In dem Augenblick, in dem die Nabelschnur durchschnitten wird, geben
die Belenda dem Kinde den +Namen+; sie nennen es entweder nach dem
wichtigsten Moment, der in ihren Träumen eine Rolle spielte, oder nach
dem Gegenstand, den sie am Morgen der Geburt erblickten; ein Zauberer
legt dem Kinde einen von ihm angefertigten Kopfreifen aus Baumrinde
um, auf dem der vereinbarte Name geschrieben steht. Die Semang nennen
das Kind nach dem Namen des Baumes, unter dem es geboren worden ist.
Der Nabelschnurrest der Knaben wurde von den Jakhûn an einen Wurfstein
des Vaters gebunden, mit dem dieser schon einmal einen Feind getötet
hatte, darauf in Seewasser getaucht, gewaschen und in den Rauch zum
Trocknen gehängt, schließlich mit dem Wurfsteine aufbewahrt, bis der
Knabe erwachsen war. Bei seiner Verheiratung nahm er beide Dinge in
Empfang und hob sie gleichfalls auf; ein solcher Wurfstein verfehlte
dann niemals sein Ziel. -- Oft säugen die Frauen der Sakai neben ihren
Kindern auch noch die Jungen ihrer Haustiere, namentlich solche, denen
sie zugetan sind (Abb. 353).
[Illustration:
Phot. J. W. Knocker.
Abb. 354. Wagen, wie er bei Einweihungsfeierlichkeiten für Aufzüge
benützt wird.
An der Ostküste sind Wagen üblich, die Fabelwesen, wie Pfau-Löwen,
fliegende Pferde mit Menschenkopf und so weiter als Aufsatz tragen. Im
Hintergrund des Bildes ist ein solcher Wagen sichtbar.]
+Bei den Malaien+ wird die Mutter und das Kind nicht nur vor der
Geburt des letzteren, sondern auch nachher gegen die bösen Geister
durch mancherlei Methoden gefeit. Eine davon besteht darin, daß sie
einen Heiltrank, genannt der „Hundert-Kräuter-Trank“, weil er so viel
Bestandteile aufweisen soll, zu sich nehmen muß, eine andere darin,
daß sie sozusagen geröstet wird. Mehrmals am Tage wird sie auf einem
erhöhten Gerüst, unter dem ein helles Holzfeuer lodert, der größten
Hitze ausgesetzt, eine allerdings recht grausame Behandlung, die vier
bis vierzig Tage durchgeführt wird und unter Umständen das arme Opfer
buchstäblich seiner Sinne beraubt oder es direkt tötet. Das malaiische
Baby erhält meistens im Verlaufe der ersten Woche (anscheinend
probeweise) seinen +Namen+, erkrankt es aber, dann wird es sofort
von einem anderen adoptiert, wenigstens vorübergehend, und erhält
damit einen neuen Namen. Auf der Ostküste der Halbinsel besteht die
hübsche Sitte, auf sieben verschiedene Bananen verschiedene Namen zu
schreiben und das Kind seinen eigenen selbst wählen zu lassen. Später
schließt sich an die Namensgebung die +Zeremonie des Rasierens des
Kopfes+ und des +ersten Nägelbeschneidens+. Jede dieser Zeremonien
verlangt das Opfer zweier Ziegen, wenn das Kind ein Knabe, und nur
einer Ziege, wenn es ein Mädchen ist. Die Haarabfälle und Nägel werden
jedesmal am Fuße eines Obstbaumes (Bananen-, Granatbaumes und so
weiter) begraben, dadurch glaubt man seine Fruchtbarkeit zu heben.
Ungefähr am vierzigsten Tage wird das Kind ins Freie gebracht und den
Wassergeistern vorgestellt. -- Der Eintritt der Pubertät wird festlich
begangen (Abb. 354).
Die +Ehe der Semang+ ist die Einehe. Während vor ihr große
geschlechtliche Freiheit herrscht, bleiben sich nach ihrem Eingehen
die beiden Gatten fortan treu. Ehebruch wird mit dem Tode bestraft,
indessen kann diese Strafe durch eine Geldbuße abgelöst werden, deren
Höhe aber doch der für einen Mord entspricht. Zeremonien finden
bei Eingehen der Ehe nicht statt. Dagegen begegnen wir solchen in
ausgedehntem Maße bei den malaiischen Stämmen.
[Illustration:
Phot. N. Annandale.
