Als sie keine Untreu bei dem Berner fand, 2003

Alsobald gelobte sie Blödeln in die Hand

Eine weite Landschaft, die Nudung einst besaß;

Hernach erschlug ihn Dankwart, daß er der Gabe gar vergaß.

Sie sprach: "Du sollst mir helfen, Bruder Blödelein. 2004

Hier in diesem Hause sind die Feinde mein,

Die Siegfrieden schlugen, meinen lieben Mann:

Wer mir das rächen hülfe, dem war ich immer unterthan."

Zur Antwort gab ihr Blödel, der ihr zur Seite saß: 2005

"Ich darf euern Freunden nicht zeigen solchen Haß,

Weil sie mein Bruder Etzel so gerne leiden mag:

Wenn ich sie bestünde, der König säh es mir nicht nach."

"Nicht also, Herr Blödel, ich bin dir immer hold: 2006

Ich gebe dir zum Lohne mein Silber und mein Gold

Und eine schöne Witwe, Nudungens Weib:

So magst du immer kosen ihren minniglichen Leib.

"Das Land zu den Burgen, Alles geb ich dir, 2007

So lebst du, theurer Ritter, in Freuden stäts mit ihr,

Wenn du die Mark gewinnest, die Nudung einst besaß.

Was ich dir hier gelobe, mit Treuen leist ich dir das."

Als Blödel bieten hörte des Lohnes also viel 2008

Und ihrer Schöne willen die Frau ihm wohlgefiel,

Im Kampf verdienen wollt er das minnigliche Weib.

Da muste dieser Recke verlieren Leben und Leib.

Er sprach zu der Königin: "Geht wieder in den Saal. 2009

Eh man es inne werde, erheb ich großen Schall.

Hagen muß es büßen, was er euch hat gethan:

Ich bring euch gebunden König Gunthers Unterthan."

"Nun waffnet euch," sprach Blödel, "ihr all in meinem Lehn, 2010

Wir wollen zu den Feinden in die Herberge gehn.

Mir will es nicht erlaßen König Etzels Weib:

Wir Helden müßen alle verwagen Leben und Leib."

Als den Degen Blödel entließ die Königin, 2011

Daß er den Streit begänne, zu Tische gieng sie hin

Mit Etzeln dem Könige und manchem Unterthan.

Sie hatte schlimme Räthe wider die Gäste gethan.

Wie sie zu Tische giengen, das will ich euch sagen: 2012

Man sah reiche Könige die Krone vor ihr tragen;

Manchen hohen Fürsten und viel der werthen Degen

Sah man großer Demuth vor der Königin pflegen.

Der König wies den Gästen die Sitze überall, 2013

Den Höchsten und den Besten neben sich im Saal.

Den Christen und den Heiden die Kost er unterschied;

Man gab die Fülle beiden, wie es der weise König rieth.

In der Herberge aß ihr Ingesind: 2014

Von Truchsäßen ward es da allein bedient;

Die hatten es zu speisen großen Fleiß gepflogen.

Die Bewirtung und die Freude ward bald mit Jammer aufgewogen.

Da nicht anders konnte erhoben sein der Streit, 2015

Kriemhilden lag im Herzen begraben altes Leid,

Da ließ sie zu den Tischen tragen Etzels Sohn:

Wie könnt ein Weib aus Rache wohl entsetzlicher thun?

Da kamen vier gegangen aus Etzels Ingesind 2016

Und brachten Ortlieben, das junge Königskind,

Den Fürsten an die Tafel, wo auch Hagen saß.

Das Kind must ersterben durch seinen mordlichen Haß.

Als der reiche König seinen Sohn ersah, 2017

Zu seiner Frauen Brüdern gütlich sprach er da:

"Nun schaut, meine Freunde, das ist mein einzig Kind

Und das eurer Schwester, von dem ihr Frommen einst gewinnt.

"Geräth er nach dem Stamme, er wird ein starker Mann, 2018

Reich dazu und edel, kühn und wohlgethan.

Erleb ich es, ich geb ihm zwölf reicher Könge Land:

So thut euch wohl noch Dienste des jungen Ortliebens Hand.

"Darum bät ich gerne euch, lieben Freunde mein, 2019

Wenn ihr heimwärts reitet wieder an den Rhein,

Daß ihr dann mit euch nehmet eurer Schwester Kind;

Und seid auch dem Knaben immer gnädig gesinnt.

"Erzieht ihn nach Ehren, bis er geräth zum Mann: 2020

Hat euch in den Landen Jemand ein Leid gethan,

So hilft er euch es rächen, erwuchs ihm erst der Leib."

Die Rede hörte Kriemhild mit an, König Etzels Weib.

"Ihm sollten wohl vertrauen alle diese Degen, 2021

Wenn er zum Mann erwüchse," sprach Hagen entgegen;

"Doch ist der junge König so schwächlich anzusehn:

Man soll mich selten schauen nach Hof zu Ortlieben gehn."

Der König blickt' auf Hagen; die Rede war ihm leid. 2022

Wenn er auch nichts erwiederte, der König allbereit,

Es betrübt' ihn in der Seele und beschwert' ihm den Muth.

Da waren Hagens Sinne zu keiner Kurzweile gut.

Es schmerzte wie den König sein fürstlich Ingesind, 2023

Was Hagen da gesprochen hatte von dem Kind.

Daß sie's vertragen sollten, gieng ihnen allen nah;

Noch konnten sie nicht wißen, was von dem Recken bald geschah.

Gar Manche, die es hörten und ihm trugen Groll, 2024

Hätten ihn gern bestanden; der König selber wohl,

Wenn er mit Ehren dürfte: so käm der Held in Noth.

Bald that ihm Hagen Aergeres, er schlug ihn ihm vor Augen todt.

* * * * *

Zweiunddreißigstes Abenteuer.

Wie Blödel mit Dankwart in der Herberge Stritt.

Blödels Recken standen gerüstet allzumal. 2025

In tausend Halsbergen erreichten sie den Saal,

Wo Dankwart mit den Knechten an den Tischen saß.

Da hob sich unter Helden der allergrimmigste Haß.

Als der Degen Blödel vor die Tische gieng, 2026

Dankwart der Marschall ihn freundlich empfieng:

"Willkommen hier im Hause, mein Herr Blödelein:

Mich wundert euer Kommen: sagt, was soll die Märe sein?"

"Du brauchst mich nicht zu grüßen," sprach da Blödelein, 2027

"Denn dieses mein Kommen muß dein Ende sein

Um Hagen deinen Bruder, der Siegfrieden schlug.

Des entgiltst du bei den Heunen und andre Helden genug."

"Nicht doch, mein Herr Blödel," sprach da Dankwart, 2028

"So möchte sehr uns reuen zu Hofe diese Fahrt.

Ich war ein Kind, als Siegfried Leben ließ und Leib:

Nicht weiß ich, was mir wolle dem König Etzel sein Weib."

"Ich weiß dir von der Märe nicht mehr zu sagen; 2029

Es thatens deine Freunde, Gunther und Hagen.

Nun wehrt euch, ihr Armen, ihr könnt nicht länger leben,

Ihr müßt mit dem Tode hier ein Pfand Kriemhilden geben."

"Wollt ihrs nicht laßen?" sprach da Dankwart, 2030

"So gereut mich meines Flehens: hätt ich das gespart!"

Der schnelle kühne Degen von dem Tische sprang,

Eine scharfe Waffe zog er, die war gewaltig und lang.

Damit schlug er Blödeln einen schwinden Schwertesschlag, 2031

Daß ihm das Haupt im Helme vor den Füßen lag.

"Das sei die Morgengabe," sprach der schnelle Degen,

"Zu Nudungens Witwe, die du mit Minne solltest pflegen.

"Vermähle man sie morgen einem andern Mann: 2032

Will er den Brautschatz, wird ihm wie dir gethan."

Ein getreuer Heune hatt ihm das hinterbracht,

Wie die Königstochter auf ihr Verderben gedacht.

Da sahen Blödels Mannen, ihr Herr sei erschlagen; 2033

Das wollten sie den Gästen länger nicht vertragen.

Mit aufgehobnen Schwertern auf die Knappen ein

Drangen sie mit Ingrimm: das muste Manchen gereun.

Laut rief da Dankwart all die Knappen an: 2034

"Ihr seht wohl, edle Knechte, es ist um uns gethan,

Nun wehrt euch, ihr Armen, wie euch zwingt die Noth,

Daß ihr ohen Schanden erliegt in wehrlichem Tod."

Die nicht Schwerter hatten, die griffen vor die Bank, 2035

Vom Boden aufzuheben manchen Schemel lang.

Die Burgundenknechte wollten nichts vertragen:

Mit schweren Stühlen sah man starker Beulen viel geschlagen.

Wie grimm die armen Knappen sich wehrten in dem Strauß! 2036

Sie trieben zu dem Hause die Gewaffneten hinaus:

Fünfhundert oder drüber erlagen drin dem Tod.

Da war das Ingesinde vom Blute naß und auch roth.

Diese schwere Botschaft drang in kurzer Zeit 2037

Zu König Etzels Recken: ihnen wars grimmig leid,

Daß mit seinen Mannen Blödel den Tod gewann;

Das hatte Hagens Bruder mit den Knechten gethan.

Eh es vernahm der König, stand schon ein Heunenheer 2038

In hohem Zorn gerüstet, zweitausend oder mehr.

Sie giengen zu den Knechten, es muste nun so sein,

Und ließen des Gesindes darin nicht Einen gedeihn.

Die Ungetreuen brachten vors Haus ein mächtig Heer. 2039

Die landlosen Knechte standen wohl zu Wehr.

Was half da Kraft und Kühnheit? sie fanden doch den Tod.

Darnach in kurzer Weile hob sich noch grimmere Noth.

Nun mögt ihr Wunder hören und Ungeheures sagen: 2040

Neuntausend Knechte lagen todt geschlagen,

Darüber zwölf Ritter in Dankwartens Lehn.

Man sah ihn weltalleine noch bei seinen Feinden stehn.

Der Lärm war beschwichtigt, das Tosen eingestellt. 2041

Ueber die Achsel blickte Dankwart der Held:

Er sprach: "O weh der Freunde, die ich fallen sah!

Nun steh ich leider einsam unter meinen Feinden da."

Die Schwerter fielen heftig auf des Einen Leib: 2042

Das muste bald beweinen manches Helden Weib.

Den Schild rückt' er höher, der Riemen ward gesenkt:

Mit rothem Blute sah man noch manchen Harnisch getränkt.

"O weh mir dieses Leides!" sprach Aldrianens Kind. 2043

"Nun weicht, Heunenrecken, und laßt mich an den Wind,

Daß die Lüfte kühlen mich sturmmüden Mann."

Da drang er auf die Thüre unter Schlägen herrlich an.

Als der Streitmüde aus dem Hause sprang, 2044

Wie manches Schwert von Neuem auf seinem Helm erklang!

Die nicht gesehen hatten die Wunder seiner Hand,

Die sprangen da entgegen dem aus Burgundenland.

"Nun wollte Gott," sprach Dankwart, "daß mir ein Bote käm, 2045

Durch den mein Bruder Hagen Kunde vernähm,

Daß ich vor diesen Recken steh in solcher Noth.

Der hülfe mir von hinnen oder fände selbst den Tod."

Da sprachen Heunenrecken: "Der Bote must Du sein, 2046

Wenn wir todt dich tragen vor den Bruder dein.

Dann sieht erst sein Herzeleid Gunthers Unterthan.

Du hast dem König Etzel hier großen Schaden gethan."

Er sprach: "Nun laßt das Dräuen und weicht zurück von mir, 2047

Sonst netz ich noch Manchem mit Blut den Harnisch hier.

Ich will die Märe selber hin zu Hofe tragen

Und will meinen Herren meinen großen Kummer klagen."

Er verleidete so sehr sich dem Volk in Etzels Lehn, 2048

Daß sie ihn mit Schwertern nicht wagten zu bestehn:

Da schoßen sie der Spere so viel ihm in den Rand,

Er must ihn seiner Schwere wegen laßen aus der Hand.

Sie wähnten ihn zu zwingen, weil er den Schild nicht trug; 2049

Hei, was er tiefer Wunden durch die Helme schlug!

Da muste vor ihm Straucheln mancher kühne Mann,

Daß sich viel Lob und Ehre der kühne Dankwart gewann.

Von beiden Seiten sprangen die Gegner auf ihn zu. 2050

Wohl kam ihrer Mancher in den Kampf zu fruh.

Da gieng er vor den Feinden, wie ein Eberschwein

Im Walde thut vor Hunden: wie möcht er wohl kühner sein?

Sein Weg war stäts aufs Neue genetzt mit heißem Blut. 2051

Wie konnte je ein Recke allein wohl so gut

Mit so viel Feinden streiten, als hier von ihm geschehn?

Man sah Hagens Bruder herrlich hin zu Hofe gehn.

Truchsäßen und Schenken vernahmen Schwerterklang: 2052

Gar mancher die Getränke aus den Händen schwang

Oder auch die Speisen, die man zu Hofe trug.

Da fand er vor der Stiege noch starker Feinde genug.

"Wie nun, ihr Truchsäßen?" sprach der müde Degen, 2053

"Nun solltet ihr die Gäste gütlich verpflegen

Und solltet den Herren die edle Speise tragen

Und ließet mich die Märe meinen lieben Herren sagen."

Wer da den Muth gewonnen und vor die Stieg ihm sprang, 2054

Deren schlug er etlichen so schweren Schwertesschwang,

Daß ihm aus Schreck die Andern ließen freie Bahn.

Da hatten seine Kräfte viel große Wunder gethan.

* * * * *

Dreiunddreißigstes Abenteuer.

Wie Dankwart die Märe seinen Herren brachte.

Als der kühne Dankwart unter die Thüre trat 2055

Und Etzels Ingesinde zurückzuweichen bat,

Mit Blut war beronnen all sein Gewand;

Eine scharfe Waffe trug er bloß an seiner Hand.

Gerade in der Stunde, als Dankwart trat zur Thür, 2056

Trug man Ortlieben im Saale für und für

Von einem Tisch zum andern den Fürsten wohlgeboren:

Durch seine schlimme Botschaft gieng das Kindlein verloren.

Hellauf rief da Dankwart einem Degen zu: 2057

"Ihr sitzt, Bruder Hagen, hier zu lang in Ruh.

Euch und Gott vom Himmel klag ich unsre Noth:

Ritter und Knechte sind in der Herberge todt."

Der rief ihn hin entgegen: "Wer hat das gethan?" 2058

"Das that der Degen Blödel und Die ihm unterthan.

Auch hat ers schwer entgolten, das will ich euch sagen:

Mit diesen Händen hab ich ihm sein Haupt abgeschlagen."

"Das ist ein kleiner Schade," sprach Hagen unverzagt, 2059

"Wenn man solche Märe von einem Degen sagt,

Daß er von Heldenhänden zu Tode sei geschlagen:

Den sollen desto minder die schönen Frauen beklagen.

"Nun sagt mir, lieber Bruder, wie seid ihr so roth? 2060

Ich glaube gar, ihr leidet von Wunden große Noth.

Ist der wo hier im Lande, von dem das ist geschehn?

Der üble Teufel helf ihm denn: sonst muß es ihm ans Leben gehn."

"Ihr seht mich unverwundet: mein Kleid ist naß von Blut. 2061

Das floß nur aus Wunden andrer Degen gut,

Deren ich so Manchen heute hab erschlagen,

Wenn ichs beschwören sollte, ich wüste nicht die Zahl zu sagen."

Da sprach er: "Bruder Dankwart, so hütet uns die Thür 2062

Und laßt von den Heunen nicht Einen Mann herfür.

So red ich mit den Recken, wie uns zwingt die Noth:

Unser Ingesinde liegt ohne Schuld von ihnen todt."

"Soll ich Kämmrer werden?" sprach der kühne Mann, 2063

"Bei so reichen Königen steht mir das Amt wohl an:

Der Stiege will ich hüten nach allen Ehren mein."

Kriemhildens Recken konnte das nicht leider sein.

"Nun nimmt mich doch Wunder," sprach wieder Hagen, 2064

"Was sich die Heunen hier in die Ohren sagen:

Sie möchten sein entbehren, der dort die Thür bewacht

Und der die Hofmären den Burgunden hat gebracht.

