Die St.-Helena-Medaille.[16]

Weis' her die wälsche Medaille!

Wie funkelt so neu das Ding!

Und so alt schon ist die Bataille,

Wo Dein Arm zum Teufel ging.

Wär' weiter nichts mitgegangen,

Nicht Dein Herz, Dein größter Schatz,

Sie hätten Dir nicht gehangen

Die Medaille an seinen Platz.

Sie hätten es nicht probiret,

Nach fünfzig Jahren auf's Neu',

Und zweimal speculiret

Auf Deine Kaisertreu'.

Der Kaiser liegt im Grabe

Und seine Garde dazu.

Gott geb' ihm und seinem Stabe

Pardon und die ew'ge Ruh'.

Viel Jahre sind gezogen

Wohl über die Gruft daher.

Kaum rauschen noch die Wogen

Die blutige Kaisermähr.

Und Gras ist viel gewachsen

Ueber Ehr' und über Schand',

In Preußen und in Sachsen

Und im Franzosenland.

Nun kommen sie wieder und äffen

Und schmücken sich mit dem Ding

Und werben Dich für den Neffen

Um einen Silberling.

Kämen sie im Schlachtgebrause

Zu hunderttausend Mann,

Wir schickten sie nach Hause,

Wie wir es schon gethan.

Und Du greifst nach dem Bande?

Du heftest Dir es an?

Du brüstest Dich mit der Schande!

O, schäme Dich, alter Mann!

Testament.

(November 1858.)

Wenn ich ausgelitten hab'

Und mich von euch wende,

Macht mir doch mit meinem Grab'

Nicht viel Complimente.

Setzt mir keinen Stein daher,

Der's den Leuten sage:

Freut euch, daß ich keinen mehr

Auf dem Herzen trage.

Auch mit Rosen bleibt mir fort,

Kränzen oder Kronen,

Flechtet sie, wo hier und dort

Frohe Menschen wohnen.

Weder Schutt noch Blumenfeld,

Scherben oder Kräuter,

Machen mir die and're Welt

Länger oder breiter.

Viel Poeten haben's gern

Wenn sich Vöglein's Flügel

Um die Zeit vom Abendstern

Senkt auf ihren Hügel,

Oder wenn vom nahen Baum

Nachtigallen pfeifen,

Während durch den stillen Raum

Laue Weste streifen.

Nichts begehr' ich von dem All'n

Wollt' auch eh'r erdolcht sein,

Als von Mond und Nachtigall'n

Bis in's Grab verfolgt sein.

Im November jedes Jahr

Soll't ihr mich besuchen,

Dort, wohin mich auf der Bahr

Fremde Schultern trugen.

Ob vielleicht schon Schnee und Frost

Mich bedeckt da draußen,

Ob die Stürm' aus Nord und Ost

Durch die Felder brausen --

Grade wenn's recht stürmisch ist,

Sollt ihr zu mir treten,

»Vater unser, der du bist«,

Herzhaft für mich beten.

So befohlen und gestift't

Hier in dem Gedichte,

Auf daß Jeder, den's betrifft,

Demgemäß sich richte.

Inhaltsverzeichniß.