Abb. 355. Szene von einem Kampf zwischen zwei Stieren.
Ihre Haut wird mit Tigerfett eingerieben, um den Gegner mutlos zu
machen.]
Die +Ehe der Malaien+ Malakkas wird von seiten der Eltern oder
Verwandten des Jünglings eingeleitet. Glauben sie, eine passende
Partie für ihn gefunden zu haben, so lassen sie zunächst durch einen
zuverlässigen Boten aushorchen, ob das Mädchen etwa schon versprochen
ist, falls dies nicht zutrifft, geben sie ihren Wunsch zu erkennen
und lassen gleichzeitig den Tag für die weiteren Vereinbarungen
festsetzen. An diesem Tage stellen sich Vertreter des Jünglings
pünktlich ein, der eine von ihnen überreicht ein Betelnußtablett mit
den dazu gehörigen Dingen (Betelblatt, Kalk, Betelnuß, Gambir) und
die erste Abschlagszahlung des Brautpreises in Gestalt von Silber
oder Schmucksachen. Ein Bruch des Eheversprechens von seiten des
Jünglings hat in der Regel zur Folge, daß er seine Verlobungsgeschenke
(Abb. 356) verwirkt, ein solcher von seiten des Mädchens, daß es
sie in doppeltem Werte zurückerstatten muß. An die Hochzeit selbst
knüpfen sich bei den von dem Islam noch nicht beeinflußten malaiischen
Stämmen eine Unmasse von Gebräuchen, unter denen die Läuterungs- und
Reinigungszeremonien die Hauptsache ausmachen. Sie beruhen zum größten
Teil auf dem Gedanken, daß Bräutigam und Braut eine königliche Rolle
spielen, eine angenommene Identitätsvertauschung, um die Gefahren
abzuwenden, die dem früheren Glauben nach jede Hochzeitsfeier wie
überhaupt jedes kritische Ereignis im Leben des Stammes begleiten. Die
Sitte erfordert drei Dinge für die Gültigkeit der Ehe: die Zahlung des
Brautpreises, das gemeinsame Essen der Brautleute von einer Speise
und die Anerkennung der Ehe vor Zeugen, unter denen die Dorfältesten
anwesend sein müssen. Diese drei Elemente des Eheschlusses finden
sich auch bei den Urwaldstämmen, dagegen erfahren wir nichts von
ihnen über eigentliche Läuterungs- und Reinigungszeremonien. Die
Besisistämme legen großes Gewicht darauf, daß der zukünftige Ehemann
auch imstande ist, seine Frau durch seiner Hände Kraft zu ernähren,
und stellen an ihn diesbezügliche Fragen. Die Parteien setzen sich um
einen Hügel und an den Bräutigam werden etwa folgende Fragen gerichtet:
„Gehst du geschickt mit dem Blasrohr um?“, „Kannst du geschickt Bäume
fällen?“, „Kannst du tüchtig Zigaretten rauchen?“ Fallen die Antworten
zur Zufriedenheit aus, dann wird der letzte Punkt sogleich praktisch
erprobt. Nachdem der Bräutigam der Braut eine Zigarette gegeben und
sich selber auch eine angezündet hat, wird er aufgefordert, sie dreimal
um den Hügel herumzujagen. Erhascht er sie, dann werden beide für
verheiratet erklärt, wenn nicht, dann hat der Mann das Recht, bei einer
anderen Gelegenheit noch einmal sein Glück zu versuchen. Bei anderen
wilden Stämmen tritt an Stelle des Hügels ein Feuer, um das die Braut
herumgejagt wird. Offenbar handelt es sich bei dieser Zeremonie um
einen Überrest des Brautraubes.
[Illustration:
Phot. Cambridge Archaeolog. Museum.
Abb. 356. Körbchen in Vogelform,
die der malaiische Jüngling bei der Verlobung seiner Angebeteten
darbringt.]
