Winzer und Winzerinnen im _Weinberg_. -- Im Westen sinkt die Sonne
hinter die Berggipfel. Helles Glockengeläute vom Tal herauf. --
_Hänschen Rilow_ und _Ernst Röbel_ im höchstgelegenen Rebstück sich
unter den überhängenden Felsen im welkenden Grase wälzend.
=Ernst=
-- Ich habe mich überarbeitet.
=Hänschen=
Laß uns nicht traurig sein! -- Schade um die Minuten.
=Ernst=
Man sieht sie hängen und kann nicht mehr -- und morgen sind sie
gekeltert.
=Hänschen=
Ermüdung ist mir so unerträglich, wie mir’s der Hunger ist.
=Ernst=
Ach, ich kann nicht mehr.
=Hänschen=
Diese leuchtende Muskateller noch!
=Ernst=
Ich bringe die Elastizität nicht mehr auf.
=Hänschen=
Wenn ich die Ranke beuge, baumelt sie uns von Mund zu Mund. Keiner
braucht sich zu rühren. Wir beißen die Beeren ab und lassen den Kamm
zum Stock zurückschnellen.
=Ernst=
Kaum entschließt man sich, und siehe, so dämmert auch schon die
dahingeschwundene Kraft wieder auf.
=Hänschen=
Dazu das flammende Firmament -- und die Abendglocken. -- Ich verspreche
mir wenig mehr von der Zukunft.
=Ernst=
-- Ich sehe mich manchmal schon als hochwürdigen Pfarrer -- ein
gemütvolles Hausmütterchen, eine reichhaltige Bibliothek und Ämter
und Würden in allen Kreisen. Sechs Tage hat man um nachzudenken, und
am siebenten tut man den Mund auf. Beim Spazierengehen reichen einem
Schüler und Schülerinnen die Hand, und wenn man nach Hause kommt,
dampft der Kaffee, der Topfkuchen wird aufgetragen, und durch die
Gartentür bringen die Mädchen Äpfel herein. -- Kannst du dir etwas
Schöneres denken?
=Hänschen=
Ich denke mir halbgeschlossene Wimpern, halbgeöffnete Lippen und
türkische Draperien. -- Ich glaube nicht an das Pathos. Sieh, unsere
Alten zeigen uns lange Gesichter, um ihre Dummheiten zu bemänteln.
Untereinander nennen sie sich Schafsköpfe wie wir. Ich kenne das. --
Wenn ich Millionär bin, werde ich dem lieben Gott ein Denkmal setzen.
-- Denke dir die Zukunft als Milchsette mit Zucker und Zimt. Der eine
wirft sie um und heult, der andere rührt alles durcheinander und
schwitzt. Warum nicht abschöpfen? -- Oder glaubst du nicht, daß es sich
lernen ließe.
=Ernst=
-- Schöpfen wir ab!
=Hänschen=
Was bleibt, fressen die Hühner. -- Ich habe meinen Kopf nun schon aus
so mancher Schlinge gezogen....
=Ernst=
Schöpfen wir ab, Hänschen! -- Warum lachst du?
=Hänschen=
Fängst du schon wieder an?
=Ernst=
Einer muß ja doch anfangen.
=Hänschen=
Wenn wir in dreißig Jahren an einen Abend wie heute zurückdenken,
erscheint er uns vielleicht unsagbar schön!
=Ernst=
Und wie macht sich jetzt alles so ganz von selbst!
=Hänschen=
Warum also nicht!
=Ernst=
Ist man zufällig allein -- dann weint man vielleicht gar.
=Hänschen=