Am 29. Julius

Nein, es ist gut! Es ist alles gut!--Ich--ihr Mann! O Gott, der

du mich machtest, wenn du mir diese Seligkeit bereitet hättest, mein

ganzes Leben sollte ein anhaltendes Gebet sein. Ich will nicht

rechten, und verzeihe mir diese Tränen, verzeihe mir meine

vergeblichen Wünsche!--Sie meine Frau! Wenn ich das liebste

Geschöpf unter der Sonne in meine Arme geschlossen hätte--es geht mir

ein Schauder durch den ganzen Körper, Wilhelm, wenn Albert sie um den

schlanken Leib faßt.

Und, darf ich es sagen? Warum nicht, Wilhelm? Sie wäre mit mir

glücklicher geworden als mit ihm! O er ist nicht der Mensch, die

Wünsche dieses Herzens alle zu füllen. Ein gewisser Mangel an

Fühlbarkeit, ein Mangel--nimm es, wie du willst; daß sein Herz nicht

sympathetisch schlägt bei--O!--bei der Stelle eines lieben Buches,

wo mein Herz und Lottens in einem zusammentreffen; in hundert andern

Vorfällen, wenn es kommt, daß unsere Ermpfindungen über eine Handlung

eines Dritten laut werden. Lieber Wilhelm!--Zwar er liebt sie von

ganzer Seele, und so eine Liebe, was verdient die nicht!

--Ein unerträglicher Mensch hat mich unterbrochen. Meine Tränen sind

getrocknet. Ich bin zerstreut. Adieu, Lieber!

Die Leiden des jungen Werther — Band 2 · 第 22 / 54 题