10. =Acacia fistula= Schwf., n. sp.

Arbor trunco erecto horizontaliter ramoso cortice omnibus partibus laevi

lacteo-albido viridiusculo in novellis sub epidermide mox evanescente

dense farinoso; spinis validis eburneis rectissimis basi latere

2-angulatis vel saepissime monstrosis globoso-inflatis; foliis glabris

viridibus pinnis 3-4-jugis spinas duplo superantibus, foliolis

12-18-jugis oblongo-linearibus majusculis basi obtusissimis mucronulatis

latitudinem longitudine 3½-superantibus, petiolo communi biglanduloso;

inflorescentia praecoce laxa basi 1-3-foliata panniculata, pedunculis

1-5-aggregatis glanduloso-puberulis infra medium bracteolatis, capitulis

globosis luteo-aureis, leguminibus linearibus falcatis fusco-nitidis

venosis subcoriaceis inter semina irregulariter leviterque constrictis

5-pollicaribus 10-spermis, seminibus ovalibus apice paullo latioribus

subretusis olivaceis linea ovali pallidiore notatis.

_Nomen vern._: arabice Ssoffār (i.e. sibilare).

_Habitat_: Silvas formans in Nubiae meridionalis ditione Gedaref; in

provincia Sennaar ad montem Gule.

Bildet Bäume von bis 40 Fuss Höhe, deren sehr verbreitete und lockere

Krone eine horizontale Richtung der Aeste anstrebt und auf ziemlich

hohem Stamme getragen wird. Wenigjährige Exemplare bilden einen Strauch,

dessen Gipfeltrieb langen Weidenruthen gleich in die Höhe schiesst,

während die primären Aeste senkrecht von dem Hauptstamme aus nach allen

Richtungen aus einander starren. An älteren tritt in einer Höhe von

5-15, oft aber erst bei 25 Fuss, die für die Bildung der Acacien-Krone

characteristische Pseudo-Dichotomie des Stammes auf. Der Stamm trägt an

allen Theilen eine glatte, risslose Rinde, welche von milchigweisser,

in’s Grünliche schimmernden Färbung, an den Zweigen unter einer sehr

früh sich abstossenden, dünnen, hellen Oberhaut ein weissliches Pulver

absondert, das gleich einer dicken Tünche bei der Berührung am Finger

mehlartig haften bleibt.

Die Blätter haben meist 3, oft aber auch 2 und 4 primäre Fiederjoche,

letztere 12-18 Blättchen-Paare. Der Mittelnervstiel ist 3-5 Ctm. lang,

mit einer tiefen Rinne versehen, und trägt zwei napfförmige, ovale, 1

mm. lange Drüsen, die eine zwischen der Basis und dem untersten Joche,

die andere zwischen dem obersten Fiederjoche, und läuft in eine häutige,

3 mm. lange Spitze aus. Die Fiedern sind 3 bis 4 Ctm., die Blättchen 5-6

mm. lang und 1½-2 mm. breit, mit undeutlichem Mittelnerv. Alle

Blattstiele sind unregelmässig mit drüsigen Schuppen besetzt.

Die Stipular-Dornen stechen durch ein reines Elfenbeinweiss von der

Rinde ab, erreichen an den Blattzweigen 3-6 Ctm. Länge, verkümmern aber

an den Spitzen derselben, sowie an den die Blüthenstände tragenden

Theilen der Aeste zu kleinen, kegelförmigen Gebilden. An allen Bäumen

und oft vorherrschend an allen Zweigen werden dieselben monströs durch

Insecten-Larven, welche eine Anschwellung an der Basis hervorrufen.

Diese Monstrosität findet sich so constant an allen Individuen derselben

Art wieder, dass sie mit zu den Species-Merkmalen gerechnet werden muss.