"Ich hörte schon lange von Kriemhilden sagen, 2065

Daß sie nicht ungerochen ihr Herzleid wolle tragen.

Nun trinken wir die Minne und zahlen Etzels Wein:

Der junge Vogt der Heunen muß hier der allererste sein."

Ortlieb das Kind erschlug da Hagen der Degen gut, 2066

Daß vom Schwerte nieder zur Hand ihm floß das Blut

Und das Haupt herabsprang der Köngin in den Schoß.

Da hob sich unter Degen ein Morden grimmig und groß.

Darauf dem Hofmeister der des Kindes pflag, 2067

Mit beiden Händen schlug er einen schnellen Schlag,

Daß vor des Tisches Füße das Haupt ihm niederflog:

Es war ein jämmerlicher Lohn, den er dem Hofmeister wog.

Er sah vor Etzels Tische einen Spielmann: 2068

Hagen in seinem Zorne lief zu ihm heran.

Er schlug ihm auf der Geigen herab die rechte Hand.

"Das habe für die Botschaft in der Burgunden Land."

"Ach meine Hand," sprach Werbel, Etzels Spielmann: 2069

"Herr Hagen von Tronje, was hatt ich euch gethan?

Ich kam in großer Treue in eurer Herren Land:

Wie kläng ich nun die Töne, da ich verlor meine Hand?"

Hagen fragte wenig, und geigt' er nimmermehr. 2070

Da kühlt' er in dem Hause die grimme Mordlust sehr

An König Etzels Recken, deren er viel erschlug:

Er bracht in dem Saale zu Tod der Recken genug.

Volker sein Geselle von dem Tische sprang, 2071

Daß laut der Fiedelbogen ihm an der Hand erklang.

Ungefüge siedelte Gunthers Fiedelmann:

Hei! was er sich zu Feinden der kühnen Heunen gewann!

Auch sprangen von den Tischen die drei Könge hehr. 2072

Sie wolltens gerne schlichten, eh Schadens würde mehr.

Doch strebten ihre Kräfte umsonst dawider an,

Da Volker mit Hagen so sehr zu wüten begann.

Nun sah der Vogt vom Rheine, er scheide nicht den Streit: 2073

Da schlug der König selber manche Wunde weit

Durch die lichten Panzer den argen Feinden sein.

Der Held war behende, das zeigte hier der Augenschein.

Da kam auch zu dem Streite der starke Gernot: 2074

Wohl schlug er den Heunen manchen Helden todt

Mit dem scharfen Schwerte, das Rüdeger ihm gab:

Damit bracht er Manche von Etzels Recken ins Grab.

Der jüngste Sohn Frau Utens auch zu dem Streite sprang: 2075

Sein Gewaffen herrlich durch die Helme drang

König Etzels Recken aus der Heunen Land;

Da that viel große Wunder des kühnen Geiselher Hand.

Wie tapfer alle waren, die Könge wie ihr Lehn, 2076

Jedennoch sah man Volkern voran all Andern stehn

Bei den starken Feinden; er war ein Degen gut:

Er förderte mit Wunden Manchen nieder in das Blut.

Auch wehrten sich gewaltig Die in Etzels Lehn. 2077

Die Gäste sah man hauend auf und nieder gehn

Mit den lichten Schwertern durch des Königs Saal.

Allenthalben hörte man von Wehruf größlichen Schall.

Da wollten die da draußen zu ihren Freunden drin: 2078

Sie fanden an der Thüre gar wenig Gewinn;

Da wollten die da drinnen gerne vor den Saal:

Dankwart ließ keinen die Stieg empor noch zu Thal.

So hob sich vor den Thüren ein ungestümer Drang 2079

Und von den Schwerthieben auf Helme lauter Klang.

Da kam der kühne Dankwart in eine große Noth:

Das berieth sein Bruder, wie ihm die Treue gebot.

Da rief mit lauter Stimme Hagen Volkern an: 2080

"Seht ihr dort, Geselle, vor manchem Heunenmann

Meinen Bruder stehen unter starken Schlägen?

Schützt mir, Freund, den Bruder, eh wir verlieren den Degen."

Der Spielmann entgegnete: "Das soll alsbald geschehn." 2081

Dann begann er fiedelnd durch den Saal zu gehn:

Ein hartes Schwert ihm öfters an der Hand erklang.

Vom Rhein die Recken sagten dafür ihm größlichen Dank.

Volker der kühne zu Dankwarten sprach: 2082

"Ihr habt erlitten heute großes Ungemach.

Mich bat euer Bruder, ich sollt euch helfen gehn;

Wollt ihr nun draußen bleiben, so will ich innerhalben stehn."

Dankwart der schnelle stand außerhalb der Thür: 2083

So wehrt' er von der Stiege, wer immer trat dafür.

Man hörte Waffen hallen den Helden an der Hand;

So that auch innerhalben Volker von Burgundenland.

Da rief der kühne Fiedelmann über die Menge laut: 2084

"Das Haus ist wohl verschlossen, ihr, Freund Hagen, schaut

Verschränkt ist so völlig König Etzels Thür,

Von zweier Helden Händen gehn ihr wohl tausend Riegel für."

Als von Tronje Hagen die Thüre sah in Hut, 2085

Den Schild warf zurücke der schnelle Degen gut:

Nun begann er erst zu rächen seiner Freunde Leid.

Seines Zornes must entgelten mancher Ritter kühn im Streit.

Als der Vogt von Berne das Wunder recht ersah, 2086

Wie der starke Hagen die Helme brach allda,

Der Fürst der Amelungen sprang auf eine Bank.

Er sprach: "Hier schenkt Hagen den allebittersten Trank."

Der Wirth war sehr in Sorgen, sein Weib in gleicher Noth. 2087

Was schlug man lieber Freunde ihm vor den Augen todt!

Er selbst war kaum geborgen vor seiner Feinde Schar.

Er saß in großen Aengsten: was half ihm, daß er König war?

Kriemhild die reiche rief Dietrichen an: 2088

"Hilf mir mit dem Leben, edler Held, hindann,

Bei aller Fürsten Tugend aus Amelungenland:

Denn erreicht mich Hagen, hab ich den Tod an der Hand."

"Wie soll ich euch helfen," sprach da Dietrich, 2089

"Edle Königstochter? ich sorge selbst um mich.

Es sind so sehr im Zorne Die Gunthern unterthan,

Daß ich zu dieser Stunde Niemand Frieden schaffen kann."

"Nicht also, Herr Dietrich, edler Degen gut: 2090

Laß uns heut erscheinen deinen tugendreichen Muth

Und hilf mir von hinnen, oder ich bleibe todt.

Bring mich und den König aus dieser angstvollen Noth."

"Ich will es versuchen, ob euch zu helfen ist, 2091

Jedoch sah ich wahrlich nicht in langer Frist

In so bitterm Zorne manchen Ritter gut:

Ich seh ja durch die Helme von Hieben springen das Blut."

Mit Kraft begann zu rufen der Ritter auserkorn, 2092

Daß seine Stimme hallte wie ein Büffelhorn

Und daß die weite Veste von seiner Kraft erscholl.

Dietrichens Stärke die war gewaltig und voll.

Da hörte König Gunther rufen diesen Mann 2093

In dem harten Sturme. Zu horchen hub er an:

"Dietrichens Stimme ist in mein Ohr gekommen,

Ihm haben unsre Degen wohl der Seinen wen benommen.

"Ich seh ihn auf dem Tische winken mit der Hand. 2094

Ihr Vettern und Freunde von Burgundenland,

Haltet ein mit Streiten: laßt hören erst und sehn,

Was hier Dietrichen von meinen Mannen sei geschehn."

Als so der König Gunther bat und auch gebot, 2095

Da senkten sie die Schwerter in des Streites Noth.

Das war Gewalt bewiesen, daß Niemand da mehr schlug.

Er fragte den von Berne um die Märe schnell genug.

Er sprach: "Viel edler Dietrich, was ist euch geschehn 2096

Hier von meinen Freunden? Ihr sollt mich willig sehn:

Zur Sühne und zur Buße bin ich euch bereit.

Was euch Jemand thäte, das war mir inniglich leid."

Da sprach der edle Dietrich: "Mir ist nichts geschehn! 2097

Laßt mich aus dem Hause mit euerm Frieden gehn

Von diesem harten Streite mit dem Gesinde mein.

Dafür will ich euch Degen stäts zu Dienst beflißen sein."

"Was müßt ihr also flehen?" sprach da Wolfhart, 2098

"Es hält der Fiedelspieler die Thür nicht so verwahrt,

Wir erschließen sie so mächtig, daß man ins Freie kann."

"Nun schweig," sprach da Dietrich, "du hast den Teufel gethan."

Da sprach der König Gunther: "Das sei euch freigestellt: 2099

Führt aus dem Hause, so viel euch gefällt,

Ohne meine Feinde: die sollen hier bestehn.

Von ihnen ist mir Leides bei den Heunen viel geschehn."

Als das der Berner hörte, mit einem Arm umschloß 2100

Er die edle Königin; ihre Angst war groß;

Da führt er an dem andern Etzeln aus dem Haus.

Auch folgten Dietrichen sechshundert Degen hinaus.

Da begann der Markgraf, der edle Rüdiger: 2101

"Soll aber aus dem Hause noch kommen Jemand mehr,

Der euch doch gerne diente, so macht es mir kund:

So walte stäter Friede in getreuer Freunde Bund."

Antwort seinem Schwäher gab Geiselher zuhand: 2102

"Frieden und Sühne sei euch von uns bekannt;

Ihr haltet stäte Treu, ihr und euer Lehn,

Ihr sollt mit euren Freunden ohne Sorgen hinnen gehn."

Als Rüdiger der Markgraf räumte Etzels Saal, 2103

Fünfhundert oder drüber folgten ihm zumal.

Das ward von den Helden aus Treue gethan,

Wodurch König Gunther bald großen Schaden gewann.

Da sah ein Heunenrecken König Etzeln gehn 2104

Neben Dietrichen: des wollt er Frommen sehn.

Dem gab der Fiedelspieler einen solchen Schlag,

Daß ihm gleich am Boden das Haupt vor Etzels Füßen lag.

Als der Wirth des Landes kam vor des Hauses Thor, 2105

Da wandt er sich und blickte zu Volkern empor:

"O weh mir dieser Gäste: wie ist das grimme Noth,

Daß alle meine Recken vor ihnen finden den Tod!"

"Ach weh des Hofgelages!" sprach der König hehr: 2106

"Da drinnen ficht Einer, der heißt Volker,

Wie ein wilder Eber und ist ein Fiedelmann;

Ich dank es meinem Heile, daß ich dem Teufel entrann.

"Seine Weisen lauten übel, sein Bogenstrich ist roth; 2107

Mir schlagen seine Töne manchen Helden todt.

Ich weiß nicht, was uns Schuld giebt derselbe Fiedelmann,

Daß ich in meinem Leben so leiden Gast nicht gewann."

Zur Herberge giengen die beiden Recken hehr, 2108

Dietrich von Berne und Markgraf Rüdiger.

Sie selber wollten gerne des Streits entledigt sein

Und geboten auch den Degen, daß sie den Kampf sollten scheun.

Und hätten sich die Gäste versehn der Leiden, 2109

Die ihnen werden sollten noch von den Beiden,

Sie wären aus dem Hause so leicht nicht gekommen,

Eh sie eine Strafe von den Kühnen hätten genommen.

Sie hatten, die sie wollten, entlaßen aus dem Saal: 2110

Da hob sich innerhalben ein furchtbarer Schall.

Die Gäste rächten bitter ihr Leid und ihre Schmach.

Volker der kühne, hei, was der Helme zerbrach!

Sich kehrte zu dem Schalle Gunther der König hehr: 2111

"Hört ihr die Töne, Hagen, die dorten Volker

Mit den Heunen fiedelt, wenn wer zur Thüre trat?

Es ist ein rother Anstrich, den er am Fiedelbogen hat."

"Es reut mich ohne Maßen," sprach Hagen entgegen, 2112

"Daß ich je mich scheiden mußte von dem Degen.

Ich war sein Geselle, er der Geselle mein,

Und kehren wir je wieder heim, wir wollens noch in Treuen sein.

"Nun schau, hehrer König, Volker ist dir hold: 2113

Wie will er verdienen dein Silber und dein Gold!

Sein Fiedelbogen schneidet durch den harten Stahl,

Er wirft von den Helmen die hellen Zierden zu Thal.

"Ich sah nie Fiedelspieler noch so herrlich stehn, 2114

Als diesen Tag von Volker dem Degen ist geschehn.

Seine Weisen hallen durch Helm und Schildesrand:

Gute Rosse soll er reiten und tragen herrlich Gewand."

So viel der Heunendegen auch waren in dem Saal, 2115

Nicht Einer blieb am Leben von ihnen allzumal.

Da war der Schall beschwichtigt, als Niemand blieb zum Streit.

Die kühnen Recken legten da ihre Schwerter beiseit.

* * * * *

Vierunddreißigstes Abenteuer.

Wie sie die Todten aus dem Saale warfen.

Da setzten sich aus Müdigkeit die Herrn und ruhten aus. 2116

Volker und Hagen die giengen vor das Haus

Ueber den Schild sich lehnend in ihrem Uebermuth:

Da pflagen launger Reden diese beiden Helden gut.

Da sprach von Burgunden Geiselher der Degen: 2117

"Noch dürft ihr, lieben Freunde, nicht der Ruhe pflegen:

Ihr sollt erst die Todten aus dem Hause tragen.

Wir werden noch bestanden, das will ich wahrlich euch sagen.

"Sie sollen untern Füßen uns hier nicht länger liegen, 2118

bevor im Sturm die Heunen mögen uns besiegen,

Wir haun noch manche Wunde, die gar sanft mir thut.

Des hab ich," sprach da Geiselher, "einen willigen Muth."

"O wohl mir solches Herren," sprach Hagen entgegen. 2119

"Der Rath geziemte Niemand als einem solchen Degen,

Wie unsern jungen Herren wir heute hier gesehn:

Ihr Burgunden möget all darob in Freuden stehn.

Da folgten sie dem Rathe und trugen vor die Thür 2120

Siebentausend Todte, die warfen sie dafür.

Vor des Saales Stiege fielen sie zu Thal:

Da erhoben ihre Freunde mit Jammern kläglichen Schall.

Auch war darunter Mancher nur so mäßig wund, 2121

Käm ihm sanftre Pflege, er würde noch gesund;

Doch von dem hohen Falle fand er nun den Tod.

Das klagten ihre Freunde; es zwang sie wahrhafte Noth.

Da sprach der Fiedelspieler, der Degen unverzagt: 2122

"Nun seh ich wohl, sie haben mir Wahrheit gesagt:

Die Heunen sind feige, sie klagen wie ein Weib,

Da sie nun pflegen sollten der Schwerverwundeten Leib."

Da mocht ein Markgraf wähnen, er meint es ernst und gut: 2123

Ihm war der Vettern Einer gefallen in das Blut;

Den dacht' er wegzutragen und wollt ihn schon umfahn:

Da schoß ob ihm zu Tode den der kühne Spielmann.

Als das die Andern sahen, sie flohen von dem Saal. 2124

Dem Spielmann zu fluchen begannen sie zumal.

Einen Sper hob Volker vom Boden, scharf und hart,

Der von einem Heunen zu ihm hinauf geschoßen ward.

Den schoß er durch den Burghof zurück kräftiglich 2125

Ueber ihre Häupter. Das Volk Etzels wich

Erschreckt von dem Wurfe weiter von dem Haus.

Vor seinen Kräften hatten alle Leute Schreck und Graus,

Da stand vor dem Hause Etzel mit manchem Mann. 2126

Volker und Hagen huben zu reden an

Mit dem Heunenkönig nach ihrem Uebermuth.

Das schuf bald große Sorge diesen Helden kühn und gut.

"Wohl wär es," sprach da Hagen, "des Volkes Trost im Leid, 2127

Wenn die Herren föchten allen voran im Streit,

Wie von meinen Herren hier Jeglicher thut:

Die hauen durch die Helme, daß von den Schwertern fließt das Blut."

