Die trunkenen Nächte! Die trunkenen Nächte! --
Oh, meine Jugend du, blutende du! Empor, empor und
Aufstehn, o auferstehn!
Die schlaffen Muskeln wieder strecken!
Die matten Flügel wieder spreiten!
Die müden Schwingen wieder entfalten
Der Sonne zu!
O wieder
Morgenröte-Umarmungen!
Ja empor und aufstehn! Wenn es nicht anders geht,
Dich aufreißen, dein wimmerndes Herz ausreißen,
Dich aufreißen aus Traumdämmerungen, Abendruhen
Mit der kalten höhnischen Gelassenheit und Grausamkeit der
Starken über die Vergewaltigten.
Dann
Mit gebreiteten Armen springen ins Morgenrot,
Fliegen im Strahl der Sonne über die großen Städte hin,
Über namenlose Finsternisse hin,
Donnergründe, brausende Geheimnisse hin,
Höher empor
Über alle Not, alle Armut, alle Schmerzen hin,
Höher, höher empor
Dem Aufgang zu!
Ja empor und auferstehn! Empor aus
Qualmigen Verbrecherhöhlen, empor aus fettigen Dirnenspelunken
Mit dem roten gedämpften Ampellicht, mit dem geputzten Schielen
Weißhaariger Kupplerinnen, all der plumpen bäuerischen,
Jämmerlichen Koketterie der Fleischschau.
Empor aus Spielhöllen, dem stieren Blick, dem Münzengeklirr,
Empor aus Zuhälterkneipen, Ställen voll Absinthgerüchen,
Schmierigen Aborten, Samengestank und Eitergeträufel,
Dem Geklimper all der Tamburins, Klaviers und Musikautomaten.
Empor aus Freudenhäusern, den Kneiplokalen der Homosexuellen,
Empor aus Asylen, Krankenhäusern, Zuchthäusern.
Empor aus Irrenanstalten, Pestbaracken, all den Gehegen
Tobender Alkoholiker,
Ächzender Tuberkulöser,
Demaskierter Syphilitiker . . .
O du mein Schrei auch Schrei der Zeit!
Steht auf! Steht auf!
Schlagt nieder!
Stoßt zu!
Brecht auf!
X
Die Wünsche, die ich Tags gedacht,
Sehnsüchte, die ich Tags nicht stillen konnte,
Werden die Ängste meiner Nacht.
Ich rings in Feuern steh,
In der Geliebten meine Mutter seh,
Meinen Vater wie einen Fraß der Hunde.
Aus den Wänden trete ich,
Geschändet am Geschlecht,
Der weiße Leib
Beglüht und fein gehüftet,
So ganz und echt:
Ich Weib.
Ich hebe meine furchtbar spitzen Hände, im innern Mark
Längst leer und schlimm vergiftet,
Will um meine Sehnsucht zu übertören
Allen, o allen gehören,
Geb mich jedem Bettler hin,
Nur kummervoll besorgt, daß ich Gefallen fände,
Und kühn,
Daß ich sie alle niederkrallen könnte.
Schon höre ich die Dämmerung fallen.
Klänge wiegen mich in die Welt.
O Tag!
Jetzt bin ich allen Träumen fremd . . .
Sei gütig! Dein Toben
Will sich erlösen.
Was du gewesen
Im träumenden Bösen
Befreit sich nach oben.