Sechster Auftritt

Die Vorigen ohne Schauermann und das Fräulein.

Freiburg. Nun, Georg, alle Saiten des Jubels schlag ich an: wir

haben sie; wir haben diese Kunigunde von Thurneck! So wahr ich nach

meinem Vater getauft bin, nicht um den ganzen Himmel, um den meine

Jugend gebetet hat, geb ich die Lust weg, die mir beschert ist, wenn

der morgende Tag anbricht!--Warum kamst du nicht früher von

Waldstätten herab?

Georg. Weil du mich nicht früher rufen ließest.

Freiburg. O, Georg! Du hättest sie sehen sollen, wie sie daher

geritten kam, einer Fabel gleich, von den Rittern des Landes umringt,

gleich einer Sonne, unter ihren Planeten! Wars nicht, als ob sie zu

den Kieseln sagte, die unter ihr Funken sprühten: ihr müßt mir

schmelzen, wenn ihr mich seht? Thalestris, die Königin der Amazonen,

als sie herabzog vom Kaukasus, Alexander den Großen zu bitten, daß er

sie küsse: sie war nicht reizender und göttlicher, als sie.

Georg. Wo fingst du sie?

Freiburg. Fünf Stunden, Georg, fünf Stunden von der Steinburg, wo

ihr der Rheingraf, durch drei Tage, schallende Jubelfeste gefeiert

hatte. Die Ritter, die sie begleiteten, hatten sie kaum verlassen,

da werf ich ihren Vetter Isidor, der bei ihr geblieben war, in den

Sand, und auf den Rappen mit ihr, und auf und davon.

Georg. Aber, Max! Max! Was hast du--?

Freiburg. Ich will dir sagen, Freund-Georg. Was bereitest du dir,

mit allen diesen ungeheuren Anstalten, vor?

Freiburg. Lieber! Guter! Wunderlicher! Honig von Hybla, für diese

vom Durst der Rache zu Holz vertrocknete Brust. Warum soll dies

wesenlose Bild länger, einer olympischen Göttin gleich, auf dem

Fußgestell prangen, die Hallen der christlichen Kirchen von uns und

unsersgleichen entvölkernd? Lieber angefaßt, und auf den Schutt

hinaus, das Oberste zu unterst, damit mit Augen erschaut wird, daß

kein Gott in ihm wohnt.

Georg. Aber in aller Welt, sag mir, was ists, das dich mit so

rasendem Haß gegen sie erfüllt?

Freiburg. O Georg! Der Mensch wirft alles, was er sein nennt, in

eine Pfütze, aber kein Gefühl. Georg, ich liebte sie, und sie war

dessen nicht wert. Ich liebte sie und ward verschmäht, Georg; und

sie war meiner Liebe nicht wert. Ich will dir was sagen--Aber es

macht mich blaß, wenn ich daran denke. Georg! Georg! Wenn die

Teufel um eine Erfindung verlegen sind: so müssen sie einen Hahn

fragen der sich vergebens um eine Henne gedreht hat, und hinterher

sieht, daß sie, vom Aussatz zerfressen, zu seinem Spaße nicht taugt.

Georg. Du wirst keine unritterliche Rache an ihr ausüben?

Freiburg. Nein; Gott behüt mich! Keinem Knecht mut ich zu, sie an

ihr zu vollziehn.--Ich bringe sie nach der Steinburg zum Rheingrafen

zurück, wo ich nichts tun will, als ihr das Halstuch abnehmen: das

soll meine ganze Rache sein!

Georg. Was! Das Halstuch abnehmen?

Freiburg. Ja Georg; und das Volk zusammen rufen.

Georg. Nun, und wenn das geschehn ist, da willst du--?

Freiburg. Ei, da will ich über sie philosophieren. Da will ich euch

einen metaphysischen Satz über sie geben, wie Platon, und meinen Satz

nachher erläutern, wie der lustige Diogenes getan. Der Mensch

ist--Aber still: (Er horcht.)

Georg. Nun! der Mensch ist?-Freiburg. Der Mensch ist, nach Platon,

ein zweibeinigtes ungefiedertes Tier; du weißt, wie Diogenes dies

bewiesen; einen Hahn, glaub ich, rupft' er, und warf ihn unter das

Volk.--Und diese Kunigunde, Freund, diese Kunigunde von Thurneck, die

ist nach mir--Aber still! So wahr ich ein Mann bin: dort steigt

jemand vom Pferd!

Das Käthchen von Heilbronn: Oder, die Feuerprobe · 第 42 / 103 题