NH₄Cl = NH₄· + Cl′

Cu·· bedeutet, daß das Kupferatom mit zwei positiven Elektronen

verbunden ist.

Da ein- und derselbe Elektrolyt (Salz) sich in Wasser stark, in

Chloroform fast garnicht dissoziiert, so scheint es als ob dem Wasser

eine besonders große ~dissoziierende Kraft~ innewohnt. Nernst wies

zuerst darauf hin, daß zwischen dem Dissoziationsvermögen einer

Flüssigkeit und der Dielektrizitätskonstante ein gewisser

Parallelismus besteht.

In einem Elektrolyten, z. B. in verdünnter Salzsäure, befinden sich

neben den Molekülen des Wassers, von dessen Dissoziation wir einstweilen

absehen, nichtdissoziierte Moleküle der gelösten Substanz, positive

Ionen, nämlich die Wasserstoffionen, und negative Ionen, nämlich die

Chlorionen. Nur bei sehr starker Verdünnung sind sämtliche Moleküle der

gelösten Substanzen dissoziiert. Befinden sich n Moleküle der gelösten

Substanz (dissoziierte Moleküle + indissoziierte Moleküle) in einer

Lösung und sind von diesen m Moleküle dissoziiert, so ist m/n der

~Dissoziationsgrad~.

In jedem noch so kleinen Tröpfchen des Elektrolyten befinden sich

ebensoviele positive Ionen wie negative, so daß das Tröpfchen als Ganzes

unelektrisch ist.

Inbezug auf den osmotischen Druck verhalten sich die Ionen wie die

Moleküle der gelösten Substanz; auf eine semipermeable Wand üben sie

also einen Druck aus. Man wird hier wieder an das Verhalten der Gase

erinnert: Befinden sich in einem abgeschlossenen Raume gleichzeitig

mehrere Gase oder Dämpfe, so übt jedes Gas einen gerade so großen Druck

aus, wie wenn es allein vorhanden wäre. Bei einem Elektrolyten kommen

also, wenn wir von den Ionen des Wassers selbst absehen, drei osmotische

Drucke in Betracht, nämlich der osmotische Druck der nichtdissoziierten

Moleküle, derjenige der positiven Ionen und derjenige der negativen

Ionen.

Auf die Frage, warum in einem Elektrolyten (in der Regel) nicht alle

Moleküle der gelösten Substanz dissoziiert sind, soll mit einigen

wenigen Worten eingegangen werden. Nach der eben mitgeteilten

Auffassung ist die elektrolytische Dissoziation ein Vorgang nach

Art eines chemischen Prozesses. Für einen solchen gilt das

Massenwirkungsgesetz[4]. Wenn wir also beispielsweise Salzsäure in

Wasser gießen, so bildet sich ein Gleichgewichtszustand aus, der

dadurch charakterisiert ist, daß die Anzahl der Moleküle, die in

1 Sekunde zerfallen, gerade so groß ist wie die Anzahl der durch

Wiedervereinigungen eines positiven und negativen Ions entstehenden

neutralen Moleküle. -- Würden sich in einer starken Lösung, etwa in

einer 30prozentigen Kochsalzlösung alle Moleküle der gelösten Substanz

dissoziieren, so würde der Abstand zwischen den einzelnen Ionen ein

außerordentlich kleiner sein; die entgegengesetzten Ladungen der

positiven und negativen Ionen würden sich so stark anziehen, daß

zahlreiche Wiedervereinigungen stattfinden würden. Man sieht ein, daß in

jedem Kubikzentimeter der Lösung nur eine bestimmte Anzahl von Ionen

existieren kann. Mit zunehmender Verdünnung muß also die Dissoziation

fortschreiten.

~Elektrolyse.~ Nur ~diejenigen Flüssigkeiten leiten~ den elektrischen

Strom, ~in denen sich freie Ionen befinden~. Die Stromleitung in einem

Elektrolyten besteht nun darin, daß die von der positiven Elektrode

abgestoßenen und von der negativen Elektrode angezogenen positiven Ionen

nach der einen und die negativen nach der entgegengesetzten Richtung

wandern. Die Geschwindigkeit, mit der sich die Ionen durch die

Flüssigkeit hindurch bewegen, die übrigens wegen der sehr großen Reibung

zwischen den Wassermolekülen und den Ionen eine sehr geringe ist, hat

für die verschiedenen Ionenarten verschiedene Werte.

Bei der Elektrolyse geben die an den Elektroden ankommenden Ionen an

diese ihre Ladungen ab, sie werden entionisiert oder gehen in den

atomistischen („gewöhnlichen‟) Zustand über. In manchen Fällen gehen

nach der Entionisierung sekundäre (rein chemische) Prozesse vor sich.

Wird z. B. CuSO₄ = Cu·· + SO₄′′ zwischen Kupferelektroden

elektrolysiert, so verbindet sich das SO₄-Radikal (nach seiner

Entionisierung) mit einem Atom Kupfer der Elektrode zu CuSO₄[5].

Die dem Elektrolyten zugeführte Energie kann also in zwei Teile

zerlegt werden. Der eine Teil dient dazu, die Ionen zu bewegen; die

entsprechende Arbeit wird in Wärme umgesetzt. Die zweite Arbeit, die

der Strom leistet, besteht darin, daß die Ionen ihrer Ladungen beraubt

werden. -- Die Entionisierung eines Ions, z. B. eines Natriumions kann

man als einen chemischen Prozeß auffassen, an dem das Natriumion und

ein negatives Elektron beteiligt ist und bei dem Energie verbraucht

wird.

Das ~Faradaysche Gesetz~ erscheint vom Standpunkte der Ionentheorie aus

als etwas Selbstverständliches. Man sieht nämlich ohne weiteres ein,

daß

1. die zersetzten Mengen des Elektrolyten den durchgegangenen

Elektrizitätsmengen proportional sind und daß

2. die Mengen der gleichzeitig aus verschiedenen Elektrolyten

ausgeschiedenen Stoffe ihren chemischen Äquivalenten proportional sind

(an chemisch äquivalente Stoffmengen sind gleiche Elektrizitätsmengen

gebunden). An 1 Gramm Wasserstoffionen sind 96540 Coulomb gebunden;

ebenso an 23 Gramm Natriumionen etc. Um 1 Gramm Wasserstoff durch

Elektrolyse irgend eines Elektrolyten zu erhalten, muß man der

Stromquelle 96540 Coulomb positive Elektrizität entnehmen, oder bei 1

Ampere Stromstärke muß die Elektrolyse 96540 Sekunden lang dauern.

Wir wollen jetzt noch im Besonderen betrachten ~die Elektrolyse der

verdünnten Schwefelsäure~. Aus dem Umstande, daß chemisch reines Wasser

den elektrischen Strom nur sehr schlecht leitet, muß man folgern, daß

sich in reinem Wasser nur eine geringe Anzahl von Ionen befindet. In

chemisch reinem Wasser können sich natürlich nur solche Ionen befinden,

die durch Dissoziation der Wassermoleküle selbst entstehen. Diese

spalten sich, allerdings nur zu einem sehr kleinen Prozentsatze, nach

der Gleichung

Die Akkumulatoren: ihre Theorie, Herstellung, Behandlung und Verwendung. · 第 16 / 66 题