Vorwort

. . . Immerhin lege ich spielerischen Wert auf das Faktum, daß ich

gestorben bin. Dies fiel mit der Morgenröte der großen Zeit zusammen. Somit

sieht man sich hier allerdings einem Spuk gegenüber. Aber solche Phänomene

sind häufig, jedes ehrliche Gespenst schreibt seine mémoires d'outre-tombe,

und alles kommt nur auf die Vitalität der Abgeschiedenen an. Da der

Selbstmord als Symptom pedantischer Lebensgier entlarvt ist, so wird man

begreifen, daß in diesem Falle nur Genußsucht das Motiv sein konnte. Schon

bei sogenannten Lebzeiten habe ich mich nie gern langweilen wollen. Den

Abgezogenheiten gab ich meine Vorliebe vor »realen« Details. Höchstens

bewog philologischer Sammeleifer zur temporären Erduldung jener

Beanspruchungen für die man das infame Wort »Liebe« verabredet hat. Schnell

rettete ich mich ins Café. Dort erwuchs einigen der sehr erwünschte Zustand

der »décadence«: unsere beste Beute. Die Antwort des Iren George Moore auf

die Frage wie die Kunst zu fördern sei: »Durch Gründung von Cafés«, bleibt

mir aus der Seele gesprochen. Aber diese Einsicht, so beweisbar, ist

unzeitgemäß. Leider muß ich fürchten, daß die Antipathie gegen sie schlecht

stilisiert sein wird. Wir Gespenster sind Enthusiasten des Stils, und

vielleicht glauben wir an unsere Renaissance aus den Anspannungen der

Formung. Es war der Dichter einer entschwundenen Mentalität: Goethe, der

das »Stirb und werde!« in den West-östlichen Divan diktiert hat.

Lesestücke · 第 5 / 51 题