Abb. 313. Windschirm der Aëta (Negrito).]

Die Berührung mit den fremden Rassenelementen hat nicht nur die

körperliche Beschaffenheit der Negrito, sondern auch ihre ursprüngliche

Kultur stellenweise mehr oder weniger beeinflußt. Jedoch leben noch

genug Stämme unter ihnen unter ganz primitiven Verhältnissen, so zum

Beispiel die Aëta im Innern von Luzon. Diese führen in kleinen Horden

von höchstens fünfzig Personen ein Wanderleben; der Älteste einer

Schar ist ihr Oberhaupt. Als Obdach dienen ihnen einfache Windschirme

(Abb. 313) oder ähnliche Unterschlupfe, andere Negritostämme kennen

bereits primitive Hütten. Die wichtigste Quelle ihrer Ernährung gibt

neben den Erträgen der Fischerei und den Früchten des Waldes die

+Jagd+ ab; man kann die Negrito geradezu als passionierte Jäger

bezeichnen, die mit großer Gewandtheit und vorzüglichem Scharfsinn

diesem Beruf obliegen. Wenngleich ihre Umgebung keine große Auswahl an

Wild gestattet, so ist doch niemals Schmalhans bei ihnen Küchenmeister,

denn Rotwild, Wildschweine, Eichhörnchen und verschiedene Vögel gibt

es in Hülle und Fülle. Den größeren Säugetieren wird manchmal mit

Fallen nachgestellt, sonst aber ist die Jagd mit Hunden üblich. Selbst

die Frauen beteiligen sich bei den Zambala mit Eifer daran, zumal

wenn Mangel an Hunden ist, und durchstreifen mit lautem Geschrei das

Unterholz, um das Wild aufzuscheuchen. Pfeil und Bogen zu führen, ist

ein Vorrecht der Männer; es sind dies die hauptsächlichsten Waffen,

die die Negrito kennen; daneben kommen bei ihnen auch Lanzen vor und

bei den Batakern von Palawan auch Blasrohre. Der Ertrag der Jagd wird

ins Dorf gebracht, hier zerlegt und verteilt; hierbei wird noch an

dem alten Brauche festgehalten, daß der Mann, der das Tier zuerst

verwundete, dessen Kopf und Brust, derjenige, dessen Hund es zuerst

aufscheuchte, das Hinterviertel und so weiter erhalten. Der Verteilung

geht aber noch eine Opfergabe an die Geister voraus; der Häuptling

schneidet nämlich einen Teil des Herzens oder der Eingeweide des

erbeuteten Tieres in kleine Teile und streut diese umher, wobei er

in eintönigem Gesange ein Gebet hersagt, etwa des Inhaltes: „Geister,

wir danken euch für diese erfolgreiche Jagd. Hier ist euer Anteil

an ihr.“ -- Von einzelnen Stämmen wird auch primitiver Ackerbau in

Form einfachen Reis- und Süßkartoffelanbaus betrieben; der Boden in

den Dschungeln wird durch Abbrennen urbar gemacht. Das +Feuer+

wird auf noch ganz primitive Weise durch Reiben gewonnen. Eine

interessante Abweichung trifft man bei den Batakern der Insel Palawan

an; hier wird ein Rotangstreifen zwischen einem Stück Rindenstoff und

einem gespaltenen Stück Holz mit großer Schnelligkeit auf und nieder

gezogen, bis der Stoff Feuer fängt. Als Kochgeräte bedient man sich der

Bambusröhren, als Teller der Bananenblätter; doch kommen auch schon

eingeführte Gefäße aus Ton und selbst Eisen vor.

[Illustration:

Phot. Bureau of Science, Manila.

Die Sitten der Völker, Erster Band Liebe, Ehe, Heirat, Geburt, Religion, Aberglaube, Lebensgewohnheiten, Kultureigentümlichkeiten, Tod und Bestattung bei allen Völkern der Erde · 第 141 / 207 题