So kühn war König Etzel, er faßte seinen Schild. 2128

"Nun hütet eures Lebens," sprach da Kriemhild,

"Und bietet Gold den Recken auf dem Schildesrand,

Denn erreicht euch Hagen, ihr habt den Tod an der Hand."

So kühn war der König, er ließ nicht vom Streit, 2129

Wozu so mächtge Fürsten nun selten sind bereit.

Man must ihn bei den Riemen des Schildes ziehn hindann.

Hagen der grimme ihn mehr zu höhnen begann:

"Eine nahe Sippe war es," sprach Hagen gleich zur Hand, 2130

"Die Etzeln zusammen und Siegfried verband:

Er minnte Kriemhilden, eh sie gesehen dich:

Feiger König Etzel, warum räthst du wider mich?"

Diese Rede hörte die edle Königin, 2131

Darüber ward unmuthig Kriemhild in ihrem Sinn,

Daß er sie schelten durfte vor manchem Etzelsmann.

Wider die Gäste hub sie aufs Neu zu werben an.

Sie sprach: "Wer von Tronje den Hagen mir schlüge 2132

Und sein Haupt als Gabe her vor mich trüge,

Mit rothem Golde füllt' ich ihm Etzels Schildesrand;

Auch gäb ich ihm zum Lohne viel gute Burgen und Land."

"Ich weiß nicht, was sie zaudern," sprach der Fiedelmann. 2133

"Nie sah ich, daß Helden so verzagt gethan,

Wo man bieten hörte also reichen Sold.

Wohl sollt ihnen Etzel nimmer wieder werden hold.

"Die hier mit Schimpf und Schanden eßen des Königs Brot 2134

Und jetzt im Stich ihn laßen in der größten Noth,

Deren seh ich Manchen so recht verzagt da stehn

Und thun doch so verwegen: sie können nie der Schmach entgehn."

Der mächtige Etzel hatte Jammer und Noth: 2135

Er beklagte seiner Mannen und Freunde bittern Tod.

Von manchen Landen standen ihm Recken viel zur Seit

Und weinten mit dem König sein gewaltiges Leid.

Darob begann zu spotten der kühne Volker: 2136

"Ich seh hier übel weinen gar manchen Recken hehr.

Sie helfen schlecht dem König in seiner großen Noth.

Wohl eßen sie mit Schanden nun schon lange hier sein Brot."

Da gedachten wohl die Besten: "Wahr ists, was Volker sagt." 2137

Von Niemand doch von allen ward es so schwer beklagt

Als von Markgraf Iring, dem Herrn aus Dänenland,

Was sich nach kurzer Weite wohl nach der Wahrheit befand.

* * * * *

Fünfunddreißigstes Abenteuer.

Wie Iring erschlagen ward.

Da rief der Markgraf Iring aus der Dänen Land: 2138

"Ich habe nun auf Ehre die Sinne lang gewandt;

Auch ist von mir das Beste in Stürmen oft geschehn:

Nun bringt mir mein Gewaffen: so will ich Hagen bestehn."

"Das möcht ich widerrathen," hub da Hagen an, 2139

"Sonst finden mehr zu klagen Die Etzeln unterthan.

Springen eurer zweie oder drei in den Saal,

Die send ich wohlverhauen die Stiege wieder zu Thal."

"Ich wills darum nicht laßen," sprach wieder Iring: 2140

"Wohl schon oft versucht ich ein gleich gefährlich Ding.

Wohl will ich mit dem Schwerte allein dich bestehn,

Und wär von dir im Streite mehr als von Jemand geschehn."

Da ward gewaffnet Iring nach ritterlichem Brauch 2141

Und Irnfried der kühne von Thüringen auch

Und Hawart der starke wohl mit tausend Mann:

Sie wollten Iring helfen, was der Held auch begann.

Da sah der Fiedelspieler ein gewaltig Heer, 2142

Das mit Iringen gewaffnet zog einher.

Sie trugen aufgebunden die lichten Helme gut.

Da ward dem kühnen Volker darüber zornig zu Muth.

"Seht ihr, Freund Hagen, dort Iringen gehn, 2143

Der euch im Kampf alleine gelobte zu bestehn?

Wie ziemt Helden Lüge? Führwahr, ich tadl es sehr.

Es gehn mit ihm gewaffnet tausend Recken oder mehr."

"Nun straft mich nicht Lügen," sprach Hawarts Unterthan, 2144

"Ich will gerne leisten, was ich euch kund gethan.

Mein Wort soll um Feigheit nicht gebrochen sein:

Sei Hagen noch so gräulich, ich besteh ihn ganz allein."

Zu Füßen warf sich Iring den Freunden und dem Lehn, 2145

Daß sie allein ihn ließen den Recken bestehn.

Das thaten sie doch ungern, ihnen war zu wohl bekannt

Der übermütige Hagen aus der Burgunden Land.

Doch bat er sie so lange, bis es zuletzt geschah. 2146

Als das Ingesinde seinen Willen sah,

Und daß er warb nach Ehre, da ließen sie ihn gehn.

Da ward von den Beiden ein grimmes Streiten gesehn.

Iring der Däne hielt hoch empor den Sper, 2147

Sich deckte mit dem Schilde der theure Degen hehr:

So lief er auf im Sturme zu Hagen vor den Saal.

Da erhob sich von den Degen ein gewaltiger Schall.

Die Spere schößen beide kräftig aus der Hand 2148

Durch die festen Schilde auf ihr licht Gewand,

Daß die Spersplitter hoch in die Lüfte flogen.

Da griffen zu den Schwertern die grimmen Degen verwegen.

Die Kraft des kühnen Hagen war ohne Maßen voll; 2149

Doch schlug nach ihm Iring, daß all die Burg erscholl.

Der Saal und die Thürme erhallten von den Schlägen.

Es konnte seinen Willen doch nicht vollführen der Degen.

Iring ließ Hagen unverwundet stehn: 2150

Auf den Fiedelspieler begann er loszugehn.

Er wähnt', er sollt ihn zwingen mit seinen grimmen Schlägen,

Doch wuste sich zu schirmen dieser zierliche Degen.

Da schlug der Fiedelspieler, daß von des Schildes Rand 2151

Das Gespänge wirbelte von Volkers starker Hand.

Den ließ er wieder stehen; es war ein übler Mann:

Jetzt lief er auf Gunther, den Burgundenkönig, an.

Da war nun Jedweder zum Streite stark genug. 2152

Wie Gunther auf Iring und der auf Gunther schlug,

Das brachte nicht aus Wunden das fließende Blut.

Ihre Rüstung wehrt' es, die war zu fest und zu gut.

Gunthern ließ er stehen und lief Gernoten an. 2153

Das Feuer aus den Ringen er ihm zu haun begann.

Da hätte von Burgunden der starke Gernot

Iring den kühnen beinah gesandt in den Tod.

Da sprang er von dem Fürsten; schnell war er genug. 2154

Der Burgunden viere der Held behend erschlug,

Des edeln' Heergesindes aus Worms an dem Rhein.

Darüber mochte Geiselher nicht wohl zorniger sein.

"Gott weiß, Herr Iring," sprach Geiselher das Kind, 2155

"Ihr müßt mir entgelten, die hier erlegen sind

Vor euch in dieser Stunde." Da lief er ihn an

Und schlug den Danenhelden, daß er zu straucheln begann.

Er schoß vor seinen Händen nieder in das Blut, 2156

Daß sie alle wähnten, dieser Degen gut

Schlug im Streit nicht wieder einen Schlag mit seinem Schwert.

Doch lag vor Geiselheren Iring da noch unversehrt.

Von des Helmes Schwirren und von des Schwertes Klang 2157

Waren seine Sinne so betäubt und krank,

Daß sich der kühne Degen des Lebens nicht besann.

Das hatt ihm mit den Kräften der kühne Geiselher gethan.

Als ihm aus dem Haupte das Schwirren jetzt entwich, 2158

Von dem mächtgen Schlage war das erst fürchterlich,

Da gedacht er: "Ich lebe und bin auch nirgend wund:

Nun ist mir erst die Stärke des kühnen Geiselher kund!"

Zu beiden Seiten hört' er seine Feinde stehn. 2159

Sie hättens wißen sollen, so wär ihm mehr geschehn.

Auch hatt er Geiselheren vernommen nahe bei:

Er sann, wie mit dem Leben den Feinden zu entkommen sei.

Wie tobend der Degen aus dem Blute sprang! 2160

Er mochte seiner Schnelle wohl sagen großen Dank.

Da lief er aus dem Hause, wo er Hagen fand,

Und schlug ihm schnelle Schläge mit seiner kraftreichen Hand.

Da gedachte Hagen: "Du must des Todes sein. 2161

Befriede dich der Teufel, sonst kannst du nicht gedeihn."

Doch traf Iring Hagnen durch seines Helmes Hut.

Das that der Held mit Maske; das war eine Waffe gut.

Als der grimme Hagen die Wund an sich empfand, 2162

Da schwenkte sich gewaltig das Schwert in seiner Hand.

Es muste vor ihm weichen Hawarts Unterthan:

Hagen ihm die Stiege hinab zu folgen begann.

Uebers Haupt den Schildrand Iring der kühne schwang. 2163

Und war dieselbe Stiege drei solcher Stiegen lang,

Derweil ließ ihn Hagen nicht schlagen einen Schlag.

Hei, was rother Funken da auf seinem Helme lag!

Doch kam zu den Freunden Iring noch gesund. 2164

Da wurde diese Märe Kriemhilden kund,

Was er dem von Tronje hatt im Streit gethan;

Dafür die Königstochter ihm sehr zu danken begann.

"Nun lohne Gott dir, Iring, erlauchter Degen gut, 2165

Du hast mir wohl getröstet das Herz und auch den Muth:

Nun seh ich blutgeröthet Hagens Wehrgewand!"

Kriemhild nahm ihm selber den Schild vor Freud aus der Hand.

"Ihr mögt ihm mäßig danken," begann da Hagen, 2166

"Bis jetzt ist viel Großes nicht davon zu sagen;

Versucht' er es zum andern Mal, er wär ein kühner Mann.

Die Wunde frommt euch wenig, die ich noch von ihm gewann.

"Daß ihr von meiner Wunde mir seht den Harnisch roth, 2167

Das hat mich noch erbittert zu manches Mannes Tod.

Nun bin ich erst im Zorne auf ihn und manchen Mann;

Mir hat der Degen Iring noch kleinen Schaden gethan."

Da stand dem Wind entgegen Iring von Dänenland; 2168

Er kühlte sich im Harnisch, den Helm er niederband.

Da priesen ihn die Leute für streitbar und gut:

Darüber trug der Markgraf nicht wenig hoch seinen Muth.

Da sprach Iring wieder: "Nun, Freunde, sollt ihr gehn 2169

Und neue Waffen holen: ich will noch einmal sehn,

Ob ich bezwingen möge den übermüthgen Mann."

Sein Schild war verhauen, einen beßern er gewann.

Gewaffnet war der Recke bald in noch festre Wehr. 2170

Er griff in seinem Zorne nach einem starken Sper,

Damit wollt er Hagen zum drittenmal bestehn.

Es brächt ihm Ehr und Frommen, ließ' er das sich vergehn.

Da wollte sein nicht harren Hagen der Degen. 2171

Mit Schüßen und mit Hieben lief er ihm entgegen

Die Stiege bis zu Ende; zornig war sein Muth.

Da kam dem Degen Iring seine Stärke nicht zu gut.

Sie schlugen durch die Schilde, daß es zu lohn begann 2172

Mit feuerrothem Winde. Hawarts Unterthan

Ward von Hagens Schwerte da gefährlich wund

Durch Helm und durch Schildrand; er ward nicht wieder gesund.

Als Iring der Degen der Wunde sich besann, 2173

Den Schild rückte näher dem Helm der kühne Mann.

Ihn dauchte voll der Schaden, der ihm war geschehn;

Bald that ihm aber größern der in König Gunthers Lehn.

Hagen vor seinen Füßen einen Wurfspieß liegen fand: 2174

Auf Iringen schoß er den von Dänenland,

Daß man ihm aus dem Haupte die Stange ragen sah.

Ein grimmes Ende ward ihm von dem Uebermüthgen da.

Iring must entweichen zu seinen Dänen hin. 2175

Eh man den Helm dem Degen mochte niederziehn,

Brach man den Sper vom Haupte, da naht' ihm der Tod.

Das beweinten seine Freunde: es zwang sie wahrhafte Noth.

Da kam die Königstochter auch zu ihm heran: 2176

Iring den starken hub sie zu klagen an.

Sie beweinte seine Wunden: es war ihr grimmig leid.

Da sprach vor seinen Freunden dieser Recke kühn im Streit:

"Laßt eure Klage bleiben, viel hehre Königin. 2177

Was hilft euer Weinen? Mein Leben muß dahin

Schwinden aus den Wunden, die an mir offen stehn.

Der Tod will mich nicht länger euch und Etzeln dienen sehn."

Zu Thüringern und Dänen sprach er hingewandt: 2178

"Die Gaben, so die Königin euch beut, soll eure Hand

Nicht zu erwerben trachten, ihr lichtes Gold so roth

Und besteht ihr Hagen, so müßt ihr schauen den Tod."

Seine Farbe war erblichen, des Todes Zeichen trug 2179

Iring der kühne; ihnen war es leid genug.

Es konnte nicht gesunden der Held in Hawarts Lehn:

Da must es an ein Streiten von den Dänenhelden gehn.

Irnfried und Hawart sprangen vor das Haus 2180

Wohl mit tausend Helden: einen ungestümen Braus

Vernahm man allenthalben, kräftig und groß.

Hei! was man scharfer Spere auf die Burgunden schoß!

Irnfried der kühne lief den Spielmann an, 2181

Wodurch er großen Schaden von seiner Hand gewann.

Der edle Fiedelspieler den Landgrafen schlug

Durch den Helm den festen: wohl war er grimmig genug.

Da schlug dem grimmen Spielmann Irnfried einen Schlag, 2182

Daß er den Ringpanzer dem Helden zerbrach

Und sich sein Harnisch färbte von Funken feuerroth.

Dennoch fiel der Landgraf vor dem Spielmann in den Tod.

Zusammen waren Hagen und Hawart gekommen. 2183

Da mochte Wunder schauen, wer es wahrgenommen.

Die Schwerter fielen kräftig den Helden an der Hand:

Da muste Hawart sterben vor dem aus Burgundenland.

Die Thüringer und Dänen sahn ihre Herren todt. 2184

Da hub sich vor dem Hause noch grimmere Noth,

Eh sie die Thür gewannen mit kraftreicher Hand.

Da ward noch verhauen mancher Helm und Schildesrand.

"Weichet," sprach da Volker, "laßt sie zum Saal herein: 2185

Was sie im Sinne haben, kann dennoch nicht sein.

Sie müßen bald ersterben allzumal darin:

Sie ernten mit dem Tode, was ihnen beut die Königin,"

Als die Uebermüthigen drangen in den Saal, 2186

Das Haupt ward da Manchem so geneigt zu Thal,

Daß er ersterben muste vor ihren schnellen Schlägen.

Wohl stritt der kühne Gernot; so that auch Geiselher der Degen.

Tausend und viere die kamen in das Haus: 2187

Da hörte man erklingen den hellen Schwertersaus.

Sie wurden von den Gästen alle drin erschlagen:

Man mochte große Wunder von den Burgunden sagen.

Darnach ward eine Stille, als der Lärm verscholl. 2188

Das Blut allenthalben durch die Lücken quoll

Und zu den Riegelsteinen von den todten Degen:

Das hatten die vom Rheine gethan mit kräftigen Schlägen.

Da saßen wieder rufend die aus Burgundenland, 2189

Sie legten mit den Schilden die Waffen aus der Hand.

Da stand noch vor dem Hause der kühne Spielmann,

Erwartend, ob noch Jemand zum Streite zöge heran.

Der König klagte heftig, dazu die Königin; 2190

Mägdelein und Frauen härmten sich den Sinn.

Der Tod, wähn ich, hatte sich wider sie verschworen:

Drum giengen durch die Gäste noch viele der Recken verloren.

* * * * *

Sechsunddreißigstes Abenteuer.

Wie die Königin den Saal verbrennen ließ.

"Nun bindet ab die Helme," sprach Hagen der Degen: 2191

"Ich und mein Geselle wollen euer pflegen.

