Egmont. Nun hab' ich die Arme frei. (Er herzt sie.)

Klärchen. Laßt! Ihr verderbt Euch. (Sie tritt zurück.) Wie prächtig!

da darf ich Euch nicht anrühren.

Egmont. Bist du zufrieden? Ich versprach dir, einmal spanisch zu kommen.

Klärchen. Ich bat Euch zeither nicht mehr drum; ich dachte, Ihr wolltet

nicht.--Ach und das goldne Vließ!

Egmont. Da siehst du's nun.

Klärchen. Das hat dir der Kaiser umgehängt?

Egmont. Ja, Kind! und Kette und Zeichen geben dem, der sie trägt, die

edelsten Freiheiten. Ich erkenne auf Erden keinen Richter über meine

Handlungen, als den Großmeister des Ordens mit dem versammelten Kapitel

der Ritter.

Klärchen. O, du dürftest die ganze Welt über dich richten lassen.--Der

Sammet ist gar zu herrlich, und die Passementarbeit! und das Gestickte!

--Man weiß nicht, wo man anfangen soll.

Egmont. Sieh dich nur satt.

Klärchen. Und das goldne Vließ! Ihr erzähltet mir die Geschichte und

sagtet: es sei ein Zeichen alles Großen und Kostbaren, was man mit Müh'

und Fleiß verdient und erwirbt. Es ist sehr kostbar--ich kann's deiner

Liebe vergleichen.--Ich trage sie ebenso am Herzen--und hernach--

Egmont. Was willst du sagen?

Klärchen. Hernach vergleicht sich's auch wieder nicht.

Egmont. Wieso?

Klärchen. Ich habe sie nicht mit Müh' und Fleiß erworben, nicht verdient.

Egmont. In der Liebe ist es anders. Du verdienst sie, weil du dich

nicht darum bewirbst--und die Leute erhalten sie auch meist allein, die

nicht darnach jagen.

Klärchen. Hast du das von dir abgenommen? Hast du diese stolze

Anmerkung über dich selbst gemacht? du, den alles Volk liebt?

Egmont. Hätt' ich nur etwas für sie gethan! könnt' ich etwas für sie

thun! Es ist ihr guter Wille, mich zu lieben.

Klärchen. Du warst gewiß heute bei der Regentin?

Egmont. Ich war bei ihr.

Klärchen. Bist du gut mit ihr?

Egmont. Es sieht einmal so aus. Wir sind einander freundlich und

dienstlich.

Klärchen. Und im Herzen?

Egmont. Will ich ihr wohl. Jedes hat seine eignen Absichten. Das thut

nichts zur Sache. Sie ist eine treffliche Frau, kennt ihre Leute, und

sähe tief genug, wenn sie auch nicht argwöhnisch wäre. Ich mache ihr

viel zu schaffen, weil sie hinter meinem Betragen immer Geheimnisse sucht,

und ich keine habe.

Klärchen. So gar keine?

Egmont. Eh nun! einen kleinen Hinterhalt. Jeder Wein setzt Weinstein

in den Fässern an mit der Zeit. Oranien ist doch noch eine bessere

Unterhaltung für sie und eine immer neue Aufgabe. Er hat sich in den

Kredit gesetzt, daß er immer etwas Geheimes vorhabe; und nun sieht sie

immer nach seiner Stirne, was er wohl denken, auf seine Schritte, wohin

er sie wohl richten möchte.

Klärchen. Verstellt sie sich?

Egmont. Regentin, und du fragst?

Klärchen. Verzeiht, ich wollte fragen: ist sie falsch?

Egmont. Nicht mehr und nicht weniger als jeder, der seine Absichten

erreichen will.

Klärchen. Ich könnte mich in die Welt nicht finden. Sie hat aber auch

einen männlichen Geist, sie ist ein ander Weib als wir Nähterinnen und

Köchinnen. Sie ist groß, herzhaft, entschlossen.

Egmont. Ja, wenn's nicht gar zu bunt geht. Diesmal ist sie doch ein

wenig aus der Fassung.

Klärchen. Wieso?

Egmont. Sie hat auch ein Bärtchen auf der Oberlippe, und manchmal einen

Anfall von Podagra. Eine rechte Amazone!

Klärchen. Eine majestätische Frau! Ich scheute mich, vor sie zu treten.

Egmont. Du bist doch sonst nicht zaghaft--Es wäre auch nicht Furcht, nur

jungfräuliche Scham.

Klärchen (schlägt die Augen nieder, nimmt seine Hand und lehnt sich an

ihn).

