9. ~Kapitel~. Die Verwendung der Akkumulatoren 166

Erstes Kapitel.

Theorie der galvanischen Elemente und der Elektrolyse.

~Vorläufige Erklärung der Vorgänge im Bleiakkumulator~. Ein

Bleiakkumulator in seiner einfachsten Gestalt besteht aus zwei

Bleiplatten, die in verdünnte Schwefelsäure eintauchen. Schickt man

durch den elektrolytischen Apparat einen elektrischen Strom, so bildet

sich an derjenigen Elektrode, die mit dem positiven Pole der Stromquelle

verbunden ist, der Anode, Bleisuperoxyd, das eine braunrote Farbe hat;

an der negativen Elektrode, der Kathode, wird Bleioxyd[1], das sich,

bevor die Bleiplatten in die Säure getaucht wurden, an der Luft gebildet

hatte, zu metallischem Blei reduziert.

Wenn an beiden Elektroden Gasentwicklung erfolgt -- was bei unserem

Laboratoriumsversuch schon nach kurzer Zeit der Fall ist --, so

unterbricht man den Ladestrom. Wir haben jetzt die Kombination vor uns

Blei und Bleisuperoxyd in verdünnter Schwefelsäure:

Pb | H₂SO₄ + aqua | PbO₂

- | | +

Das Minuszeichen unter Blei bedeutet, daß die betreffende Platte der

negative Pol des Elementes ist. Unsere Kombination ist, wie wir leicht

mittels eines Galvanoskops nachweisen können, ein galvanisches Element,

ähnlich wie

Zn | H₂SO₄ + aq | Cu.

- | | +

Wie wir später sehen werden, bildet sich bei der Entladung auf beiden

Elektroden Bleisulfat. Die beiden Platten werden also einander um so

ähnlicher, je mehr Elektrizität unser Akkumulator abgibt. Wenn man aber

zwei ~gleiche~ Elektroden in denselben Elektrolyten eintaucht, so erhält

man kein galvanisches Element. Die elektromotorische Kraft unseres

primitiven Akkumulators muß also während der Stromabgabe mehr oder

weniger schnell abnehmen.

Bei dem beschriebenen Laboratoriumsversuch findet man, daß nach

Beendigung der Entladung die braunrote Farbe keineswegs ganz

verschwunden ist, daß also Reste von PbO₂ zurückbleiben.

Laden wir den Akkumulator jetzt wieder, so wird Bleisulfat an der

negativen Elektrode in metallisches Blei und an der positiven Platte in

Bleisuperoxyd verwandelt.

Bei der Ladung sowohl wie bei der Entladung spielen sich im Akkumulator

chemische Prozesse ab. Bei der Ladung wird ein chemisches System

gleichsam gewaltsam verändert (ähnlich wie eine Spiralfeder beim

Zusammendrücken), das veränderte System hat das Bestreben, in seinen

ursprünglichen Zustand zurückzukehren. Bei der Ladung wird in dem

Akkumulator chemische Energie aufgespeichert, und zwar entsteht diese

aus elektrischer Energie. In dem Akkumulator wird also keineswegs

elektrische Energie als solche aufbewahrt, gerade so wenig wie dies bei

einem Gewichte der Fall ist, das durch einen Elektromotor gehoben wurde.

Den Charakter eines galvanischen Elementes erhält der Akkumulator erst

dadurch, daß man ihm elektrische Energie zuführt. Man bezeichnet ihn

daher auch als ~Sekundärelement~.

Im Prinzip unterscheidet sich ein geladener Akkumulator in nichts von

einem gewöhnlichen Primärelement (z. B. einem Daniell-Element). Wir

müssen daher im Folgenden auf die Theorie der galvanischen Elemente

näher eingehen.

An den chemischen Vorgängen im Akkumulator ist der Elektrolyt in

hervorragender Weise beteiligt. Es ist daher jedem, der nur etwas tiefer

in die Theorie des Bleiakkumulators eindringen will, anzuraten, sich ein

möglichst klares und vollständiges Bild von den Vorgängen, die sich bei

der Elektrolyse der verdünnten Schwefelsäure abspielen, zu verschaffen.

[Hingewiesen sei hier auf das Kapitel VIII in ~Le Blancs~ Lehrbuch der

Elektrochemie.]

Da die neueren elektrochemischen Theorien, soweit es der Raum gestattet,

in unserer Schrift Berücksichtigung finden sollen, so wollen wir mit

einer Besprechung einiger wichtiger Grundbegriffe dieses Gebietes

beginnen.

