Erster Auftritt

Illo mit Buttler, und Isolani.

Illo.

Spät kommt Ihr--Doch Ihr kommt! Der weite Weg,

Graf Isolan, entschuldigt Euer Säumen.

Isolani.

Wir kommen auch mit leeren Händen nicht!

Es ward uns angesagt bei Donauwerth,

Ein schwedischer Transport sei unterwegs

Mit Proviant, an die sechshundert Wagen.-

Den griffen die Kroaten mir noch auf,

Wir bringen ihn.

Illo.

Er kommt uns grad zupaß,

Die stattliche Versammlung hier zu speisen.

Buttler.

Es ist schon lebhaft hier, ich seh's.

Isolani.

Ja, ja,

Die Kirchen selber liegen voll Soldaten,

(sich umschauend)

Auch auf dem Rathaus, seh ich, habt ichr euch

Schon ziemlich eingerichtet--Nun! nun! der Soldat

Behilft und schickt sich, wie er kann!

Illo.

Von dreißig Regimentern haben sich

Die Obersten zusammen schon gefunden,

Colalto, Götz, Maradas, Hinnersam,

Auch Sohn und Vater Piccolomini--

Ihr werdet manchen alten Freund begrüßen.

Nur Gallas fehlt uns noch und Altringer.

Buttler.

Auf Gallas wartet nicht.

Illo. (stutzt)

Wieso? Wißt Ihr--

Isolani. (unterbricht ihn)

Max Piccolomini hier? Oh! führt mich zu ihm.

Ich seh ihn noch--es sind jetzt zehen Jahr--

Als wir bei Dessau mit dem Mansfeld schlugen,

Den Rappen sprengen von der Brücke herab

Und zu dem Vater, der in Nöten war,

Sich durch der Elbe reißend Wasser schlagen.

Da sproßt' ihm kaum der erste Flaum ums Kinn,

Jetzt, hör ich, soll der Kriegsheld fertig sein.

Illo.

Ihr sollt ihn heut noch sehn. Er führt aus Kärnten

Die Fürstin Friedland her und die Prinzessin,

Sie treffen diesen Vormittag noch ein.

Buttler.

Auch Frau und Tochter ruft der Fürst hieher?

Er ruft hier viel zusammen.

Isolani.

Desto besser.

Erwartet' ich doch schon von nichts als Märschen

Und Batterien zu hören und Attacken;

Und siehe da! der Herzog sorgt dafür,

Daß auch was Holdes uns das Aug' ergötze.

Illo.

(der nachdenkend gestanden, zu Buttlern, den er ein wenig auf

die Seite führt)

Wie wißt Ihr, daß Graf Gallas außen bleibt?

Buttler. (mit Bedeutung)

Weil er auch mich gesucht zurückzuhalten.

Illo. (warm)

Und Ihr seid fest geblieben?

(Drückt ihm die Hand.)

Wackrer Buttler!

Buttler.

Nach der Verbindlichkeit, die mir der Fürst

Noch kürzlich aufgelegt--

Illo.

Ja, Generalmajor! Ich gratuliere!

Isolani.

Zum Regiment, nicht wahr, das ihm der Fürst

Geschenkt? Und noch dazu dasselbe, hör ich,

Wo er vom Reiter hat heraufgedient?

Nun, das ist wahr! dem ganzen Korps gereicht's

Zum Sporn, zum Beispiel, macht einmal ein alter

Verdienter Kriegsmann seinen Weg.

Buttler.

Ich bin verlegen,

Ob ich den Glückwunsch schon empfangen darf,

--Noch fehlt vom Kaiser die Bestätigung.

Isolani.

Greif zu! greif zu! Die Hand, die ihn dahin

Gestellt, ist stark genug, Ihn zu erhalten,

Trotz Kaisern und Ministern.

Illo.

Wenn wir alle

So gar bedenklich sein wollten!

Der Kaiser gibt uns nichts--vom Herzog

Kommt alles, was wir hoffen, was wir haben.

Isolani. (zu Illo)

Herr Bruder! Hab ich's schon erzählt? Der Fürst

Will meine Kreditoren kontenieren.

Will selber mein Kaiser sein künftighin,

Zu einem ordentlichen Mann mich machen.

Und das ist nun das dritte Mal, bedenk' Er!

Daß mich der Königlichgesinnte vom

Verderben rettet und zu Ehren bringt.

Illo.

Könnt' er nur immer, wie er gerne wollte!

Er schenkte Land und Leut an die Soldaten.

Doch wie verkürzen sie in Wien ihm nicht den Arm,

Beschneiden, wo sie können, ihm die Flügel!--

Da! diese neuen, saubern Forderungen,

Die dieser Questenberger bringt!

Buttler.

Ich habe mir

Von diesen kaiserlichen Forderungen auch

Erzählen lassen--doch ich hoffe,

Der Herzog wird in keinem Stücke weichen.

Illo.

Von seinem Recht gewißlich nicht, wenn nur nicht

--Vom Platze!

Buttler. (betroffen)

Wißt Ihr etwas? Ihr erschreckt mich.

Isolani. (zugleich)

Wir wären alle ruiniert!

Illo.

Brecht ab!

Ich sehe unsern Mann dort eben kommen

Mit Gen'ralleutnant Piccolomini.

Buttler. (den Kopf bedenklich schüttelnd)

Ich fürchte,

Wir gehn nicht von hier, wie wir kamen.

Die Piccolomini · 第 7 / 45 题