Und versuchten es noch einmal Die Etzeln unterthan,

So warn ich meine Herren, so geschwind ich immer kann."

Da band den Helm vom Haupte mancher Ritter gut. 2192

Sie setzten auf die Leichen sich nieder, die ins Blut

Waren zum Tode von ihrer Hand gekommen.

Da ward der edeln Gäste mit Erbittrung wahrgenommen.

Noch vor dem Abend schuf der König hehr 2193

Und Kriemhild die Königin, daß es der Heunen mehr

Noch versuchen musten; man sah vor ihnen stehn

Wohl an zwanzigtausend: die musten da zum Kampfe gehn.

Da drang zu den Gästen ein harter Sturm heran. 2194

Dankwart, Hagens Bruder, der kraftvolle Mann,

Sprang von seinen Herren zu den Feinden vor das Thor.

Sie versahn sich seines Todes; doch sah man heil ihn davor.

Das harte Streiten währte, bis es die Nacht benahm. 2195

Da wehrten sich die Gäste wie Helden lobesam

Wider Etzels Recken den sommerlangen Tag.

Hei! was guter Helden im Tod vor ihnen erlag!

Zu einer Sonnenwende der große Mord geschah: 2196

Ihres Herzens Jammer rächte Kriemhild da

An ihren nächsten Freunden und manchem andern Mann,

Wodurch der König Etzel nie wieder Freude gewann.

Sie hatte nicht gesonnen auf solche Mörderschlacht. 2197

Als sie den Streit begonnen, hatte sie gedacht,

Hagen sollt alleine dabei sein Ende sehn.

Da schuf der böse Teufel, über Alle must es ergehn.

Der Tag war zerronnen; ihnen schuf nun Sorge Noth. 2198

Sie gedachten, wie doch beßer war ein kurzer Tod,

Als sich so lang zu quälen in ungefügem Leid.

Da wünschten einen Frieden die großen Ritter allbereit.

Sie baten, daß man brächte den König vor den Saal. 2199

Die blutrothen Helden, geschwärzt vom rostgen Stahl,

Traten aus dem Hause und die drei Könge hehr.

Sie wusten nicht, wem klagen ihres großen Leids Beschwer.

Etzel und Kriemhild kamen beide her; 2200

Das Land war ihnen eigen, drum mehrte sich ihr Heer.

Er sprach zu den Gästen: "Sagt, was begehrt ihr mein?

Wollt ihr Frieden haben? das könnte nun schwerlich sein

"Nach so großem Schaden, als ihr mir habt gethan. 2201

Es kommt euch nicht zu Statten, so lang ich athmen kann:

Mein Kind, das ihr erschluget, und viel der Freunde mein,

Fried und Sühne soll euch stäts dafür geweigert sein."

Antwort gab ihm Gunther: "Uns zwang wohl große Noth. 2202

All mein Gesinde lag vor deinen Helden todt

In der Herberge: verdient ich solchen Sold?

Ich kam zu dir auf Treue und wähnte, du warst mir hold."

Da sprach von Burgunden Geiselher das Kind: 2203

"Ihr Helden König Etzels, die noch am Leben sind,

Wes zeiht ihr mich, ihr Degen? was hatt ich euch gethan,

Der ich die Fahrt so gütlich zu diesem Lande begann?"

Sie sprachen: "Deiner Güte ist all die Burg hier voll 2204

Mit Jammer gleich dem Lande; wir gönnten dir es wohl,

Wärst du nie gekommen von Worms überrhein.

Das Land ist gar verwaiset durch dich und die Brüder dein."

Da sprach im Zornmuthe Gunther der Held: 2205

"Wünscht ihr noch dieß Morden im Frieden eingestellt

Mit uns Heimatlosen, das ist uns beiden gut;

Es ist gar unverschuldet, was uns König Etzel thut."

Der Wirt sprach zu den Gästen: "mein und euer Leid 2206

Sind einander ungleich: die große Noth im Streit,

Der Schaden und die Schande, die ich von euch gewann,

Dafür soll euer Keiner mir lebend kommen hindann."

Da sprach zu dem König der starke Gernot: 2207

"So soll euch Gott gebieten, daß ihr die Lieb uns thut:

Weichet von dem Hause und laßt uns zu euch gehn.

Wir wissen wohl, bald ist es um unser Leben geschehn.

"Was uns geschehen könne, das laßt schnell ergehn: 2208

Ihr habt so viel Gesunde, die dürfen uns bestehn

Und geben uns vom Streite Müden leicht den Tod:

Wie lange solln wir Recken bleiben in so grimmer Noth?"

Von König Etzels Reden war es fast geschehn, 2209

Daß sie die Helden ließen aus dem Saale gehn.

Als das Kriemhild hörte, es war ihr grimmig leid.

Da war den Heimathlosen mit Nichten Sühne bereit.

"Nein, edle Recken, worauf euch sinnt der Muth, 2210

Ich will euch treulich raten, daß ihr das nimmer thut,

Daß ihr die Mordgierigen laßt vor den Saal;

Sonst müßen eure Freunde leiden tödtlichen Fall.

"Und lebten nur alleine, die Utens Söhne' sind, 2211

Und kämen meine edeln Brüder an den Wind.

Daß sie die Panzer kühlten, ihr alle wärt verloren:

Es wurden kühnre Degen noch nie auf Erden geboren."

Da sprach der junge Geiselher: "Viel schöne Schwester mein, 2212

Wie hätt ich dir das zugetraut, daß du mich überrhein

Her zu Lande ladetest in diese große Noth:

Wie möcht ich an den Heunen hier verdienen den Tod?

"Ich hielt dir stäte Treue, that nie ein Leid dir an: 2213

Ich kam auch her zu Hilfe geritten in dem Wahn,

Du wärst mir gewogen, viel liebe Schwester mein,

Nun schenk uns deine Gnade, da es anders nicht mag sein."

"Ich schenk euch keine Gnade, Ungnad ich selbst gewann: 2214

Mir hat von Tronje Hagen so großes Leid gethan

Daheim, und hier zu Lande erschlug er mir mein Kind:

Das müßen schwer entgelten, die mit euch hergekommen sind."

Wollt ihr mir aber Hagen allein zum Geisel geben, 2215

So will ichs nicht verweigern, daß ich euch laße leben.

Denn meine Brüder seid ihr, der gleichen Mutter Kind:

So red ich um die Sühne mit den Helden, die hier sind."

"Nicht woll es Gott vom Himmel," sprach da Gernot. 2216

"Und waren unser tausend, wir wollten alle todt

Vor deinen Freunden liegen eh wir dir Einen Mann

Hier zu Geisel gäben: das wird nimmer gethan."

"Wir müsten doch ersterben," sprach da Geiselher, 2217

"So soll uns Niemand scheiden von ritterlicher Wehr.

Wer gerne mit uns stritte, wir sind noch immer hie:

Verrieth ich meine Treue an einem Freunde doch nie."

Da sprach der kühne Dankwart, es ziemt' ihm wohl zu sagen: 2218

"Noch steht nicht alleine hier mein Bruder Hagen.

Die uns den Frieden weigern, beklagen es noch schwer,

Des sollt ihr inne werden, ich sags euch wahrlich vorher."

Da sprach die Königstochter: "Ihr Helden allbereit, 2219

Nun geht der Stiege näher und rächt unser Leid.

Das will ich stäts verdienen, wie ich billig soll:

Der Uebermuth Hagens, dessen lohn ich ihm wohl.

"Laßt keinen aus dem Hause der Degen allzumal: 2220

So laß ich an vier Enden anzünden hier den Saal.

So wird noch wohl gerochen all mein Herzeleid."

König Etzels Recken sah man bald dazu bereit.

Die noch draußen standen, die trieb man in den Saal 2221

Mit Schlägen und mit Schüßen: da gab es lauten Schall.

Doch wollten sich nicht scheiden die Fürsten und ihr Heer:

Sie ließen von der Treue zu einander nicht mehr.

Den Saal in Brand zu stecken gebot da Etzels Weib. 2222

Da quälte man den Helden mit Feuersglut den Leib.

Das Haus vom Wind ergriffen gerieth in hohen Brand.

Nie wurde solcher Schrecken noch einem Volksheer bekannt.

Da riefen Viele drinnen: "O weh dieser Noth! 2223

Da möchten wir ja lieber im Sturm liegen todt.

Das möge Gott erbarmen; wie sind wir all verlorn!

Wie grimmig rächt die Königin an uns allen ihren Zorn!"

Da sprach darinnen Einer: "Wir finden hier den Tod 2224

Vor Rauch und vor Feuer: wie grimm ist diese Noth!

Mir thut vor starker Hitze der Durst so schrecklich weh,

Ich fürchte, mein Leben in diesen Nöthen zergeh!"

Da sprach von Tronje Hagen: "Ihr edlen Ritter gut, 2225

Wen der Durst will zwingen, der trinke hier das Blut.

Das ist in solcher Hitze beßer noch als Wein;

Es mag halt zu trinken hier nichts Beßeres sein."

Hin gieng der Recken Einer, wo er einen Todten fand: 2226

Er kniet' ihm zu der Wunde, den Helm er niederband.

Da begann er zu trinken das fließende Blut.

So wenig ers gewohnt war, er fand es köstlich und gut.

"Nun lohn euch Gott, Herr Hagen," sprach der müde Mann, 2227

"Daß ich von eurer Lehre so guten Trank gewann.

Man schenkte mir selten noch einen beßern Wein.

So lang ich leben bleibe will ich euch stäts gewogen sein."

Als das die Andern hörten, es däuchte ihn so gut, 2228

Da fanden sich noch Viele, die tranken auch das Blut.

Davon kam zu Kräften der guten Recken Leib:

Des entgalt an lieben Freunden bald manches waidliche Weib.

Das Feuer fiel gewaltig auf sie in den Saal: 2229

Sie wandten mit den Schilden es von sich ab im Fall.

Der Rauch und auch die Hitze schmerzten sie gar sehr.

Also großer Jammer geschieht wohl Helden nimmer mehr.

Da sprach von Tronje Hagen: "Stellt euch an die Wand; 2230

Laßt nicht die Brände fallen auf eurer Helme Band

Und tretet sie mit Füßen tiefer in das Blut.

Eine üble Hochzeit ist es, zu der die Königin uns lud."

Unter solchen Nöthen zerrann zuletzt die Nacht. 2231

Noch hielt vor dem Hause der kühne Spielmann Wacht

Und Hagen sein Geselle, gelehnt auf Schildesrand,

Noch größern Leids gewärtig von Denen aus Etzels Land.

Daß der Saal gewölbt war, half den Gästen sehr; 2232

Dadurch blieben ihrer am Leben desto mehr,

Wiewohl sie an den Fenstern von Feuer litten Noth.

Da wehrten sich die Degen, wie Muth und Ehre gebot.

Da sprach der Fiedelspieler: "Gehn wir in den Saal: 2233

Da wähnen wohl die Heunen, wir seien allzumal

Von der Qual erstorben, die sie uns angethan:

Dann kommen doch noch Etliche zum Streit mit ihnen heran."

Da sprach von Burgunden Geiselher das Kind: 2234

"Ich wähn, es wolle tagen, sich hebt ein kühler Wind.

Nun laß uns Gott vom Himmel noch liebre Zeit erleben!

Eine arge Hochzeit hat uns meine Schwester Kriemhild gegeben."

Da sprach wieder Einer: "Ich spüre schon den Tag. 2235

Wenn es denn uns Degen nicht beßer werden mag,

So bereitet euch, ihr Recken, zum Streit, das ist uns Noth:

Da wir doch nicht entrinnen, daß wir mit Ehren liegen todt."

Der König mochte wähnen, die Gäste wären todt 2236

Von den Beschwerden allen und von des Feuers Noth,

Da lebten doch so Kühner noch drin sechshundert Mann,

Daß wohl nie ein König beßre Degen gewann.

Der Heimathlosen Hüter hatten wohl gesehn, 2237

Daß noch die Gäste lebten, was ihnen auch geschehn

Zu Schaden war und Leide, den Herrn und ihrem Lehn.

Man sah sie in dem Hause noch gar wohl geborgen gehn.

Man sagte Kriemhilden, noch Viele lebten drin. 2238

"Wie wäre das möglich," sprach die Königin,

"Daß noch Einer lebte nach solcher Feuersnoth?

Eher will ich glauben, sie fanden Alle den Tod."

Noch wünschten zu entkommen die Fürsten und ihr Lehn, 2239

Wenn an ihnen Gnade noch jemand ließ' ergehn.

Die konnten sie nicht finden in der Heunen Land:

Da rächten sie ihr Sterben mit gar williger Hand.

Schon früh am andern Morgen man ihnen Grüße bot 2240

Mit heftigem Angriff; wohl schuf das Helden Noth.

Zu ihnen aufgeschoßen ward mancher scharfe Sper;

Doch fanden sie darinnen die kühnen Recken wohl zur Wehr.

Dem Heergesinde Etzels war erregt der Muth, 2241

Daß sie verdienen wollten Frau Kriemhildens Gut

Und alles willig leisten, was der Fürst gebot:

Da muste bald noch Mancher von ihnen schauen den Tod.

Von Verheißen und von Gaben mochte man Wunder sagen: 2242

Sie ließ ihr Gold, das rothe, auf Schilden vor sich tragen;

Sie gab es Jedem willig, Der es wollt empfahn.

Nie wurden wider Feinde so große Schätze verthan.

Gewaffnet trat der Recken eine große Macht zur Thür. 2243

Da sprach der Fiedelspieler. "Wir sind noch immer hier:

So gern sah ich Helden zum Streiten nimmer kommen,

Als die das Gold des Königs uns zu verderben genommen."

Da riefen ihrer Viele: "Nur näher zu dem Streit! 2244

Da wir doch fallen müßen, so thun wirs gern bei Zeit.

Hier wird Niemand bleiben, als wer doch sterben soll."

Da staken ihre Schilde gleich von Sperschüßen voll.

Was soll ich weiter sagen? Wohl zwölfhundert Degen 2245

Versuchtens auf und nieder mit starken Schwertesschlägen.

Da kühlten an den Feinden die Gäste wohl den Muth.

Kein Friede war zu hoffen, drum sah man fließen das Blut

Aus tiefen Todeswunden: Deren wurden viel geschlagen. 2246

Man hörte nach den Freunden Jeglichen klagen.

Die Biedern starben alle dem reichen König hehr:

Da hatten liebe Freunde nach ihnen Leid und Beschwer.

* * * * *

Siebenunddreißigstes Abenteuer.

Wie Rüdiger erschlagen ward.

Die Heimathlosen hatten am Morgen viel gethan. 2247

Der Gemahl Gotlindens kam zu Hof heran

Und sah auf beiden Seiten des großen Leids Beschwer:

Darüber weinte inniglich der getreue Rüdiger.

"O weh, daß ich das Leben," sprach der Held, "gewann 2248

Und diesem großen Jammer nun Niemand wehren kann.

So gern ich Frieden schüfe, der König gehts nicht ein,

Da ihm das Unheil stärker, immer stärker bricht herein."

Zu Dietrichen sandte der gute Rüdiger, 2249

Ob sie's noch könnten wenden von den Köngen hehr?

Da entbot ihm Der von Berne: "Wer möcht ihm widerstehn?

Es will der König Etzel keine Sühne mehr sehn."

Da sah ein Heunenrecke Rüdigern da stehn 2250

Mit weinenden Augen, wie er ihn oft gesehn.

Er sprach zu der Königin: "Nun seht, wie er da steht

Den ihr und König Etzel vor allen Andern habt erhöht

"Und dem doch alles dienet, die Leute wie das Land. 2251

Wie sind so viel der Burgen an Rüdigern gewandt,

Deren er so manche von dem König haben mag!

Er schlug in diesen Stürmen noch keinen löblichen Schlag.

"Mich dünkt, ihn kümmert wenig, was hier mit uns geschieht, 2252

Wenn er nach seinem Willen bei sich die Fülle sieht.

Man rühmt, er wäre kühner, als Jemand möge sein:

Das hat uns schlecht bewiesen in dieser Noth der Augenschein."

Mit traurigem Muthe der vielgetreue Mann, 2253

Den er so reden hörte, den Heunen sah, er an.