Der ~osmotische Druck~. Um diesen außerordentlich wichtigen Begriff klar

zu machen, wollen wir von einem Nichtelektrolyten ausgehen; als Beispiel

diene eine Zuckerlösung. Ein Standglas mit vorspringendem Rande fülle

man mit einer Zuckerlösung und verschließe das Glas mittels einer vorher

in lauwarmem Wasser aufgeweichten Schweinsblase, wobei darauf zu achten

ist, daß keine Luftblasen eingeschlossen werden. Durch einen Bindfaden

ist die Membran unterhalb des Glasrandes gut zu befestigen. Stellt man

das Präparat in ein größeres, mit Wasser gefülltes Gefäß, so findet man

nach etwa 24 Stunden, daß sich die Membran sehr stark gewölbt hat, und

wir schließen daraus, daß von der Zuckerlösung auf die Membran ein Druck

ausgeübt wurde. Da die Wölbung nicht erfolgt, wenn wir das Standglas mit

Wasser füllen, so schließen wir weiter, daß der eben erwähnte Druck von

den Zuckermolekülen herrührt. -- Die Schweinsblase hat die

Eigenschaft[2], den Wassermolekülen den Durchgang zu gestatten, nicht

aber den Zuckermolekülen, sie ist ~halbdurchlässig~ oder semipermeabel.

Denken wir uns nun die Zeit in sehr kleine Intervalle geteilt, so können

wir die Vorgänge in dem Standglase (Zelle) folgendermaßen erklären: Die

Zuckermoleküle üben einen Druck auf die Membran aus; diese wird um ein

unendlich kleines Stück gehoben, in den freien Raum dringt Wasser ein.

Während des folgenden Zeitabschnittes wiederholt sich das Spiel usw. Die

Membran wölbt sich also langsam im Laufe der Zeit. Dem osmotischen

Drucke der Zuckermoleküle -- so nennt man den auf die Membran ausgeübten

Druck -- wirkt die Spannung der Membran entgegen. Nehmen wir nun an, daß

die Schweinsblase vollkommen, auch bei jedem Drucke halbdurchlässig ist,

und daß sie jeden beliebig hohen Druck auszuhalten vermag, ohne zu

platzen, so schließen wir weiter, daß sich nach einer gewissen Zeit ein

Gleichgewichtszustand ausbildet, der natürlich dann vorhanden ist, wenn

der osmotische Druck der Zuckermoleküle gleich ist der Spannung der

Membran. Der nach Innen gerichtete Druck der gespannten Membran nach

Eintritt des Gleichgewichtszustandes, d. h. wenn eine weitere Wölbung

der Membran nicht mehr erfolgt, ist gleich dem osmotischen Drucke der

Lösung.

Auch in folgender Weise gelangt man zu einer Vorstellung über den

osmotischen Druck. Wenn wir bei Beginn des Versuches die Membran

belasten, etwa durch Auflegen von Gewichtsteinen, so erfolgt das

Eindringen des Wassers langsamer als eben und bei einer gewissen

Belastung wölbt sich die Membran überhaupt nicht. Beträgt die

betreffende Belastung p kg pro 1 cm² Oberfläche, so ist p ein Maß für

den osmotischen Druck.

Nach der kinetischen Theorie der Flüssigkeiten kommt der osmotische

Druck dadurch zustande, daß Zuckermoleküle gegen die Membran prallen und

Stöße auf diese ausüben.

Auf die für den osmotischen Druck gültigen Gesetze, die übrigens, wie

~van ’t Hoff~ zeigte, mit den Gasgesetzen übereinstimmen, soll nicht

näher eingegangen werden; es sei nur bemerkt, daß der osmotische Druck

mit der Konzentration wächst.

~Die elektrolytische Dissoziation.~ Man fand, daß die Lösungen von

Säuren, Salzen und Basen (Elektrolyte) einen anormal hohen osmotischen

Druck haben. ~Arrhenius~ erklärte diese Erscheinung durch die Annahme,

daß sich Moleküle der gelösten Substanz dissoziieren. Eine einfache

Überlegung zeigt uns aber, daß die Dissoziation in Elektrolyten von der

gewöhnlichen Dissoziation verschieden sein muß. Wählen wir als Beispiel

eine Salmiaklösung. Bei hoher Temperatur spaltet sich (dampfförmiger)

Salmiak nach der Gleichung

NH₄Cl = NH₃ + HCl.

Würde die Dissoziation in der Salmiaklösung in derselben Weise erfolgen,

so müßte die Flüssigkeit freies Ammoniak enthalten, das an seinem

scharfen, stechenden Geruch leicht erkannt werden kann. Eine

Salmiaklösung riecht aber nicht nach Ammoniak. Die ~Dissoziation in

Elektrolyten erfolgt~ nun in der Weise, daß ~elektrisch geladene

Komponenten~ entstehen. Das Kochsalzmolekül z. B. spaltet sich in ein

positiv geladenes Natriumatom und ein negativ geladenes Chloratom. Die

Komponenten nennt man ~Ionen~, d. h. die Wandernden, weil sie sich unter

dem Einflusse elektrischer Kräfte bewegen.

Die elektrolytische Dissoziation kann man als einen chemischen Prozeß

auffassen, der sich zwischen einem Molekül der gelösten Substanz und

einem Neutron[3] abspielt und den man für Kochsalz durch die Gleichung

versinnlichen kann:

NaCl + ⊕-⊖ = Na-⊕ + Cl-⊖.

Die Akkumulatoren: ihre Theorie, Herstellung, Behandlung und Verwendung. · 第 13 / 66 题