Du kannst nicht gut, du kannst nicht böse handeln, fuhr Omar fort, _ein_
Geist ist es, der in den Millionen Leben glüht, du und ich, Selim und
Zulma sind nur _ein_ Wesen, du arbeitest stets für und gegen dich, du
kannst eigenmächtig über deine Handlungen den Ausspruch fällen, und
diese gut und jene böse nennen, wer mag dir widersprechen?
Abdallah sahe starr vor sich nieder, dann wollten beide das Zimmer
verlassen, Selim kam ihnen zornig entgegen. -- Fort! Verbannter! rief er
aus, so lange der Fluch auf deinem Haupte liegt, so lange hass' ich dein
Angesicht! Hinweg! damit ich dich nicht mit neuen Verwünschungen belade!
Omar blieb bei Selim zurück, und Abdallah ging traurig und zürnend in
das Dickicht des Waldes, wo eine einsame Stille ihn begrüßte, nur von
einem leisen Wiegen der Baumwipfel unterbrochen. Dunkle Schatten lagen
übereinander, kein Sonnenstrahl schlich sich auf den grünen Rasen herab.
--
O der Eiskalte! rief Abdallah laut, wie leicht es ihm wird, ewige
Quaalen auf mich herabzubitten! -- und ich zögre und bedenke seinen Tod,
-- ihm wird es so leicht, mich ewig zu verderben, und ich kann diese
Gefühle in meiner Brust nicht niederwerfen. Kann dieser einzige Verlust
nicht tausendfachen Gewinn geben? Kann das Land und Zulma nicht laut
dies Leben von mir fordern? und da er es selbst verachtet und für seine
Mitbürger hinzugeben brennt? --
Ach und was vermag ich gegen das eiserne Schicksal? gegen die dicken
Mauern schlagen vergebens meine Kräfte an, -- wenn es sein soll, -- o
dieser Gedanke selbst ist mir vor meiner Geburt schon vorgeschrieben,
ich kann nichts als ihn nachdenken, -- in den ewigen Gesetzen liegt die
Sünde, -- die Hand mordet, die den Dolch ergreift, nicht das Werkzeug,
das der größern Kraft wider Willen nachgeben muß. -- O das ist ein
Gedanke, der mich dem Wahnsinn entgegen führen könnte. -- Alle meine
Wünsche gehen hier unter, mein Wille ist todt, -- ich muß, ich muß es
vollbringen, und dann erst wird das Werkzeug aus den Händen gelegt.
-- Wo finden meine Gedanken auf diesem Meere einen Ort der Ruhe? -- Wo
eine Insel, an die sie im Sturme landen können? --
Er setzte sich in das Gras unter einem dichten Baum und sahe starr dem
Spiel der Mücken und Gewürme auf der Erde zu. --
Viertes Kapitel.
Ein Geräusch dicht neben ihm im Busche schreckte ihn auf, _Raschid_
stand vor ihm. --
Er sprang auf und fiel seinen Freund schnell in die Arme. -- O, rief er,
das ist es, was ich suchte, ja, ein Mensch hat mir gefehlt und dieser
wird mir itzt gesendet.
Wir sind beide unglücklich, sagte _Raschid_, Elend verschwistert unsre
Seelen.
_Abdallah._ Du elend? -- O worin kannst du unglücklich sein?
_Raschid._ Ich? -- Ich irre in der Nacht und am Tage durch verlassene
und wüste Gegenden, ich wünsche und hoffe und verzweifle in demselben
Augenblick, -- ach Abdallah! Abdallah! du weißt vielleicht, was Unglück
ist, nicht wahr, du würdest mich glücklich machen, wenn du es könntest?
_Abdallah._ Ja ich weiß was Elend ist, Unglück ist mir nicht fremd.
-- Aber was kannst du bei mir wollen? Suchst du Quaalen und Verzweiflung?
-- o die kann ich dir geben, -- sieh! dies sind meine Schätze!
Sie gingen mit einander, in Abdallah's Busen lag es zentnerschwer, er
wollte zu reden anfangen und schwieg dann wieder furchtsam. Endlich
umarmte er den Freund noch einmal glühend: Raschid! Raschid! rief er, du
bist ein Mensch, nicht wahr, es schlägt ein fühlendes Herz in dieser
Brust? deine Seele ist für Mitleid nicht taub, -- o sprich! nur ein Wort
der tröstenden Linderung! --
_Raschid._ Du schweigst? vertraue deinem Freunde den Sturm, der in deiner
Seele wüthet. -- Was kann dich so mit Riesenkräften niederdrücken?