Er dachte: "Das entgiltst du; du sagst, ich sei verzagt:

Da hast du deine Mären zu laut bei Hofe gesagt."

Er zwang die Faust zusammen: da lief er ihn an 2254

Und schlug mit solchen Kräften den Heunischen Mann,

Daß er ihm vor die Füße niederstürzte todt.

Da war gemehrt aufs Neue dem König Etzel die Noth.

"Fahr hin, verzagter Bösewicht," sprach da Rüdiger, 2255

"Ich hatte doch des Leides genug und der Beschwer.

Daß ich hier nicht fechte, was rügst du mir das?

Wohl trüg auch ich den Gästen mit Grunde feindlichen Hass,

"Und alles, was ich könnte, thät ich ihnen an, 2256

Hätt ich nicht hieher geführt Die Gunthern unterthan.

Ich war ihr Geleite in meines Herren Land:

Drum darf sie nicht bestreiten meine unselge Hand."

Da sprach zum Markgrafen Etzel der König hehr: 2257

"Wie habt ihr uns geholfen, viel edler Rüdiger!

Wir hatten doch der Todten so viel in diesem Land,

Daß wir nicht mehr bedurften: mit Unrecht schlug ihn eure Hand."

Da sprach der edle Ritter: "Er beschwerte mir den Muth 2258

Und hat mir bescholten die Ehre wie das Gut,

Des ich aus deinen Händen so große Gaben nahm,

Was nun dem Lügenbolde übel auch zu Statten kam."

Da kam die Königstochter, die hatt es auch gesehn, 2259

Was von des Helden Zorne dem Heunen war geschehn.

Sie beklagt' es ungefüge, ihre Augen wurden naß.

Sie sprach zu Rüdigern: Wie verdienten wir das,

"Daß ihr mir und dem König noch mehrt unser Leid? 2260

Ihr habt uns, edler Rüdiger, verheißen allezeit,

Ihr wolltet für uns wagen die Ehre wie das Leben;

Auch hört ich viel der Recken den Preis des Muthes euch geben."

"Ich mahn euch nun der Treue, die mir schwur eure Hand, 2261

Da ihr mir zu Etzeln riethet, Ritter auserkannt,

Daß ihr mir dienen wolltet bis an unsern Tod.

Des war mir armen Weibe noch niemals so bitter Noth."

"Das kann ich nicht läugnen, ich schwur euch, Königin, 2262

Die Ehre wie das Leben gäb ich für euch dahin:

Die Seele zu verlieren hab ich nicht geschworen.

Zu diesem Hofgelage bracht ich die Fürsten wohlgeboren."

Sie sprach: "Gedenke, Rüdiger, der hohen Eide dein 2263

Von deiner stäten Treue, wie du den Schaden mein

Immer wolltest rächen und wenden all mein Leid."

Der Markgraf entgegnete: "Ich war euch stäts zu Dienst bereit."

Etzel der reiche hub auch zu flehen an. 2264

Da warfen sie sich beide zu Füßen vor den Mann.

Den guten Markgrafen man da in Kummer sah;

Der vielgetreue Recke jammervoll begann er da:

"O weh mir Unselgem, muß ich den Tag erleben! 2265

Aller meiner Ehren soll ich mich nun begeben,

Aller Zucht und Treue, die Gott mir gebot;

O weh, Herr des Himmels, daß mirs nicht wenden will der Tod!

"Welches ich nun laße, das Andre zu begehn, 2266

So ist doch immer übel und arg von mir geschehn.

Was ich thu und laße, so schilt mich alle Welt.

Nun möge mich erleuchten, der mich dem Leben gesellt!"

Da baten ihn so dringend der König und sein Weib, 2267

Daß bald viel Degen musten Leben und Leib

Von Rüdgers Hand verlieren und selbst Der Held erstarb.

Nun mögt ihr bald vernehmen, welchen Jammer er erwarb.

Er wuste wohl nur Schaden und Leid sei sein Gewinn. 2268

Er hätt es auch dem König und der Königin

Gern versagen wollen: der Held besorgte sehr,

Erschlug er ihrer Einen, daß er der Welt ein Greuel wär.

Da sprach zu dem Könige dieser kühne Mann: 2269

"Herr Etzel, nehmt zurücke, was ich von euch gewann,

Das Land mit den Burgen; bei mir soll nichts bestehn:

Ich will auf meinen Füßen hinaus in das Elend gehn.

"Alles Gutes ledig räum ich euer Land, 2270

Mein Weib und meine Tochter nehm ich an die Hand,

Eh ich so ohne Treue entgegen geh dem Tod:

Das hieß' auf üble Weise verdienen euer Gold so roth."

Da sprach der König Etzel: "Wer aber hülfe mir? 2271

Mein Land mit den Leuten, das alles geb ich dir,

Daß du mich rächest, Rüdiger, an den Feinden mein:

Du sollst neben Etzeln ein gewaltger König sein."

Da sprach wieder Rüdiger: "Wie dürft ich ihnen schaden? 2272

Heim zu meinem Hause hab ich sie geladen;

Trinken und Speise ich ihnen gütlich bot,

Dazu meine Gabe; und soll ich sie nun schlagen todt?

"Die Leute mögen wähnen, ich sei zu verzagt. 2273

Keiner meiner Dienste war ihnen je versagt:

Sollt ich sie nun bekämpfen, das wär nicht wohl gethan.

So reute mich die Freundschaft, die ich an ihnen gewann.

"Geiselher dem Degen gab ich die Tochter mein: 2274

Sie konnt auf Erden nimmer beßer verwendet sein,

Seh ich auf Zucht und Ehre, auf Treu oder Gut.

Nie ein so junger König trug wohl tugendreichern Muth."

Da sprach wieder Kriemhild: "Viel edler Rüdiger, 2275

Nun laß dich erbarmen unsres Leids Beschwer,

Mein und auch des Königs; gedenke wohl daran,

Daß nie ein Wirth auf Erden so leide Gäste gewann."

Da begann der Markgraf zu der Köngin hehr: 2276

"Heut muß mit dem Leben entgelten Rüdiger,

Was ihr und der König mir Liebes habt gethan:

Dafür muß ich sterben, es steht nicht länger mehr an.

"Ich weiß, daß noch heute meine Burgen und mein Land 2277

Euch ledig werden müßen von dieser Helden Hand.

So befehl ich euch auf Gnade mein Weib und mein Kind

Und all die Heimathlosen, die da zu Bechlaren find."

"Nun lohne Gott dir, Rüdiger!" der König sprach da so; 2278

Er und die Königin, sie wurden beide froh.

"Uns seien wohlbefohlen alle Leute dein;

Auch trau ich meinem Heile, du selber werdest glücklich sein."

Da setzt' er auf die Wage die Seele wie den Leib. 2279

Da begann zu weinen König Etzels Weib.

Er sprach: "Ich muß euch halten den Eid, den ich gethan.

O weh meiner Freunde! wie ungern greif ich sie an."

Man sah ihn von dem König hinweggehn trauriglich. 2280

Da fand er seine Recken nahe stehn bei sich:

Er sprach: "Ihr sollt euch waffnen, ihr All in meinem Lehn:

Die kühnen Burgunden muß ich nun leider bestehn."

Nach den Gewaffen riefen die Helden allzuhand, 2281

Ob es Helm wäre oder Schildesrand,

Von dem Ingesinde ward es herbeigetragen.

Bald hörten leide Märe die stolzen Fremdlinge sagen.

Gewaffnet ward da Rüdiger mit fünfhundert Mann; 2282

Darüber zwölf Recken zu Hülf er sich gewann.

Sie wollten Preis erwerben in des Sturmes Noth:

Sie wusten nicht die Märe, wie ihnen nahe der Tod.

Da sah man unterm Helme den Markgrafen gehn. 2283

Scharfe Schwerter trugen Die in Rüdgers Lehn,

Dazu vor den Händen die lichten Schilde breit.

sah der Fiedelspieler: dem war es ohne Maßen leid.

Da sah der junge Geiselher seinen Schwäher gehn 2284

Mit aufgebundnem Helme. Wie mocht er da verstehn,

Wie er damit es meine, es sei denn treu und gut?

Da gewann der edle König von Herzen fröhlichen Muth.

"Nun wohl mir solcher Freunde," sprach da Geiselher, 2285

"Wie wir gewonnen haben auf der Fahrt hieher.

Meines Weibes willen ist uns Hülfe nah:

Lieb ist mir, meiner Treue, daß diese Heirath geschah."

"Wes ihr euch wohl tröstet" sprach der Fiedelmann: 2286

"Wann saht ihr noch zur Sühne so viel der Helden nahn

Mit aufgebundnen Helmen, die Schwerter in der Hand?

Er will an uns verdienen seine Burgen und sein Land."

Eh der Fiedelspieler die Rede sprach vollaus, 2287

Den edeln Markgrafen sah man schon vor dem Haus.

Seinen Schild den guten setzt' er vor den Fuß:

Da must er seinen Freunden versagen dienstlichen Gruß.

Rüdiger der edle rief da in den Saal: 2288

"Ihr Kühnen Nibelungen, nun wehrt euch allzumal.

Ihr solltet mein genießen, ihr entgeltet mein:

Wir waren ehmals Freunde: der Treue will ich ledig sein."

Da erschraken dieser Märe die Nothbedrängten Schwer. 2289

Ihnen war der Trost entsunken, den sie gewähnt vorher,

Da sie bestreiten wollte, dem Jeder Liebe trug.

Sie hatten von den Feinden schon Leid erfahren genug.

"Das verhüte Gott vom Himmel!" sprach Gunther der Degen, 2290

"Daß ihr eurer Freundschaft, trätet so entgegen

Und der großen Treue, darauf uns sann der Muth:

Ich will euch wohl vertrauen, daß ihr das nimmermehr tuth.

"Es ist nicht mehr zu wenden," sprach der kühne Mann: 2291

"Ich muß mit euch streiten, wie ich den Schwur gethan.

Nun wehrt euch, kühne Degen, wenn euch das Leben werth,

Da mir die Königstochter nicht andre Willkür gewährt."

"Ihr widersagt uns nun zu spät," sprach der König hehr. 2292

"Nun mög euch Gott vergelten, viel edler Rüdiger,

Die Treu und die Liebe, die ihr uns habt gethan,

Wenn ihr bis ans Ende auch halten wolltet daran.

"Wir wollen stäts euch danken, was ihr uns habt gegeben, 2293

Ich und meine Freunde, laßet ihr uns leben,

Der herrlichen Gaben, als ihr uns brachtet her

In Etzels Land mit Treue: des gedenket, edler Rüdiger."

"Wie gern ich euch das gönnte," sprach Rüdiger der Degen, 2294

"Daß ich euch meiner Gabe die Fülle dürfte wägen

Nach meinem Wohlgefallen; wie gerne that ich das,

So es mir nicht erwürbe der edeln Königin Haß!"

"Laßt ab, edler Rüdiger," sprach wieder Gernot, 2295

"Nie ward ein Wirth gefunden, der es den Gästen bot

So freundlich und so gütlich, als uns von euch geschehn.

Des sollt ihr auch genießen, so wir lebendig entgehn."

"Das wollte Gott," sprach Rüdiger, "viel edler Gernot, 2296

"Daß ihr am Rheine wäret, und ich wäre todt.

So rettet' ich die Ehre, da ich euch soll bestehn!

Es ist noch nie an Degen von Freunden übler geschehn."

"Nun lohn euch Gott, Herr Rüdiger," sprach wieder Gernot, 2297

"Eurer reichen Gabe. Mich jammert euer Tod,

Soll an euch verderben so tugendlicher Muth.

Hier trag ich eure Waffe, die ihr mir gabet, Degen gut.

"Sie hat mir noch nie versagt in all dieser Noth: 2298

Es fiel vor ihrer Schärfe mancher Ritter todt.

Sie ist stark und lauter, herrlich und gut:

Gewiss, so reiche Gabe kein Recke je wieder thut.

"Und wollt ihr es nicht meiden und wollt ihr uns bestehn, 2299

Erschlagt ihr mir die Freunde, die hier noch bei mir stehn,

Mit euerm Schwerte nehm ich Leben euch und Leib.

So reut ihr mich, Rüdiger, und euer herrliches Weib."

"Das wolle Gott, Herr Gernot, und möcht es geschehn, 2300

Daß hier nach euerm Willen Alles könnt ergehn

Und euern Freunden bleiben Leben möcht und Leib,

Euch sollten wohl vertrauen meine Tochter und mein Weib."

Da sprach von Burgunden der schönen Ute Kind: 2301

"Wie thut ihr so, Herr Rüdiger? Die mit mir kommen sind,

Die sind euch all gewogen; ihr greift übel zu:

Eure schöne Tochter wollt ihr verwitwen allzufruh.

"Wenn ihr und eure Recken mich wollt im Streit bestehn, 2302

Wie wär das unfreundlich, wie wenig ließ' es sehn,

Daß ich euch vertraute vor jedem andern Mann,

Als ich eure Tochter mir zum Weibe gewann."

"Gedenkt eurer Treue," sprach da Rüdiger. 2303

Und schickt euch Gott von hinnen, viel edler König hehr,

"So laßt es nicht entgelten die liebe Tochter mein:

Bei aller Fürsten Tugend geruht ihr gnädig zu sein."

"So sollt ichs billig halten," sprach Geiselher das Kind; 2304

"Doch meine hohen Freunde, die noch im Saal hier sind,

Wenn die von euch ersterben, so muß geschieden sein

Diese stäte Freundschaft zu dir und der Tochter dein."

"Nun möge Gott uns gnaden," sprach der kühne Mann. 2305

Da hoben sie die Schilde und wollten nun hinan

Zu streiten mit den Gästen in Kriemhildens Saal.

Laut rief da Hagen von der Stiege her zu Thal:

"Verzieht noch eine Weile, viel edler Rüdiger," 2306

Also sprach da Hagen: "wir reden erst noch mehr,

Ich und meine Herren, wie uns zwingt die Noth.

Was hilft es Etzeln, finden wir in der Fremde den Tod?

"Ich steh in großen Sorgen," sprach wieder Hagen, 2307

"Der Schild, den Frau Gotlind mir gab zu tragen,

Den haben mir die Heunen zerhauen vor der Hand;

Ich bracht ihn doch in Treuen her in König Etzels Land.

"Daß es Gott vom Himmel vergönnen wollte, 2308

Daß ich so guten Schildrand noch tragen sollte,

Als du hast vor den Händen, viel edler Rüdiger:

So bedürft ich in dem Sturme keiner Halsberge mehr."

"Wie gern wollt ich dir dienen mit meinem Schilde, 2309

Dürft ich dir ihn bieten vor Kriemhilde.

Doch nimm ihn hin, Hagen, und trag ihn an der Hand:

Hei! dürftest du ihn führen heim in der Burgunden Land!"

Als er den Schild so willig zu geben sich erbot, 2310

Die Augen wurden Vielen von heißen Thränen roth.

Es war Die letzte Gabe: es dürft hinfort nicht mehr

Einem Degen Gabe bieten von Bechlaren Rüdiger.

Wie grimmig auch Hagen, wie hart auch war sein Muth, 2311

Ihn erbarmte doch die Gabe, die der Degen gut

So nah seinem Ende noch hatt an ihn gethan.

Mancher edle Ritter mit ihm zu trauern begann.

"Nun lohn euch Gott im Himmel, viel edler Rüdiger. 2312

Es wird eures Gleichen auf Erden nimmermehr,

Der heimathlosen Degen so milde Gabe gebe.

So möge Gott gebieten, daß eure Milde immer lebe."

"O weh mir dieser Märe," sprach wieder Hagen. 2313

"Wir hatten Herzensschwere schon so viel zu tragen:

Das müße Gott erbarmen, gilts uns mit Freunden Streit!"

Da sprach der Markgraf wieder: "Das ist mir inniglich leid."

"Nun lohn ich euch die Gabe, viel edler Rüdiger: 2314

Was euch auch widerfahre von diesen Recken hehr,

Es soll euch nicht berühren im Streit meine Hand,

Ob ihr sie all erschlüget Die von der Burgunden Land."

Da neigte sich ihm dankend der gute Rüdiger. 2315

Die Leute weinten alle: Daß nicht zu wenden mehr

Dieser Herzensjammer, das war zu große Noth.