Bei den zivilisierten Malaien treten, wie gesagt, noch die
Reinigungszeremonien hinzu, wenn wir von dem kurzen Akte absehen, den
der mohammedanische Moscheebeamte vornimmt; häufig genug aber wird die
+Hochzeit+ ohne Zutun des letzteren gefeiert. Die verschiedenen
Zeremonien, die sich an eine Hochzeit dieser Malaienstämme knüpfen,
sollen oft sieben Tage und ebensoviel Nächte hintereinander dauern. Die
drei ersten Nächte sind hauptsächlich der Austreibung oder Aufhebung
der bösen Mächte und außerdem der Zeremonie des Hennafärbens gewidmet,
die jede für sich in dem Hause des Bräutigams, beziehungsweise
der Braut stattfindet. Am vierten Tage findet der feierliche Zug
des Bräutigams zum Hause der Braut und sodann das königliche
Paradesitzen oder die Erhebung des Brautpaares auf den Thron statt
(Abb. 357). Schließlich wird der letzte oder die drei letzten Tage,
je nach der Dauer der vorausgegangenen Zeremonien, den üblichen
+Läuterungsfeierlichkeiten+ gewidmet. Während der ganzen Zeit
werden jetzt meistens arabische Hymnen gesungen, sowie malaiisches
Fechten und andere Tänze aufgeführt an Stelle der früher bei dieser
Gelegenheit üblichen Hahnen- (Abb. 361) und Stierkämpfe (Abb. 355),
Aufführungen des malaiischen Dramas und so weiter, die aber heutzutage
wohl nur noch im Norden üblich sein dürften.
[Illustration:
Phot. F. W. Knocker.
Abb. 357. Malaiisches Brautpaar bei der Bersandingzeremonie,
bei der es für einen Tag zum Range eines Königs und einer Königin
erhoben wird.]
Das Hennafärben findet zunächst für sich statt, am zweiten Abend
indessen öffentlich unter „Zurschaustellung“ des Brautpaares und zwar
jedes Teiles bei sich zu Hause, und zur Entgegennahme von Glückwünschen
und Geschenken seitens des beiderseitigen Bekanntenkreises. Eine
auserwählte Sippe von Verwandten, Freunden und Dienern begrüßt
Braut und Bräutigam nacheinander nach malaiischer Sitte, streut
etwas gerösteten, mit Safran gelb gefärbten und ganz gewöhnlichen
„gewaschenen“ Reis umher, berührt Stirn und Hände der Brautleute
mit einer zauberkräftigen Reispaste und färbt ihnen noch Hände
und Fußseiten mit Henna. Am vierten Tage spielt das Paar, in
prächtige Gewänder gekleidet, die Rolle eines „eintägigen Königs und
Königin“, wie die malaiische Bezeichnung lautet. Das Eigenartige an
einem malaiischen Hochzeitskleide sind eine goldgestickte, kurze,
krappfarbene Jacke mit engen Ärmeln, ein Sarong und lose seidene
Beinkleider; dazu kommen bei der Braut noch zahlreiche, oft auch nur
geliehene Armbänder, Fußbänder, Halsketten und Brustschmuck, mit denen
sie gleichsam überladen wird, sowie ein seltsam geformter Kopfputz
aus unechten Gold- oder Silberblumen, die, da sie auf Draht gezogen
sind, bei der geringsten Bewegung erzittern und schillern. Außerdem
werden der Braut die Haarspitzen abgeschnitten. Der Bräutigam ist mit
einem steifen Kopfputz, der künstliche Blumen und Reiherfedern trägt,
Halsketten, Armbändern, Brustschmuck und einem Kris geschmückt. Diese
auffällige Anpassung der beiden Geschlechter in ihrer Hochzeitskleidung
soll ohne Zweifel die Gefahren des kritischen Zeitpunktes mildern.
[Illustration:
Phot. W. Tams.
Abb. 358. Hochzeitsandenken und Betelbäume für Aufzüge.
Die vier unteren Stöcke werden jedem Gaste gereicht; sie bestehen aus
bemalten Eiern, ähnlich unseren Ostereiern, Blumen und in Fähnchen, in
die Tierformen eingeschnitten sind. Der Betelbaum in der Mitte wird bei
Hochzeiten im Zuge getragen.]
[Illustration:
Phot. Cambridge Archaeolog. Museum.
Abb. 359. Geisterschwinge eines Zauberers.
Ihr Inhalt besteht in glückbringenden, aus Teig geformten Fischen,
Hühnern, Katzen, Büffeln und Krabben, die den Geistern dargebracht
werden.]
[Illustration:
Phot. Cambridge Archaeolog. Museum.
Abb. 360. Ein Geisterhäuschen,
wie es bei den Einführungsfesten der Jünglinge an der Ostküste
verwendet wird. Man füllt das Häuschen mit den Gaben für die Gäste.]
[Illustration:
Phot. J. Scott-Mason.