Abdallah schwieg noch immer, -- ich liebe Zulma! rief er dann plötzlich.
-- Ach, ich muß dies fürchterliche Geheimniß in einen Menschenbusen
ausschütten, o tröste mich, -- verzeihst du mir, nennst du mich Bruder,
wenn -- hast du je die Allmacht der Liebe gefühlt?
Zulma? rief Raschid und stürzte bleich zurück, Zulma? O Unglücklicher!
_Abdallah._ Nur ein Wort aus deinem Munde! _Darf_ ich sie wünschen?
-- macht mich meine Liebe zum Ungeheuer? -- warum starrst du mich so an?
Willst du mir keinen Trost geben?
_Raschid._ Trost? -- Dieses Entsetzen hat mich zu dir gejagt, ich kam zu
dir, um zu deinen Füßen mir mein Glück zu erbetteln, -- du liebst Zulma,
-- o Unglücklicher, so wisse, so erfahre es denn und schaudre bis in das
Innerste deiner Seele, -- auch Raschid liebt diese Tochter der Sonne!
aus dieser Quelle sind alle meine Martern geflossen, dies hat mich seit
Jahren gepeinigt und an der Wurzel meines Lebens genagt.
_Abdallah._ Du liebst sie? du? -- O Raschid, hinweg! du bist nicht mehr
mein Freund! -- ich verlange einen Ton der mich tröstet, ich schlage
verzweifelnd an die Laute, -- aber alle ihre Saiten sind zerrissen, kein
Wiederhall in der ganzen Schöpfung!
_Raschid._ Darum bin ich hier, Selim sollte mich glücklich machen, du
solltest mir ihn abtreten.
_Abdallah._ Nein! nein! -- O beim Unendlichen, alles thürmt sich immer
höher und höher, alle Schrecken wachsen zu Riesen auf und werfen sich
mir entgegen. -- Nein, nein, Raschid, du darfst nicht, Selim ist mein
und Zulma mein, deine Hand darf es nicht wagen, in mein Glück zu
greifen.
_Raschid._ Hinweg Freundschaft und Mitleid! die Liebe kömmt ihren Thron
zu besteigen! Ich bin nicht mehr Raschid, nicht mehr dein Freund -- Ja,
ich will den großen Kampf mit dir eingehen, Abdallah, unsre Freundschaft
sei zerrissen! Fluch um Fluch, Hölle um Hölle, alle Schrecken gegen
einander, -- Zulma ist mein! mein, sag' ich, -- endlich hat der Himmel
den Verstoßenen wieder angenommen, ich bin mit mir selber ausgesöhnt.
_Abdallah._ Raschid, ich ziehe allmächtig diese Waage nieder, die zu den
Wolken aufgeschnellt wird, dieser Baum ist mein, in dessen Schatten du
dich lagern willst, -- Zulma liebt mich! --
_Raschid._ O sie wird, sie muß mich einst lieben, deines Vaters Elend
ist eine Leiter, die mich in den Himmel trägt, ich will verwegen bis
auf die letzte schwindelnde Sprosse steigen und wie ein Gott auf die
armselige Welt hinabsehen.
Er wollte gehen und Abdallah hielt ihn mächtig zurück. -- Wohin willst
du? rief er aus, Schrecklicher!
Zu Ali, antwortete _Raschid,_ dein Vater ist ein Unterpfand, das
mir nicht entrinnen wird, ich bin nicht vergebens deinen Schritten
nachgeschlichen; o ich muß eilen, denn ich fühl' es im Innern meiner
Seele, für Zulma würd' ich freudig meinen Vater und meine Mutter der
Schlachtbank überliefern.
Sie rangen hartnäckig mit einander. -- O noch, noch verweile, rief
Abdallah, nur diesen einzigen Tag noch, nur diese Stunde schenke mir
noch mitleidig!
Um in dieser um meine Seligkeit betrogen zu werden? antwortete Raschid.
