mit seiner Branntweinbrennerei, könnte als herrliche Staffage zu einer
amerikanischen Wildniß-Ansiedelung dienen. Nahe dabei erscheint eben so
schön, als jenes abschreckend war, das aus 16 Häuschen bestehende
Dörfchen
Wald.
Sein Kirchlein, welches den Trost spendet über die sich von hier
theilenden Alpenpfade ins Ziller- und Pusterthal, rief eben zum
Abendgebeth. Rein und silbern, wie das Alpenland, verklang die Glocke im
Thale; und inner den Thüren der hölzernen Häuschen, neben der bemoosten
Ringmauer der Kirche, tönte der fromme Spruch, welchen die dankbaren
Eltern den Kindern gelehrt, um ihn auch auf die Nachwelt zu bringen.
Glücklich, wem sich sein Leben so schließt, wie der Abend den heutigen
Tag! sein Wirkungskreis muß heiter gewesen seyn, und in den trüben Tagen
des Schicksals muß nie Ungewitter Platz gegriffen, und den Nutzen der
frohen Periode zerschmettert haben. -- Im unansehnlichen Wirthshause
wollte ich meine heutige achtmeilige Wanderung beschliessen; allein
trotz dem guten Willen, mußte weiter gewandert werden. Wirth, Weib und
Dienstleute waren vor einigen Stunden zu den morgigen gebirgsberühmten
Zeller-Kirchweihfeste (im Ziller-Thale) abmarschirt. Sie machten sich
schon heute auf den Weg, um dort zu übernachten, und ja nichts von
diesem Feste zu versäumen. Drei kleine Kinder und eine alte Wärterin
übten dagegen zu Hause ihr Mordio, daß die Ohren gellten, und ich nach
einem Schlucke sauren Weins lieber fortwanderte, als auf dem Bund Stroh
bei solchem Konzerte die Nacht zu verwünschen. »Zu Ranach,« kreischte
die Hekuba, bekäme ich gute Unterkunft und Nachtessen; auf der Karte
fand ich diesen Namen als Dorf angeführt, und so konnte auch die
Prophezeiung erfüllt werden. Die herrliche Lage von _Wald_ will den
Wanderer nicht von sich lassen; begrüßt sie mit allem Zauber den
Ankömmling, so ist’s magnetische Kraft, die den Abreisenden zurückhält.
Ich stand geraume Zeit auf dem Endpunkte einer Bergwiese ober dem
Dörfchen, und zählte die Hütten, und maß die Wälder und Felsen, welche
hoch sie umgeben, und beneidete die Salza, welche herumhüpfend zwischen
grünen Voralpen von ewigem Schnee überglänzt, den schönsten Gebirgstheil
ihren Geburtsort nennt. Und des Himmels Sternenaugen erwachten itzt
häufiger und schneller zur Sorge für die schlummernde Welt; sie
überblitzten das schwindende Roth der spätesten Abendgluth auf den
Gipfeln der Schneealpen, und bis an die Flüsse hinab reichte ihr
forschender Blick, und schwamm darauf wie der Nachen der Hoffnung als
diamantener Schimmer. Nun brach sich der Mond zwischen Wäldern die Bahn,
höher schwang er sich als König der Nacht über seine Huldiger zu dem
grossen Erzeuger. Die Erde schmückt also wieder festlicher Glanz; neue
Gefühle entstehen, das Silberhaupt muntert zum Frohsinn. Muthvoller
eilet der Pilger zum Ziel, lieblicher wird dem Müden die Rast, sanfter
schlägt das Herz in der spröden Schönen, beseligender finden die
Geliebten ihre zarte Umarmung.