Brandeis fuhr herum ...
Cäcilie stand an der Tür. »Fritz ... warum kommst du denn nicht zu mir
hinein ... Fritz --?«
»Ich ... schlaf auf dem Sofa ... hier draußen ... oder ist es dir
lieber, wenn ich schon heut abend ... fortgeh --? hier ... das alles
... gehört ja dir ...«
»Fritz! nein -- nein ... alles ist dein -- dein ganz allein ... ich
auch, Fritz -- ich auch --!!«
Fünftes Kapitel.
Das rheinische Armeekorps biwakierte gegen den markierten Feind.
Der Spätsommerabend überdeckte mit sammetnen Fittichen das gewaltige
Bergplateau des Hunsrücks zwischen Idarwald und Hochwald.
Und in die Nacht hinein in endloser Reihe loderten die Lagerfeuer
weithin über die endlose Ebene. Überall feierten die Mannschaften das
lustige Fest des Löffelbegrabens:
Die Leute des zweiten Jahrgangs, die unmittelbar nach Manöverschluß
in die Heimat entlassen werden würden, schmückten, Kompagnie für
Kompagnie, einen mächtigen Baum mit Strohschleifen, und ein jeder
hängte vom Inhalt seines Tornisters hinein, was nun ausgedient
hatte, seinen Eßlöffel, seine abgewetzte Stiefelbürste, Putzlappen,
Knopfgabeln ...
Die wunderliche Trophäe wurde unter derben Soldatenspäßen und
unablässigem Absingen des Reserveliedes durch das Lager getragen und
schließlich mit Hallo und Kinderjubel in die Glut des Biwakfeuers
versenkt.
Heimatstimmung ... Heimkehrseligkeit überall ...
Heimkehrseligkeit --?!
Leutnant Flamberg saß mit Carstanjen und dem Fahnenjunker vorm
Offizierszelt der ersten Kompagnie.
Ihren Kapitän hatte die Königliche Erste heut nur von weitem zu Gesicht
bekommen, wenn die kleine Kavalkade vorübersprengte, über welcher die
diagonal geteilte schwarz-weiß-rote Standarte der Brigade flatterte.
Und Martin Flamberg hatte den ganzen Tag darauf geharrt, daß Major von
Sassenbach, der Vorsitzende des Ehrenrats, ihn zitieren würde ...
Dabei trug er einen Brief in der Brusttasche seines Dienstrocks, einen
Brief vom Samstag, der nur das eine Wort erhielt:
»~Über-über-übermorgen~ --!!!!!«
Gott im Himmel! ... dort in der Ferne harrte seiner die sehnende Braut
... und er ... er wartete auf den Befehl, sich zu verantworten, weil er
das Weib eines andern berührt ...
Wohl war es ein Abschiedskuß gewesen ... aber er würde mit seinem Leben
dafür einzustehen haben ...
Das hatte an seinen Nerven gerissen den ganzen Tag ... hatte wie
mit Keulen immerfort auf seinen Schädel eingedroschen, bis er ganz
stumpfsinnig und apathisch geworden war ...
Nur der Soldat in ihm, der hatte funktioniert ... mechanisch ...
unfehlbar sicher ...
Obwohl er zu Fuß war, hatte er seine Kompagnie ganz anständig durch die
Wechselfälle des heißen Marsch-, Gefechts- und Biwaktages geführt. Und
Major von Sassenbach hatte ihm mehrfach aufmunternd zugenickt: »Ich
werde Ihnen eine ganz passable Konduite schreiben können, Flamberg --!«
Was hatte der Major nur heute? -- Er war den ganzen Tag so merkwürdig
vergnügt --?
Durch Martins Herz aber zog immerfort das Erinnern jener wenigen
furchtbaren Sekunden, in denen er dem Manne gegenübergestanden, dem er
das tiefste Leid seines Lebens zugefügt:
»Ich stehe zu Ihrer Verfügung, Herr Hauptmann ...!«
»Sie werden morgen von mir hören!«
Keine laute Szene -- kein wildes Wort der Wut -- des Grimms.
Ein paar eisig korrekte, formelhafte Wendungen -- und doch in jeder
Silbe der unsühnbare Haß -- die Feindschaft bis aufs Messer -- der
Racheschrei -- die Todesdrohung!