(Lisbeth allein. Sie macht etwas Ordnung im Zimmer.)
Lisbeth: War das ein wildes Lärmen diese Nacht!
Ich konnte lange nicht zur Ruhe kommen
Vor all’ dem Poltern und dem wüsten Schrei’n.
Ob’s auch so wär’, wenn meine Mutter lebte?
Ich hab’ es nie so schwer und tief gefühlt,
Daß mir die Mutter fehlt, als eben jetzt,
Da mir’s so enge wird im eig’nen Herzen,
Da ich so gern an eine Brust mich schmiegte,
Die gleiches Fühlen einstmals hat durchbebt.
(Seufzend): Wie klingt der Name »Vaterhaus« so süß,
Wie ist es and’rer Menschen Paradies,
Das sie ersehnen, wenn sie ferne weilen,
Von dem sie träumen noch mit grauem Haar —
Ein Kerker ist es mir trotz seiner Schätze.
Was ist der Vater andern Kindern doch!
Der Herr des Hauses, doch ein milder Herr,
Ein leuchtend Vorbild ist er seinen Söhnen,
Und seinen Töchtern ist er Inbegriff
Von allem, was erhaben, gut und edel;
Nach seinem Bilde malt die Jungfrau sich
Den Liebsten aus in ihren Zukunftsträumen,
Mit seiner Güte, seinem milden Ernst
Schmückt sie den Gatten aus, den sie ersehnt.
Mein Vater ist so rauh, so hart und kalt,
Ich könnte Schlimmeres mir nimmer denken
Als einen Gatten, der dem Vater gleicht.
Und ihm soll ich vertrauend mich erschließen
Und ihm eröffnen, was mein Herz bewegt?
Nein, nimmermehr, ich wollte lieber sterben.
(Sie tritt zum Fenster und blickt traurig hinaus.)
Tage der Jugend,
Andern so licht,
Mir seid ihr trübe,
Mir glänzt ihr nicht.
Frühling auf Erden,
Andern zur Lust,
Mir weckst du Trauer
Nur in der Brust.
Alles verkündet
Froh deine Macht,
Wem soll ich sagen:
Mein Herz ist erwacht?
Wonnig erbebend
Alles sich regt,
Ich muß verbergen,
Was mich bewegt.
Frühling, du holder,
Der du den Bach
Vom Eise befreiest,
O, küsse mich wach!
Mach’ meine Liebe,
Die traumhaft und zart,
Mach’ sie gewaltig,
Von kühnerer Art.
Daß sie die Schranken
Gewaltsam durchbricht,
Mächtig sich ringet
Aus Dunkel zum Licht.
(Mux tritt ein, Lisbeth wendet sich erschrocken um.)