Der Reisende. Ihr seid ein ehrlicher Mann--

Martin Krumm. Das bin ich! Und mit der Ehrlichkeit kömmt man immer

auch am weitesten.

Der Reisende. Es ist mir kein geringes Vergnügen, daß ich mir, durch

eine so kleine Gefälligkeit, so viel rechtschaffne Leute verbindlich

gemacht habe. Ihre Erkenntlichkeit ist eine überflüssige Belohnung

dessen, was ich getan habe. Die allgemeine Menschenliebe verband mich

darzu. Es war meine Schuldigkeit; und ich müßte zufrieden sein, wenn

man es auch für nichts anders, als dafür, angesehen hätte. Ihr seid

allzu gütig, ihr lieben Leute, daß ihr euch dafür bei mir bedanket,

was ihr mir, ohne Zweifel, mit ebenso vielem Eifer würdet erwiesen

haben, wenn ich mich in ähnlicher Gefahr befunden hätte. Kann ich

Euch sonst worin dienen, mein Freund?

Martin Krumm. Oh! mit dem Dienen, mein Herr, will ich Sie nicht

beschweren. Ich habe meinen Knecht, der mich bedienen muß, wann's

nötig ist. Aber--wissen möcht ich wohl gern, wie es doch dabei

zugegangen wäre? Wo war's denn? Waren's viel Spitzbuben? Wollten

sie unsern guten Herrn gar ums Leben bringen, oder wollten sie ihm nur

sein Geld abnehmen? Es wäre doch wohl eins besser gewesen, als das

andre.

Der Reisende. Ich will Euch mit wenigem den ganzen Verlauf erzählen.

Es mag ohngefähr eine Stunde von hier sein, wo die Räuber Euren Herrn,

in einem hohlen Wege, angefallen hatten. Ich reisete eben diesen Weg,

und sein ängstliches Schreien um Hülfe bewog mich, daß ich nebst

meinem Bedienten eilends herzuritt.

Martin Krumm. Ei! ei!

Die Juden Ein Lustspiel in einem Aufzuge verfertiget im Jahre 1749. · 第 5 / 48 题