Abb. 97. Cividale. Baptisterium im Dom.]

Die Bögen sind schwach stichbogig. Das ganze ist von großer Anmut und

reich und fein in der Wirkung; es stammt aus der ersten Zeit nach dem

Untergange der langobardischen Selbständigkeit, die von ihrer Kunst

überlebt wurde.

Der Rest eines älteren ähnlichen, an dem nur die Seiten spitzgieblig

geschlossen waren, steht nahe dabei (s. Abb. 41).

[Sidenote: Valpolicella]

Ein berühmtes ähnliches Altarziborium war einst in S. Giorgio in

Valpolicella bei Verona, auf dessen einer Säule steht: Ursus magester

cum discepolis suis ..... edificavet hanc civorium. Es stammt von 712

und ist unter König Liutprant gemacht. Ein anderes in Ferentillo bei

Spoleto ist merkwürdigerweise ebenfalls bezeichnet: Ursus magester

fecit -- auf der anderen Seite liest man, daß Hilderich Dragileopa

(Herzog von Spoleto, 739) den Altar dem hl. Petrus gestiftet habe.

Hier haben wir also zweimal einen Künstlernamen aus langobardischer

Zeit, freilich scheinbar lateinisch, doch vermutlich einen Langobarden

bezeichnend[38], keinesfalls einen Griechen wie andere meinen, die alle

diese Werke griechischen Künstlern zuschreiben wollen. Wie bemerkt ist

es aber erstaunlich genug, wie in mancher dieser Aufbauten bereits die

Form der frühgotischen Wimperge des Endes des 12. Jahrhunderts deutlich

gegeben ist mit Krabben und spitzen Giebeln (Abb. 41), wie sich auch

sonst für manche Form der Kunst des Mittelalters hier die Quelle finden

läßt.

Gleichartige Werke, stets von derselben Verzierungsweise, deren

Datierung ins 8. Jahrhundert völlig feststeht, die uns also

widerspruchslos beweisen, daß diese Kunstart eine wirklich bei den

alten Langobarden blühende und von ihnen gepflegte war, gibt es in

Bruchstücken noch genug, so zu Grado, Cattaro, Bagnacavallo, Bologna,

selbst bei Rom (Porto) -- und wenigstens im Säulenunterbau noch am

Orte erhalten, im Oberbau am Schlusse des 12. Jahrhunderts aber in

Stuck erneuert und umgestaltet, das in S. Ambrogio zu Mailand, von

stattlichsten Verhältnissen.

[Sidenote: Cividale, Baptisterium im Dom]

Ein besonders bemerkenswertes Werk ähnlichen Aufbaus, doch anderen

Zweckes, finden wir im Dom von Cividale im Friaul. Es ist der letzte

Rest der alten achteckigen Taufkapelle, wie man solche in jenen Zeiten

gerne direkt vor dem Westeingange der Hauptkirchen erbaute. Man hat

jetzt die Fundamente des achteckigen Baues vor der Haupttüre des Doms

gefunden; ähnlich war es in Torcello und Aquileja gewesen. Aus jener

Taufkapelle nun hat man im 15. Jahrhundert die Hauptsache in den damals

erneuerten Dom übertragen: das ganze achteckige vertiefte Taufbecken

mit einem rundbogigen Säulenüberbau, einem kleinen Tempel über dem

Immersionsbecken.

Auf acht glatten Säulen mit reichen Kapitellen, die den korinthischen

nachgebildet doch stark gräzisieren, ruhen die acht Rundbögen mit

schön skulpierten Flächen und Zwickeln (Abb. 97, Tafel XXV). Recht

eigentlich langobardische Werke, die Bögen mit eigentümlich gekerbtem

Rankenwerke bedeckt, die Dreiecke mit Hirschen, Drachen, Pfauen,

Tauben und ähnlichem gefüllt, alles Lebendige freilich noch kindlich

ungeschickt dargestellt, doch trefflich in die Fläche gepaßt und

ausgezeichnet wirkend. Oben ringsum läuft die Inschrift, besagend,

daß Patriarch Calixtus unter König Liutprant (also um 740) dies

Baptisterium errichtet habe. Gesimse und Pyramide fehlen. Die Säulen

ruhen auf Schranken, die, meist erneuert, doch noch zwei schöne alte

Brüstungsfelder zeigen. Zwei andere Seiten sind offen für den Eintritt.

Inmitten befindet sich das in Stufen sich vertiefende Taufbecken.

Von den geschmückten Brüstungen besteht die eine (Abb. 98, Tafel XXVI)

aus zwei Stücken, die anderswoher, jedenfalls von einer Chor- oder

Altarschranke entnommen sind; darauf ein Stück einer reichen Rose und

vier quadratischen Feldern oder Kassetten mit einem breiten Flechtfries

darüber, von denen die unteren zwei verstümmelt sind, die oberen aber

noch die Symbole der Evangelisten Lukas und Johannes enthalten, den

geflügelten Stier und den Adler, beide sehr kindlich dargestellt, der

Stier im Profil, doch mit je zwei Augen, Hörnern und Ohren. Um die

Kassetten ein schmales Flechtband.

Das andere Schrankenfeld (Abb. 99, Tafel XXVI) ist aber hierher

gehörig, obwohl dem Tauftempel etwas später hinzugefügt, denn in

der Mitte läuft ein Band mit der Inschrift: † Hoc tibi restituit

Sicuald Baptesta Johannes: also vom Patriarchen Sigwald (762-76)

„restituiert“, vielleicht bei einem baulichen Schaden nachgefügt. Der

Ausdruck: für Johannes den Täufer sagt zweifellos, daß dies Stück

für das Baptisterium bestimmt war, nicht wo andersher entnommen

wurde. Das Brüstungsfeld, sicher genau von derselben Hand stammend,

wie das zerhauene andere, von dem die Rede war, enthält in vier von

Efeuranken umgebenen Kreisen die vier Evangelistensymbole nicht minder

ungewandt dargestellt, inmitten quer jenes Inschriftband oder besser

den Querbalken, genau wie er in den Kirchen über der Schranke vor dem

Heiligen herzog, darauf stehend ein Kreuz zwischen zwei Leuchtern und

Palmen, ganz unten zwei Greifen unter Trauben fressenden Tauben zu

beiden Seiten eines Baumes, dessen Blätter oben in Tierköpfe auslaufen,

eine Gestaltung, die auch an der verstümmelten Kassettenplatte auftritt.

[Illustration:

Die älteste Kunst, insbesondere die Baukunst der Germanen von der Völkerwanderung bis zu Karl dem Grossen · 第 74 / 114 题