1. Ptolemäerzeit -- 332-30 v. Chr.

2. Römische Kaiserzeit -- 30 v. Chr.-395 n. Chr. Zentrum der

Kunst und Wissenschaft ist ¨Alexandria¨.

Die ersten 6 Dynastien bilden das alte Reich, etwa von 3400-2500. Die

Hauptstadt ist Memphis, gegründet vom Könige ¨Menes¨, dem Men Herodots,

der lange völlig sagenhaft war, bis vor kurzem sein Grab bei Negade in

Oberägypten mit der Leiche gefunden wurde. Das Grab, eine gewaltige

Kammer aus Ziegelsteinen, ist eine sogenannte ¨Mastaba¨, ein arabisches

Wort, das eine grosse Bank bezeichnet. Das Grab, eine Nachbildung des

Palastes, ist vorbildlich geworden, aus ihm sind die Gräber der Grossen

und die Pyramiden, die Gräber der Könige, zunächst die der dritten und

vierten Dynastie, hervorgegangen. Die Stufenpyramide von ¨Sakkara¨

(siehe Abb.) zeigt, wie sich die Pyramide aus aufeinandergesetzten

Mastabas entwickelt hat. Nur durch ihre Höhe und Masse konnten die

Gräber vor der Verwehung durch den Wüstensand geschützt werden.

Vor der Scheintür in der westlichen Mitte, aus der der Tote oder

vielmehr seine Seele, der Ka, mit der Welt verkehren sollte, waren die

Opfersteine und später die Opfertempel, wo die Angehörigen dem Ka ihre

Gaben darbringen konnten. Die vollständige Anlage des Königsgrabes

zeigten die Funde ¨Borchardts¨ bei Abusîr, der aus ihnen die Gräber der

Könige der V. Dynastie, des Sahurê und des Neweserrê rekonstruiert hat.

Zuerst der Empfangsraum, in den die Königsleiche aus dem Kahn getragen

wird, dann ein sehr langer gedeckter Gang, mit vielen Reliefs geziert,

der zum Totentempel führt, in dessen Hintergrund sich der Eingang

in die Pyramide, die Scheintür der Mastaba, befand. Die Pyramide

enthält viele Kammern und viele Kostbarkeiten, aber Statuen, wie in den

Mastabas, sind dort nicht gefunden worden. Die vielen Kostbarkeiten

entwickelten eine eigene Zunft der Gräberdiebe, uns sind die Akten

eines grossen Prozesses unter Ramses IX. erhalten, und durch einen

sonderbaren Zufall haben Northampton, Spiegelberg und Newberry bei

ihren Ausgrabungen in der Gräberstadt (Nekropole) von Theben diese

Akten verifizieren können (excavations in the Theben necropolis, London

1908).

Aus Furcht vor den Dieben sind die Königsgräber später in die schwer

zugänglichen Felsentäler von Biban el Moluk gelegt, deren Zugänge

polizeilich überwacht wurden, trotzdem sind sie geplündert worden.

¨Menes¨ hat nach der Tradition die beiden Reiche Ober- und Unterägypten

vereinigt, aber die Verwaltung war noch lange getrennt, es gibt zwei

Silberkammern (Reichsbank), zwei Oberrichter oder Vorsteher des Südens

und des Nordens. Der König trägt die beiden Kronen von Ober- und

Unterägypten. Der König ist zugleich Oberpriester, geniesst göttliches

Ansehen, er ist Sohn des Amon oder des Re, des Sonnengottes, ist Horus,

d. h. Frühlingsgott.

