OSTAP (tief gequält): _Worauf beruht es?_

MANON (ohne zu antworten): Er hat für Hanka und mich Billette geschickt für

seinen Quartettabend. Das ist sehr nett.

OSTAP (sieht umher): In diesem Zimmer habe auch ich einen Winter lang

gewohnt. Sie werden in Ihr Land zurückkehren, und man wird mir wieder

dieses Zimmer anweisen. Ich sehe mich schon darin. Irgendwelche lustigen

Gefahren wird es dann nicht mehr geben. Man kehrt überallhin zurück, sogar

an die Stätte seines größten Verbrechens: seiner Geburt. Deshalb sollte man

seine Biographie, anstatt chronologisch, vielleicht lieber . . .

topologisch empfinden, nach Städten, Gärten, Korbsesseln, was?

MANON: Wie Sie wollen werden. Aber jetzt müssen Sie gehen; es ist 1 Uhr.

OSTAP (empfindet: Ich habe nicht ein Tausendstel von dem erreicht, was zu

erreichen meine Pflicht war . . . und worauf ich dann hatte verzichten

wollen. -- Sagt): Wann werden wir uns wiedersehen?

MANON (rechnet nach): Morgen soll ich Georg treffen. Glauben Sie, daß ich

seine Geliebte werden muß, wenn er es verlangt?

OSTAP: Sind Sie des Teufels? Lieben Sie denn Georg?

MANON: Nein, aber er könnte mich vielleicht amüsieren . . . Also wir können

uns ja öfter sehen. Aber nicht hier. Und nicht vor Ende der Woche. Und

nicht jeden Tag.

OSTAP (grinst): Natürlich nicht. Aber ins Café zur Seelenwanderung bringen

mich keine zehn Pferde mehr.

MANON: Also irgendwo. On s'arrangera; faut tranquilliser l'histoire. Gute

Nacht! Öffnen Sie ganz leise, und gehen Sie nicht direkt in Ihr Zimmer

zurück.

OSTAP (grinst, durchaus verfallen): Natürlich nicht. Schlafen Sie gut. (Er

schleppt sich zur Tür, riegelt behutsam auf und verschwindet lautlos:

erledigt.)

MANON (reckt sich; lächelt; gähnt; wird zuinnerst sehnsüchtig): O mein

Marcel! Wärest du hier!

(Man hört im Korridor schleichende Schritte, verhallend. Von der Straße her

die Huppe eines Autos, zerfließend.)

MANON (nimmt von einem Kuchenteller eine Makrone und kaut sie ausführlich

durch. Kniet vor dem Bette nieder und betet. Dann stellt sie die Leselampe

auf den Nachttisch, nimmt das Buch der Madame Gyp und legt sich bequem

nieder. Sehr zufriedene Miene. Sie schlägt das Buch auf und beginnt zu

lesen. Murmelnd): Napoléonette; chapitre premier . . .

.center _Der Vorhang fällt rasch._

Lesestücke · 第 50 / 51 题