Die Aktion begann im Morgengrauen und ging auf wie eine Gleichung; seit
neun Uhr steht kein Russe mehr auf dem Mihályszállás; sie sind bis zum
Monte Ardelle zurückgegangen. Die Aufgabe ist gelöst; vor zehn Uhr sind
bereits ungarische Offiziere eingetroffen, um die Stellung kennen zu
lernen, die morgen ihr Bataillon von uns übernehmen soll.
Kristl ward um elf Uhr wachgehaucht, stand sofort auf, aß mit großem
Hunger. Nun wir ihm aber eröffnen, daß er, mit einem ärztlichen Bericht
versehen, nach Palanka gehen dürfe, um von dort aus nach Bayern zu
kommen, will sich sein Gesicht gleich wieder ins Störrische verziehen,
doch nimmt er sich zusammen und bittet schließlich mit überlegten und
herzlichen Worten, ich solle ihn doch hier lassen. Fast könnte man
glauben, sein Gedächtnis für die Heimat sei abgeschwächt; jede
Veränderung scheint er zu fürchten und an unseren paar Gesichtern zu
hängen, als wären sie die Welt. Aber was tu ich mit einem so
zerspringlichen Wesen in dieser schwelenden Luft? Und der Major und
Leverenz, was werden sie dazu sagen? Voreilig äußert Raab, wir würden ja
nun doch in Ruhe kommen; falls Kristl vom Sanitätsdienst etwas verstehe,
könne er wohl noch etliche Tage bleiben und im Revier ein wenig helfen.
»Ich bin als Krankenträger ausgebildet«, fällt Kristl eifrig ein;
»Verbände mache ich die allerschönsten, auch Arm- und Beinschienen.« Ich
versprach, mir die Sache zu überlegen und mit Kommandeur und
Kompagnieführer zu besprechen. Vorderhand bleibt er als Revierkranker in
Beobachtung und meldet sich zweimal am Tage bei mir. Er geht sogleich
mit Raab, sucht sich nützlich zu machen, putzt Flaschen und Instrumente,
wickelt Mullbinden auf.