In der Nähe des Ponte Vecchio hatten wir uns eine anständige Wohnung
gemietet, gaben uns für zugereiste Venezianer aus und legten uns den Namen
der Grafen Gozzi bei. Die alte Buckelige trug den angeblichen Grafentitel
mit Würde und wir bemühten uns die liebenswürdigen Cousins der falschen
Cousine zu spielen. Signorina Pasqua zeigte sich täglich auf der Promenade,
kleidete sich schlicht und befand sich immer in meiner oder François'
Begleitung. Sie machte mit wohlhabend scheinenden Leuten Bekanntschaften,
erzählte von ihren Unglücksfällen, von der zeitweilig bedrängten Lage der
uralten Familie Gozzi, lud ihre Bekannten zu sich ein, wo sie höflich und
bescheiden empfangen wurden. Signorina Pasqua spielte Clavecin und sang
Arien und französische Lieder, wir schlugen zur Zerstreuung ein Spielchen
vor. François gewann, aber nicht viel, denn er fürchtete, man könnte
darüber sprechen und wartete auf eine günstigere Gelegenheit für einen
entscheidenden Coup. Wenn einmal neue Bekannte, nicht so sehr durch die
Reize, als durch das Mienenspiel und das Getue der gebeugten Jungfrau
hingerissen, etwas wagten, so erhob die Buckelige ein Geschrei und wir
traten als Beschützer der Unschuld auf, indem wir den Streit durch Waffen
zu entscheiden oder den Skandal für Geld niederzuschlagen in Vorschlag
brachten, wobei wir mit unseren Verbindungen in Venedig drohten. So lebten
wir etwa einen Monat lang. Der Verdienst wurde brüderlich geteilt,
Ersparnisse machten wir nicht, aber wir konnten sorglos, ohne uns
Vergnügungen zu versagen, leben. Schliesslich verliebte sich in Signorina
Pasqua der junge Spaladetti, der Sohn eines jüdischen Goldschmiedes und
Wucherers. Seine Schönheit war etwas süsslich, ungeachtet seiner Herkunft,
war er freigebig, treu und leidenschaftlich, ausserdem war er, glaub ich,
noch unschuldig und hoch von Wuchs. Er begann, der Signorina nach allen
Regeln der Kunst mit Blumensträussen, Serenaden, Soupers, Spazierfahrten,
Sonetten, Geschenken und Fensterpromenaden den Hof zu machen. Das wusste
denn bald auch die ganze Stadt zum grössten Leidwesen des alten Spaladetti
und zur Freude unserer lieben Cousine.