Der Vater aller Tugend fand an Rüdiger den Tod.

Da sprach von der Stiege Volker der Fiedelmann: 2316

"Da mein Geselle Hagen euch trug den Frieden an,

So biet ich auch so stäten euch von meiner Hand.

Das habt ihr wohl verdient an uns, da wir kamen in das Land.

"Viel edler Markgraf, mein Bote werdet hier: 2317

Diese rothen Spangen gab Frau Gotlinde mir,

Daß ich sie tragen sollte bei dieser Lustbarkeit:

Ich thu es, schauet selber, daß ihr des mein Zeuge seid."

"Wollt es Gott vom Himmel," sprach da Rüdiger, 2318

"Daß euch die Markgräfin noch geben dürfte mehr.

Die Märe sag ich gerne der lieben Trauten mein,

Seh ich gesund sie wieder: Des sollt ihr außer Zweifel sein."

Nach diesem Angeloben Den Schild hob Rüdiger, 2319

Sein Muth begann zu toben: nicht länger säumt' er mehr.

Auf lief er zu den Gästen wohl einem Recken gleich.

Viel kraftvolle Schläge schlug da dieser Markgraf reich.

Volker und Hagen traten beiseit, 2320

Wie ihm verheißen hatten die Degen allbereit.

Noch traf er bei den Thüren so manchen Kühnen an,

Daß Rüdiger die Feindschaft mit großen Sorgen begann.

Aus Mordbegierde ließen ihn ins Haus hinein 2321

Gernot und Gunther; das mochten Helden sein.

Zurück wich da Geiselher: fürwahr, es war ihm leid;

Er versah sich noch des Lebens, drum mied er Rüdigern im Streit.

Da sprangen zu den Feinden Die in Rüdgers Lehn. 2322

Hinter ihrem Herren sah man sie kühnlich gehn.

Schneidende Waffen trugen sie an der Hand:

Da zerbrachen viel der Helme und mancher herrliche Rand.

Da schlugen auch die Müden noch manchen schnellen Schlag 2323

Auf die von Bechlaren, der tief und eben brach

Durch die festen Panzer und drang bis auf das Blut.

Sie frommten in dem Sturme viel Wunder herrlich und gut.

Das edle Heergesinde war alle nun im Saal. 2324

Volker und Hagen die sprangen hin zumal:

Sie gaben Niemand Frieden als dem Einen Mann.

Das Blut von ihren Hieben von den Helmen niederrann.

Wie da der Schwerter Tosen so grimmig erklang, 2325

Daß unter ihren Schlägen das Schildgespänge sprang!

Die Schildsteine rieselten getroffen in das Blut.

Da fochten sie so grimmig, wie man es nie wieder thut.

Der Vogt von Bechlaren schuf hin und her sich Bahn, 2326

Wie Einer der mit Ungestüm im Sturme werben kann.

Des Tages ward an Rüdiger herrlich offenbar,

Daß er ein Recke wäre, kühn und ohne Tadel gar.

Hier standen diese Recken, Gunther und Gernot, 2327

Sie schlugen in dem Streite viel der Helden todt.

Geiselhern und Dankwart am Heile wenig lag:

Da brachten sie noch Manchen hin zu seinem jüngsten Tag.

Wohl erwies auch Rüdiger, daß er stark war genug, 2328

Kühn und wohl gewaffnet: hei, was er Helden schlug!

Das sah ein Burgunde, da schuf der Zorn ihm Noth:

Davon begann zu nahen des edeln Rüdiger Tod.

Gernot der starke rief den Helden an. 2329

Er sprach zum Markgrafen: "Ihr wollt mir keinen Mann

Der Meinen leben laßen, viel edler Rüdiger.

Das schmerzt mich ohne Maßen: ich ertrag es nicht länger mehr.

"Nun mag euch eure Gabe wohl zu Unstatten kommen, 2330

Da ihr mir der Freunde habt so viel genommen.

Nun bietet mir die Stirne, ihr edler kühner Mann:

So verdien ich eure Gabe, so gut ich immer nur kann."

Bevor da der Markgraf zu ihm gedrungen war. 2331

Ward noch getrübt vom Blute manch lichter Harnisch klar.

Da liefen sich einander die Ehrbegiergen an:

jedweder sich zu schirmen vor starken Wunden begann.

Doch schnitten ihre Schwerter, es schützte nichts dagegen. 2332

Da schlug den König Gernot Rüdiger der Degen

Durch den steinharten Helm, daß niederfloß das Blut:

Das vergalt alsbald ihm dieser Ritter kühn und gut.

Hoch schwang er Rüdgers Gabe, die in der Hand ihm lag; 2333

Wie wund er war zum Tode, er schlug ihm einen Schlag

Auf des Helmes Bänder und durch den festen Schild,

Davon ersterben muste der gute Rüdiger mild.

So reicher Gabe übler gelohnt ward nimmermehr. 2334

Da fielen beid erschlagen, Gernot und Rüdiger,

Im Sturm gleichermaßen von beider Kämpfer Hand.

Da erst ergrimmte Hagen, als er den großen Schaden fand.

Da sprach der Held von Tronje: "Es ist uns schlimm bekommen. 2335

So großen Schaden haben wir an den Zwein genommen,

Daß wir ihn nie verwinden, ihr Volk noch ihr Land.

Uns Heimathlosen bleiben nun Rüdgers Helden zu Pfand."

Da wollte Keiner weiter dem Andern was vertragen: 2336

Mancher ward darnieder unverletzt geschlagen,

Der wohl noch wär genesen: ob ihm war solcher Drang,

Wie heil er sonst gewesen, daß er im Blute doch ertrank.

"Weh mir um den Bruder! der fiel hier in den Tod. 2337

Was mir zu allen Stunden für leide Märe droht!

Auch muß mich immer reuen mein Schwäher Rüdiger:

Der Schad ist beidenthalben und großen Jammers Beschwer."

Als der junge Geiselher sah seinen Bruder todt, 2338

Die noch im Saale waren, die musten leiden Noth.

Der Tod suchte eifrig, wo sein Gesinde wär:

Deren von Bechelaren entgieng kein Einziger mehr.

Gunther und Hagen und auch Geiselher, 2339

Dankwart und Volker, die guten Degen hehr,

Die giengen zu der Stelle, wo man sie liegen fand:

Wie jämmerlich da weinten diese Helden auserkannt!

"Der Tod beraubt uns übel," sprach Geiselher das Kind. 2340

"Nun laßt euer Weinen und gehn wir an den Wind,

Daß sich die Panzer kühlen uns streitmüden Degen:

Es will nicht Gott vom Himmel, daß wir länger leben mögen."

Den sitzen, den sich lehnen sah man manchen Mann. 2341

Sie waren wieder müßig. Die Rüdgern unterthan

Waren all erlegen; verhaßt war das Getos.

So lange blieb es stille, daß es Etzeln verdroß.

"O weh dieses Leides!" sprach die Königin. 2342

"Sie sprechen allzulange; unsre Feinde drin

Mögen wohl heil verbleiben vor Rüdigers Hand:

Er will sie wiederbringen heim in der Burgunden Land.

"Was hilfts, König Etzel, daß wir an ihn vertan, 2343

Was er nur begehrte? Er that nicht wohl daran:

Der uns rächen sollte, der will der Sühne pflegen."

Da gab ihr Volker Antwort, dieser zierliche Degen:

"Dem ist nicht also leider, viel edel Königsweib. 2344

Und dürft ich Lügen strafen ein so hehres Weib,

So hättet ihr recht teuflisch Rüdigern verlogen.

Er und seine Degen sind um die Sühne gar betrogen.

"So williglich vollbracht er, was ihm sein Herr gebot, 2345

Daß er und sein Gesinde hier fielen in den Tod.

Nun seht euch um, Frau Kriemhild, wem ihr gebieten wollt:

Euch war bis an sein Ende Rüdiger getreu und hold.

"Wollt ihr mir nicht glauben, so schaut es selber an." 2346

Zu ihrem Herzeleide ward es da gethan:

Man trug ihn hin erschlagen, wo ihn der König sah.

König Etzels Mannen wohl nimmer leider geschah.

Da sie den Markgrafen todt sahn vor sich tragen, 2347

Da vermöcht euch kein Schreiber zu schildern noch zu sagen

Die ungebärdge Klage so von Weib als Mann,

Die sich aus Herzensjammer da zu erzeigen begann.

König Etzels Jammern war so stark und voll, 2348

Wie eines Löwen Stimme dem reichen König scholl

Der Wehruf der Klage; auch ihr schufs große Noth;

Sie weinten übermäßig um des guten Rüdger Tod.

* * * * *

Achtunddreißigstes Abenteuer.

Wie Dietrichens Recken alle erschlagen wurden.

Der Jammer allenthalben zu solchem Maße schwoll, 2349

Daß von der Wehklage Pallas und Thurm erscholl.

Da vernahm es auch ein Berner, Dietrichs Unterthan:

Der schweren Botschaft willen wie eilends kam er heran!

Da sprach er zu dem Fürsten: "Hört mich, Herr Dieterich, 2350

Was ich noch je erlebte, so herzensjämmerlich

Hört ich noch niemals klagen, als ich jetzt vernahm.

Ich glaube, daß der König nun selber zu der Hochzeit kam,

"Wie wären sonst die Leute all in solcher Noth? 2351

Der König oder Kriemhild Eins ward dem Tod

Von den kühnen Gästen in ihrem Zorn gesellt.

Es weint übermäßig mancher auserwählte Held."

Da sprach der Vogt von Berne: "Ihr Getreun in meinem Lehn, 2352

Seid nicht allzu eilig: was hier auch ist geschehn

Von den Heimathlosen, sie zwang dazu die Noth:

Nun laßt sie des genießen, daß ich ihnen Frieden bot."

Da sprach der kühne Wolfhart: "Ich will zum Saale gehn, 2353

Der Märe nachzufragen, was da sei geschehn,

Und will euch dann berichten, viel lieber Herre mein,

Wenn ich es dort erkunde, wie die Sache möge sein."

Da sprach der edle Dietrich: "Wenn man sich Zorns versieht 2354

Und ungestümes Fragen zur Unzeit dann geschieht,

Das betrübt den Recken allzuleicht den Muth:

Drum will ich nicht, Wolfhart, daß ihr die Frage da thut."

Da bat er Helfrichen hin zu gehn geschwind, 2355

Ob er erkundgen möge bei Etzels Ingesind

Oder bei den Gästen, was da wär geschehn.

Da wurde nie bei Leuten so großer Jammer gesehn.

Der Bote kam und fragte: "Was ist hier geschehn?" 2356

Da ward ihm zum Bescheide: "Nun must uns auch zergehn

Der Trost, der uns geblieben noch war in Heunenland:

Hier liegt erschlagen Rüdiger von der Burgunden Hand.

"Nicht Einer ist entkommen, der mit ihm gieng hinein." 2357

Das konnte Helfrichen nimmer leider sein.

Wohl mocht er seine Märe noch nie so ungern sagen:

Er kam zu Dietrichen zurück mit Weinen und Klagen.

"Was bringt ihr uns für Kunde?" sprach da Dieterich, 2358

"Wie weint ihr so heftig, Degen Helferich?"

Da sprach der edle Recke: "Wohl hab ich Grund zu klagen.

Den guten Rüdger haben die Burgunden erschlagen."

Da sprach der Held von Berne: "Das wolle nimmer Gott. 2359

Eine starke Rache wär es und des Teufels Spott.

Wie hätt an ihnen Rüdiger verdient solchen Sold?

Ich weiß wohl die Kunde, er ist den Fremdlingen hold."

Da sprach der kühne Wolfhart: "Und wär es geschehn, 2360

So sollt es ihnen Allen an Leib und Leben gehn.

Wenn wirs ertragen wollten, es brächt uns Spott und Schand,

Uns bot so große Dienste des guten Rüdiger Hand."

Der Vogt von Amelungen erfragt' es gern noch mehr. 2361

In ein Fenster setzt' er sich, ihm war das Herz so schwer.

Da hieß er Hildebranden zu den Gästen gehn,

Bei ihnen zu erforschen, was da wäre geschehn.

Der sturmkühne Recke, Meister Hildebrand, 2362

Weder Schild noch Waffen trug er an der Hand.

Er wollt in seinen Züchten zu den Gästen gehn;

Von seiner Schwester Kinde must er sich gescholten sehn.

Da sprach der grimme Wolfhart: "Geht ihr dahin so bloß, 2363

So kommt ihr ungescholten nimmer wieder los:

So müst ihr dann mit Schanden thun die Wiederfahrt;

Geht ihr dahin in Waffen, so weiß ich, daß es Mancher spart."

Da rüstete der Alte sich nach des Jungen Rath. 2364

Eh Hildbrand es gewahrte, standen in ihrem Staat

Die Recken Dietrichs alle, die Schwerter in der Hand.

Leid war das dem Helden, er hätt es gern noch abgewandt.

Er frag, wohin sie wollten. "Wir wollen mit euch hin; 2365

Ob von Tronje Hagen wohl dann noch ist so kühn,

Mit Spott zu euch zu reden, wie ihm zu thun gefällt?"

Als er die Rede hörte, erlaubt' es ihnen der Held.

Da sah der kühne Volker wohlgewaffnet gehn 2366

Die Recken von Berne in Dietrichens Lehn,

Die Schwerter umgegürtet, die Schilde vor der Hand:

Er sagt' es seinen Herren aus der Burgunden Land.

Da sprach der Fiedelspieler: "Dorten seh ich nahn 2367

Recht in Feindesweise Die Dietrich unterthan,

Gewaffnet unter Helmen: sie wollen uns bestehn.

Nun wird es an das Ueble mit uns Fremdlingen gehn."

Es währte nicht lange, so kam auch Hildebrand: 2368

Da setzt' er vor die Füße seinen Schildesrand

Und begann zu fragen Die Gunthern unterthan:

"O weh, ihr guten Degen, was hatt euch Rüdiger gethan?

"Mich hat mein Herr Dietrich her zu euch gesandt, 2369

Ob erschlagen liege, Helden, von eurer Hand

Dieser edle Markgraf, wie man uns gab Bescheid?

Wir könnten nicht verwinden also schweres Herzeleid."

Da sprach der grimme Hagen: "Die Mär ist ungelogen, 2370

Wie gern ichs euch gönnte, wärt ihr damit betrogen,

Rüdigern zu Liebe: so lebt' er uns noch,

Den nie genug beweinen mögen Fraun und Mannen doch."

Als sie das recht vernahmen, Rüdiger sei todt, 2371

Da beklagten ihn die Recken, wie ihre Treu gebot.

Dietrichens Mannen sah man die Thränen gehn

Uebern Bart zum Kinne: viel Leid war ihnen geschehn.

Siegstab der Herzog von Bern sprach zuhand: 2372

"O weh, wie all die Güte hier gar ein Ende fand,

Die uns Rüdiger hier schuf nach unsers Leides Tagen:

Der Trost der Heimathlosen liegt von euch Degen erschlagen."

Da sprach von Amelungen der Degen Wolfwein: 2373

"Und wenn ich vor mir liegen hier säh, den Vater mein,

Mir würde nimmer leider als um Rüdgers Tod.

O weh, wer soll nun trösten die Markgräfin in ihrer Noth?"

Do sprach im Zornmuthe der kühne Wolfhart: 2374

"Wer leitet nun die Recken auf mancher Heerfahrt,

Wie von dem Markgrafen so oft geschehen ist?

O weh, viel edler Rüdiger, daß du uns so verloren bist!"

Wolfbrand und Helferich und auch Helmnot 2375

Mit allen ihren Freunden beweinten seinen Tod.

Nicht mehr fragen mochte vor Seufzen Hildebrand:

So thut denn, ihr Degen, warum mein Herr uns gesandt.

"Gebt uns den todten Rüdiger aus dem Saal, 2376

An dem all unsre Freude erlitt den Jammerfall.

Laßt uns ihm so vergelten, was er an uns gethan

Hat mit großer Treue und an manchem fremden Mann.

"Wir sind hier auch Vertriebene wie Rüdiger der Degen. 2377

Wie laßt ihr uns warten? Laßt uns ihn aus den Wegen

Tragen und im Tode lohnen noch dem Mann:

Wir hätten es wohl billig bei seinem Leben gethan."

