Abb. 176. Kiwaimann in voller Trauer.]

Ein eigenartiger Kultus wird mit dem Schädel von den Eingeborenen der

Geelvinkbai betrieben. Hier wird der Kopf vom übrigen Körper losgelöst,

geräuchert und schön präpariert, das heißt mit künstlichen Ohren und

Nase, die aus Holz geschnitten wurden, und mit Augen aus Fruchtkernen

oder Glasperlen versehen, sodann in einen sogenannten Korwar (Abb.

180), einem aus Holz schön geschnitzten Ahnenbild, aufbewahrt. Außerdem

wird er wie eine lebende Person behandelt; er bekommt seine Mahlzeiten,

empfängt Besuche der Anverwandten und Bekannten und wird von ersteren

um Rat angegangen. -- Die Bergstämme landeinwärts der genannten Bai

trocknen die Leiche auf einem Gerüst, in seltenen Fällen tun sie dies

auch direkt in der Hütte, wo sie den toten Körper an die Wand hängen.

Früher bestand dabei die schreckliche Sitte, das bei der Fäulnis

abfließende Leichenwasser in einem darunterstehenden Gefäße aufzufangen

und der Witwe zum Trinken zu reichen, mit der Begründung, daß sie

sterben müsse, falls sie davon nichts genieße.

Auf den Inseln am östlichen Ende Neuguineas bewahrt man nicht nur den

Schädel, sondern auch andere Knochen des Toten auf, wie die Wirbel,

Finger- und Fußknochen, desgleichen den Unterkiefer, die aufgereiht

von den Verwandten als Armbänder oder Halsschmuck getragen werden

(Abb. 174). Die langen Röhrenknochen werden zu den kleinen Spateln

umgearbeitet, mit denen man bei feierlichen Gelegenheiten die Kalkmasse

aus dem Kürbisbehälter für das Betelkauen herausholt.

[Illustration:

Aus: v. d. Sande, Nova Guinea.

Die Sitten der Völker, Erster Band Liebe, Ehe, Heirat, Geburt, Religion, Aberglaube, Lebensgewohnheiten, Kultureigentümlichkeiten, Tod und Bestattung bei allen Völkern der Erde · 第 96 / 207 题