Egmont. Ich verstehe dich! liebes Mädchen! du darfst die Augen

aufschlagen. (Er küßt ihre Augen.)

Klärchen. Laß mich schweigen! Laß mich dich halten! Laß mich dir in

die Augen sehen, alles drin finden, Trost und Hoffnung und Freude und

Kummer. (Sie umarmt ihn und sieht ihn an.) Sag' mir! Sage! ich begreife

nicht! bist du Egmont? der Graf Egmont? der große Egmont, der so viel

Aufsehn macht, von dem in den Zeitungen steht, an dem die Provinzen

hängen?

Egmont. Nein, Klärchen, das bin ich nicht.

Klärchen. Wie?

Egmont. Siehst du, Klärchen!--Laß mich sitzen!--(Er setzt sich, sie

kniet sich vor ihn auf einen Schemel, legt ihre Arme auf seinen Schoß und

sieht ihn an.) Jener Egmont ist ein verdrießlicher, steifer, kalter

Egmont, der an sich halten, bald dieses, bald jenes Gesicht machen muß;

geplagt, verkannt, verwickelt ist, wenn ihn die Leute für froh und

fröhlich halten; geliebt von einem Volke, das nicht weiß, was es will;

geehrt und in die Höhe getragen von einer Menge, mit der nichts

anzufangen ist; umgeben von Freunden, denen er sich nicht überlassen darf;

beobachtet von Menschen, die ihm auf alle Weise beikommen möchten;

arbeitend und sich bemühend, oft ohne Zweck, meist ohne Lohn.--O laß mich

schweigen, wie es dem ergeht, wie es dem zu Mute ist. Aber dieser,

Klärchen, der ist ruhig, offen, glücklich, geliebt und gekannt von dem

besten Herzen, das auch er ganz kennt und mit voller Liebe und Zutrauen

an das seine drückt. (Er umarmt sie.) Das ist dein Egmont!

Klärchen. So laß mich sterben! Die Welt hat keine Freuden auf diese!

Vierter Aufzug.

Strasse.

Jetter. Zimmermeister.

Jetter. He! Pst! He, Nachbar, ein Wort!

Zimmermeister. Geh deines Pfads, und sei ruhig.

Jetter. Nur ein Wort. Nichts Neues?

Zimmermeister. Nichts, als daß uns vom neuem zu reden verboten ist.

Jetter. Wie?

Zimmermeister. Tretet hier ans Haus an! Hütet Euch! Der Herzog von

Alba hat gleich bei seiner Ankunft einen Befehl ausgehen lassen, dadurch

zwei oder drei, die auf der Straße zusammen sprechen, des Hochverrats

ohne Untersuchung schuldig erklärt sind.

Jetter. O weh!

Zimmermeister. Bei ewiger Gefangenschaft ist verboten, von Staatssachen

zu reden.

Jetter. O unsre Freiheit!

Zimmermeister. Und bei Todesstrafe soll niemand die Handlungen der

Regierung mißbilligen.

Jetter. O unsre Köpfe!

Zimmermeister. Und mit großem Versprechen werden Väter, Mütter, Kinder,

Verwandte, Freunde, Dienstboten eingeladen, was in dem Innersten des

Hauses vorgeht, bei dem besonders niedergesetzten Gerichte zu offenbaren.

Jetter. Gehn wir nach Hause.

Zimmermeister. Und den Folgsamen ist versprochen, daß sie weder an Leibe,

noch Ehre, noch Vermögen einige Kränkung erdulden sollen.

Jetter. Wie gnädig! War mir's doch gleich weh, wie der Herzog in die

Stadt kam. Seit der Zeit ist mir's, als wäre der Himmel mit einem

schwarzen Flor überzogen und hinge so tief herunter, daß man sich bücken

müsse, um nicht dran zu stoßen.

Zimmermeister. Und wie haben dir seine Soldaten gefallen? Gelt! das ist

eine andre Art von Krebsen, als wir sie sonst gewohnt waren.

Jetter. Pfui! Es schnürt einem das Herz ein, wenn man so einen Haufen

die Gassen hinab marschieren sieht. Kerzengerad, mit unverwandtem Blick,

ein Tritt, so viel ihrer sind. Und wenn sie auf der Schildwache stehen

und du gehst an einem vorbei, ist's, als wenn er dich durch und durch

sehen wollte, und sieht so steif und mürrisch aus, daß du auf allen Ecken

einen Zuchtmeister zu sehen glaubst. Sie thun mir gar nicht wohl. Unsre

Miliz war doch noch ein lustig Volk; sie nahmen sich was heraus, standen

mit ausgegrätschten Beinen da, hatten den Hut überm Ohr, lebten und

ließen leben; diese Kerle aber sind wie Maschinen, in denen ein Teufel

sitzt.