Im normalen Zustande sind die Dornen an ihrer Basis mit zwei seitlichen

Kanten versehen, so dass sie fast dreikantig erscheinen, sie sind gerade

und laufen gleichmässig in eine feine Spitze aus; im monströsen dagegen

bildet sich an ihrer Basis ein beide Dornen mit einander verbindender

Hohlraum von 3-4 Ctm. im Durchmesser. Diese zwiebelförmige Anschwellung

platzt auf der Oberseite der Dornbasis der Länge nach auf, oder wird von

dem ausschlüpfenden Insect mit einer kleinen, kreisrunden Oeffnung

durchbohrt, wodurch sich ein Resonanzboden herstellt, welcher im Spiele

der Winde deutliche Flötentöne erzeugt, aus welchem Grunde die

Eingebornen den „pfeifenden Baum“ Ssoffār genannt haben.

Die Blüthenstände (meist nicht beblätterte Aeste bildend) erreichen eine

Länge von 10-15 Ctm., und tragen am unteren Theile 2-3 wenig entwickelte

Blätter. Die 6-8 mm. im Durchmesser habenden Blüthenköpfe sitzen auf

2-2½ Centim. langen Stielen, welche im unteren Drittel oder Viertel

einen häutigen, röthlichen Bracteenkragen mit 4 Zähnen tragen. Alle

Stieltheile des Blüthenstandes sind mit zerstreuten Drüsen und

Schüppchen besetzt. Die Blüthen, fast ausschliesslich zwitterig, stehen

zu 75 in einem Köpfchen, je von einem Deckblatt gestützt, welches von

spathelförmiger Gestalt, mit breiter und hohler Spitze, am Rande

gewimpert und mit zerstreuten Haaren besetzt ist. Der Kelch, länger als

die Deckblättchen, ist schwach 5-zähnig. Die Blumenkrone glockig

verwachsen, mit 5 eiförmigen, crenulirten Zipfeln, doppelt so lang als

der Kelch und, wie dieser, farblos. Die Staubfäden, 50-60 in jeder

Blüthe, überragen um’s Doppelte die Blumenkrone und sind nebst den

Antheren rein goldgelb. Die Hülsen sind, zu 5-10 geknäuelt, im reifen

Zustande 12-15 Ctm. lang und 5-8 Mm. breit, hell röthlich-braun,

glänzend, etwas lederartig, zu ⅓ Kreisbogen gekrümmt, zwischen den Samen

schwach und unregelmässig eingeschnürt, ohne Pulpa, zugespitzt. Sie

unterscheiden sich von denen der _A. Seyal_ und _A. Ehrenbergiana_

bedeutend durch Grösse und derbere Textur. Die Samen sind olivenfarbig,

7½ mm. lang, 5½ mm. breit, 2 mm. dick, an der Basis abgerundet, an der

Spitze etwas ausgebuchtet und auf den Seiten mit einem helleren Ringe

gezeichnet, gewöhnlich 10 an Zahl.

Diese ausgezeichnete Art unterscheidet sich leicht durch Wuchs, Rinde,

Dornen und Blüthenstände von den bekannten derselben Gruppe.

Der Ssōffar liefert nebst dem Talch das Gummi von Gedaref, eine der

kordofanischen weit nachstehende Sorte, da die oft faustgrossen Stücke

nur sehr selten farblos, oft sehr unrein und meist bernsteinbraun von

Farbe sind. Die Wälder südlich Gedaref, bis nach Derwisch zu auf der

abyssinischen Strasse (bis an die Grenze von Gallabat), werden

hauptsächlich von dieser Art und dem Talch gebildet. (Nördlich von

Gedaref nur zerstreut als Strauch in der Steppe.)

Blüht ohne Laub im November. Die Früchte bleiben das ganze Jahr hindurch

hängen und sind oft durch Gallwespen zu unförmigen Knäueln umgestaltet

oder zusammengeballt zu filzigen Massen. Der entlaubte Wald hat ein

eigenthümliches Aussehen, und die leuchtende Farbe der fremdartig

verzweigten Stämme, deren Aeste mit den aufgeblasenen Stacheln bekleidet

wie von Schneeflocken bedeckt erscheinen, dazu das Flöten und Pfeifen

aus zahllosen Stimmen, erhöht den wunderbaren Zauber eines solchen

Waldes von Ssōffar.

_Erklärung der Abbildungen._

Aufzählung und Beschreibung der Acacien-Arten des Nilgebiets · 第 16 / 48 题