4. Von der Schelde nach dem Firth of Forth.

Endlich, Donnerstag Abend, fuhren wir den Kanal hinab, und Freitag früh

gingen wir bei häßlichem Regenwetter von der Schelde in See. Regenwetter

ist zwar nicht gefährlich, aber höchst unangenehm, da man nicht auf Deck

sein kann. Es war mir deshalb ziemlich gleichgiltig, die Dampfjachten

Rothschilds und der Königin von England zu sehen, die auf der Schelde

ankerten. Die See war stark bewegt, und das Schiff stampfte und

schlingerte heftig. Ich verfügte mich deshalb gegen Mittag ins Bett und

blieb 24 Stunden liegen, wobei ich die schönste Seeluft hatte, da bei

dem leeren Schiffe die Fenster offen bleiben konnten. Statt 9 Seemeilen

machten wir nur 4-5, und von der englischen Küste hielten wir weit ab,

um nicht dagegen zu treiben. Die Schraube war mehr außer als in dem

Wasser. Ganz anders war das Wetter am Sonnabend. Die See beruhigte sich

immer mehr, und ich konnte mich den ganzen Tag auf der Kommandobrücke im

Klappstuhl liegend aufhalten. Als ich am Sonntag an Deck kam, fuhren wir

in den prächtigen Firth of Forth ein. Wie ein Riese hält am Eingang in

den Meerbusen der kolossale Baß Rock Wache, ein steil aus dem Meere

aufsteigender etwa 100 m hoher Felsblock, den Hunderttausende von Möven

wie ein Schneegestöber umschwärmen. Zur linken liegt das Städtchen

Dunbar und auf hohem Ufer einige Schloßruinen, davon eine ganz mit Epheu

umwachsen. Bald erschien von Bergen umkränzt die Stadt Edinburg, von der

wir einige Gebäude, besonders das Schloß, deutlich erkannten. Vor der

Riesenbrücke kam der Lotse an Bord, gleich hinter derselben gingen wir

vor Anker und blieben 6 Stunden liegen, um die Flut abzuwarten. Abend um

8 Uhr liefen wir in den engen Kanal ein, der in den mit Schiffen

vollgestopften, schmutzigen Hafen des Städtchens Grangemouth führt. Die

Zollbeamten kamen an Bord und untersuchten, wie stets in England, auf

das allergenaueste, leuchteten mit Laternen in die entlegensten Winkel,

beklopften die Wände ob sie nicht doppelt seien und durchforschten

selbst den Ofen und den Wasserbehälter des Waschnapfes. Nachts um 12

schon begann bei elektrischem Lichte die Arbeit bei unserem Schiff.

Zuerst wurden feuerfeste Steine geladen, dann hundert Säcke feuerfester

Lehm, und endlich Kohlen. Die Waggons fahren bis ans Ufer, werden durch

Wasserkraft gehoben und dann gestürzt, sodaß sich ihr Inhalt in den

Schiffsraum ergießt. Das Schiff faßt im ganzen 120 Waggons Kohlen à

10000 Kilo und 15 Waggons Bunkerkohlen (für die Dampfkessel).

Von Haparanda bis San Francisco: Reise-Erinnerungen · 第 23 / 50 题