welche früher im Jahre

1522 einen vergeblichen Versuch machten, eine Republik herzustellen,

und deren vornehmster Rathgeber Macchiavelli war. Nerli schloß sich

nachmals im Gedränge des demokratischen Fanatismus an die Medici an,

die allein Schutz gegen die Wuth des erhitzten Pöbels geben konnten,

und ward zuletzt unter den Herzögen Senator. Sein Werk enthält die

besten Anzeigen und treffendsten Beurteilungen der so oft

veränderten Verfassung. Die Erzählung geht bis 1555.

_ 3 Memorie Storico-Critiche della Città di Siena, che servono alla

vita civile di Pandolfo Petrucci dal 1480 al 1512. da Gio. Ant.

Pecci, Patrizio Sienese. Siena 1755._

4 Diese wenigen Nachrichten finden sich in der Geschichte Filippo de’

Nerli’s, welcher alle genannten Personen und besonders den

Macchiavelli genau gekannt hatte, und der Partei selbst wohlwollte.

5 Varchi, Geschichte von Florenz. Sie war also bekannt. Schon dieser

Umstand spricht gegen die Vermuthung, daß das Buch nur ein geheimer

Rathgeber des Fürsten habe sein sollen, dem es zugeeignet ist.

Außerdem aber ist der Ton des Buchs vom Fürsten mit dieser Ansicht

nicht zu vereinigen. Zu einem solchen Zwecke hätte der Verfasser

doch bestimmte Anwendungen auf die Verhältnisse des Augenblicks

machen, und Maßregeln gegen die Mitwerber um die Herrschaft von

Italien und gegen einzelne Staaten angeben müssen: und dazu wäre

Macchiavelli sehr geschickt gewesen, wie seine Berichte an die

florentinische Regierung während seiner häufigen Gesandtschaften

beweisen Aber das Buch vom Fürsten hat ganz den Charakter eines

literarischen Kunstwerks. Als ein solches übertrifft es nicht allein

Alles, was damit verglichen werden könnte, sondern auch die übrigen

Schriften des Verfassers selbst. Und ein solches Meisterstück sollte

er nicht für die Welt bestimmt haben?! – – – –

6 Fünfzig solcher Männer machte er zu Staatsräthen mit hohem Range und

hoher Besoldung, wofür sie sich um Nichts bekümmern durften –

angenehme Sinecuren, wie sie ähnlich noch heute im gelobten Preußen

einige evangelische Domherren haben, die für einen Jahresgehalt von

ca. 36,000 Mark einmal jährlich eine Quittung unterschreiben und ein

opulentes Frühstück verzehren müssen! –

_ 7 Gaultier de Brienne_, der als Erbe eines Kreuzfahrers den Titel

Herzog von Athen führte.

8 Die erste Veranlassung zu der berühmten Verschwörung der Pazzi gegen

die Medici lag in der Heirath eines Pazzi mit einer reichen Erbin,

welcher man ihr Erbrecht unter dem Vorwande zweifelhafter Gesetze,

in der That aber dem Lorenzo von Medici zu Gefallen entzog, um die

Familie seines Gegners zu entkräften.

9 Man behauptet zwar, das Buch sei 1515 gedruckt, also nicht allein

bei Lebzeiten des Verfassers, sondern sogar auch des Lorenzo, dem es

dedicirt ist. Allein der Herausgeber einer vollständigen Sammlung

aller Werke des Macchiavelli (Florenz, 1782, in 6 Quartbänden),

behauptet, Niemand habe den angeblichen Druck gesehen; der erste sei

vom Jahre 1532, wo Giunti es mit Privileg des Papstes edirte.

10 Ueber die Widmung vgl. Möllenhoff, Macaulay’s kritische Aufsätze,

Bd. 2, Macchiavelli, (Univ.-Bibl. No. 1183) S. 49.

Macchiavellis Buch vom Fürsten · 第 27 / 32 题