Bei der Betrachtung der Beschaffenheiten aller dieser Herrschaften kommt
es noch darauf an, ob ein Fürst so viel vermag, daß er sich selbst im
Falle der Noth vertheidigen kann, oder ob er dazu fremder Hilfe bedarf. Um
dieses deutlicher zu machen, sage ich, daß diejenigen ihre Herrschaften
selbst zu behaupten vermögen, welche Menschen oder Geld genug besitzen, um
eine zureichende Armee aufzustellen, und demjenigen, der sie angreift,
eine Schlacht zu liefern. Dahingegen bedürfen diejenigen allezeit fremder
Hilfe, welche nicht gegen den Feind in das Feld rücken können, sondern
genöthigt sind, sich hinter ihre Mauern zurück zu ziehen, um nur diese zu
vertheidigen. Vom ersten dieser Fälle ist bereits oben geredet, und wird
in der Folge noch Mehreres vorkommen. Im zweiten Falle kann man dem
Fürsten nichts Anderes rathen, als seine Stadt zu befestigen, und das Land
preiszugeben. Wer seine Stadt wohl befestigt und sich gegen Nachbarn und
eigne Unterthanen so betragen hat, wie hier oben angerathen ist, und ich
ferner anrathen werde, der wird auch nicht leichtsinnig angegriffen
werden, weil Niemand gern Dinge unternimmt, die Schwierigkeiten haben; und
es so leicht nicht ist, den anzugreifen, der wohl befestigt ist, und seine
eignen Unterthanen zu Freunden hat. Die deutschen Städte haben große
Freiheiten, wenig Territorium, gehorchen dem Kaiser so viel sie Lust
haben, und fürchten weder dieses noch irgend eines andern Benachbarten
Macht, weil sie auf solche Art befestigt sind, daß jeder wohl fühlen muß,
wie schwierig und langweilig es ist, sie zu erobern: sie haben nämlich
Wall und Graben, Geschütz in zureichender Menge, Lebensmittel und Holz zur
Feuerung, auf ein Jahr in Vorrath. Außerdem haben sie die Veranstaltung,
das Volk, ohne Nachtheil des Gemeinwesens, auf ein Jahr in dem Gewerbe,
wovon die kleinen Bürger leben, beschäftigen zu können, um ihm seinen
Unterhalt zu verschaffen. Auch halten sie die Kriegs-Uebungen in Ehren,
und haben dazu mancherlei Anordnungen. Der Fürst, der eine Festung
besitzt, und bei seinem Volke nicht verhaßt ist, kann nicht angegriffen
werden: und würde er es, so müßte der Feind mit Schanden abziehen; denn
die Zufälle sind in dieser Welt so mannichfaltig, daß es beinahe unmöglich
ist, ein ganzes Jahr das Feld zu halten, um ihn zu belagern. Und wenn man
etwa antwortete, daß das Volk, welches seine Besitzungen draußen hat und
selbige verheeren sieht, es überdrüssig werden und seinen Fürsten
verläugnen wird, so antworte ich, daß ein mächtiger und entschlossener
Fürst diese Schwierigkeiten stets überwinden wird; indem er bei seinen
Unterthanen bald die Hoffnung erregt, es werde nicht lange mehr währen,
bald Furcht vor der Grausamkeit des Feindes einflößt, endlich auch sich
auf eine geschickte Art derer versichert, welche ihm zu dreist scheinen.
Außerdem ist der Feind genöthigt, damit anzufangen, das Land mit Feuer und
Schwert zu verheeren, während die Bürger noch guten Muth und Lust zur
Verteidigung haben. Der Fürst darf daher um so weniger Anstand nehmen:
denn wenn die Gemüther sich abkühlen, so ist der Schade schon geschehen;
es ist vergeblich, darüber zu klagen und die Menschen werden sich desto
enger mit dem Fürsten vereinigen, für den sie ihre Habe und Gut
preisgegeben haben, wofür er ihnen Dank schuldig ist. Der menschlichen
Natur ist es gemäß, sich durch das Gute, was man Andern erzeigt, eben
sowol zu verbinden, als durch das, was man empfängt. Wenn man dieses Alles
erwägt, so wird man finden, daß es einem Fürsten nicht schwer ist, die
Gemüther seiner Unterthanen bei einer Belagerung festzuhalten, wenn er nur
Lebens- und Vertheidigungsmittel genug hat.