Und Caton nickte: »Aus lauter Bravheit.«

* * * * *

Große Fahrt in Oberamtmann Eichroths Wagen nach Laufenburg, wo gerade

Jahrmarkt war und wir Gelegenheit hatten, das bunteste Treiben von

Menschen zu beobachten -- Hauensteiner, Schweizer und sonst noch der

ländlichen Trachten mehr. Wir hatten aber nur Zeit zu einem Frühstück.

Unser Ziel war Waldshut. Dort winkten uns die Freunde der Eltern,

Turbans und Holzmanns, schon aus den Fenstern entgegen. Therese, Lotte

und Hermann wohnten bei den letzteren, Caton und ich im gastlichen

Turbanshaus. Ach, welche Tage verlebten wir hier an Traulichkeit und

wieder unnennbarem Entzücken im Beschauen der paradiesischen Aussicht

-- vom Rhein, den Dörfern und Bergen und weiterhin, jenseits des Ufers,

der eisigen Jungfrau und des majestätischen Rigi.

Des Abends versammelte sich die Waldshuter Jugend bei Turbans; es

wurden Gesellschaftsspiele gemacht, deklamiert, gesungen, und ich hatte

nicht selten Gelegenheit, zwei Finger gegen Caton zu erheben, wenn die

Hofmacherei ein wenig gar zu lebhaft wurde.

Herrn Turbans Güte und Unternehmungsgeist verdanken wir den schönsten,

jedenfalls interessantesten Teil unserer Reise. Den herrlichen

Rheinfall bei Schaffhausen durften wir sehen, gleichsam die Krone

unserer Erlebnisse.

Auf dem Wege dahin beschauten wir die dortige Schmelze, einen tief in

die Erde gegrabenen Feuerofen, aus dem eine gräßliche Brunst in allen

möglichen Farben hoch und wild aufloderte. Unwillkürlich mußten wir an

Schillers »Fridolin« denken.

Auf dem Fußpfade längs des Rheinufers, der uns zum Wasserfall bringen

sollte, bildeten sich Brandungen, die von der Gewalt des Sturzes

brausend gegen das Ufer schlugen. Noch ein paar Schritte, und der

mächtige Rheinfall stürzte von seiner Höhe herab ins wirbelnd

aufzischende Wasser. Wir bestiegen einen Kahn und glitten, gefährlich

auf und nieder gewiegt, auf dunkelblauer Wogenflut dem tosenden Sturz

immer näher -- zaghaft und still, von heiligem Schauer durchbebt. Am

jenseitigen Ufer, am waldigen Felsberg, auf dem das Schloß Laufen

steht, landeten wir und fielen uns voll Dankbarkeit, einer so großen

Gefahr entronnen zu sein, freudig in die Arme. Nur Hermann lachte und

verbat sich jeden Kuß. Wir stiegen auf einem mit Geländer versehenen

Fußpfade höher und höher, tief hineinschauend in das schäumende

Wogenmeer, dessen urgewaltige Stimme jeden Laut ringsumher verschlang.

»Schöneres werden wir nie wieder sehen«, sagte Therese und weinte ein

wenig.

Meine Tante Anna · 第 12 / 51 题