Da sprach der König Gunther: "Nie war ein Dienst so gut, 2378

Als den ein Freund dem Freunde nach dem Tode thut.

Das nenn ich stäte Treue, wenn man das leisten kann:

Ihr lohnt ihm nach Verdienste, er hat euch Liebes gethan."

"Wie lange solln wir flehen?" sprach Wolfart der Held." 2379

"Da unser Trost der beste liegt von euch gefällt,

Und wir ihn nun leider nicht länger mögen haben,

Laßt uns ihn hinnen tragen, daß wir den Recken begraben."

Zur Antwort gab ihm Volker: "Man bringt ihn euch nicht her, 2380

Holt ihn aus dem Hause, wo der Degen hehr

Mit tiefen Herzenswunden gefallen ist ins Blut:

So sind es volle Dienste, die ihr hier Rüdigern thut."

Da sprach der kühne Wolfhart: "Gott weiß, Herr Fiedelmann, 2381

Ihr müßt uns nicht noch reizen; ihr habt uns Leid gethan.

Dürft ichs vor meinem Herren, so kämt ihr drum in Noth;

Doch müßen wir es laßen, weil er den Streit uns verbot."

Da sprach der Fiedelspieler: "Der fürchtet sich zu viel, 2382

Der, was man ihm verbietet, Alles laßen will:

Das kann ich nimmer heißen rechten Heldenmuth."

Die Rede dauchte Hagnen von seinem Heergesellen gut.

"Wollt ihr den Spott nicht laßen," fiel ihm Wolfhart ein, 2383

"Ich verstimm euch so die Saiten, daß ihr noch am Rhein,

Wenn je ihr heimreitet, habt davon zu sagen.

Euer Ueberheben mag ich mit Ehren nicht ertragen."

Da sprach der Fiedelspieler: "Wenn ihr den Saiten mein 2384

Die guten Töne raubtet, eures Helmes Schein

Müste trübe werden dabei von meiner Hand,

Wie ich halt auch reite in der Burgunden Land."

Da wollt er zu ihm springen doch blieb nicht frei die Bahn. 2385

Hildebrand sein Oheim hielt ihn mit Kräften an.

"Ich seh, du willst wüthen in deinem dummen Zorn;

Nun hätten wir auf immer meines Herren Huld verlorn."

"Laßt los den Leuen, Meister, er hat so grimmigen Muth; 2386

Doch kommt er mir zu nahe," sprach Volker der Degen gut,

"Hätt er mit seinen Händen die ganze Welt erlagen,

Ich schlag ihn, daß er nimmermehr ein Widerwort weiß zu sagen."

Darob ergrimmte heftig den Bernern der Muth. 2387

Den Schild ruckte Wolfhart, ein schneller Recke gut,

Gleich einem wilden Leuen lief er auf ihn an.

Die Schar seiner Freunde ihm rasch zu folgen begann.

Mit weiten Sprüngen setzt' er bis vor des Saales Wand; 2388

Doch ereilt' ihn vor der Stiege der alte Hildebrand:

Er wollt ihn vor ihm selber nicht laßen in den Streit.

Zu ihrem Willen fanden sie gern die Gäste bereit.

Da sprang hin zu Hagen Meister Hildebrand: 2389

Man hörte Waffen klingen an der Helden Hand.

Sie waren sehr im Zorne, das zeigte sich geschwind:

Von der Beiden Schwertern gieng der feuerrothe Wind.

Da wurden sie geschieden in des Streites Noth: 2390

Das thaten die von Berne, wie Kraft und Muth gebot.

Als sich von Hagen wandte Meister Hildebrand,

Da kam der starke Wolfhart auf den kühnen Volker gerannt.

Auf den Helm dem Fiedler schlug er solchen Schwang, 2391

Daß des Schwertes Schärfe durch die Spangen drang.

Das vergalt mit Ungestüm der kühne Fiedelmann:

Da schlug er Wolfharten, daß er zu sprühen begann.

Feuers aus den Panzern hieben sie genug; 2392

Grimmen Haß Jedweder zu dem Andern trug.

Da schied sie von Berne der Degen Wolfwein;

Wär er kein Held gewesen, so konnte das nimmer sein.

Gunther der kühne mit williger Hand 2393

Empfieng die hehren Helden aus Amelungenland.

Geiselher der junge die lichten Helme gut

Macht' er in dem Sturme Manchem naß und roth von Blut.

Dankwart, Hagens Bruder, war ein grimmer Mann: 2394

Was er zuvor im Streite Herrliches gethan

An König Etzels Recken, das schien nun gar ein Wind:

Nun erst begann zu toben des kühnen Aldrians Kind.

Ritschart und Gerbart, Helfrich und Wichart 2395

In manchen Stürmen hatten die selten sich gespart:

Das ließen sie wohl schauen die in Gunthers Lehn.

Da sah man Wolfbranden in dem Sturme herrlich gehn.

Da focht, als ob er wüthe, der alte Hildebrand. 2396

Viel gute Recken musten vor Wolfhartens Hand

Auf den Tod getroffen sinken in das Blut:

So rächten Rüdgers Wunden diese Recken kühn und gut.

Da focht der Herzog Siegstab, wie ihm der Zorn gebot. 2397

Hei! was harter Helme brach in des Sturmes Noth

An seinen Feinden Dietrichens Schwestersohn!

Er konnt in dem Sturme nicht gewaltiger drohn.

Volker der Starke, als er das ersah, 2398

Wie Siegstab der kühne aus Panzerringen da

Bäche Blutes holte, das schuf dem Biedern Zorn:

Er sprang ihm hin entgegen: da hatte hier bald verlorn

Von dem Fiedelspieler das Leben Siegstab: 2399

Volker ihm seiner Künste so vollen Anteil gab,

Er fiel von seinem Schwerte nieder in den Tod.

Der alte Hilbrand rächte das, wie ihm sein Eifer gebot.

"O weh des lieben Herren," sprach Meister Hildebrand, 2400

"Der uns hier erschlagen liegt von Volkers Hand!

Nun soll der Fiedelspieler auch länger nicht gedeihn."

Hildebrand der kühne wie könnt er grimmiger sein.

Da schlug er so auf Volker, daß von des Helmes Band 2401

Die Splitter allwärts stoben bis zu des Saales Wand,

Vom Helm und auch vom Schilde dem kühnen Spielmann;

Davon der starke Volker nun auch sein Ende gewann.

Da drangen zu dem Streite Die in Dietrichs Lehn: 2402

Sie schlugen, daß die Splitter sich wirbelnd musten drehn

Und man der Schwerter Enden in die Höhe fliegen sah.

Sie holten aus den Helmen heiße Blutbäche da.

Nun sah von Tronje Hagen Volker den Degen todt: 2403

Das war ihm bei der Hochzeit die allergröste Noth,

Die er gewonnen hatte an Freund und Unterthan!

O weh, wie grimmig Hagen den Freund zu rächen begann!

"Nun soll es nicht genießen der alte Hildebrand: 2404

Mein Gehilfe liegt erschlagen von des Helden Hand,

Der beste Heergeselle, den ich je gewann."

Den Schild rückt' er höher, so gieng er hauend hindann.

Helferich der starke Dankwarten schlug: 2405

Gunthern und Geiselhern war es leid genug,

Als sie ihn fallen sahen in der starken Noth;

Doch hatten seine Hände wohl vergolten seinen Tod.

So viel aus manchen Landen hier Volks versammelt war, 2406

Viel Fürsten kraftgerüstet gegen die kleine Schar,

Wären die Christenleute nicht wider sie gewesen,

Durch ihre Tugend mochten sie vor allen Heiden wohl genesen.

Derweil schuf sich Wolfhart hin und wieder Bahn, 2407

Alles niederhauend, was Gunthern unterthan.

Er machte nun zum dritten Mal die Runde durch den Saal:

Da fiel von seinen Händen gar mancher Recke zu Thal.

Da rief der starke Geiselher Wolfharten an: 2408

"O weh, daß ich so grimmen Feind je gewann!

Kühner Ritter edel, nun wende dich hieher!

Ich will es helfen enden, nicht länger trag ich es mehr."

Zu Geiselheren wandte sich Wolfhart in den Streit. 2409

Da schlugen sich die Recken manche Wunde weit.

Mit solchem Ungestüme er zu dem König drang,

Daß unter seinen Füßen übers Haupt das Blut ihm sprang.

Mit schnellen grimmen Schlägen der schönen Ute Kind 2410

Empfieng da Wolfharten, den Helden hochgesinnt.

Wie stark auch war der Degen, wie sollt er hier gedeihn?

Es konnte nimmer kühner ein so junger König sein.

Da schlug er Wolfharten durch einen Harnisch gut, 2411

Daß ihm aus der Wunde niederschoß das Blut:

Zum Tode war verwundet Dietrichens Unterthan.

Wohl must er sein ein Recke, der solche Werke gethan.

Als der kühne Wolfhart die Wund an sich empfand, 2412

Den Schild ließ er fallen: höher in der Hand

Hob er ein starkes Waffen, das war wohl scharf genug:

Durch Helm und Panzerringe der Degen Geiselhern schlug.

Den grimmen Tod einander hatten sie angethan. 2413

Da lebt' auch Niemand weiter, der Dietrich unterthan.

Hildebrand der alte Wolfharten fallen sah:

Gewiss vor seinem Tode solch Leid ihm nimmer geschah.

Erstorben waren Alle Die in Gunthers Lehn 2414

Und Die in Dietrichens. Hilbranden sah man gehn,

Wo Wolfhart war gefallen nieder in das Blut.

Er umschloß mit Armen den Degen bieder und gut.

Er wollt ihn aus dem Hause tragen mit sich fort; 2415

Er war zu schwer doch, laßen must ihn der Alte dort.

Da blickt' aus dem Blute der todwunde Mann:

Er sah wohl, sein Oheim hülfe gern ihm hindann.

Da sprach der Todwunde: "Viel lieber Oheim mein, 2416

Mir kann zu dieser Stunde eure Hülfe nicht gedeihn.

Nun hütet euch vor Hagen, fürwahr, ich rath euch gut:

Der tragt in seinem Herzen einen grimmigen Muth.

"Und wollen meine Freunde im Tode mich beklagen, 2417

Den nächsten und den besten sollt ihr von mir sagen,

Daß sie nicht um mich weinen, das thu nimmer Noth:

Von eines Königs Händen fand ich hier herrlichen Tod.

"Ich hab auch so vergolten mein Sterben hier im Saal, 2418

Das schafft noch den Frauen der guten Ritter Qual.

Wills Jemand von euch wißen, so mögt ihr kühnlich sagen:

Von meiner Hand alleine liegen hundert wohl erschlagen.

Da gedacht auch Hagen an den Fiedelmann, 2419

Dem der alte Hildebrand das Leben abgewann:

Da sprach er zu dem Kühnen: "Ihr entgeltet nun mein Leid.

Ihr habt uns hier benommen manchen Recken kühn im Streit."

Er schlug auf Hildebranden daß man wohl vernahm 2420

Balmungen dröhnen, den Siegfrieden nahm

Hagen der kühne, als er den Helden schlug.

Da wehrte sich ser Alte: er war auch streitbar genug.

Wolfhartens Oheim ein breites Waffen schwang 2421

Auf Hagen von Tronje, das scharf den Stahl durchdrang:

Doch konnt er nicht verwunden Gunthers Unterthan.

Da schlug ihm Hagen wieder durch einen Harnisch wohlgetan.

Als da Meister Hildebrand die Wunde recht empfand, 2422

Besorgt' er größern Schaden noch von Hagens Hand.

Den Schild warf auf den Rücken Dietrichs Unterthan:

Mit der starken Wunde der Held vor Hagen entrann.

Da lebt' auch von allen den Degen Niemand mehr 2423

Als Gunther und Hagen, die beiden Recken hehr.

Mit Blut gieng beronnen der alte Hildebrand:

Er brachte leide Märe, da er Dietrichen fand.

Schwer bekümmert sitzen sah er da den Mann: 2424

Noch größern Leides Kunde nun der Fürst gewann.

Als er Hildebranden im Panzer sah so roth,

Da fragt' er nach der Ursach, wie ihm die Sorge gebot.

"Nun sagt mir, Meister Hildebrand, wie seid ihr so naß 2425

Von dem Lebensblute? oder wer that euch das?

Ihr habt wohl mit den Gästen gestritten in dem Saal?

Ihr ließt es billig bleiben, wie ich so dringend befahl."

Da sagt' er seinem Herren: "Hagen that es mir: 2426

Der schlug mir in dem Saale diese Wunde hier,

Als ich von dem Recken zu wenden mich begann.

Kaum daß ich mit dem Leben noch dem Teufel entrann."

Da sprach der von Berne: "Gar recht ist euch geschehen, 2427

Da ihr mich Freundschaft hörtet den Recken zugestehn

Und doch den Frieden brachet, den ich ihnen bot:

Wär mirs nicht ewig Schande, ihr solltets büßen mit dem Tod."

"Nun zürnt mir, Herr Dietrich, darob nicht allzusehr: 2428

An mir und meinen Freunden ist der Schade gar zu schwer.

Wir wollten Rüdger gerne tragen aus dem Saal:

Das wollten uns nicht gönnen die, welchen Gunther befahl."

"O weh mir dieses Leides! Ist Rüdiger doch todt? 2429

Das muß mir sein ein Jammer vor all meiner Noth.

Gotelind die edle ist meiner Base Kind:

O weh der armen Waisen, die dort zu Bechlaren sind!"

Herzeleid und Kummer schuf ihm sein Tod: 2430

Er hub an zu weinen: den Helden zwang die Noth.

"O weh der treuen Hülfe, die mir an ihm erlag,

König Etzels Degen, den ich nie verschmerzen mag.

"Könnt ihr mir, Meister Hildebrand, rechte Kunde sagen, 2431

Wie der Recke heiße, der ihn hat erschlagen?"

Er sprach "Das that mit Kräften der starke Gernot;

Von Rüdigers Händen fand auch der König den Tod."

Er sprach zu Hilbranden: "So sagt den Meinen an, 2432

Daß sie alsbald sich waffnen, so geh ich selbst hinan.

Und befehlt, daß sie mir bringen mein lichtes Streitgewand:

Ich selber will nun fragen die Helden aus Burgundenland."

Da sprach Meister Hildebrand: "Wer soll mit euch gehn? 2433

Die euch am Leben blieben, die seht ihr vor euch stehn:

Das bin ich ganz alleine; die Andern die sind todt."

Da erschrak er dieser Märe, es schuf ihm wahrhafte Noth,

Daß er auf Erden nimmer noch solches Leid gewann. 2434

Er sprach: "Und sind erstorben all Die mir unterthan,

So hat mein Gott vergeßen, ich, armer Dietrich!

Ich herrscht' ein mächtger König einst hehr und gewaltiglich."

Wieder sprach da Dietrich: "Wie könnt es nur geschehn, 2435

Daß sie all erstarben, die Helden ausersehn,

Vor den Streitmüden, die doch gelitten Noth?

Mein Unglück schufs alleine, sonst verschonte sie der Tod!

"Wenn dann mein Unheil wollte, es sollte sich begeben, 2436

So sprecht, blieb von den Gästen Einer noch am Leben?"

Da sprach Meister Hildebrand: "Das weiß Gott, Niemand mehr

Als Hagen ganz alleine und Gunther der König hehr."

"O weh, lieber Wolfhart, und hab ich dich verloren, 2437

So mag mich bald gereuen, daß ich je ward geboren.

Siegstab und Wolfwein und auch Wolfbrand:

Wer soll mir denn helfen in der Amelungen Land?

"Helferich der kühne, und ist mir der erschlagen, 2438

Gerbart und Wichard, wann hör ich auf zu klagen?

Das ist aller Freuden mir der letzte Tag.

O weh, daß vor Leide Niemand doch ersterben mag!"

* * * * *

Neununddreißigstes Abenteuer.

Wie Gunther, Hagen und Kriemhild erschlagen wurden.

Da suchte sich Herr Dietrich selber sein Gewand; 2439

Ihm half, daß er sich waffnete, der alte Hildebrand.

Da klagte so gewaltig der kraftvolle Mann,

Daß von seiner Stimme das Haus zu schüttern begann.

