Weis' her die wälsche Medaille!
Wie funkelt so neu das Ding!
Und so alt schon ist die Bataille,
Wo Dein Arm zum Teufel ging.
Wär' weiter nichts mitgegangen,
Nicht Dein Herz, Dein größter Schatz,
Sie hätten Dir nicht gehangen
Die Medaille an seinen Platz.
Sie hätten es nicht probiret,
Nach fünfzig Jahren auf's Neu',
Und zweimal speculiret
Auf Deine Kaisertreu'.
Der Kaiser liegt im Grabe
Und seine Garde dazu.
Gott geb' ihm und seinem Stabe
Pardon und die ew'ge Ruh'.
Viel Jahre sind gezogen
Wohl über die Gruft daher.
Kaum rauschen noch die Wogen
Die blutige Kaisermähr.
Und Gras ist viel gewachsen
Ueber Ehr' und über Schand',
In Preußen und in Sachsen
Und im Franzosenland.
Nun kommen sie wieder und äffen
Und schmücken sich mit dem Ding
Und werben Dich für den Neffen
Um einen Silberling.
Kämen sie im Schlachtgebrause
Zu hunderttausend Mann,
Wir schickten sie nach Hause,
Wie wir es schon gethan.
Und Du greifst nach dem Bande?
Du heftest Dir es an?
Du brüstest Dich mit der Schande!
O, schäme Dich, alter Mann!
Testament.
(November 1858.)
Wenn ich ausgelitten hab'
Und mich von euch wende,
Macht mir doch mit meinem Grab'
Nicht viel Complimente.
Setzt mir keinen Stein daher,
Der's den Leuten sage:
Freut euch, daß ich keinen mehr
Auf dem Herzen trage.
Auch mit Rosen bleibt mir fort,
Kränzen oder Kronen,
Flechtet sie, wo hier und dort
Frohe Menschen wohnen.
Weder Schutt noch Blumenfeld,
Scherben oder Kräuter,
Machen mir die and're Welt
Länger oder breiter.
Viel Poeten haben's gern
Wenn sich Vöglein's Flügel
Um die Zeit vom Abendstern
Senkt auf ihren Hügel,
Oder wenn vom nahen Baum
Nachtigallen pfeifen,
Während durch den stillen Raum
Laue Weste streifen.
Nichts begehr' ich von dem All'n
Wollt' auch eh'r erdolcht sein,
Als von Mond und Nachtigall'n
Bis in's Grab verfolgt sein.
Im November jedes Jahr
Soll't ihr mich besuchen,
Dort, wohin mich auf der Bahr
Fremde Schultern trugen.
Ob vielleicht schon Schnee und Frost
Mich bedeckt da draußen,
Ob die Stürm' aus Nord und Ost
Durch die Felder brausen --
Grade wenn's recht stürmisch ist,
Sollt ihr zu mir treten,
»Vater unser, der du bist«,
Herzhaft für mich beten.
So befohlen und gestift't
Hier in dem Gedichte,
Auf daß Jeder, den's betrifft,
Demgemäß sich richte.
Inhaltsverzeichniß.
