Die erste der vorbenannten drei Burgruinen ist

Hohenwang;

links auf einer erhabenen Berghöhe von einem jungen Walde umsäumt,

trauert das mürbe Skelet wegen der Strenge des letzten Jahrhunderts, das

ihm so rachsüchtig Vernichtung und Vergessenheit bereitet. Stolz entwand

es sich der grauen Vorzeit, wo man Gestalten wie Hohenwang zu schätzen

wußte. Die Ritter von _Gallenberg_, von _Schärfenberg_ und

_Auffensteiner_, Namen -- durch Geschichte und Thaten berühmt,

ruhmkrönten diesen Stammsitz, der ihnen dankbar Sicherheit both zu

heilen die Wunden! Lange ruhen diese Familien jeder Verstümmelung

enthoben, indessen du nun ihr treuer Beschützer in deinen Narben

zerfällst!

Vor zwei Jahren bestieg ich die Trümmer welche gutmüthig den letzten

Reichthum -- eine herrliche Uebersicht schenken. Der Thurm ist

zerfallen, die Gemäuer wüste, nur ein unterirdischer Gang mehrere

Klafter fortleitend, verspricht noch Schutz wider Regen und Schnee;

allein eine Kolonie eckelhafter Bewohner der Finsterniß darin, wären zu

abschreckend dem genügsamsten Menschen!

Ein Bauer welcher nächst der Ruine einen Baum fällte, zeigte mir eine

Vertiefung vor dem Schloßgraben; dieß sagte er sey das Türkenloch, wo im

Jahre 1683 die haidnischen Leichname hineingeworfen wurden, welche in

der neuntagigen vergeblichen Bestürmung der Veste ihren Tod gefunden

hätten. Es wäre ein tiefer Abgrund gewesen, der sich mit der Menge

Leiber ebnete, und erst später nach deren Verwesung wieder etwas höhlte.

Wenn auch die Anzahl der Todten übertrieben ist, so erregt doch so ein

alter Krüppel, welcher in seiner Mannheit einem ganzen Geschwader

wüthender Muselmänner widerstanden, doppelt wehmüthiges Mitleiden.

Skizzen einer Fußreise durch Oesterreich, Steiermark, Kärnthen, Salzburg, Berchtesgaden, Tirol und Baiern nach Wien,(#77458) · 第 5 / 47 题