Lisette. Oh, Ihre untertänige Magd, mein Herr Vogt! (Sie nimmt.)

Martin Krumm. Was eine silberne Dose nicht kann!--Könnte ein

Ohrwürmchen geschmeidiger sein?

Lisette. Ist es eine silberne Dose?

Martin Krumm. Wann's keine silberne wäre, so würde sie Martin Krumm

nicht haben.

Lisette. Ist es nicht erlaubt, sie zu besehn?

Martin Krumm. Ja, aber nur in meinen Händen.

Lisette. Die Fasson ist vortrefflich.

Martin Krumm. Ja, sie wiegt ganzer fünf Lot.

Lisette. Nur der Fasson wegen möchte ich so ein Döschen haben.

Martin Krumm. Wenn ich sie zusammenschmelzen lasse, steht Ihnen die

Fasson davon zu Dienste.

Lisette. Sie sind allzu gütig!--Es ist ohne Zweifel ein Geschenk?

Martin Krumm. Ja, sie kostet mir nicht einen Heller.

Lisette. Wahrhaftig, so ein Geschenk könnte ein Frauenzimmer recht

verblenden! Sie können Ihr Glück damit machen, Herr Vogt. Ich

wenigstens würde mich, wenn man mich mit silbernen Dosen anfiele, sehr

schlecht verteidigen können. Mit so einer Dose hätte ein Liebhaber

gegen mich gewonnen Spiel.

Martin Krumm. Ich versteh's, ich versteh's!

Lisette. Da sie Ihnen so nichts kostet, wollte ich Ihnen raten, Herr

Vogt, sich eine gute Freundin damit zu machen--

Martin Krumm. Ich versteh's, ich versteh's!-Lisette (schmeichelnd).

Wollten Sie mir sie wohl schenken?--

Martin Krumm. O um Verzeihung!--Man gibt die silbernen Dosen jetzt

nicht mehr, so in den Tag hinein, weg. Und glaubt Sie denn, Jungfer

Lisette, daß ich so verlegen mit der meinigen bin? Ich werde schon

noch einen ehrlichen Mann dazu finden, ehe ich sie vor die Säue werfe.

Lisette. Hat man jemals eine dümmre Grobheit gefunden!--Ein Herz

einer Schnupftabaksdose gleich zu schätzen?

Die Juden Ein Lustspiel in einem Aufzuge verfertiget im Jahre 1749. · 第 26 / 48 题