Vorwort mit der Biographie des Dichters III
Meinen Eltern, am Neujahrsmorgen 1825 3
Am Geburtstage meiner innigst geliebten Mutter 5
Am Geburtstage meines Vaters 6
Am Anfange der Osterferien 11
Am 8. December 13
Elegie auf den Tod meines Kanarienvogels 15
Meiner kleinen Schwester, an ihrem Geburtstage 16
Nachtwächter-Lied 19
Es war mir heut' Abend so einsam, so leer 21
Gruß an die Heimath 22
Mein Engel 25
Sehnsucht nach dem Tode 27
Reliquie eines Verschollenen 31
Im Namen eines dreijährigen Kindes am Geburtstage seines Vaters 36
Die Waldmühle 38
Schweizers Sehnsucht 41
Am Geburtsfeste Seiner Hoheit des Kurprinzen von Hessen-Kassel 43
Mein Wunsch 47
Die letzte Rose 48
Sonett 51
Sonett 52
Die Johannisblume 53
In der Ferne wohnt mein Glück 54
Ihrer Erlaucht der Gräfin von Schaumburg 56
An Betty nach der Flucht ihres Kanarienvogels 59
Worte, gesprochen vor dem Anfange der Komödie, welche die Kinder 63
aus dem Wimez'schen Institute aufführten
Gesang der Sterne 65
Der Liebe Sehnen 67
Veilchenstrauß 69
Tag der Vereinigung 71
Siehst Du, wo im Abendgolde 73
Der Bürgergardist 74
Die Natur 76
Vaterfreude 78
Am Geburtsfeste S. M. des Königs der Niederlande, Großherzogs 81
von Luxemburg
Ludwig Philipp 84
Was ist des Deutschen Vaterland? 87
Blau, weiß, roth 90
Bei Sebastopol 92
Ferienweihe 94
Von der Luxemburger Mosel 99
Es lag mir schon sehr lange nah' 102
Die Fische 103
Morgenlied von dem Schäfchen 105
Maria und der Doctor 107
Des armen Kindes heiliger Christ 109
Des Schweizers Heimweh 112
Der Morgen im Garten 114
Am Abend 116
Nach Durchlesung des vom Herrn Bischof zu Chersones und 118
apostolischen Vikar, Johann Theodor Laurent, bei seinem
Amtsantritte in Luxemburg erlassenen Hirtenbriefes
Der Katholik 120
In einer protestantischen Kirche 122
Maria! 130
Maria in der Seele 135
Die Verfolgung 138
1848 142
Komm! 145
Das Marienbild zu Rimini 147
An Maria 149
Dem hochwürdigen Herrn Pater Zobel, Direktor des 150
Jünglingsvereines, zu seinem Namenstage, den 7. December
1854, vom Vereine gewidmet
Lied für den Jünglingsverein 152
Der Jünglingsverein an seinen Director, bei dessen Abreise nach 155
Rom
Der Lehrer an seine Schüler 158
Epilog nach der Preisevertheilung im K.-G. Athenäum zu Luxemburg 161
Nach gegebenen Endreimen 166
An P. Klein's Grabe 167
Die Schutzengel 169
Der Cölibat 173
Arion 179
Militär-Toast 182
Ein Geister-Ständchen 184
Die St.-Helena-Medaille 188
Testament 190
Fußnoten.
[1] Meine Inaugural-Dissertation (_De jure ejus, qui speciem ex aliena
materia fecit_) findet sich in den Pandektencompendien citirt.
[2] Als in Folge der schon am 12. Oktober 1841 im Haag unterzeichneten
Constitution die Verwaltung des Landes auf französischem Fuße
eingerichtet wurde, fing auch Koch's Stellung an zu schwanken. Mit dem
Aufhören der s. g. Landesregierung fiel auch der bisherige Sekretär
derselben weg, und man ernannte unsern Dichter zum Bureauchef (_chef de
division_) bei der neuen Regierung (28. Dezember 1842), dann zum
Rendanten beim hiesigen Hauptzollamte (1. Januar 1844), welcher Stelle
er aber schon im Januar 1846 entbunden wurde. Von dieser Zeit an genoß
Koch ein Wartegehalt und blieb, außer der geringen Beschäftigung als
beeideter Uebersetzer des »Memorial«, für das er den deutschen Text zu
besorgen hatte, ohne Amt und Anstellung, bis er vor elf Jahren erst
provisorisch, dann definitiv zum Professor der deutschen Sprache und
Literatur am königl. großherzgl. Athenäum ernannt wurde.
Anm. d. H.
[3] Abgedruckt aus den Mainzer »Katholische Sonntagsblätter«, Jahrgang
1846, Nr. 28.