Was den Bismarckarchipel anbetrifft, so sei zunächst die Schilderung
der Vorgänge, die sich beim Tode eines großen Häuptlings auf der
Gazellehalbinsel abspielten, hervorgehoben. Als sein Ende geahnt
wurde, ertönte die große Trommel und rief die Verwandten zum
Sterbelager. Die nächsten Angehörigen setzten sich dicht neben den
Sterbenden, befühlten ihn von oben bis unten und murmelten ihm
Trostworte zu; andere saßen umher und kauten Betel, währenddessen
die Weiber draußen ein lautes Geschrei anstimmten. Die Trommel
verkündete schließlich den Tod des Häuptlings. Darauf begann das
Wehklagen der Männer und Frauen, sowie das Dröhnen der Trommel von
neuem; dies währte die ganze Nacht hindurch. Inzwischen wurde eine
niedere Plattform errichtet, auf der am frühen Morgen die Leiche
in sitzender Stellung aufgebahrt und geschmückt wurde (Abbild.
184). In der Zwischenzeit wurden die Plantagen des Verstorbenen
zerstört und all seine Schätze zusammengesucht, die man um ihn herum
aufbaute. Jetzt traten maskierte Gestalten aus dem Walde hervor und
führten eine Reihe Tänze um den Toten auf, die von Trommelschlag
begleitet und durch Wehklagen unterbrochen wurden. Ein Verwandter
des Häuptlings legte einheimisches Geld zu seinen Füßen, das unter
die Tänzer verteilt wurde; diese zogen sich darauf zurück. Weiter
brachte man ein Kanu herbei, legte den Toten hinein, gab ihm ein
Ruder in die Hand, schmückte ihn von neuem, hüllte ihn in Matten und
trug ihn endlich zu Grabe. Das Wehklagen wurde nun stärker, und die
Verwandten ließen sich nur mit Mühe davon abhalten, nicht in das Grab
zu springen. Doch schließlich wurde dieses zugeschaufelt. Und wieder
ertönte Trommelschlag bis zum Morgen. Dadurch wollte man die Seele
des Verstorbenen weit weg nach dem Osten begleiten, an den Ort, wohin
sie vermutlich wandert und wohin die Reise vom frühen Morgen bis zum
Sonnenuntergang dauert. Als daher am nächsten Tage sich die Sonne
zeigte, spähte man nach dem östlichen Himmel aus, um zu sehen, ob eine
Wolke die dort untergehenden Sterne verhülle; war dies der Fall, dann
erblickte man darin ein Anzeichen, daß der Geist seinen Einzug gehalten
hatte. Ungefähr ein Jahr später wurde der Schädel des Häuptlings wieder
ausgegraben, rot und weiß angemalt, mit einem Federbusch geschmückt und
auf eine besondere Plattform gebracht.
[Illustration:
Original i. Ethnogr. Museum, Dresden.