wird von den männlichen Hochzeitsteilnehmern und dem Vater der Braut in
die Moschee begleitet.]
Gewöhnlich ergreift der Jüngling die +Initiative, um Liebe zu
gewinnen+, nur bei den Kalabit tut dies das Mädchen. Die Seedajak
kennen einen eigenartigen +Liebestrank+, um sich ein Mädchen geneigt
zu machen oder deren verlorene Liebe wieder zu gewinnen, den Jayan.
In der Hauptsache besteht er in Kokosnußöl, das aber ein noch in der
Reife stehendes Mädchen zubereitet haben muß, und anderen Zusätzen, die
dem Hersteller im Traume genannt wurden. Sehr wirksam sollen darunter
die Tränen eines weiblichen Meerschweinchens sein; allerdings sind
diese schwer zu erlangen, da man einem Tiere seine Jungen fortnehmen
muß, um es zum Weinen zu bringen. Die Flüssigkeit wird in drei Gefäße
gefüllt, die mit Zeugstopfen verschlossen werden; der Verschluß der
kleinsten Flasche wird mit einer Nadel durchstochen. Man will damit
erreichen, daß, wie die spitze Nadel in den Stoff sich einbohrte, auch
der Liebeszauber in das betreffende Mädchen eindringe. Das Ganze muß an
einem Orte, der von Menschen wenig begangen wird, versteckt werden. Vor
der Anwendung wird an einem entlegenen Platze ein Feuer angezündet, in
dieses wohlriechende Kräuter und aromatische Rinde gestreut und unter
Hersagen eines Zaubergesanges das Gemisch über der Flamme hin und her
geschwenkt. Darauf reibt man damit entweder das Lager oder die Kleider
der Person, die man sich in der Liebe geneigt machen will, oder sie
auch selbst im Schlafe ein, oder setzt die Mischung den Bestandteilen
beim Betelkauen zu. Wer so behandelt wird, der findet angeblich nicht
eher Ruhe, bis er sich in Liebe mit dem Spender vereinigt hat. Fühlt
sich ein Dajakjüngling von einem Mädchen angezogen, so stattet er ihm
Besuche ab, und zwar für gewöhnlich des Nachts, weil das Mädchen dann
von ihren Eltern getrennt, wenn auch oft in demselben Raume schläft.
In solchen Fällen pflegt man von ihm zu sagen, er sei Tabak suchen
gegangen; eine Redensart, die wohl darin ihren Ursprung haben mag, daß
die Frauen des Hauses den Gästen Zigaretten verabreichen. Der Jüngling
weckt das Mädchen und macht ihr ein Geschenk durch eine Betelnuß, die
er sorgfältig in ein Sirihblatt eingehüllt hat. Nimmt sie es an, so
erblickt er hierin das übliche Zeichen der Ermutigung dafür, daß er
bleiben und sich mit ihr unterhalten darf. Nach dem ersten Besuche
läßt er manchmal unter dem Kopfkissen des Mädchens eine Halskette aus
den aufeinandergereihten wohlriechenden Samenkörnern der Balongfrucht
zurück. Sagen dem Mädchen die Besuche ihres Bewerbers zu, so gibt
es ihm dies auf irgendeine Weise zu verstehen, meistens durch eine
Zigarette aus Tabak. Bei den Dajak herrscht, wie bereits erwähnt, das
Herkommen, den Gästen Zigaretten, die in getrocknete Bananenblätter
eingewickelt sind, anzubieten. Das Mädchen pflegt dann ihrem Verehrer
eine nach besonderer Art zusammengebundene Zigarette zu geben, wenn sie
den Wunsch hegt, daß er seinen Besuch verlängern möchte. Findet der
Jüngling, daß das Mädchen seine Besuche gern sieht, dann wiederholt
er sie. Bei glattem Verlauf der ganzen Angelegenheit reißt ihm das
Mädchen die Haare der Augenbrauen und die Wimpern mit einer messingnen
Haarzange aus, während er mit seinem Kopf auf ihrem Schoße ruht;
besitzt er etwa nur wenig Haare, dann pflegt sie wohl zu sagen, daß ein
anderes Mädchen sie schon vor ihr ausgerissen habe. Wenn die Sache so
weit gediehen ist, verbleibt der Jüngling auch die ganze Nacht bis zum
frühen Morgen bei seiner Liebsten. Sodann verlangt er von einem seiner
Bekannten, daß er den Eltern seines Mädchens von seiner Heiratslust
Mitteilung mache. Diese geraten auf diese Nachricht hin in Erstaunen,
manchmal auch nur zum Schein. Begünstigen sie das Verhältnis, so
macht der junge Mann ihnen ein Messinggong oder eine wertvolle Perle
als Unterpfand seiner Aufrichtigkeit zum Geschenk; wird später das
Verhältnis aus irgendeinem Grunde, für den er nicht verantwortlich
gemacht werden kann, gelöst, so erhält er die Geschenke zurück. Jetzt
erfordert die gute Sitte, daß auch die Öffentlichkeit ihre Anerkennung
gibt; irgend ein Freund macht dem Häuptling Mitteilung, der die
Sache entweder gutheißt, womit das Verlöbnis geschlossen ist, oder
irgendeinen Einwand dagegen erhebt, dann aber auch für gewöhnlich
dafür sorgt, daß die Hochzeit überhaupt nicht stattfindet. Nach der
Verlobung sucht man nach günstigen Vorbedeutungen für die Hochzeit.