Vorwort mit der Biographie des Dichters III

Meinen Eltern, am Neujahrsmorgen 1825 3

Am Geburtstage meiner innigst geliebten Mutter 5

Am Geburtstage meines Vaters 6

Am Anfange der Osterferien 11

Am 8. December 13

Elegie auf den Tod meines Kanarienvogels 15

Meiner kleinen Schwester, an ihrem Geburtstage 16

Nachtwächter-Lied 19

Es war mir heut' Abend so einsam, so leer 21

Gruß an die Heimath 22

Mein Engel 25

Sehnsucht nach dem Tode 27

Reliquie eines Verschollenen 31

Im Namen eines dreijährigen Kindes am Geburtstage seines Vaters 36

Die Waldmühle 38

Schweizers Sehnsucht 41

Am Geburtsfeste Seiner Hoheit des Kurprinzen von Hessen-Kassel 43

Mein Wunsch 47

Die letzte Rose 48

Sonett 51

Sonett 52

Die Johannisblume 53

In der Ferne wohnt mein Glück 54

Ihrer Erlaucht der Gräfin von Schaumburg 56

An Betty nach der Flucht ihres Kanarienvogels 59

Worte, gesprochen vor dem Anfange der Komödie, welche die Kinder 63

aus dem Wimez'schen Institute aufführten

Gesang der Sterne 65

Der Liebe Sehnen 67

Veilchenstrauß 69

Tag der Vereinigung 71

Siehst Du, wo im Abendgolde 73

Der Bürgergardist 74

Die Natur 76

Vaterfreude 78

Am Geburtsfeste S. M. des Königs der Niederlande, Großherzogs 81

von Luxemburg

Ludwig Philipp 84

Was ist des Deutschen Vaterland? 87

Blau, weiß, roth 90

Bei Sebastopol 92

Ferienweihe 94

Von der Luxemburger Mosel 99

Es lag mir schon sehr lange nah' 102

Die Fische 103

Morgenlied von dem Schäfchen 105

Maria und der Doctor 107

Des armen Kindes heiliger Christ 109

Des Schweizers Heimweh 112

Der Morgen im Garten 114

Am Abend 116

Nach Durchlesung des vom Herrn Bischof zu Chersones und 118

apostolischen Vikar, Johann Theodor Laurent, bei seinem

Amtsantritte in Luxemburg erlassenen Hirtenbriefes

Der Katholik 120

In einer protestantischen Kirche 122

Maria! 130

Maria in der Seele 135

Die Verfolgung 138

1848 142

Komm! 145

Das Marienbild zu Rimini 147

An Maria 149

Dem hochwürdigen Herrn Pater Zobel, Direktor des 150

Jünglingsvereines, zu seinem Namenstage, den 7. December

1854, vom Vereine gewidmet

Lied für den Jünglingsverein 152

Der Jünglingsverein an seinen Director, bei dessen Abreise nach 155

Rom

Der Lehrer an seine Schüler 158

Epilog nach der Preisevertheilung im K.-G. Athenäum zu Luxemburg 161

Nach gegebenen Endreimen 166

An P. Klein's Grabe 167

Die Schutzengel 169

Der Cölibat 173

Arion 179

Militär-Toast 182

Ein Geister-Ständchen 184

Die St.-Helena-Medaille 188

Testament 190

Fußnoten.

[1] Meine Inaugural-Dissertation (_De jure ejus, qui speciem ex aliena

materia fecit_) findet sich in den Pandektencompendien citirt.

[2] Als in Folge der schon am 12. Oktober 1841 im Haag unterzeichneten

Constitution die Verwaltung des Landes auf französischem Fuße

eingerichtet wurde, fing auch Koch's Stellung an zu schwanken. Mit dem

Aufhören der s. g. Landesregierung fiel auch der bisherige Sekretär

derselben weg, und man ernannte unsern Dichter zum Bureauchef (_chef de

division_) bei der neuen Regierung (28. Dezember 1842), dann zum

Rendanten beim hiesigen Hauptzollamte (1. Januar 1844), welcher Stelle

er aber schon im Januar 1846 entbunden wurde. Von dieser Zeit an genoß

Koch ein Wartegehalt und blieb, außer der geringen Beschäftigung als

beeideter Uebersetzer des »Memorial«, für das er den deutschen Text zu

besorgen hatte, ohne Amt und Anstellung, bis er vor elf Jahren erst

provisorisch, dann definitiv zum Professor der deutschen Sprache und

Literatur am königl. großherzgl. Athenäum ernannt wurde.

Anm. d. H.

[3] Abgedruckt aus den Mainzer »Katholische Sonntagsblätter«, Jahrgang

1846, Nr. 28.

Ernst Koch's Gedichte Aus dessen Nachlasse gesammelt und herausgegeben von einem Freunde des Verstorbenen · 第 20 / 32 题