-- Nein! zurück von mir! -- Er riß sich gewaltsam los und entflohe mit
der Eil des Windes, auch keinen flüchtigen Blick warf er seinem Freunde
rückwärts. --
Abdallah sahe ihm betäubt und schwindelnd nach. -- Ha! nun ist es ja
entschieden, sagte er mit unterdrücktem Lächeln, meine Martern habe ich
umsonst geduldet, Zulma ist mir ewig, ewig verloren. -- Ha! wie es in
meinem Innern tobt und wüthet! -- Kalt steh' ich da und sehe, wie auch
meine letzte Freude von einem fremden Vorübergehenden lachend gemordet
wird. -- Er verhöhnt Freundschaft und Liebe und fliegt nach seinem
glänzenden Ziel, -- nur ich zögernder Thor schlage mich mit tausend
Zweifeln und verliere den großen Augenblick. -- Zulma nicht mein,
Raschids? -- O das, das kann, das soll nicht sein! So weit dürfte dieser
Fremde sich in mein Paradies hineinwagen? -- Was hält mich denn zurück?
-- Wollte er nicht seinen Vater dieser Wonne ohne Bedenken opfern? -- O
er ist ja auch ein Mensch, -- er liebt ja Gott und betet das Schicksal
und die Tugend an und dennoch, -- mir ist alles genommen und doch zögert
meine Trägheit noch? Wie mit hundert Stricken wird mein Arm zum tödtlichen
Streich herabgerissen und ich kämpfe noch gegen diesen Schlag, -- und
muß Selim nicht dennoch sterben? -- Er muß -- und ich und Zulma sind
unglücklich, -- ja, ja, es muß sein, -- ich höre die Stimmen umher
brüllen, die mich zur That anmahnen. --
Er drängte sich in wüthender Eil durch die Gebüsche und sahe auf der
Landstraße Raschid schon weit voraus, der der Stadt zueilte. Geängstigt
rennt er ihm nach und stürzt wie beflügelt hinter ihm her, seine Augen
sahen den Weg nicht, sein Athem röchelte laut, oft biß er knirschend die
Zähne zusammen. -- Endlich erreichte er ihn matt und ohne Bewußtsein.
-- Halt! rief er laut, -- halt an mit deiner Beute, Betrüger!
Raschid sahe rückwärts und erblickte Abdallah, er wollte ihm von neuem
entfliehen, aber gewaltig ergriff ihn Abdallahs Arm und hielt ihn zurück.
-- Nein, du sollst mir nicht entrinnen, schrie er wüthend, schwöre hier
durch einen gräßlichen Eid dich von Zulma los, -- oder beim Propheten!
ich vergesse unsre Freundschaft, so wie du sie vergessen hast.
Raschid wollte sich los machen, aber Abdallah schlug seine Arme um ihn
und hielt ihn mit der Kraft eines Riesen an seine Brust geklammert.
-- Zurückgerissen von dem Sonnenglanz, rief er, sollst du in einem ewigen
Dunkel verschmachten, schwöre Zulma ab und wirf deine frechen Wünsche
hinter dir, -- ha! Selim ist _mein_ Vater, nur Vatermord kann dich
Zulma's würdig machen.
Ich schwöre nicht! schrie Raschid auf, -- von mir Schändlicher! für
Zulma ring' ich mit dir um Leben und Tod. --
Er versuchte es, sich mit allen Kräften aus Abdallah's Armen zu
schleudern, aber dieser drängte ihn zu fest an sich, Raschid biß ihn
mit den Zähnen wüthend in den Arm, um sich frei zu machen. -- Sie rangen
unter einem dumpfen Gebrülle gegen einander, kräftig warfen sie sich hin
und her, die Erde dröhnte unter ihren Tritten. -- Endlich warf Abdallah
den ermüdeten Raschid nieder, er kniete auf ihn hin. -- Willst du itzt
Zulma zurückgeben? schrie er und stierte ihn mit einem eisernen Blicke
an. -- Nein, nein, und müßt ich ewig dafür verdammt werden, nein! brüllte
ihm Raschid zu. -- Abdallah zog einen Dolch und stieß ihn in die Brust
des Überwundenen, ein großer Blutstrom stürzte hervor und floß über
die Erde. -- Unter krampfhaften Zuckungen starb Raschid endlich, ein
Schleier zog sich über sein starres hervorgetriebenes Auge, er lag
bleich und unbeweglich da. --
Abdallah stand über ihm und betrachtete ihn mit fürchterlicher
Schadenfreude. -- Warum rufst du nicht mehr Zulma's Namen aus? sagte
er bitterlächelnd, wirst du mir sie itzt noch abkämpfen wollen? -- Kann
ich nun ruhen, ohne deine Eile zu fürchten? -- Nun wirst du sie nicht
gewinnen, die Würmer nehmen dich in Besitz! Nun ist sie mein, mein! o
ich will es dir in die Ohren schreien, bis du von neuem fluchst, -- Zulma
ist mein! -- Ha, warum bist du im Augenblick so kalt, gleichgültig und
träge geworden? -- Liebst du Zulma nicht mehr? -- verdient sie itzt
nicht mehr die Huldigung deiner Wünsche? --
Ein plötzlicher heftiger Schauder fiel ihn an, er wandte sich und flohe
mit Windesschnelligkeit zur Stadt.
