Aus roter Erde,
Sparsam windgestreut in Kalkfelsenspalten,
Hängen Büsche Salzkristalle.
Und in dunkle Meeresfalten
Rollen Steine.
Weit,
Ein einzig Fleckchen Erde,
Gott behielt es sich zu seinem Acker.
Sonst alles tot und leer ...
Wär nicht ein flüchtig Rad
Zweier Delphine,
Enteilt es übers Meer,
Stille stünd' die Zeit ...
Wien, 30. September 19..
Plötzlich waren Sie wieder da, bei Vater, Mutter und Schwester.
Ein Wagen stand vor dem Tor, unter der Laterne.
Den Wagenschlag öffnet eine Frau, im Tor hat sie gewartet und lange
dagestanden und die Straße hinauf und hinunter geblickt, ein weißes
Taschentuch an den Mund gedrückt.
Jetzt war der Wagen da und sie eilt zum Wagenschlag und öffnet ihn.
Und da ist es eine junge Dame im Reisekleid, die aus dem Wagen steigt,
langsam und bleich. Ihre Hände in grauen Handschuhen ringen sich um den
Hals der Frau und so bleiben sie, Mutter und Tochter ...
Zugleich schlägt oben in den Stockwerken ein Fenster zu und ein Schrei,
der, an den geschlossenen Fenstern der stillen Gasse noch fortflatternd,
sich zerstört ... Und die den Schrei tat, ein junges Mädchen, Leonarda,
die Schwester der Dame im Reisekleid, kommt aus dem dunklen Tor hervor,
sie weint laut, stürmisch faßt sie die Angekommene unter dem Arm, die
Schwester, die noch immer und wortlos an dem Hals der leise
schluchzenden Mutter hängt.
Der Kutscher schaut vom Kutschbock herab auf die drei; eine Gruppe vor
einem dunklen Tor in stiller abgelegener Gasse, bei dem gelben Schein
einer Laterne, verweilen drei Frauen, leise schluchzend die eine,
während das junge Mädchen seinen Gefühlen freien Lauf läßt, laut weint,
zu allen Fenstern hinauf, in der stillen Gassennacht ...
Und das Gesicht der Dritten liegt bleich, auf dem Hals der Mutter, ohne
Träne, unbeweglich, mit zugefallenen Lidern wie ein Marmorgesicht ...
Und dann in dem dunklen Hausflur, sehe ich, wie sie nun langsam den Fuß
vom Boden abhebt und vor den andern setzt.
Das Marmorgesicht liegt auf der linken Achsel der Mutter und an
derselben Seite geht Leonarda mit kleinen Schritten und stützt mit
beiden Händen die Schwester.
Und ich habe sie erkannt, Frau Farweller ...
* * * * *
Und Ade sagten Sie, Frau Farweller, und blickten zur Erde hinab, flogen
auf mit zwei Flüglein ins Himmelreich ... Angemeldet, abgemeldet ...
Und da stand ich, bei dem Tor, drehte mich, stieg vor dem Tor auf dem
Trottoir herum, und ging an der Häuserreihe, an den Wänden, wieder
zurück ...
Und da fällt es mir ein, wie ich diesen Weg auch oft mit Ihnen gegangen
bin, als Sie noch Schulmädchen waren, damals.
In respektierter Entfernung natürlich.
So sagen wir eine Straßenbreite, bis zu Ihrem Hause. ... Sie sprachen
noch eine Weile mit der Freundin, einem Vize-Adelinenwesen. Es war ein
heißer, weißer Sommer, der die Menschen matt macht, und Blässe lag auch
auf Ihrem und Ihrer Freundin Gesicht. Dann gebt Ihr Euch die Hand ...
Sie gehen durch den Hausflur und bei der Stiege bleiben Sie stehen, Ihre
Füße kommen gerade da zusammen und so bleiben Sie stehen ...
Mit der linken Hand halten Sie die Schultasche und die rechte ist darauf
gelegt ...
Ihre Gestalt sehe ich im Profil ... Ein weißes Alltagssommerkleid sagten
Sie ... Und Ihr Kopf wendet sich mir zu und nickt. Und ganz allein mir
galt es ...
_Pronti!_
Ich gehe augenblicklich über Felder, springe über Gräben. Einen großen
tiefen Graben habe ich auch zu überschreiten gehabt. Ein _incredibile_
langes Brett! Es stammte gewiß aus Nordamerika, eine Conifere!? Brett
aus den Felsen-Waldbergen, Grizzlys Heimat ...!
Friedliche Tiere habe ich aufgescheucht, aus ihrem Schlaf, aber es war
nicht Absicht, junge Frau, Sternennacht ...
Warum weine ich?
Oh Cinema ...
(Kein Auge blieb trocken). --
Da kommt sie, das Unglückswesen, sagt eine weibliche Stimme hinter mir.
Und wirklich! Immer bist du es, die ich heute zum drittenmal sehe,
Hermia, dieselbe.
Jedesmal behielt ich dieses Bild im Herzen:
Das Bukett Rosen mit dem Brieflein: Graf ... In den Handschuhmacherladen
hinein ...
Nein, der »Graf« war dir nichts. Nur ihn, ihn küßtest du, als du seinen
Brief küßtest, und die Rosen küßtest und an Mund und Augen und Wange
drücktest ... Hermia ..., daheim, in deiner Kammer ...
Eines Abends, nach Geschäftsschluß: ob ein Wiedersehen möglich wäre ...?
Nein, nein, nein, Hermia schüttelt den Kopf, und wie sie die Rosen lieb
anblickt. (Nein, gewiß, nimmer würde sie von euch ihre Hand lassen ...)
Dann, hinter dem Haustor blickt sie noch durch das Torfensterchen und
macht mit der Hand Pa...
Und oben in deinem Kämmerlein, Hermia:
Gleich Wasser, für die Blumen, o, wenn man all den Duft mit einemmal
einsaugen könnte ...!
Arme Hermia, dann war es wohl die erste im Reigen der unruhigen Nächte
...