Mux. Griesenpeck. Thenk. Gerl. Schuster. Schneider.
Thenk: Nun wär’s wohl Zeit zum Heimgehn.
Schuster: Bleibt noch da!
Griesenpeck: Der Thenk hat’s immer eilig mit dem Aufbruch!
Sagt, ist denn eure Alte gar so scharf?
Thenk: Nicht schärfer als die eure, Griesenpeck,
Und uns’re Predigt blieb’ uns nicht geschenkt,
Wenn wir um ein paar Stunden früher kämen,
Doch muß ein Ende sein.
Griesenpeck: Na, sei es denn!
Fangt an euch langsam aufzukrabbeln, Gerl,
Bei euch geht’s nicht so rasch!
Gerl: Ich hab’ noch Durst.
Thenk: Wir aber keine Kraft, euch heimzuschleppen.
Gerl: Ich komm’ alleine heim, schweigt ihr nur still!
Der Gerl braucht ein bißchen Schwergewicht,
Wenn er soll sicher stehn. Trink’ ich noch eins,
Dann ist’s gerade recht. (Er leert den Krug.)
Schuster: Wir wollen bleiben.
Ich roll’ euch nachher heim.
Gerl: Ihr rollt mich heim!
Ihr tut, als wäre ich ein Trunkenbold,
Der seiner Sinn’ und Glieder nicht mehr mächtig.
Wenn ihr das euern Weibern so erzählt,
Und die erzählen’s wieder andern weiter,
So ist’s kein Wunder, daß dann meine Alte
Die Hände überm Kopf zusammenschlägt,
Wenn ich nach Hause komm’.
Griesenpeck: Ihr kommt nach Hause?
Ihr werdet hingelegt vor eure Tür.
Gerl: Ah, das ist stark! Ihr wollt doch nicht behaupten,
Daß ich wie einer, der zum erstenmal
Am Wein gerochen, unterm Tisch gleich liege?
Vertrag’ ich etwa nichts?
Thenk: Mehr als wir alle,
Doch trinkt ihr stets noch mehr als ihr vertragt.
Griesenpeck: Der Mux schläft auch schon längst.
Gerl: Ich bin noch frisch.
Seht her, ich tanz’ noch eins. (Er erhebt sich, taumelt
und fällt auf seinen Sitz zurück.) Verdammte Beine!
Thenk: Da habt ihr’s nun!
Gerl: Drum soll ich sitzen bleiben
Und gar nicht heimgehn.
Schuster (schaut in die Krüge und leert Muxens Krug):
’s ist kein Wein mehr da.
Schafft Wein her, Mux, ihr seid ein netter Wirt!
Mux (im Schlafe stöhnend): O, Mutter, bleib, o gehe nicht von mir!
Thenk: Er träumt von seiner Mutter, laßt ihn geh’n!
Griesenpeck: Wir schleppen Gerl und ihr weckt den Schneider!
Mux (klagend): Tage der Jugend, o kehrt mir zurück!
Griesenpeck: Der Mux träumt schwer, dem liegt etwas im Magen.
Schuster (den Schneider weckend): Steht auf, wir gehen heim!
Schneider (erwachend): Was wollt ihr denn?
Schuster: Wir wollen heim.
Schneider: Ich will noch lustig sein.
Schuster: ’s gibt nichts zu saufen mehr.
Schneider: Dann will ich singen.
(Lallend): Flöß’ in der Donau lauter Wein,
Dann möcht’ ich wohl ein Karpfen sein.
Dann möcht’ ich (schlucksend) möcht’ ich (steht auf, setzt
sich aber sogleich auf den Boden) wohl ein Karpfen
sein (auf der Erde sitzend, immer lallend.)
Ich möcht’ ein Karpfen sein, ein Karpfen möcht’ ich
(wieder einschlafend) Ein Karpfen (der Schuster rüttelt ihn),
Ich möcht’ ein Karpfen sein.
Schuster: Ihr seid ja einer, schwimmt nur endlich fort!
(Er schleift ihn hinaus.)
Gerl: Der hat’s im Kopf, ich hab’s bloß in den Beinen,
Ich bin ein ganzer Kerl! Haltet fest!
Nur meine Beine .... haltet, haltet doch!
(Sie stolpern endlich rechts hinaus.)
(Leise Musik, im Wandgetäfel erscheint lichtumflossen eine weibliche,
rosenumkränzte Gestalt, die Liebe.)
Die Liebe: Ich bin die Liebe! Still in deinem Herzen
Halt’ ich den Schlaf, in den du mich gebannt,
In deine Träume nur darf ich mich schleichen,
O, wecke mich zu vollem Leben auf!
In deiner Brust entspringt der goldne Born,
Der unversiegbar immer sich ergießet,
Der immer reicher quillt, je mehr du schöpfst.
O schöpf aus diesem Quell, dem ewig reinen,
Und liebe, wo du kannst. O, laß das Gold,
Das ungemünzt in deinem Herzen ruht,
Nicht länger ruhn. Uebst du Barmherzigkeit,
Erwarte nicht des Nächsten Dank als Lohn,
Die Liebe zahlt vorweg, sie lohnt sich selbst.
(Die Erscheinung verschwindet; von draußen ertönt ein kräftiger Schlag
auf den Amboß, dann die Stimme des Lehrlings.)
Lehrling (von außen): Gesellen auf! Der erste Hammerschlag
Weckt aus dem Traum, lockt aus den Federn euch;
Zur Arbeit auf! Der Hammer rief die Stunde.
Mux (erwacht und reibt sich verwundert Augen und
Stirne): Was war denn das: Welch wunderbarer Traum!
In all den langen Jahren träumt ich nie
Und heut’ auf einmal zog mein ganzes Leben
An mir vorbei — woran soll das mich mahnen?
(Er richtet sich auf.)
Wie, ich sitz’ hier? So ruht’ ich heute nicht
In meinem Bette, wie ich sonst es pflege?
Nun ist es klar, woher der Traum mir kam!
Ja, ja, wir hatten gestern schwer geladen,
Die Politik macht einem gar so warm,
Man fühlt mit Wein und glättet auch die Kehlen,
Die rauhgeschrie’nen, immer nur mit Wein,
Das tut nicht gut, des Weines Geister treiben
Ihr tolles Spiel mit uns im Schlafe dann.
(Er reißt Fensterläden und Fenster auf, das helle Sonnenlicht fällt
herein.)
Von Weindunst ist die ganze Stub’ erfüllt,
Da kann kein nüchterner Gedanke kommen.
Nun rasch den Kopf ins Wasser, dann entfliehn
Die Geister ganz, die mich gefesselt hielten.
(Er verläßt die Stube durch die Tür links; durch die Tür rechts
kommt der Lehrling; er lugt erst vorsichtig in die Stube; da er sie
leer findet, tritt er zum Tisch und untersucht Teller und Krüge.)