Die Verwaltung ist aufs genaueste organisiert, das Land ist in Gaue

verteilt, denen Gaufürsten mit eigenem Hofstaat vorstehen. Es ist die

Zeit jugendlicher Kraft, des Erblühens von Kunst und Wissenschaft, die

Glanzzeit ist die der V. Dynastie; riesige Tempelbauten, Mastabas,

Steinkammern, dann die Riesenpyramiden des Cheops, des Chephre und des

Mykerinos; sie fallen in die IV. Dynastie. Die Bautätigkeit tritt so

in den Vordergrund, dass die Prinzen den Titel eines Vorstehers der

Arbeiten des Königs tragen. Um den Syenit, das vorzügliche Baumaterial,

zu gewinnen, hat sich das Reich bis an die Katarakten, bis nach Syene

ausgedehnt. Aber nach der VI. Dynastie, nach Pepi III. geriet die

Königsmacht in Verfall. Die Gaugrafen werden selbständig und erblich,

im östlichen Delta um Tanis setzen sich libysche Stämme fest. Schon zur

Zeit Pepis treten neben der Totenstadt, der Nekropole, von Memphis

andere Nekropolen auf, die Gaufürsten lassen sich in ihrer Heimat

begraben und viele Vornehme auch auf dem heiligen Boden von Abydos

neben der Grabstätte des Osiris. Es bildet sich dann in Theben eine

neue Dynastie heran, die in der XI. Dynastie das Land vereinigt und es

beginnt mit der XII. Dynastie das mittlere Reich, dessen erster König

¨Amenemhet¨ I. gründlich Ordnung stiftet. Es muss wirr genug in Ägypten

ausgesehen haben als Amenemhet das Land mit seinem Heere durchzog. In

der uns erhaltenen Inschrift des Chnemhôtep eines sehr hohen Beamten

heisst es: Damit er die Sünde vernichte, er, der wie der Gott ¨Atum¨

glänzte, da musste er auch wieder herstellen, was er zerstört fand. Er

trennte eine Stadt von der anderen; er lehrte jede Stadt ihre Grenze

gegen die andere kennen und stellte ihre Grenzsteine fest wie den

Himmel auf. Er unterrichtete sich über die Wassergebiete der einzelnen

Städte aus dem was in den Büchern stand und verzeichnete sie nach dem

was in alten Schriften stand, weil er die Wahrheit so sehr liebte.

Das mittlere Reich geht bis etwa 1800. Gewaltige Bauten an Tempeln

und Gräbern besonders in Theben, daneben auch nützliche Arbeiten

wie Nildämme und besonders das grosse Staubecken des Mörissee, von

¨Amenemhet III. Labares¨, dem Erbauer des Labyrinths angelegt, das

sich bis auf den heutigen Tag erhalten hat und die Landschaft Fajum

erst fruchtbar machte. Zum ersten Mal wirkliche Eroberungskriege;

Nubien, »Das elende Kusch«, wird der Goldminen in seiner Wüste halber

nach langem Kampfe endgültig von Sen-wosret erobert, der im Herzen des

Landes bei Semneh die Grenzfestung anlegt; auch mit Syrien und Arabien

tritt Ägypten in Verbindung. Doch nach den 200 Jahren Blütezeit unter

der XII. Dynastie zerrütten Thronstreitigkeiten, dieser Krebsschaden

aller orientalischen Länder, ausgehend von den mächtigen Gaufürsten,

das Land. Es erliegt dem Ansturm semitischer Nomadenstämme, den

Hirtenfürsten, den Hyksos der Griechen, die von Nordosten her, von

Suez eindringen und zweifelsohne von den Gaufürsten unterstützt werden.

Ihre Herrschaft nahm den Verlauf, den der Einbruch der Mongolen in

das Kalifenreich und den der Germanen in das Römerreich genommen

hat. Mit unwiderstehlicher Gewalt werfen die Barbaren das zerrüttete

Reich über den Haufen, schaffen Ruhe und sehen dann, dass sie einen

solchen Grossstaat zwar erobern aber nicht verwalten können. Die

alte Regierungsmaschine arbeitet weiter und nur Garnisonen in den

Grossstädten erinnern an die Fremdherrschaft. Nach einigen Generationen

nivellieren sich die Fürsten und Vornehmen, und die späteren

Hyksoskönige sind so gut Ägypter wie die Nachkommen Dschingis Khans

gute Moslems wurden. Aber mit der Zivilisation, die sie gewinnen,

verlieren die Barbarenfürsten ihre Kraft und so wurden die Hyksos

allerdings nicht ohne Kampf nach etwa 300 Jahren von Theben aus durch

Amose I. vertrieben.

