Die Bögen sind schwach stichbogig. Das ganze ist von großer Anmut und
reich und fein in der Wirkung; es stammt aus der ersten Zeit nach dem
Untergange der langobardischen Selbständigkeit, die von ihrer Kunst
überlebt wurde.
Der Rest eines älteren ähnlichen, an dem nur die Seiten spitzgieblig
geschlossen waren, steht nahe dabei (s. Abb. 41).
[Sidenote: Valpolicella]
Ein berühmtes ähnliches Altarziborium war einst in S. Giorgio in
Valpolicella bei Verona, auf dessen einer Säule steht: Ursus magester
cum discepolis suis ..... edificavet hanc civorium. Es stammt von 712
und ist unter König Liutprant gemacht. Ein anderes in Ferentillo bei
Spoleto ist merkwürdigerweise ebenfalls bezeichnet: Ursus magester
fecit -- auf der anderen Seite liest man, daß Hilderich Dragileopa
(Herzog von Spoleto, 739) den Altar dem hl. Petrus gestiftet habe.
Hier haben wir also zweimal einen Künstlernamen aus langobardischer
Zeit, freilich scheinbar lateinisch, doch vermutlich einen Langobarden
bezeichnend[38], keinesfalls einen Griechen wie andere meinen, die alle
diese Werke griechischen Künstlern zuschreiben wollen. Wie bemerkt ist
es aber erstaunlich genug, wie in mancher dieser Aufbauten bereits die
Form der frühgotischen Wimperge des Endes des 12. Jahrhunderts deutlich
gegeben ist mit Krabben und spitzen Giebeln (Abb. 41), wie sich auch
sonst für manche Form der Kunst des Mittelalters hier die Quelle finden
läßt.
Gleichartige Werke, stets von derselben Verzierungsweise, deren
Datierung ins 8. Jahrhundert völlig feststeht, die uns also
widerspruchslos beweisen, daß diese Kunstart eine wirklich bei den
alten Langobarden blühende und von ihnen gepflegte war, gibt es in
Bruchstücken noch genug, so zu Grado, Cattaro, Bagnacavallo, Bologna,
selbst bei Rom (Porto) -- und wenigstens im Säulenunterbau noch am
Orte erhalten, im Oberbau am Schlusse des 12. Jahrhunderts aber in
Stuck erneuert und umgestaltet, das in S. Ambrogio zu Mailand, von
stattlichsten Verhältnissen.
[Sidenote: Cividale, Baptisterium im Dom]
Ein besonders bemerkenswertes Werk ähnlichen Aufbaus, doch anderen
Zweckes, finden wir im Dom von Cividale im Friaul. Es ist der letzte
Rest der alten achteckigen Taufkapelle, wie man solche in jenen Zeiten
gerne direkt vor dem Westeingange der Hauptkirchen erbaute. Man hat
jetzt die Fundamente des achteckigen Baues vor der Haupttüre des Doms
gefunden; ähnlich war es in Torcello und Aquileja gewesen. Aus jener
Taufkapelle nun hat man im 15. Jahrhundert die Hauptsache in den damals
erneuerten Dom übertragen: das ganze achteckige vertiefte Taufbecken
mit einem rundbogigen Säulenüberbau, einem kleinen Tempel über dem
Immersionsbecken.
Auf acht glatten Säulen mit reichen Kapitellen, die den korinthischen
nachgebildet doch stark gräzisieren, ruhen die acht Rundbögen mit
schön skulpierten Flächen und Zwickeln (Abb. 97, Tafel XXV). Recht
eigentlich langobardische Werke, die Bögen mit eigentümlich gekerbtem
Rankenwerke bedeckt, die Dreiecke mit Hirschen, Drachen, Pfauen,
Tauben und ähnlichem gefüllt, alles Lebendige freilich noch kindlich
ungeschickt dargestellt, doch trefflich in die Fläche gepaßt und
ausgezeichnet wirkend. Oben ringsum läuft die Inschrift, besagend,
daß Patriarch Calixtus unter König Liutprant (also um 740) dies
Baptisterium errichtet habe. Gesimse und Pyramide fehlen. Die Säulen
ruhen auf Schranken, die, meist erneuert, doch noch zwei schöne alte
Brüstungsfelder zeigen. Zwei andere Seiten sind offen für den Eintritt.
Inmitten befindet sich das in Stufen sich vertiefende Taufbecken.
Von den geschmückten Brüstungen besteht die eine (Abb. 98, Tafel XXVI)
aus zwei Stücken, die anderswoher, jedenfalls von einer Chor- oder
Altarschranke entnommen sind; darauf ein Stück einer reichen Rose und
vier quadratischen Feldern oder Kassetten mit einem breiten Flechtfries
darüber, von denen die unteren zwei verstümmelt sind, die oberen aber
noch die Symbole der Evangelisten Lukas und Johannes enthalten, den
geflügelten Stier und den Adler, beide sehr kindlich dargestellt, der
Stier im Profil, doch mit je zwei Augen, Hörnern und Ohren. Um die
Kassetten ein schmales Flechtband.
Das andere Schrankenfeld (Abb. 99, Tafel XXVI) ist aber hierher
gehörig, obwohl dem Tauftempel etwas später hinzugefügt, denn in
der Mitte läuft ein Band mit der Inschrift: † Hoc tibi restituit
Sicuald Baptesta Johannes: also vom Patriarchen Sigwald (762-76)
„restituiert“, vielleicht bei einem baulichen Schaden nachgefügt. Der
Ausdruck: für Johannes den Täufer sagt zweifellos, daß dies Stück
für das Baptisterium bestimmt war, nicht wo andersher entnommen
wurde. Das Brüstungsfeld, sicher genau von derselben Hand stammend,
wie das zerhauene andere, von dem die Rede war, enthält in vier von
Efeuranken umgebenen Kreisen die vier Evangelistensymbole nicht minder
ungewandt dargestellt, inmitten quer jenes Inschriftband oder besser
den Querbalken, genau wie er in den Kirchen über der Schranke vor dem
Heiligen herzog, darauf stehend ein Kreuz zwischen zwei Leuchtern und
Palmen, ganz unten zwei Greifen unter Trauben fressenden Tauben zu
beiden Seiten eines Baumes, dessen Blätter oben in Tierköpfe auslaufen,
eine Gestaltung, die auch an der verstümmelten Kassettenplatte auftritt.
[Illustration: