GYGES (hat sich während des Letzten nach und nach aufgerichtet).
Vierte Szene.
GYGES (leise): Die schönste aller Nächte!... Genug! Mein Ring -- genug!
(Er reißt den Ring von seinem Finger.) Und wenn ich daran sterben
muß --! (Er nähert sich der Königin.) Königin!
NYSSIA (läßt überrascht den Schleier über das Gesicht fallen): Ach! Habt
Ihr mich doch erschreckt! -- Ich hörte niemand kommen.
GYGES (vor ihr gebeugt): Königin ...
NYSSIA: Was wollt Ihr?
GYGES (reicht ihr den Ring): Der Ring, den der König sucht -- hier ist
er.
NYSSIA: Da Ihr es wußtet, daß er ihn sucht, was gabt Ihr ihn nicht
früher?
GYGES: Euch wollt' ich ihn zuerst geben.
NYSSIA: Doch -- wie kommt Ihr zu dem Ring?
GYGES: Der König gab mir ihn.
NYSSIA: Und wenn er Euch ihn gab, was sucht er ihn?
GYGES: Nicht, um den Ring zu sehen, doch mich, der ihn trug.
NYSSIA: Ich versteh Euch nicht ... Wer seid Ihr? Ihr war't nicht, glaub
ich, gestern bei dem Fest?
GYGES: Ich kam erst spät ... als es zu Ende ging ... Ich bin Gyges: --
Erinnert Ihr Euch nicht des Fischers Gyges, um den Ihr letzte Nacht
Candaules fragtet: «Der arme Fischer -- was ist aus ihm geworden?». Der
bin ich.
NYSSIA (zuerst etwas verwirrt): Wie sollte ich Euch wieder erkennen, so
reich gekleidet? -- Des Königs Güte gab Dir das?
GYGES (verwirrt): Ja, Königin; er gab mir alles das ... alles das -- und
diesen Ring hier. (Er beugt sich wieder vor ihr und reicht ihr den
Ring.)
NYSSIA: Ich will ihn dem König wiedergeben.
GYGES: Ein Wort noch, Königin, ich bitt' Euch ... dieser Ring ...