Mux (allein): Ei! Schon geschlossen? Ist es denn so spät?
Wie doch im Plaudern schnell die Zeit vergeht!
Man hat sich immer etwas noch zu sagen —
Nur dieses noch und jetzt noch einen Kuß —
Und immer kommt man nicht damit zu Ende;
Es reiht sich Wort an Wort und Kuß an Kuß,
Doch auch Minute reiht sich an Minute
Und eh’ man’s merkt, sind viele Stunden um.
Mein Lenchen, sieh, du bist ein kostbar Liebchen,
’Nen blanken Kreuzer gilt dein Abschiedskuß,
Denn grad’ um den bin ich zu spät gekommen.
Das wurmt mich eigentlich; auf einen Kuß
Hätt’ ich zur Not auch wohl verzichten können,
Ich will mir’s merken für ein andermal.
(Er greift in die Tasche.)
Wo hab’ ich nur den Beutel hingestreckt?
(Er durchsucht alle Taschen.)
Hier ist er nicht, da auch nicht — wo, zum Teufel
Kann er nur sein? Hätt’ ich ihn gar verloren?
Das wäre bös. Wahrhaftig, er ist fort!
Was fang’ ich an, ich unglücksel’ger Mensch?
Die drinnen bitten, nützt soviel wie nichts,
Nur einen Sack voll Grobheit könnt’ ich ernten;
Soll ich ein Stück des Wegs zurückegeh’n,
Den Beutel suchen? Finster ist die Nacht,
Ich sehe kaum zu meinen Füßen nieder.
Hier in der Vorstadt kenn’ ich keinen Menschen
Und zu der Lene kann ich nicht zurück —
Ihr Dienstherr nähme sauber mich beim Kragen,
Pocht’ ich zu solcher Stunde an sein Haus.
Was aber fang’ ich an? Gerade heute
Hieß mich der Meister bald nach Hause kehren,
Weil morgen es so heiße Arbeit gibt —
Er wirft mich sicher schlankweg aus dem Hause.
Ich möchte flennen wie ein kleines Kind —
Verdammte Weiber ihr mit eurem Kosen,
Ihr wart von jeher alles Uebels Schuld,
Euch sollte allesamt der Teufel holen
Und jeden Gimpel wahrlich auch dazu,
Der seine Pflicht versäumt um euretwillen!
(Ein Mann im rotem Mantel nähert sich ihm.)