Dann gewann er aber wieder rechten Heldenmuth. 2440

Im Grimm ward gewaffnet da der Degen gut.

Seinen Schild, den festen, den nahm er an die Hand:

Sie giengen bald von dannen, er und Meister Hildebrand.

Da sprach von Tronje Hagen: "Dort seh ich zu uns gehn 2441

Dietrich den Herren: der will uns bestehn

Nach dem großen Leide, das wir ihm angethan.

Nun soll man heute schauen, wen man den Besten nennen kann.

"Und dünkt sich denn von Berne der Degen Dieterich 2442

Gar so starkes Leibes und so fürchterlich.

Und will ers an uns rächen was ihm ist geschehn,"

Also sprach da Hagen, "ich bin wohl Mann ihn zu bestehn."

Die Rede hörte Dietrich mit Meister Hildebrand. 2443

Er kam, wo er die Recken beide stehen fand

Außen vor dem Hause, gelehnt an den Saal.

Seinen Schild den guten, den setzte Dietrich zu Thal.

In leidvollen Sorgen sprach da Dietrich: 2444

"Wie habt ihr so geworben, Herr Gunther, wider mich,

Einen Heimathlosen? Was that ich euch wohl je,

Daß alles meines Trostes ich nun verwaiset mich seh?

"Ihr fandet nicht Genüge an der großen Noth, 2445

Als ihr uns Rüdigeren, den Recken, schluget todt:

Ihr missgönntet sie mir alle, Die mir unterthan.

Wohl hätt ich solchen Leides euch Degen nimmer gethan.

"Gedenkt an euch selber und an euer Leid, 2446

Eurer Freunde Sterben und all die Noth im Streit,

Ob es euch guten Degen nicht beschwert den Muth.

O weh, wie so unsanft mir der Tod Rüdigers thut!

"So leid geschah auf Erden Niemanden je. 2447

Ihr gedachtet wenig an mein und euer Weh.

Was ich Freuden hatte, das liegt von euch erschlagen:

Wohl kann ich meine Freunde nimmer genug beklagen."

"Wir sind wohl nicht so schuldig," sprach Hagen entgegen. 2448

"Zu diesem Hause kamen alle eure Degen

Mit großem Fleiß gewaffnet in einer breiten Schar.

Man hat euch wohl die Märe nicht gesagt, wie sie war."

"Was soll ich andere glauben? mir sagt Hildebrand: 2449

Euch baten meine Recken vom Amelungenland,

Daß ihr ihnen Rüdigern gäbet aus dem Haus:

Da botet ihr Gespötte nur meinen Recken heraus."

Da sprach der Vogt vom Rheine: "Sie wollten Rüdgern tragen, 2450

Sagten sie, von hinnen: das ließ ich versagen

Etzeln zum Trotze, nicht aber deinem Heer,

Bis darob zu schelten Wolfhart begann, der Degen hehr."

Da sprach der Held von Berne: "Es sollte nun so sein. 2451

Gunther, edler König, bei aller Tugend dein

Ersetze mir das Herzeleid, das mir von dir geschehn;

Versühn es, kühner Ritter, so laß ichs ungerochen gehn.

"Ergieb dich mir zum Geisel mit Hagen deinem Mann: 2452

So will ich euch behüten, so gut ich immer kann,

Daß euch bei den Heunen hier Niemand Leides thut.

Ihr sollt an mir erfahren, daß ich getreu bin und gut."

"Das verhüte Gott vom Himmel," sprach Hagen entgegen, 2453

"Daß sich dir ergeben sollten zwei Degen,

Die noch in voller Wehre dir gegenüber stehn,

Das wär uns Unehre: die Feigheit soll nicht geschehn."

"Ihr solltets nicht verweigern," sprach wieder Dietrich. 2454

"Gunther und Hagen, ihr habt so bitterlich

Beide mir bekümmert das Herz und auch den Muth,

Wollt ihr mir das vergüten, daß ihr es billiglich thut.

"Ich geb euch meine Treue, und reich euch drauf die Hand, 2455

Daß ich mit euch reite heim in euer Land.

Ich geleit euch wohl nach Ehren, ich stürbe denn den Tod,

Und will um euch vergeßen all meiner schmerzhaften Noth."

"Begehrt es nicht weiter," sprach wieder Hagen: 2456

"Wie ziemt es, wenn die Märe wär von uns zu sagen,

Daß zwei so kühne Degen sich ergäben eurer Hand?

Sieht man bei euch doch Niemand als alleine Hildebrand."

Da sprach Meister Hildebrand: "Gott weiß, Herr Hagen, 2457

Den Frieden, den Herr Dietrich euch hat angetragen,

Es kommt noch an die Stunde vielleicht in kurzer Frist,

Daß ihr ihn gerne nähmet, und er nicht mehr zu haben ist."

"Auch nähm ich eh den Frieden," sprach Hagen entgegen, 2458

"Eh ich mit Schimpf und Schande so vor einem Degen

Flöhe, Meister Hildebrand, als ihr hier habt gethan:

Ich wähnt auf meine Treue, ihr stündet beßer euerm Mann."

Da sprach Meister Hildebrand: "Was verweiset ihr mir das? 2459

Nun wer wars, der auf dem Schilde vor dem Wasgensteine saß,

Als ihm von Spanien Walther so viel der Freunde schlug?

Wohl habt ihr an euch selber noch zu rügen genug."

Da sprach der edle Dietrich: "Wie ziemt solchen Degen 2460

Sich mit Worten schelten wie alte Weiber pflegen?

Ich verbiet es, Meister Hildebrand sprecht hier nicht mehr.

Mich heimathlosen Recken zwingt so große Beschwer.

"Laßt hören, Freund Hagen," sprach da Dieterich, 2461

"Was spracht ihr zusammen, ihr Helden tugendlich,

Als ihr mich gewaffnet sahet zu euch gehn?

Ihr sagtet, ihr alleine wolltet mich im Streit bestehn."

"Das wird euch Niemand läugnen," sprach Hagen entgegen, 2462

"Wohl will ichs hier versuchen mit kräftigen Schlägen,

Es sei denn, mir zerbreche das Nibelungenschwert:

Mich entrüstet, daß zu Geiseln unser beider ward begehrt."

Als Dietrich erhörte Hagens grimmen Muth, 2463

Den Schild behende zuckte der schnelle Degen gut.

Wie rasch ihm von der Stiege entgegen Hagen sprang!

Niblungs Schwert das gute auf Dietrichen laut erklang.

Da wuste wohl Herr Dietrich, daß der kühne Mann 2464

Grimmen Muthes fechte; zu schirmen sich begann

Der edle Vogt von Berne vor ängstlichen Schlägen.

Wohl erkannt er Hagen, er war ein auserwählter Degen.

Auch scheut' er Balmungen, eine Waffe stark genug. 2465

Nur unterweilen Dietrich mit Kunst entgegenschlug

Bis daß er Hagen im Streite doch bezwang.

Er schlug ihm eine Wunde die gar tief war und lang.

Der edle Dietrich dachte: "Dich schwächte lange Noth; 2466

Mir brächt es wenig Ehre, gäb ich dir den Tod.

So will ich nur versuchen, ob ich dich zwingen kann,

Als Geisel mir zu folgen." Das ward mit Sorgen gethan.

Den Schild ließ er fallen: seine Stärke, die war groß; 2467

Hagnen von Tronje mit den Armen er umschloß.

So ward von ihm bezwungen dieser kühne Mann.

Gunther der edle darob zu trauern begann.

Hagnen band da Dietrich und führt' ihn, wo er fand 2468

Kriemhild die edle, und gab in ihre Hand

Den allerkühnsten Recken, der je Gewaffen trug.

Nach ihrem großen Leide ward sie da fröhlich genug.

Da neigte sich dem Degen vor Freuden Etzels Weib: 2469

"Nun sei dir immer selig das Herz und auch der Leib.

Du hast mich wol entschädigt aller meiner Noth:

Ich will dirs immer danken, es verwehr es denn der Tod."

Da sprach der edle Dietrich: "Nun laßt ihn am Leben, 2470

Edle Königstochter: es mag sich wohl begeben,

Daß euch sein Dienst vergütet das Leid, das er euch that:

Er soll es nicht entgelten, daß ihr ihn gebunden saht."

Da ließ sie Hagnen führen in ein Haftgemach, 2471

Wo Niemand ihn erschaute und er verschloßen lag.

Gunther der Edle hub da zu rufen an:

"Wo blieb der Held von Berne? Er hat mir Leides gethan."

Da gieng ihm hin entgegen von Bern Herr Dieterich. 2472

Gunthers Kräfte waren stark und ritterlich;

Da säumt' er sich nicht länger, er rannte vor den Saal.

Von ihrer Beider Schwertern erhob sich mächtiger Schall.

So großen Ruhm erstritten Dietrich seit alter Zeit, 2473

In seinem Zorne tobte Gunther zu sehr im Streit:

Er war nach seinem Leide von Herzen feind dem Mann.

Ein Wunder must es heißen, daß da Herr Dietrich entrann.

Sie waren alle Beide so stark und muthesvoll, 2474

Daß von ihren Schlägen Pallas und Thurm erscholl,

So hieben sie mit Schwertern auf die Helme gut.

Da zeigte König Gunther einen herrlichen Muth.

Doch zwang ihn Der von Berne, wie Hagnen war geschehn. 2475

Man mochte durch den Panzer das Blut ihm fließen sehn

Von einem scharfen Schwerte: das trug Herr Dieterich

Doch hatte sich Herr Gunther gewehrt, der müde, ritterlich.

Der König ward gebunden von Dietrichens Hand, 2476

Wie nimmer Könige sollten leiden solch ein Band.

Er dachte, ließ' er ledig Gunthern und seinen Mann,

Wem sie begegnen möchten, die müsten all den Tod empfahn.

Dietrich von Berne nahm ihn bei der Hand, 2477

Er führt' ihn hin gebunden, wo er Kriemhilden fand.

Ihr war mit seinem Leide des Kummers viel benommen.

Sie sprach: "König Gunther, nun seid mir höchlich willkommen."

Er sprach: "Ich müst euch danken, viel edle Schwester mein, 2478

Wenn euer Gruß in Gnaden geschehen könnte sein.

Ich weiß euch aber, Königin, so zornig von Muth,

Daß ihr mir und Hagen solchen Gruß im Spotte thut."

Da sprach der Held von Berne: "Königstochter hehr, 2479

So gute Helden sah, man als Geisel nimmermehr

Als ich, edle Königin, bracht in eure Hut.

Nun komme meine Freundschaft den Heimathlosen zu Gut."

Sie sprach, sie thät es gerne. Da gieng Herr Dieterich 2480

Mit weinenden Augen von den Helden tugendlich.

Da rächte sich entsetzlich König Etzels Weib:

Den auserwählten Recken nahm sie Leben und Leib.

Sie ließ sie gesondert in Gefängniss legen, 2481

Daß sich nie im Leben wiedersahn die Degen,

Bis sie ihres Bruders Haupt hin vor Hagen trug.

Kriemhildens Rache ward an Beiden grimm genug.

Hin gieng die Königstochter, wo sie Hagen sah; 2482

Wie feindselig sprach sie zu dem Recken da:

"Wollt ihr mir wiedergeben, was ihr mir habt genommen,

So mögt ihr wohl noch lebend heim zu den Burgunden kommen."

Da sprach der grimme Hagen: "Die Red ist gar verloren, 2483

Viel edle Königstochter. Den Eid hab ich geschworen,

Daß ich den Hort nicht zeige: so lange noch am Leben

Blieb Einer meiner Herren, so wird er Niemand gegeben."

"Ich bring es zu Ende," sprach das edle Weib. 2484

Dem Bruder nehmen ließ sie Leben da und Leib.

Man schlug das Haupt ihm nieder: bei den Haaren sie es trug

Vor den Held von Tronje: da gewann er Leids genug.

Als der Unmuthvolle seines Herren Haupt ersah, 2485

Wider Kriemhilden sprach der Recke da:

"Du hasts nach deinem Willen zu Ende nun gebracht;

Es ist auch so ergangen, wie ich mir hatte gedacht.

"Nun ist von Burgunden der edle König todt, 2486

Geiselher der junge dazu Herr Gernot.

Den Hort weiß nun Niemand als Gott und ich allein:

Der soll dir Teufelsweibe immer wohl verhohlen sein."

Sie sprach: "So habt ihr üble Vergeltung mir gewährt; 2487

So will ich doch behalten Siegfriedens Schwert.

Das trug mein holder Friedel, als ich zuletzt ihn sah,

An dem mir Herzensjammer vor allem Leide geschah."

Sie zog es aus der Scheide, er konnt es nicht wehren. 2488

Da dachte sie dem Recken das Leben zu versehren.

Sie schwang es mit den Händen, das Haupt schlug sie ihm ab.

Das sah der König Etzel, dem es großen Kummer gab.

"Weh!" rief der König, "wie ist hier gefällt 2489

Von eines Weibes Händen der allerbeste Held,

Der je im Kampf gefochten und seinen Schildrand trug!

So feind ich ihm gewesen bin, mir ist leid um ihn genug."

Da sprach Meister Hildebrand: "Es kommt ihr nicht zu gut, 2490

Daß sie ihn schlagen durfte; was man halt mir thut,

Ob er mich selber brachte in Angst und große Noth,

Jedennoch will ich rächen dieses kühnen Tronjers Tod."

Hildebrand im Zorne zu Kriemhilden sprang: 2491

Er schlug der Königstochter einen Schwertesschwang.

Wohl schmerzten solche Dienste von dem Degen sie;

Was könnt es aber helfen, daß sie so ängstlich schrie?

Die da sterben sollen, die lagen all umher: 2492

Zu Stücken lag verhauen die Königin hehr.

Dietrich und Etzel huben zu weinen an

Und jämmerlich zu klagen manchen Freund und Unterthan.

Da war der Helden Herrlichkeit hingelegt im Tod: 2493

Die Leute hatten alle Jammer und Noth.

Mit Leide war beendet des Königs Lustbarkeit,

Wie immer Leid die Freude am lezten Ende verleiht.

Ich kann euch nicht bescheiden, was seither geschah, 2494

Als daß man immer weinen Christen und Heiden sah,

Die Ritter und die Frauen und manche schöne Maid:

Sie hatten um die Freunde das allergrößeste Leid.

Ich sag euch nun nicht weiter von der großen Noth: 2495

Die da erschlagen waren, die laßt liegen todt.

Wie es im Heunenlande dem Volk hernach gerieth,

Hie hat die Mär ein Ende: das ist _das Nibelungenlied_.

* * * * *

Statt der letzten fünf Strophen hat b folgende sechs, die beiden letzten

übereinstimmend mit A.

Hildebrand im Zorne zu Kriemhilden sprang.

Er schlug der Königstochter einen schweren Schwertesschwang,

Mitten wo die Borte den Leib ihr hatt umgeben.

Davon die Königstochter verlieren must ihr werthes Leben.

Das Schwert schnitt so heftig daß sie nichts empfand,

Das sie unsanft hätte berührt; sie sprach zuhand:

"Dein Waffen ist erblindet, du sollst es von dir legen:

Es ziemt nicht, daß es trage solch ein zierlicher Degen."

Da zog er von dem Finger ein golden Ringelein

Und warfs ihr vor die Füße: "Hebt ihr das Fingerlein

Vom Boden auf, so spracht ihr die Wahrheit, edel Weib."

Sie bückte sich zum Golde: da brach entzwei ihr werther Leib.

So war auch erlegen Kriemhild, o weh der Noth:

Wie so gar unmüßig war da der Tod.

Dietrich und Etzel huben zu weinen an,

Und inniglich klagen sah man so Weib als Mann.

Da war der Helden Herrlichkeit hingelegt im Tod,

Die Leute hatten alle Jammer und Noth.

Mit Leid war beendet des Königs Lustbarkeit,

Wie immer Leid die Freude am letzten Ende verleiht.

Ich kann euch nicht bescheiden was seither geschah,

Als daß man Fraun und Ritter immer weinen sah,

Dazu die edeln Knechte, um lieber Freunde Tod.

Hier hat die Mär ein Ende: das ist die Nibelungennoth.

Das Nibelungenlied · 第 16 / 16 题