Endlich gab er sich einen Ruck, rannte in die Wirtschaft zurück, auf
den Tisch zu.
Es war keiner mehr da. Er fuhr den Ordnungsmann an. Fragte, flehte,
weinte. Vergebens.
In sich zusammengesunken verließ er die Wirtschaft. Machte sich auf
den Heimweg. Als er vor dem Haus stand, in dem er wohnte,--hielt er
inne. Er griff nochmal in alle Taschen.
Dann, als er die Treppen emporstieg, schien es, als hätte sein Gang
wieder die gewöhnliche Ruhe und Gleichgültigkeit, mit der er sonst
dahinschritt. Der Dunst des Zimmers schlug ihm ätzend entgegen. Es war
still und düster. Die zwei Kinder lagen im Korb, in einem Berg von
Lumpen, und schliefen. Anna saß am Tisch, die Petroleumlampe flammte
ärmlich und bläulich üher ihre Hände.
Gleichgültig schaute das Weib vom Sockenstopfen auf und rief: "Hast
was gefunden?"
Michel schwieg, drehte sich umständlich um und schloß die Tür. Dann,
seinem Weib wieder zugewendet, sagte er: "Zuwas stopfst' Socken? ...
Brauchst bloß Licht."
"Hast denn solang braucht?" fragte Anna und fixierte nunmehr die
ungewohnte Kleidung ihres Mannes.
"Ja ...," sagte Michel und zog seinen Überzieher aus, "ist eine schöne
Strecke gewesen...."
"Ist ein schönes Stück Gewand," sagte Anna wieder, als Michel näher
ans Licht getreten war und sich auszuziehen begann, "sonst hat er also
nichts gehabt?"
Der Michel schnaubte ein paarmal auf. Dann rief er einsilbig: "Geh,
leg dich nieder ... für uns wär's besser gewesen, man hätt' uns im
ersten Bad ertränkt ... leg dich nieder, Alte!"
Und plumpsig ließ er sich ins Bett fallen, daß die Federn knarzten.
Bald darauf lag auch Anna an seiner Seite.
Am ändern Tage trug Michel den Überzieher aufs Leihamt und gab Anna
das Geld.
Wieder wie immer hockte er stumpfsinnig in der Wärmestube der
Arbeitsvermittlung.--