Es beginnt das neue Reich, 1580-1100. Die Zeit der Thutmosen und

Ramessiden, Ägypten wird Weltmacht. Noch der Urenkel des grossen

Eroberers Thutmose III., Amenhôtep III. herrschte über Nubien, Libyen,

Ägypten, Arabien, Palästina und Syrien, bis an den Euphrat und die

Ramessiden behaupteten dieses Reich noch gegen die mächtige semitische

Grossmacht der Chetafürsten. Aber das neue Reich ist ganz vom alten

verschieden. Der Feudaladel wird systematisch vernichtet, etwa wie der

französische durch Richelieu; es ist ein Militär- und Priesterstaat.

Libysche und semitische und hellenische Söldner schlagen die Kriege;

denn der ägyptische Bauer, tapfer wie jeder Bauer, wenn er sein

Eigentum schützt, ist für Eroberungskriege nicht zu brauchen. Der

König ernährt die Heere und die Priester, alles Land, soweit es nicht

den Göttern gehört, d. h. den Priestern, die durch immer grössere

Geschenke gewonnen werden, gehört dem König, der es den Bauern gegen

eine Abgabe von 20 % des Ertrages vermietet. Aber in Wahrheit sind die

Söldnerführer und der Hohepriester mächtiger als der König. Es ist die

bekannte Verbindung von Thron und Altar, wobei gewöhnlich dem Altar

der Löwenanteil zufällt.

Sehr lehrreich ist hierfür der grosse Papyrus ¨Harris¨, über den uns

¨Erman¨, Berl. Ber. XXI, 1903, aufgeklärt hat. Man glaubte vorher,

dass es sich um ins Ungeheuerliche gehende Schenkungen Ramses III.

an die Tempel handle, E. hat gezeigt, dass es sich um eine für die

Begräbnisfeier dieses Königs in grösster Eile zusammengestellte

Lobschrift handle, und dass die sogen. Geschenke die Bestätigung des

Tempelbesitzes durch den König bedeuten. Aber wir erfahren auch, dass

dieser Besitz mässig geschätzt ein Zehntel des ganzen Landes umfasste.

Insbesondere war der Besitz und damit die Macht der Priester des Amon

zu Theben ins Riesenhafte angeschwollen, daneben Heliopolis, äg. On,

mit dem Tempel des Atum, der Abendsonne, und Memphis mit dem Tempel des

Weltschöpfers Ptah.

Ich füge hier gleich einiges über die Religion und den Kultus an.

