Wenn alles bisher Ausgeführte gut beobachtet wird, so wird ein neuer Fürst
einem alten gleich und wird geschwind so sicher und fest in seiner
Herrschaft, als wenn er darin aufgewachsen wäre. Denn die Handlungen eines
neuen Fürsten werden weit mehr beachtet, als eines Erbfürsten. Erkennt man
darin große Vorzüge, so gewinnt dieses die Menschen, und er erwirbt sich
eine größere Anhänglichkeit, als ein altes Geschlecht; denn die Menschen
sind viel mehr mit dem Gegenwärtigen, als mit vergangenen Dingen
beschäftigt; befinden sie sich wohl, so sind sie damit zufrieden und
verlangen nichts Anderes, nehmen auch ernstlich die Partei des Fürsten,
wenn er nur sich selbst nicht im Stiche läßt. Auf diese Art erwirbt er
doppelten Ruhm, indem er eine neue Herrschaft gegründet, zu Ehren
gebracht, mit guten Gesetzen, tüchtiger Kriegsmacht, Freunden und gutem
Beispiel für Andre versehen hat. Dagegen trifft doppelte Schande den
Fürsten, der eine alte Herrschaft durch Unverstand verliert. Wenn man aber
die Geschichte derjenigen italienischen Fürsten betrachtet, welche zu
unsrer Zeit ihre Staaten verloren haben, wie den König von Neapel, den
Herzog von Mailand und Andre; so wird man zuerst einen gemeinsamen Fehler
finden, in den sie hinsichtlich der Kriegsmacht gefallen sind: aus den
oben aus einander gesetzten Ursachen. Ferner wird man finden, daß einer
oder der andere von ihnen das Volk zum Feinde gehabt, oder wenn er das
Volk zum Freunde hatte, sich der Großen nicht versichern konnte. Ohne
solche Fehler geht keine Herrschaft verloren, welche mächtig genug ist,
ein Heer ins Feld stellen zu können. Philipp von Macedonien, nicht der
Vater Alexanders des Großen, sondern derjenige, welchen Titus Quintius
überwand, hatte keinen großen Staat im Vergleich mit den Römern und
Griechen, die ihn angriffen; dennoch hielt er es manches Jahr mit ihnen
aus, weil er kriegerischen Geist hatte, das Volk zu behandeln verstand und
sich der Großen zu versichern wußte. Wenn er auch eine und die andre Stadt
verlor, so behauptete er sich doch in seinem Königreiche. Unsre Fürsten,
welche eine lange Jahre hindurch besessene Herrschaft verloren haben,
mögen also nur nicht das Schicksal anklagen, sondern ihre eigne Feigheit;
denn wenn sie in ruhigen Zeiten nie darauf gedacht haben, daß diese sich
ändern können – der gewöhnliche Fehler der Menschen, bei gutem Wetter
nicht an den Sturm zu denken – und alsdann, wenn schlimme Umstände
eintreten, nicht darauf denken, sich zu vertheidigen, sondern entfliehen
und hoffen, daß die Völker sie aus Ueberdruß der Sieger wieder zurückrufen
sollen; so ist das ganz gut, wenn gar kein andrer Weg eingeschlagen werden
kann: aber es ist sehr übel, andre Wege zu vernachlässigen und diesen
vorzuziehen. Kein Mensch wird je muthwillig fallen, in Hoffnung, daß ein
Andrer ihm wieder aufhelfen werde. Mag das nun wirklich geschehen oder
nicht, so ist es immer höchst unsicher. Es hängt nicht von uns ab und ist
ein niedriges Mittel. Nur diejenige Vertheidigung ist gut, sicher,
dauerhaft, welche von uns selbst und unsrer eignen Tapferkeit abhängt.