Zimmermeister. Wenn so einer ruft: "Halt!" und anschlägt, meinst du,

man hielte?

Jetter. Ich wäre gleich des Todes.

Zimmermeister. Gehn wir nach Hause.

Jetter. Es wird nicht gut. Adieu.

(Soest tritt dazu.)

Soest. Freunde! Genossen!

Zimmermeister. Still! Laßt uns gehen!

Soest. Wißt ihr?

Jetter. Nur zu viel!

Soest. Die Regentin ist weg.

Jetter. Nun gnad' uns Gott!

Zimmermeister. Die hielt uns noch.

Soest. Auf einmal und in der Stille. Sie konnte sich mit dem Herzog

nicht vertragen; sie ließ dem Adel melden, sie komme wieder. Niemand

glaubt's.

Zimmermeister. Gott verzeih's dem Adel, daß er uns diese neue Geißel

über den Hals gelassen hat. Sie hätten es abwenden können. Unsre

Privilegien sind hin.

Jetter. Um Gottes willen nichts von Privilegien! Ich wittre den Geruch

von einem Exekutionsmorgen; die Sonne will nicht hervor, die Nebel

stinken.

Soest. Oranien ist auch weg.

Zimmermeister. So sind wir denn ganz verlassen!

Soest. Graf Egmont ist noch da.

Jetter. Gott sei Dank! Stärken ihn alle Heiligen, daß er sein Bestes

thut; der ist allein was vermögend.

(Vansen tritt auf.)

Vansen. Find' ich endlich ein paar, die noch nicht untergekrochen sind?

Jetter. Thut uns den Gefallen und geht fürbaß.

Vansen. Ihr seid nicht höflich.

Zimmermeister. Es ist gar keine Zeit zu Komplimenten. Juckt Euch der

Buckel wieder? Seid Ihr schon durchgeheilt?

Vansen. Fragt einen Soldaten nach seinen Wunden! Wenn ich auf Schläge

was gegeben hätte, wäre sein Tage nichts aus mir geworden.

Jetter. Es kann ernstlicher werden.

Vansen. Ihr spürt von dem Gewitter, das aufsteigt, eine erbärmliche

Mattigkeit in den Gliedern, scheint's.

Zimmermeister. Deine Glieder werden sich bald wo anders eine Motion

machen, wenn du nicht ruhst.

Vansen. Armselige Mäuse, die gleich verzweifeln, wenn der Hausherr eine

neue Katze anschafft! Nur ein bißchen anders; aber wir treiben unser

Wesen vor wie nach, seid nur ruhig.

Zimmermeister. Du bist ein verwegener Taugenichts.

Vansen. Gevatter Tropf! Laß du den Herzog nur gewähren. Der alte Kater

sieht aus, als wenn er Teufel statt Mäuse gefressen hätte und könnte sie

nun nicht verdauen. Laßt ihn nur erst; er muß auch essen, trinken,

schlafen wie andere Menschen. Es ist mir nicht bange, wenn wir unsere

Zeit recht nehmen. Im Anfange geht's rasch; nachher wird er auch finden,

daß in der Speisekammer unter den Speckseiten besser leben ist und des

Nachts zu ruhen, als auf dem Fruchtboden einzelne Mäuschen zu erlisten.

Geht nur, ich kenne die Statthalter.

Zimmermeister. Was so einem Menschen alles durchgeht! Wenn ich in

meinem Leben so etwas gesagt hätte, hielt' ich mich keine Minute für

sicher.

Vansen. Seid nur ruhig. Gott im Himmel erfährt nichts von euch Würmern,

geschweige der Regent.

Jetter. Lästermaul!

Vansen. Ich weiß andere, denen es besser wäre, sie hätten statt ihres

Heldenmuts eine Schneiderader im Leibe.

Zimmermeister. Was wollt Ihr damit sagen?

Vansen. Hm! den Grafen mein' ich.

Jetter. Egmont! Was soll der fürchten?

Vansen. Ich bin ein armer Teufel und könnte ein ganzes Jahr leben von

dem, was er in einem Abende verliert. Und doch könnt' er mir sein

Einkommen eines ganzen Jahres geben, wenn er meinen Kopf auf eine

Viertelstunde hätte.

Jetter. Du denkst dich was Rechts. Egmonts Haare sind gescheiter als

dein Hirn.