Der Schrei bestimmter Vögel und der Rehe, wenn sie in der Nähe des
Hauses vernommen werden, gelten als böse Vorbedeutungen; ein Kundiger
wird in den Wald gesandt, um dafür gute zu suchen oder wenigstens
solche, die genügen, um nicht allzu schlechte wieder auszugleichen.
Das Pfeifen eines Trogon, das Zirpen des Mauerspechtes und der hohe
Flug eines Habichts von rechts nach links gelten als günstige Zeichen.
Sind dagegen die Vorzeichen fortdauernd schlechte, so wird die Hochzeit
um ein Jahr aufgeschoben, worauf man die Schicksalsfragen von neuem
stellt. Inzwischen verläßt der Jüngling meistens das Dorf, um sich auf
die Probe zu stellen; er sieht sich nach anderen Mädchen um für den
Fall, daß er sich in seiner ersten Wahl geirrt haben sollte. Kehrt
er aber ebenso gesonnen wieder heim, wie er fortgegangen ist und hat
man inzwischen gute Vorbedeutungen erhalten, so findet die Hochzeit
bald statt, vielfach nach der Ernte um die Zeit des Neumonds, denn
diese gilt für die günstigste. Am Tage vor der Hochzeit läßt sich der
Bräutigam angelegen sein, einen möglichst großen Vorrat an Betelnüssen
und anderen eßbaren Dingen zu beschaffen, damit die Gäste während der
bevorstehenden Zeremonie etwas zu kauen haben. Er selbst und seine
Angehörigen machen den Eltern des Mädchens viele Geschenke, deren Zahl
sich nach der gesellschaftlichen Stellung der Teilnehmer richtet.
Findet die Hochzeit im Hause der Braut statt, so werden Freunde beider
Familien dazu eingeladen; sie versammeln sich in der langen Galerie des
Hauses (Abb. 266). Früh am Morgen erscheint der Bräutigam mit seinen
Trauzeugen und einer Anzahl Krieger im vollen Kriegsstaat (Abb. 267) im
Boot vor dem Hause der Braut, selbst wenn er nur wenige Schritte von
ihr ab wohnen sollte. Sie marschieren alle zum Hause heran und stellen
manchmal große Messinggongs, die sie mitbrachten, in der Galerie in
solchen Zwischenräumen auf, daß die Braut von einem zum anderen treten
kann; auch bringen sie Geschenke mit, die sie vor der Türe aufhäufen.
Darauf versuchen der Bräutigam und seine Gesellschaft die Türe mit
Gewalt zu öffnen, aber die Partei der Braut tritt ihnen entgegen und
treibt sie zurück, worauf sich ein Scheinkampf entspinnt. Dieser
Versuch mit seinen Folgen wiederholt sich mehrere Male, bis schließlich
der Bräutigam und seine Partei ins Zimmer gelangen, aber dann
vielleicht die Entdeckung machen, daß die Braut durch eine andere Türe
in das Zimmer eines ihrer Nachbarn entschlüpft ist. Hat der Bräutigam
die Spur der Braut ganz verloren, so setzt er sich mitten ins Zimmer
hin und raucht gemütlich Zigaretten. Bald erscheint die inzwischen
nachgiebig gewordene Braut mit ihren Freundinnen, findet aber von
seiten des Bräutigams keine Beachtung. Jetzt ist der Zeitpunkt für
die Festsetzung der Mitgift gekommen; den bereits mitgebrachten Gongs
werden bisweilen noch weitere als Teilzahlung hinzugefügt. Ein Schwein
wird darauf getötet, und wenn die Untersuchung seiner Eingeweide
günstige Anzeichen ergibt, besprengt eine Dajong alle Anwesenden mit
dem Blute, segnet gleichzeitig das junge Paar ein und wünscht ihm gut
Glück und viele Kinder. Schließlich treten die Jungvermählten von Gong
zu Gong; damit ist die Zeremonie beendet bis auf einen noch folgenden
Schmaus. -- Der Anklang an die ursprüngliche Raubheirat tritt noch
deutlicher zutage, wenn der Bräutigam eine Entführung in Szene setzt.
Er sowie seine Anhänger rudern mit dem Mädchen davon, werden aber
von den Angehörigen und Freunden des Mädchens scharf verfolgt. Jene
werfen in einemfort wertvolle Gegenstände aus dem Boot ans Ufer, um
die Verfolger dadurch zu veranlassen, daß sie diese aufheben, und sie
so am Näherkommen zu hindern. Dies wird so lange fortgesetzt, bis die
Verfolger annehmen, daß sie den ganzen Besitz des Bräutigams erwischt
haben; dann erst lassen sie ihn und die Braut in Ruhe.
[Illustration:
Aus: de Wit, Java.