Immer bin ich dir nah, Geliebte, ob ich des Abends
Müde mich in gütige Decken wickle
Oder am Morgen von hüllendem Bett aufstehe,
Ob ich, noch halb verschlafen, am Kaffeetisch sitze,
Zitternd vor böser Schule marternder Dumpfheit,
Ob ich auf Straßen gehe, wo Menschen schwirren,
Grinsende Worte mich ekeln, gute mir schmeicheln,
Oder ob ich vor grausamer Arbeit verzweifle:
Immer schwebst du vor mir, besternt und bestrahlt,
Himmel am Abend, goldener Widerschein
Purpurner Sonnen im Meere, leichtes Gewölk,
Duft und Zerfließen, schattiger Wald im Glühen
Drückender Wärmen, unendliche Melodie,
Aufsteigend, schmetternd, rasend und dann vergehend,
Schmeichelnd, peitschend, Seelenatem zerreißend,
Lächelnde Blumen auf brennendes Denken streuend.
Deine Seele, die in verborgene Tiefen
Nur ihr Letztes ausstrahlt, und die ich nicht kenne,
Die sich mir nie enthüllte, liegt dann ganz oben,
Ausgebreitet dem suchenden Blick. Und die Reinheit
Glanzvoller Tage blendet mich, daß ich erbebe
Und Verzückung einatme und seliges Rauschen
Aller strahlenden Flüsse und schimmernden Meere
In mir erklingt und Triumph und funkelnde Glorie
Wie Raketen zu brennenden Höhen steigen
Und die Schwärze zerfliegt und himmlische Fahnen
Wehen, Fanfaren donnern und singende Engel
Leuchtend vom Himmel zur Erde herniedertanzen.