Fünftes Kapitel.
Er stürzte wild in die Stadt hinein und eilte wie ein Rasender durch die
Straßen, alles wich ihm furchtsam auf seinem Wege aus, man hielt ihn für
einen Wahnsinnigen, der seinem Kerker entsprungen sei und jedermann sahe
ihn mit Furcht und Mitleid nach. Er schweifte wüthend umher und stand
itzt vor dem Pallast des Sultans. Als er hineinstürzen wollte, hielten
ihn die Leibwächter zurück. Er wollte sich mit Gewalt hindurchdrängen,
er schrie laut, man sollte, man müßte ihn zum Sultan führen, man stieß
ihn wie einen Unsinnigen fort; da er aber stets von neuem und stets
dringender bat, nahm man ihm endlich seinen Dolch ab und ließ ihn in
den Pallast treten. _Mehmed,_ der Vezier, begegnete ihm, Abdallah's
Knie zitterten, seine Stimme war nur ein gebrochenes Lallen. Der Vezier
sahe ihn mißtrauisch an und ging endlich in das Gemach des Sultans.
-- Abdallah stand zitternd auf dem langen Gange vor den Thüren der
Zimmer, er wußte nicht mehr, wer er war und was er wollte, vorübergehende
Sklaven betrachteten ihn mit Erstaunen, wie einen niegesehenen Fremdling,
er sahe scheu umher, alle fuhren vor ihm, wie vor einem Mörder zurück.
Sein Zustand war fürchterlich und doch wünschte er ihn verlängert,
sehnlich wartete er auf die Eröffnung der Thür und konnte sich diesen
Augenblick nie als wirklich denken; ein wehmüthiges Entsetzen, eine
fremde Verzweiflung, die ihn mit einer kalten Freude erfüllte, herrschte
in seiner Seele. Itzt war ihm nichts werth und nichts verhaßt, er war
sich selber abgestorben, in einem dumpfen Nachsinnen verloren, gab er
sich endlich Mühe zu entdecken, warum er dort stehe und auf was er
harre. -- In einzelnen Streifen brach sich der Sonnenschein durch die
Fenster und er betrachtete aufmerksam die kleinen zitternden Strahlen,
die sich zusammenwebten und wieder auseinander flogen, sein unverwandtes
Auge verlor sich in aufmerksamen Betrachtungen von hundert Kleinigkeiten,
dann sahe er wieder nach den Sklaven, die vor ihm zitterten und eine leise
Ahndung sprach in ihm an, als müßte er sich vor ihren Blicken schämen.
-- In der Ferne flog ein Schall den langen Gang hinab, mit seinem todten
eiskalten Blick sah er hin, es war _Zulma,_ die mit einigen Sklavinnen
dicht vor ihm vorüber in ein Gemach ging, ein Schleier bedeckte ihr
Gesicht, aber er erkannte ihren Gang und den Glanz ihres Auges durch
die Verhüllung. Alle seine gefesselten wüthenden Leidenschaften wurden
plötzlich von eisernen Banden wie Wirbelwinde losgelassen, er kam zu
sich selber zurück und fand jedes Entsetzen in der grauenvollen Wohnung
wieder. Er starrte dem Schimmer ihres Gewandes lange nach, sie hatte ihn
nicht erkannt. -- Wo bist du? fragte ihn ein aufwachender Gedanke, -- und
was willst du? -- Ha! die Verdammniß hält dir noch einmal die trügende
Speise an der giftigen Angel hin; war es nicht _Zulma_, die vorüberging?
-- Es ist _meine_ Zulma, sprach er in sich weiter, sie ist _mein_, jetzt
geh' ich hin und bezahle den großen Kauf, die Hölle reicht mir ihre
Verschreibung. -- Jetzt, jetzt wird der fürchterliche Augenblick nahen,
der mich zum ernsten Verhör fordert, doch auch _er_ wird vorübergehen,
die Zeit verschlingt geizig alles. -- Aber auch mein Glück wird
verschwinden, es wird eine Zeit kommen, in der ich sagen werde, Zulma
_war_ mein und dann? -- Nein, nein, ich will die Zeit festschmieden und
ihre Räder zerbrechen, lahm soll sie langsamer von dannen schleichen.