Vansen. Red't Ihr! Aber nicht feiner. Die Herren betrügen sich am

ersten. Er sollte nicht trauen.

Jetter. Was er schwätzt! So ein Herr!

Vansen. Eben weil er kein Schneider ist!

Jetter. Ungewaschen Maul!

Vansen. Dem wollt' ich Eure Courage nur eine Stunde in die Glieder

wünschen, daß sie ihm da Unruh' machte und ihn so lange neckte und juckte,

bis er aus der Stadt müßte.

Jetter. Ihr redet recht unverständig; er ist so sicher wie der Stern am

Himmel.

Vansen. Hast du nie einen sich schneuzen gesehn? Weg war er!

Zimmermeister. Wer will ihm denn was thun?

Vansen. Wer will? Willst du's etwa hindern? Willst du einen Aufruhr

erregen, wenn sie ihn gefangen nehmen?

Jetter. Ah!

Vansen. Wollt ihr Eure Rippen für ihn wagen?

Soest. Eh!

Vansen (sie nachäffend). Ih! Oh! Uh! Verwundert euch durchs ganze

Alphabet. So ist's und bleibt's! Gott bewahre ihn!

Jetter. Ich erschrecke über Eure Unverschämtheit. So ein edler,

rechtschaffener Mann sollte was zu befürchten haben?

Vansen. Der Schelm sitzt überall im Vorteil. Auf dem

Armensünderstühlchen hat er den Richter zum Narren; auf dem Richterstuhl

macht er den Inquisiten mit Lust zum Verbrecher. Ich habe so ein

Protokoll abzuschreiben gehabt, wo der Kommissarius schwer Lob und Geld

von Hofe erhielt, weil er einen ehrlichen Teufel, an den man wollte, zum

Schelmen verhört hatte.

Zimmermeister. Das ist wieder frisch gelogen. Was wollen sie denn

heraus verhören, wenn einer unschuldig ist?

Vansen. O Spatzenkopf! Wo nichts heraus zu verhören ist, da verhört man

hinein. Ehrlichkeit macht unbesonnen, auch wohl trotzig. Da fragt man

erst recht sachte weg, und der Gefangene ist stolz auf seine Unschuld,

wie sie's heißen, und sagt alles geradezu, was ein Verständiger verbärge.

Dann macht der Inquisitor aus den Antworten wieder Fragen, und paßt ja

auf, wo irgend ein Widersprüchelchen erscheinen will; da knüpft er seinen

Strick an, und läßt sich der dumme Teufel betreten, daß er hier etwas zu

viel, dort etwas zu wenig gesagt, oder wohl gar aus Gott weiß was für

einer Grille einen Umstand verschwiegen hat, auch wohl irgend an einem

Ende sich hat schrecken lassen: dann sind wir auf dem rechten Weg! Und

ich versichre euch, mit mehr Sorgfalt suchen die Bettelweiber nicht die

Lumpen aus dem Kehricht, als so ein Schelmenfabrikant aus kleinen,

schiefen, verschobenen, verrückten, verdrückten, geschlossenen, bekannten,

geleugneten Anzeichen und Umständen sich endlich einen strohlumpenen

Vogelscheu zusammenkünstelt, um wenigstens seinen Inquisiten in effigie

hängen zu können. Und Gott mag der arme Teufel danken, wenn er sich noch

kann hängen sehen.

Jetter. Der hat eine geläufige Zunge.

Zimmermeister. Mit Fliegen mag das angehen. Die Wespen lachen Eures

Gespinstes.

Vansen. Nachdem die Spinnen sind. Seht, der lange Herzog hat euch so

ein rein Ansehn von einer Kreuzspinne; nicht einer dickbäuchigen, die

sind weniger schlimm, aber so einer langfüßigen, schmalleibigen, die vom

Fraße nicht feist wird und recht dünne Fäden zieht, aber desto zähere.

Jetter. Egmont ist Ritter des Goldnen Vließes; wer darf Hand an ihn

legen? Nur von seinesgleichen kann er gerichtet werden, nur vom gesamten

Orden. Dein loses Maul, dein böses Gewissen verführen dich zu solchem

Geschwätz.

Vansen. Will ich ihm darum übel? Mir kann's recht sein. Es ist ein

trefflicher Herr. Ein paar meiner guten Freunde, die anderwärts schon

wären gehangen worden, hat er mit einem Buckel voll Schläge verabschiedet.

