»Wohin führst du uns?«
»Ich führe niemanden,« sagte er, »alle führt Gott.«
Bei diesen Worten blieb er stehen, und ich sah, daß sich vor uns eine
niedrige Mauer mit einem Tor erhob, und in dem Tor ein kleines Pförtchen
angebracht war. Der Alte begann daran zu klopfen und rief: »Bruder
Miron! Bruder Miron!«
Aber von drinnen antwortet unwirsch eine grobe Stimme:
»Wieder hast du dich nachts herumgetrieben. Bleib im Wald zu Nacht! Ich
lasse dich nicht herein!«
Doch der kleine Greis begann zu flehen und freundlich zu bitten:
»Laß ein, Bruder!«
Plötzlich riß der Grobian von innen die Türe auf, und ich sah einen
Menschen in der gleichen Kutte, wie sie der Alte trug, vor mir. Er war
ein roher Kerl, und kaum hatte der Alte die Füße über die Schwelle
gesetzt, als jener ihm einen Stoß versetzte, daß er beinahe zur Erde
gefallen wäre. Aber er sagte:
»Segne dich Gott, mein Bruder, für diesen Dienst.«
»Heiland«, denke ich mir, »wohin sind wir geraten!«
Und plötzlich erleuchtet und entsetzt es mich wie ein Blitz:
»Gott sei mir gnädig! Wenn es nur nicht Pamwa, der zornlose Einsiedler
ist. Dann wäre es besser gewesen, ich wäre im dunklen Wald umgekommen
oder hätte mir bei einem wilden Tier oder einem Räuber ein Lager
gesucht, als unter diesem Dache!«
Kaum hatte er uns in seine kleine Hütte hineingeführt und ein gelbes
Wachslicht angezündet, als ich schon erriet, daß wir uns wirklich in
einer Waldeinsiedelei befanden. Und ich kann mich nicht mehr beherrschen
und frage:
»Verzeih mir, gottesfürchtiger Mann, wenn ich dich frage, ob es sich für
mich und meinen Gefährten geziemt, hier zu bleiben, wohin du uns geführt
hast?«
Er aber antwortet:
»Gottes ist die ganze Erde, und gesegnet sind alle Lebenden. -- Lege
dich hin und schlafe!«
»Nein«, erwidere ich, »erlaube, daß ich dir sage: wir gehören dem alten
Glauben an.«
»Wir sind alle vom Leibe Christi, er umfängt uns alle.«
Und damit führt er uns in einen Winkel, wo auf dem Boden eine dürftige
Lagerstatt aus Matten hergerichtet ist und am Kopfende ein mit Stroh
bedeckter Holzklotz liegt, und sagt zu uns beiden: »Schlaft!«
Mein Lewontij legt sich als gehorsamer Junge gleich hin, während ich
meine Vorsicht beibehalte und frage:
»Verzeih, Mann Gottes, noch eine Frage ...«