Die Wonne der Liebe soll mich berauschen bis ich wahnsinnig werde; wenn
ich Zulma in meinen Armen halte, dann soll sich die Hölle nicht an mich
hinanwagen, ihre Schuld einzufordern, o, ich will, ich _will_ glücklich
sein, -- ich will schwören, daß ich nicht elend sein werde, der Fluch
Selims trifft mich im Paradiese an, und flattert scheu zurück, in Zulma
finde ich die Tugend und Gott, nur hier will ich anbeten, ich will mir
selber Trotz bieten; die Seele ist verächtlich, die nicht Muth hat, von
sich zurückzuschleudern, was feindlich in ihre Seligkeiten bricht, nur
der Furchtsame leidet, durch seine feige Einwilligung ist der Elende
elend, -- ha! ich trotze dem Schicksal und der Allmacht, ich will kühn
schroffe Klippen erklettern und mit hohnlachendem Triumph meine Kränze
aus den Schrecken pflücken, -- wer, wer kann mir verbieten glücklich zu
sein? Wer will meinen frechen Geist beherrschen? Wer in Zulma's Armen
Elend auf mich herabsprechen? -- o er versuch' es, der Ewige, -- _mich_
treffen seine Flüche nicht, -- mein Glück ist meine Tugend, ohne Zulma
bin ich unglücklich, -- Tugend ist ein nichtiger Schall, der verdammende
Richter hat in seinem Busen nie die Menschheit gefühlt, -- ein tyrannisches
Schicksal hat eherne Gesetze für uns geschrieben, der Ewige hielt seine
Erschaffenen für Engel, -- er selber versteht die Menschheit nicht,
-- darum zertrümmert diese Gesetze, er wird einst verzeihen, oder er ist
ein Tyrann, der die Schöpfung belebte, um sich ihrer Quaalen zu freuen. --
Die Thür des Gemaches öffnete sich. Der Vezier des Sultans trat heraus
und führte Abdallah in ein prächtiges Zimmer; Ali saß in einer kalten
empörenden Wuth auf einem Sessel und sahe dem eintretenden Abdallah
starr entgegen; der Jüngling warf sich vor ihm nieder.
Eine lange Stille. Ali blickte auf ihn ernst herab, Abdallah wagte es
nicht, die Augen aufzuheben. Seine Sinne hatten ihn verlassen, er ächzte
laut in einer todten Betäubung. -- Was willst du? fragte ihn endlich der
Sultan mit zurückschreckender Kälte.
Abdallah hob sein Haupt auf und blieb auf den Knien liegen. -- Was
ich will? -- antwortete er leise. -- O diesen großen, schrecklichen,
einzigen Augenblick wollt' ich. -- Itzt, itzt ist er da! -- Was such'
ich hier? -- Warum kam ich hierher? -- Wer bist du?
Er ist wahnsinnig! schrie Ali auf, hinweg mit dem Unsinnigen!
Sklaven näherten sich und wollten ihn hinwegführen, Abdallah widersetzte
sich ihnen stumm, -- nein, rief er endlich aus, laßt mich! Ich muß hier
bleiben, eine große Entdeckung führte mich vor deinen Thron, darum höre
mich an. -- Ali winkte, und die Sklaven entfernten sich wieder.
Nun sprich! sagte Ali, oder bei meinem Zorn, du gehst nicht lebendig aus
diesem Saal!
Ich will sprechen, sagte Abdallah. O ich muß sprechen, von itzt an hab'
ich keinen Willen weiter. -- O Zulma! Zulma! -- Ali, du hast ein großes
Kleinod ausgeboten, du hast dem Zulma verheißen, der Selim deiner Strafe
ausliefern würde.
_Ali._ Ja.
_Abdallah._ Wirst du dein Versprechen halten?
_Ali._ Beim Propheten!
_Abdallah._ O so ist sie _mein!_ ich bringe dir das Geheimniß, gegen das
du sie austauschen mußt.
Ali sprang heftig auf. -- Selim? rief er, Selim? O meine Rache lechzt
nach diesem Blute, sprich es aus, wo ist er? Wo kann ich ihn finden?