Nun geht! Geht! Ich rat' es euch selbst. Dort seh' ich wieder eine

Runde antreten; die sehen nicht aus, als wenn sie so bald Brüderschaft

mit uns trinken würden. Wir wollen's abwarten, und nur sachte zusehen.

Ich hab' ein paar Nichten und einen Gevatter Schenkwirt; wenn sie von

denen gekostet haben, und werden dann nicht zahm, so sind sie ausgepichte

Wölfe.

Der Culenburgische Palast. Wohnung des Herzogs von Alba.

Silva und Gomez begegnen einander.

Silva. Hast du die Befehle des Herzogs ausgerichtet?

Gomez. Pünktlich. Alle tägliche Runden sind beordert, zur bestimmten

Zeit an verschiedenen Plätzen einzutreffen, die ich ihnen bezeichnet habe;

sie gehen indes, wie gewöhnlich, durch die Stadt, um Ordnung zu erhalten.

Keiner weiß von dem andern; jeder glaubt, der Befehl gehe ihn allein an,

und in einem Augenblick kann alsdann der Cordon gezogen und alle Zugänge

zum Palast können besetzt sein. Weißt du die Ursache dieses Befehls?

Silva. Ich bin gewohnt, blindlings zu gehorchen. Und wem gehorcht

sich's leichter als dem Herzoge, da bald der Ausgang beweist, daß er

recht befohlen hat?

Gomez. Gut! Gut! Auch scheint es mir kein Wunder, daß du so

verschlossen und einsilbig wirst wie er, da du immer um ihn sein mußt.

Mir kommt es fremd vor, da ich den leichteren italienischen Dienst

gewohnt bin. An Treue und Gehorsam bin ich der Alte; aber ich habe mir

das Schwätzen und Räsonnieren angewöhnt. Ihr schweigt alle und laßt es

euch nie wohl sein. Der Herzog gleicht mir einem ehrnen Turm ohne Pforte,

wozu die Besatzung Flügel hätte. Neulich hört' ich ihn bei Tafel von

einem frohen freundlichen Menschen sagen: er sei wie eine schlechte

Schenke mit einem ausgesteckten Branntweinzeichen, um Müßiggänger,

Bettler und Diebe herein zu locken.

Silva. Und hat er uns nicht schweigend hierher geführt?

Gomez. Dagegen ist nichts zu sagen. Gewiß! Wer Zeuge seiner Klugheit

war, wie er die Armee aus Italien hierher brachte, der hat etwas gesehen.

Wie er sich durch Freund und Feind, durch die Franzosen, Königlichen und

Ketzer, durch die Schweizer und Verbundnen gleichsam durchschmiegte, die

strengste Mannszucht hielt, und einen Zug, den man so gefährlich achtete,

leicht und ohne Anstoß zu leiten wußte!--Wir haben was gesehen, was

lernen können.

Silva. Auch hier! Ist nicht alles still und ruhig, als wenn kein

Aufstand gewesen wäre?

Gomez. Nun, es war auch schon meist still, als wir herkamen.

Silva. In den Provinzen ist es viel ruhiger geworden; und wenn sich noch

einer bewegt, so ist es, um zu entfliehen. Aber auch diesem wird er die

Wege bald versperren, denk' ich.

Gomez. Nun wird er erst die Gunst des Königs gewinnen.

Silva. Und uns bleibt nichts angelegener, als uns die seinige zu

erhalten. Wenn der König hierher kommt, bleibt gewiß der Herzog und jeder,

den er empfiehlt, nicht unbelohnt.

Gomez. Glaubst du, daß der König kommt?

Silva. Es werden so viele Anstalten gemacht, daß es höchst

wahrscheinlich ist.

Gomez. Mich überreden sie nicht.

Silva. So rede wenigstens nicht davon. Denn wenn des Königs Absicht ja

nicht sein sollte, zu kommen, so ist sie's doch wenigstens gewiß, daß man

es glauben soll.

(Ferdinand, Albas natürlicher Sohn.)

Ferdinand. Ist mein Vater noch nicht heraus?

Silva. Wir warten auf ihn.

Ferdinand. Die Fürsten werden bald hier sein.

Gomez. Kommen sie heute?

Ferdinand. Oranien und Egmont.

Gomez (leise zu Silva). Ich begreife etwas.

Silva. So behalt' es für dich.

(Herzog von Alba.)

(Wie er herein- und hervortritt, treten die andern zurück.)

Alba. Gomez!

Gomez (tritt vor). Herr!

Alba. Du hast die Wachen verteilt und beordert?

Egmont(#2146) · 第 11 / 16 题