Das ursprüngliche Negervolk hatte Fetischdienst, jeder Ort und Gau

seinen Lokalgott, wie z. B. das Seenland Fajum den in Krokodilsgestalt

verehrten Sokk. Mit dem Eindringen der sehr stark religiös veranlagten

Semiten wurden aus den Fetischen im wesentlichen Lichtgötter,

insbesondere wird die Sonne Gegenstand der Verehrung, bald als

Abendsonne Atum, als Frühlingssonne Horus, als Mittagssonne Rê, als

sich stetig erneuerndes Gestirn Osiris, als Lebenspenderin Amon. Mit

der straffen Zentralisation des Reiches zentralisierte sich auch der

Olymp, die Hausgötter der Dynastien wurden Herrscher in der Götterwelt,

und werden mehr und mehr zu einer Gottheit, im wesentlichen die

Sonne. Am frühesten sind Amon und Rê zum Amon-Rê verschmolzen. Längst

musste die Geheimlehre der Priester monotheistisch gewesen sein, als

Amenophis IV. sich entschloss, alle Machtmittel des Königs daran zu

setzen, den Monotheismus zur Volksreligion zu machen. Zweifelsohne

haben politische Motive mitgewirkt, der König erkannte die Gefahr,

welche die Macht der Amonspriester zu Theben für die Dynastie

barg, und versuchte sie zu brechen. Mit wahrhaft fanatischem Eifer

bekämpfte er den Dienst des Amon, aus allen Denkmälern tilgte er den

verhassten Namen, seinen eignen Namen, der Amon enthielt, änderte er

in ¨Chinatôn¨, »Verkörperung der Sonnenscheibe«, und seine Residenz

verlegte er aus Theben nach El-Amarna. Ebendort wurde 1888 von Arabern

seine Korrespondenz mit den asiatischen Tributfürsten in Keilschrift

auf Tontäfelchen gefunden, sie bewies, dass er es vorzog, Jerusalem

dem Ansturm der Chabiri (Hebräer) preiszugeben und das Anwachsen der

Chetamacht zu dulden als seine Truppenmacht für die Durchführung der

religiös-politischen Revolution zu schwächen.

Die Macht des Chetareiches ist es wohl auch gewesen, welche bald nach

Chinatôns Tode den energischen ¨Haremheb¨ bewog, seinen Frieden mit

den Priestern zu machen und den alten Zustand rücksichtslos wieder

herzustellen. Er ermöglichte es so seinen Nachfolgern Sethos I. und

Ramses II. den Kampf mit den Cheta mit Erfolg aufzunehmen. Der Kult

der Götter war ein Herzensbedürfnis des Volkes, im Opferzeremoniell

steht der König, der der eigentliche Hohepriester ist, obenan, wie

es denn überhaupt anfänglich ein Laienpriestertum der hohen Beamten

gab, neben dem aber auch eine eigene Priesterkaste stand, die später

den Kult ausschliesslich leitete. Der Gott bewirtet das Volk und ein

grosser Teil der Einkünfte der Priesterschaft ging für Brot und Bier

zur Speisung des Volkes an den Festen auf, wie uns die zahlreich

erhaltenen, sehr detaillierten Tempelrechnungen beweisen. Bei Erman

findet man S. 388 die Beschreibung und S. 389 die Abbildung des

grossartigen Tempels der Sonnenscheibe von Tell el Amarna.

Etwa ein Jahrhundert nach der Zeit Ramses III., der als der letzte das

Weltreich im vollen Umfang besass, nahm der Hohepriester von Theben den

Thron ein, um 100 Jahre später dem gewaltigen Scheschonk (Schischak),

dem Führer der libyschen Söldner Platz zu machen. In den Kämpfen, die

das Reich zerrütten, beginnt der Vorstoss oder Rückstoss der Assyrer,

nur noch einmal von 625-525 bis auf Kambyses gelingt es der libyschen

Dynastie, Psammetich, Nekao, Amasis, aus Herodot uns wohlbekannt, eine

kurze Blüte ägyptischer Kultur, die absichtlich an das alte Reich

anknüpft, herbeizuführen. Dann wird Ägypten persisch und wird mit

Persien von Alexander dem Grossen erbeutet. Nach dessen Tode regiert

300 Jahre lang die Diadochenfamilie der Ptolemäer. Die hellenistische

Kultur dringt ein, berührt aber nur die Vornehmen, unter Kleopatra wird

30 v. Chr. Ägypten römische Provinz. Die Kultur dieser Zeit verwächst

mit der griechisch-römischen als hellenistische.

Ägyptische Sprache und Schrift.

Die ägyptische Sprache gilt heute als verwandt mit dem Semitischen, dem

Arabischen, Babylonischen und Hebräischen. Wir können sie verfolgen von

4000 v. Chr. bis 1650 n. Chr. Wir unterscheiden:

1. Das Altägyptische, die Sprache der Pyramidentexte, die als

gelehrte Literatursprache bis in die römische Zeit unter Kaiser

Decius fortlebt.

2. Die Volkssprache des mittleren und neueren Reiches, das

Neuägyptische.

Geschichte der Mathematik im Altertum in Verbindung mit antiker Kulturgeschichte · 第 12 / 49 题