Zumeist wird der Tote wie bei uns der Erde übergeben. In Gegenden,
wo eine solche Bestattung ein Vorrecht der Häuptlinge ist, wird die
Leiche in die See versenkt. In einigen Gegenden ist es Brauch, daß nahe
Verwandte des Toten ein paar Knochen von ihm zurückbehalten und sie
später als Reliquien tragen, oder in bestimmten Schreinen aufbewahren.
Am Kaiserin-Augusta-Fluß (Deutsch-Neuguinea) trägt man auf die Schädel
Verstorbener eine plastische Masse auf und modelliert diese naturgetreu
zu einem Gesicht. Die Augen werden durch Muscheln ersetzt, die
Kopfhaare durch Zotteln, das ganze Gesicht schließlich mit Zeichnungen
bedeckt, die an die Tatauierungen der Maori erinnern (Abb. 159 bis
162). Anderwärts wieder herrscht die Sitte, zunächst den ganzen Körper
zu bestatten, später aber das Skelett auszugraben und einzelne Teile
davon zur Aufbewahrung loszulösen. Für bedeutendere Personen werden
bisweilen große, mehr oder weniger verzierte Totenschreine errichtet,
in denen die Habseligkeiten des Toten mit der Leiche untergebracht
werden. Diese Schreine genießen dann den Ruf besonderer Heiligkeit.
Oft werden dem Verstorbenen der Schmuck und andere Gegenstände, die er
im Leben besessen hat, ins Grab mitgegeben oder auch vor dem Begräbnis
neben der Leiche zur Schau gestellt, in dem Glauben, daß die Seele des
Toten die gespenstischen Elemente der Sachen mit sich nimmt; bisweilen
wird auch die ganze Habe des Verstorbenen zerstört. Auf den Salomonen
wird das Grab eines Häuptlings oder einer Person von Ansehen mit einem
manchmal treppenförmig abgestuften Steinhaufen bedeckt, auf dem oben
ein aus einem Baumstamme roh geschnittener Gedächtnisblock aufgestellt
oder auch ein kleiner Aufbau, etwa ein auf einem kurzen Pfosten
ruhendes Kegeldach oder ein von aufrecht stehenden Stöcken getragenes
Giebeldach oder auch ein winziges hausähnliches Gefäß errichtet werden
(Abb. 182). Meistens findet sich aber in einem solchen Grabe nicht
der ganze Körper des Toten, sondern nur sein Schädel oder einzelne
Knochen beigesetzt. Bei den Mafulu und in einigen Teilen Neuguineas
werden die Toten auf Plattformen, die auf rohen Holzgerüsten für diesen
Zweck besonders errichtet sind, oder in die Gabelung eines heiligen
Feigenbaumes ausgesetzt und dem Verfall überlassen (Abb. 163).
[Illustration:
Phot. A. C. Haddon.