Abb. 315.]

[Illustration:

Phot. Bureau of Science, Manila.

Abb. 316.

Abb. 315 und 316. Igorroten und Ilongoten beim Tanz,

der in Bewegungen im Kreise unter Begleitung bronzener Gongs besteht

und von einem Manne angeführt wird. Die Schritte wechseln dabei und die

Bewegungen sind oft dramatischer Natur.]

Die Negrito bekunden eine große +Vorliebe für Musik und Tanz+,

die sie übrigens mit allen Pygmäenvölkern teilen. Zwar sind ihre

Musikinstrumente sehr primitiver Natur; sie bestehen in Flöten und

Violinen aus Bambus, sowie in roh geformten Gitarren, an manchen Orten

aber auch in Gongs, die wahrscheinlich von den Malaien herrühren.

Ein beliebtes Musikwerkzeug ist ein Baumstamm, der zwischen zwei

Bambusgerüsten aufgehängt und so in der Schwebe erhalten wird (Abb.

309). Die Weiber stellen sich in einer Reihe auf und bearbeiten ihn

mit kurzen Hölzern in rhythmischem Trommelschlag, während ein oder

zwei Männer ein Gong zur Begleitung anschlagen. Tanzen bildet ein

Hauptvergnügen für die Negrito und bietet ihnen Gelegenheit, ihrer

übersprudelnden Laune freien Lauf zu lassen. Neben Schrittänzen kennen

sie auch mimische Tänze, in denen sie unter anderem das Einholen

der Ernte, das Einsammeln von Honig, oder Episoden, die sich auf den

Krieg und die Liebe beziehen, dramatisch vorführen. Die +sittlichen

Anschauungen+ der Negrito sind in der Regel ziemlich hohe, wie die

vielen Züge, die über sie berichtet werden, erkennen lassen. Die Liebe

der Eltern zu ihren Kindern ist eine rührende, die ihrerseits wieder

den Eltern mit Hochachtung begegnen. Im allgemeinen können die Negrito

für friedfertig, wahrheitsliebend und ehrlich gelten. Mord soll unter

ihnen eine äußerst seltene Erscheinung sein und nur in der Notwehr

oder aus Blutrache vorkommen. Gelegentliche Abweichungen von dieser

relativ hohen Moral kann nur durch ungünstigen fremden Einfluß erklärt

werden. Über die +Religion+ der Negrito fließen die Beobachtungen nur

spärlich. Was wir wissen, ist, daß sie in dem Glauben an die Geister

Verstorbener besteht, mit denen sie jeden Ort sich belebt denken und

deren Tätigkeit sie jedwedes Mißgeschick zuschreiben. Wenn ihnen

alles gelingt, kümmern sie sich wenig um die Geister. Äußere Formen

der Religion sind unbekannt, außer den schon erwähnten Opfern, die

man nach erfolgreicher Jagd darbringt. Krankheiten betrachtet man

als Strafe, die die Geister für ein Vergehen auferlegen. In nicht

ernsten Fällen machen Medizinmänner den Versuch, den Kranken durch

Austreiben des Geistes zu heilen. Dieses Vorgehen ist für diese unter

Umständen gewagt, wenn nämlich der Erfolg ausbleibt und sie dafür zur

Rechenschaft gezogen werden. Auch +Zaubermittel+ sind den Negrito

bekannt, um Krankheit zu heilen oder Frauen sich geneigt zu machen.

Regen- und Wetterzauber scheinen sie nicht zu kennen, abgesehen, daß

sie Wildknochen verbrennen, um heftige Gewitter abzuschwächen. Auch

glauben sie an gewisse +Vorbedeutungen+.

[Illustration:

Phot. Bureau of Science, Manila.

Die Sitten der Völker, Erster Band Liebe, Ehe, Heirat, Geburt, Religion, Aberglaube, Lebensgewohnheiten, Kultureigentümlichkeiten, Tod und Bestattung bei allen Völkern der Erde · 第 143 / 207 题